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Kommt bald die Schule ohne Hausaufgaben?

Der Trend geht zur Ganztagsschule. Haben die klassischen Hausaufgaben noch eine Zukunft?

Der Streit um die Hausaufgaben gehört in vielen Familien in Deutschland genauso zum Nachmittag wie Kaffee und Kuchen. Trotzdem hat jahrzehntelang kaum jemand den Nutzen der leidigen Pflichtübung in Frage gestellt. Erst mit dem Ausbau der Ganztagsschulen ist die Frage nach Sinn und Unsinn von Hausaufgaben auf der pädagogischen Agenda gelandet, an immer mehr Schulen lösen „Lernzeiten“ und andere Übungsangebote die traditionellen Hausaufgaben ab. Das fördert nicht nur den häuslichen Frieden, sondern verspricht auch eine individuellere Förderung der Schüler.

Pädagogisches Ritual aus der Kaiserzeit

Schule historisch
Sie sollen Gelerntes vertiefen, Gelegenheit zum Üben bieten und zum selbstständigen Lernen anregen – und Disziplin und Pflichtbewusstsein schärfen sie angeblich auch. Hausaufgaben sind in Deutschland regelrecht ein Kulturgut. Fast unvorstellbar, dass Lernen auch ohne die nachmittägliche Sitzung am heimischen Schreibtisch funktionieren kann.

Die historischen Wurzeln der deutschen Hausaufgaben reichen bis ins Kaiserreich des 19. Jahrhunderts zurück. Kinderarbeit, vor allem in der Landwirtschaft, war damals alltäglich, außerdem mussten viele Schulen im Schichtbetrieb arbeiten, um allen Schülern einen Unterrichtsbesuch zu ermöglichen. Als Anpassung an diese gesellschaftlichen Bedingungen wurde die zuvor übliche Ganztagsschule abgeschafft und durch die Halbtagsschule ersetzt. Um den Lernstoff nicht ebenfalls zu halbieren, mussten die Schüler zu Hause weiterlernen – die klassischen Hausaufgaben waren geboren.

Heute ist Kinderarbeit abgeschafft und die Anzahl der Schulen mehr als ausreichend, der Hausaufgaben-Ritus ist trotzdem ungebrochen. Wie fest er verwurzelt ist, zeigt sich zum Beispiel daran, dass sich die pädagogische Forschung jahrzehntelang nur wenig mit dem Thema beschäftigt hat. Auch in der Lehrerausbildung spielten Hausaufgaben kaum eine Rolle, und schulinterne Konzepte zu Art, Inhalt und Umfang der Nachmittagsarbeit waren jahrelang eine Rarität.

Wissenschaftler allerdings bezweifeln zunehmend den Nutzen der häuslichen Übungen. 2008 etwa fand eine Studie der Technischen Universität Dresden heraus, dass Hausaufgaben kaum Auswirkungen auf die Leistung der Schüler haben. "Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser", fasste damals der Erziehungswissenschaftler Hans Gängler von der TU Dresden zusammen, "und schlechte Schüler begreifen durch bloßes Wiederholen noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben". Das Fazit der Dresdner Wissenschaftler: Hausaufgaben seien nur ein „pädagogisches Ritual“ und sollten am besten durch andere Lernangebote ersetzt werden.

 

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von wissen.de-Autorin Alexandra Mankarios
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