Wahrig Herkunftswörterbuch

Zins

Abgabe, Steuer, Miete, Pacht
aus
lat.
census, urspr. „Schätzung der Vermögensverhältnisse“, dann „das für diese Schätzung anzugebende Vermögen sowie die Steuer, Abgabe dafür“, zu
lat.
censere „prüfen, schätzen“
[Info]
Zins
Früher beruhten Warengeschäfte vor allem auf Tauschhandel. Erst der im 11. Jh. zunehmende Orienthandel ließ die Geldwirtschaft und mit ihr die Zinsen, die „prozentual berechnete Vergütung für entliehenes Geld“, an Bedeutung gewinnen. Papst Alexander III. gewährte 1179 den Juden das „Wucher“ genannte Recht, Geld gegen Zinsen zu leihen, das Papst Innozenz III. im Jahr 1215 bestätigte. Gleichzeitig untersagte das kanonische Zinsverbot allen Christen Geldgeschäfte. Das
lat.
Substantiv census, das dem Wort Zins(en) zugrunde liegt, bedeutete „Schätzung, Steuer“ und ist zu dem Verb censere „schätzen“ gebildet. Die ältere Bedeutung des Singulars Zins
ahd.
bzw.
mhd.
zins hieß „Abgabe“ scheint noch heute in den Zusammensetzungen Mietzins und Pachtzins auf. Das Wort Zins kommt auch in verschiedenen Redewendungen vor. Jemandem etwas mit Zins und Zinseszins heimzahlen bedeutete ursprünglich „Schulden vollständig begleichen“, ist in heutiger Zeit aber nur noch negativ belegt. Wenn man heute sagt, jemand drehe den Zinshahn zu, denkt man dabei an einen Wasserhahn, aus dem übertragen gesprochen kein Geld mehr fließt. Ursprünglich war der Zinshahn jedoch ein Hahn, den abhängige Bauern ihrem Herrn im 18. Jh. alljährlich überlassen mussten. Die frühere Wendung rot wie ein Zinshahn „sehr rot im Gesicht“ spielt darauf an, dass die Bauern die Hähne in Aufregung versetzten, um sie mit einem möglichst roten Kamm bei ihrem Herrn abzuliefern.
Wissenschaft

Tobias Erb

(*1979) ist Biochemiker am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg. Mit seiner Forschungsgruppe untersucht er Stoffwechsel-Mechanismen. Der Fokus liegt dabei auf der Umwandlung von Kohlendioxid durch Bakterien, Algen und Pflanzen – und wie sich dieser Prozess synthetisch verbessern lässt.

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