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Erkältung – die acht beliebtesten Irrtümer (Podcast 23)

Erkältung – die beliebtesten Irrtümer
Heute besser ungeküsst

Wer eine akut verschnupfte Person küsst, läuft Gefahr sich anzustecken.

Küssen verboten! Es ist nasskalt. Es ist ungemütlich. Es ist Schnupfenzeit. Jeder weiß das und versucht, sich vor Erkältungen zu schützen. Aber nahen dann schließlich doch Husten und Schnupfen, versucht man es erstmal mit den gängigen Weisheiten. So nehmen viele beim ersten Kratzen im Hals Vitamin C oder Echinacin ein. Hilft das wirklich? Kann man denn überhaupt etwas zur Vorbeugung tun, damit man beim nächsten Mal besser gewappnet ist? Automatisch denkt man an all die guten Ratschläge, die schon Oma wusste. Wie viele der uns bekannten Allgemeinplätze zu diesem Thema auf einem Irrtum beruhen, damit beschäftigen wir uns heute – auch damit, ob bei Erkältung küssen verboten ist. Wir räumen auf mit den acht beliebtesten Irrtümern zu Erkältungskrankheiten. Klicken Sie auf das erste Bild, um zu den Irrtümern zu gelangen!

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit phytodoc.de.
 

Der 1. Irrtum: Vitamin C verkürzt die Erkältungsdauer

Eine verbreitete Meinung besagt, dass Vitamin-C-Gaben die Erkältungsdauer verkürzen. Das stimmt so nicht. Es ist lediglich wichtig, dass dem Körper ausreichend Vitamin C zur Verfügung steht. Ein Mangel könnte nämlich die Immunabwehr beeinträchtigen. Aber die früher empfohlenen Megadosen – selbst wenn sie von Nobelpreisträgern wie Linus Pauling ausgesprochen wurden – bringen eher Nachteile. Der Körper scheidet das überschüssige Vitamin C ohnehin über den Urin aus. Im ungünstigsten Fall leidet man aber nach einer Überdosierung an Durchfall oder Übersäuerung. Nur bei Krebskranken kann die antioxidative Wirkung von Vitamin C in höheren Dosen Nutzen bringen. Das allerdings nur in Form von Infusionen.

 

Der 2. Irrtum – Antibiotika helfen auch bei Schnupfen

Antibiotika helfen auch bei Schnupfen. Stimmt nicht, schließlich werden in den meisten Fällen Erkältungen durch Viren verursacht. Antibiotika helfen aber bekanntlich nur gegen bakterielle Infektionen. Daher ist nur in den seltenen Fällen, wie beispielsweise bei eitrigem Schnupfen, eine Behandlung mit Antibiotika sinnvoll. Prinzipiell werden Antibiotika leider viel zu häufig verschrieben. Dies oft mit der Begründung, ein geschwächter Organismus sei für bakterielle Infektionen anfälliger. Sorgloses Verordnen von Antibiotika fördert jedoch die Entwicklung von resistenten Keimen und schadet bei einem Teil der Menschen auch durch Nebenwirkungen. Eine Folge des überhöhten Einsatzes von Antibiotika ist uns allen inzwischen bekannt: Sie werden unwirksam! Das ist dann fatal, wenn es auf eine sichere Wirkung ankommt. Welche Folgen das haben kann, sehen wir bei unseren spanischen Nachbarn. Dort liegen durch die exzessive Verwendung von gängigen Antibiotika die Raten an resistenten Keimen bei teilweise über 70 Prozent. In Deutschland ist die Lage zur Zeit noch etwas besser. Der Einsatz von Antibiotika sollte daher sorgfältig abgewogen werden.

 

Der 3. Irrtum – "Los, komm! Ein bisschen Sport schadet nie!"

„Los, komm! Ein bisschen Sport schadet nie!“ Das ist eine gängige Meinung der Wohlgesonnenen, die einen Freund mit Erkältung zur sportlichen Aktivitäten animieren wollen. Nur dass sie leider falsch ist und nicht ungefährlich! Nur bei ganz leichten Erkältungen ist Spazieren gehen erlaubt, aber kein richtiger Sport. Bei erhöhter Temperatur oder gar bei Fieber (das heißt über 38 Grad Celsius) ist Sport sogar absolut verboten! Denn belastet man in solch einem Zustand seinen Körper zu sehr, können sich die Erreger im hochgefahrenen Kreislauf erst richtig gut verteilen. Und so könnte es zu bakteriellen Superinfektionen führen, die schließlich eine Lungenentzündung verursachen, oder aber auch den Herzmuskel beeinträchtigen können. Wichtig ist im Gegenteil, dass Sie bei einer Erkältung Ihren Körper nicht überanstrengen. Um den Heilungsprozess zu unterstützen, empfiehlt es sich vielmehr, ausreichend zu schlafen und leichte Kost zu sich zu nehmen.

 

Der 4. Irrtum – Saunabesuche schaden nicht

Neben dem ‚bisschen Sport’ kennen wir auch alle den Rat zum Saunabesuch. Auch das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Es stimmt zwar, dass ein Besuch in der Sauna den Körper abhärtet und damit das Immunsystem stärkt. Das gilt aber nur für gesunde Menschen. Ist man durch die Erkältung bereits geschwächt, belasten Sauna und kalte Duschen noch zusätzlich das Herz-Kreislauf-System. Zur Prophylaxe ist Saunieren allerdings hervorragend geeignet. Regelmäßige erkranken Saunagänger deutlich seltener an Erkältungskrankheiten. Das kommt daher, dass die hohen Temperaturen eine höhere Durchblutung des Nasen-Rachen-Raums hervorrufen. So können sich dort mehr Abwehrzellen sammeln, die Krankheitserreger abfangen. Vorbeugend ist ein Saunagang empfehlenswert, aber nicht zur Heilung. Wie gesagt: Ruhe und richtige Ernährung helfen hier wesentlich besser.

 

Der 5. Irrtum – Echinacin beugt perfekt vor

Redet man von Vorbeugung, fällt häufig das Stichwort ‚Echinacea’. Dieser Pflanze aus der Familie der Korbblütler wird nämlich vorbeugende Wirkung bei Erkältungen zugeschrieben. Dazu gibt es die unterschiedlichsten Studien – teilweise auch widersprüchliche. Auch in Bezug auf die Wirkung dieser Pflanze liegt wohl ein Irrtum vor. Jedenfalls sind nicht alle Mediziner von Echinacea überzeugt. Und, auch auf Grundlage des gegenwärtigen Stands der Studien, kann keine klare Empfehlung gegeben werden, ob Echinacea hilft oder nicht. Einzig bei chronisch rezidivierenden (das heißt immer wieder auftretenden) Atemwegsinfekten, scheint der Einsatz von Echinacin das Wiedererkrankungsrisiko, die Dauer der Rezidive sowie die Behandlungskosten deutlich zu senken. Es kann in diesen Fällen unter Beachtung der Kontraindikationen und Nebenwirkungen mit Einschränkung empfohlen werden. Korbblütler können beispielsweise stärkere Allergien hervorrufen als andere Pflanzen. Bei nicht fieberhaften Infekten kann Echinacea unter Umständen jedoch von Nutzen sein, wenn es sofort gegeben wird. Es sollte aber nicht länger als zwei Wochen am Stück zum Einsatz kommen und im Anschluss ist mindestens eine Pause von zwei Wochen einzuhalten.

 

Der 6. Irrtum – "Nasensprays sind harmlos!"

Aber kehren wir zurück zu unserem Freund mit der verstopften Schniefnase. Dem Geplagten, der kaum noch durch die Nase atmen kann, wird nicht selten geraten, ein Nasenspray zur Abschwellung seiner Schleimhäute zu benutzen. Der Zusatz: „die sind doch harmlos!“, erweist sich allerdings als ein weiterer, aber beliebter Irrtum. Nasentropfen mit Wirkstoffen wie Naphazolin oder Xylometazolin erleichtern zwar bei stark geschwollener Nase durch ihre Schleimhaut abschwellende Wirkung das Atmen, eine übertriebene Anwendung schädigt aber die Schleimhäute. Und: es besteht Suchtgefahr! Daher sollten Sie chemische Nasensprays nicht mehr als maximal 7 Tage hintereinander anwenden. Besser verträglich sind salzhaltige Nasensprays oder salzige Nasenspüllösungen. Nasenspülungen sind auch eine ausgezeichnete Maßnahme zur Vorbeugung von Infekten. Ebenfalls empfehlenswert ist ein Zinknasenspray, das, früh gegeben, die Vermehrung von Viren hemmt und damit Erkältungen deutlich milder verlaufen lässt.

 

Der 7. Irrtum – "Aus einer Erkältung kann eine Grippe werden!

Was ist nun mit der Aussage: „aus einer Erkältung kann eine Grippe werden“? Auch sie beruht auf einem Irrtum, denn Erkältungen werden beispielsweise durch sogenannte Rhino-, Adeno- oder Coronaviren verursacht. Bei der echten Grippe dagegen ist ein anderer Virus-Typ im Spiel: hier handelt es sich um das Influenza-Virus. Und gegen dieses sollte man sich impfen lassen. Allerdings können harmlosen Erkältungsviren den Influenzaviren den Weg ebnen. Das wurde auch schon zu dem Stichwort ‚Sport’ erwähnt. Denn wer bereits durch eine Erkältung oder reduzierte Reserven an Vitalstoffen geschwächt ist, bei dem haben die Grippe-Viren ein leichteres Spiel. Besonders in den dunklen Monaten hat der Körper kaum Gelegenheit, Vitamin D zu produzieren. Ihm fehlt dazu die ausreichende Sonnenbestrahlung. So kommt es, dass sich die Influenza-Epidemien in den Monaten März und April häufen.

 

Der 8. Irrtum – "Küssen ist ja nicht ansteckend"

So nehmen wir zum Schluss den geliebten Kranken in die Arme und küssen ihn zum Trost. Denn ‚Küssen ist ja nicht ansteckend’. Das ist gut gemeint, doch leider beschreitet auch derjenige, der das behauptet, den Pfad des Irrtums. Denn, wer einen akut Erkrankten und Verschnupften küsst, hat gute Chancen, nach einer Inkubationszeit von 24 bis 72 Stunden selbst zu erkranken. Das Vertrackte: Oft sind Menschen dann am ansteckendsten, wenn man noch gar nicht weiß, dass sie bald krank werden. Logischerweise könnte man in diesem Fall daher eine Ansteckung gar nicht vermeiden. Aber, bleiben Sie entspannt! Trotz des gewissen Risikos sollte dennoch lieber nicht den ganzen Winter über Küussverbot gelten. Das wäre doch schade und, nebenbei bemerkt, ein erheblicher Verlust an Lebensfreude. Und wie positiv diese ihrerseits sich auf die Immunabwehr auswirkt, ist schließlich bekannt. Wir wünschen Ihnen eine möglichste erkältungsfreie Zeit!

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