Transsibirische Eisenbahn (Podcast 189)
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Transsibirische Eisenbahn (Podcast 189)

Bild: Foto: Florstein (Telegram:WikiPhoto.Space), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Transsibirische Eisenbahn verbindet Moskau mit dem Pazifik – und legt in sechs Tagen über 9.000 Kilometer zurück

Die Transsibirische Eisenbahn verbindet Moskau mit dem Pazifik – und legt in sechs Tagen über 9.000 Kilometer zurück

Auch wer wenig Zug fährt, hat schon einmal von der "Transsibirischen Eisenbahn“ gehört – oder vom berühmten "Orientexpress“. Doch während letzterer nur noch eine Legende ist, wird die "Transsib“ auch weiterhin befahren. Ihre Strecke ist sowohl die Hauptverkehrsachse Russlands als auch die längste durchgehende Eisenbahnverbindung der Welt. Sie führt durch zahlreiche Städte, über mehrere große Flüsse und durch ausgedehnte Nadelwälder. Bis heute ist es ein Abenteuer, mit der "Transsib“ zu fahren – und womöglich die Reise seines Lebens zu machen.

Die Strecke aller Strecken

Wer von der "Transsibirischen Eisenbahn“ spricht, muss zunächst wissen, dass es sich dabei nicht um einen Zug handelt, sondern um eine Strecke. Daher gibt es auch nicht "die“ transsibirische Eisenbahn, wie es früher „den“ Orientexpress gab. Stattdessen existieren zahlreiche Zugverbindungen, die die Trasse der "Transsib“ nutzen. Darunter sind auch solche, die tatsächlich von Moskau nach Wladiwostok fahren, doch in den allermeisten Fällen nutzen die Züge nur Teilstrecken. Aber die sind immer noch eindrucksvoll genug. Ingesamt umfasst die "Transsib“ 9.288 Kilometer mit nicht weniger als 396 Bahnhöfen; 89 Städte und sechzehn Flüsse werden unterwegs passiert. Sechs Tage braucht es, um die volle Entfernung zurückzulegen, zumal zahlreiche Pausen nicht zu umgehen sind. Dafür gibt es aber auch einiges zu sehen – so verlaufen über zweihundert Kilometer der Strecke am Baikalsee, dem größten, tiefsten und ältesten Süßwassersee der Erde. Und wem all das noch nicht genügt, der kann unterwegs jederzeit ein Buch in die Hand nehmen – oder sich in die bewegte Geschichte der "Transsib“ vertiefen.

Nach Sibirien – und weiter

Sibirien gehört zu den Ländern, die wenig anheimelnd erscheinen – schließlich ist die "sibirische Kälte“ auch in Mitteleuropa mehr als berüchtigt. Doch die Region verfügt über Bodenschätze, was bereits im 19. Jahrhundert die Frage nach deren Transport aufwarf. Auch sollte die Besiedlung dauerhaft gefördert werden; zudem stellte sich ganz generell die Frage, wie eine dauerhafte Verbindung nach Asien geschaffen werden könnte. Militärische Gründe spielten ebenfalls eine Rolle. Alle diese Überlegungen mündeten in den Plan der transsibirischen Eisenbahn, deren Bau sich über fünfundzwanzig Jahre hinzog. Er begann 1891; den ersten symbolischen Spatenstich tat Nikolaj Alexandrowitsch Romanow, der spätere Zar Nikolaus II. Das Vorhaben hatte von Anfang an mit gravierenden Schwierigkeiten zu kämpfen. Ein erstes Hindernis war bereits die Finanzierung, die ohne externe Investoren nicht möglich war; doch im Ausland zeigte man sich dem Vorhaben mehr als gewogen. Dann stellte sich das Problem der schwierigen klimatischen Bedingungen. Temperaturen von -50 Grad waren ebenso zu berücksichtigen wie dauergefrorene Böden. Grundsätzlich konnte man solche Probleme durchaus in den Griff bekommen. Tatsächlich aber ließ die Vorbereitung bei nicht wenigen Streckenabschnitten gravierend zu wünschen übrig.

Neuntausend Kilometer durch die Kälte

Großprojekte werden stets an mehreren Schauplätzen vorangetrieben – und genau so verhielt es sich auch mit der Transsibirischen Eisenbahn. Bisweilen kam man sehr gut voran, so war es bereits 1894 möglich, Omsk zu erreichen – heute die siebtgrößte Stadt Russlands. Auch das in der Nähe des Baikalsees gelegene Irkutsk wurde 1898 an die Strecke angeschlossen. Trotzdem war das Gesamtvorhaben zur Jahrhundertwende erst zur Hälfte vorangebracht, und dies auch nur, weil man sich für eine kosten- und zeitsparende Variante entschieden hatte. Die Trasse verlief lediglich eingleisig, und im Hinblick auf die Material- und Fertigungsqualität ließen sich die Spielräume nach unten großzügig ausschöpfen. Dabei wurde die Grenze des Vertretbaren offenbar immer wieder unterschritten, denn die Unfallfrequenz auf der "Transsib“ war in den ersten Jahren hoch. Ein anderes Problem bestand darin, dass zum Teil die Einrichtung ganzer Streckenabschnitte auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurde. Beim bereits erwähnten Baikalsee führten Strittigkeiten über die Route dazu, dass Reisende über Jahre auf zwei Dampfschiffe umsteigen mussten, um das Gewässer zu überqueren. Die eistauglichen Schiffe waren in England hergestellt und dann demontiert worden, um auf den Landweg an ihre Verwendungsstelle gebracht zu werden. Erst ab 1904 führte die "Transsib“ um den See herum. Doch das waren noch die harmloseren Komplikationen.

Mücken und Plagen

Gefrorener Boden hat seine Tücken. Zunächst ist er so hart, dass kaum etwas mit ihm anzufangen ist, dann wiederum taut er an, und es bilden sich sumpfähnliche Landschaften, die sich als Paradies für Mücken entpuppen. Es waren schlechte Zeiten für die Arbeiter. Das Gelände war unwegsam und kaum erforscht; teilweise dürfte es auch nicht verlässlich kartiert gewesen sein. Unterkünfte wurden – wenn überhaupt – nur mit mehrmonatiger Verspätung erbaut. Nicht nur die Versorgung mit Ärzten war mangelhaft, auch die sanitären Verhältnisse ließen zu wünschen übrig. Immer wieder fegten Krankheiten durch die Lager. 1895 waren 30.000 Mann mit der "Transsib“ beschäftigt, doch in einzelnen Abschnitten sollen es erheblich mehr gewesen sein; viele davon Fremdarbeiter. Sie kosteten zwar weniger, wurden aber auch deswegen engagiert, weil in dem dünn besiedelten Land kaum genügend Arbeitskräfte zu finden waren. Schließlich brach 1904 der Russisch-Japanisch Krieg aus, was den Bau weiter belastete. Eine Zeitlang sah es sogar so aus, als würde die Strecke nicht vollendet werden. Doch schließlich gelang es, gegen eine starke parlamentarische Opposition den letzten Bauabschnitt der Transsibirischen Eisenbahn durchzusetzen. 1916 war die Strecke nach fünfundzwanzig Jahren Bauzeit fertiggestellt. Damit hatte Moskau tatsächlich eine direkte Verbindung zu seinen fernöstlichen Gebieten.


Eine Strecke solcher Länge einzurichten, ist eine gewaltige Leistung, doch die "Transsib“ musste noch erheblich ausgebaut werden, um ihr Potential ausschöpfen zu können. Als erstes wurde sie zweispurig geführt, um gegenläufigen Zugverkehr zu erleichtern und damit Unfallrisiken zu minimieren. Diese Maßnahme war erst nach Ende des 2. Weltkriegs abgeschlossen. Länger dauerte die Elektrifizierung, die 1929 begann und 2002 beendet wurde; sie brauchte also gut dreiundsiebzig Jahre. Aber über 9.000 Kilometer sind schließlich keine Kleinigkeit. Zahlreiche Abzweigungen und Parallelstrecken erschließen die Gebiete jenseits der Hauptstrecke, und es gibt wichtige Routen nach Zentralasien, in die Volksrepublik China und selbst nach Nordkorea. Geht es nach dem Willen der Betreiber, dann sollen diese Verbindungen auch weiter ausgebaut werden. Tatsächlich ist die Zukunft der Strecke vielversprechend, gerade für den Güterverkehr. Doch auch Touristen nutzen verstärkt die Möglichkeit, von Bord eines Zuges aus ein unerschöpfliches Land kennenzulernen. Jeden zweiten Tag verlässt ein Zug nach Wladiwostock Moskau, um sechs Tage später am Pazifik anzukommen. Zugegeben: Mit dem Flugzeug ginge es schneller. Aber spannender und eindrucksvoller ist die "Transsib“ allemal. Und das wird sich auch nicht so schnell ändern.

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