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LEXIKON

Fürstenspiegel

Schriften mit Anweisungen für das Verhalten und die Erziehung von Fürsten; auch als idealisiertes Lebensbild eines bestimmten Herrschers verfasst. Nach antiken Beispielen (Xenophons „Erziehung des Kyros“ 362 v. Chr.) und christlich geprägten Entwürfen (Aurelius Augustinus „22 Bücher über den Gottesstaat“ 413426; Erasmus von Rotterdam „Die Erziehung eines christlichen Fürsten“ 1516) wurde vor allem das 1513 abgefasste Werk „Il principe“ (deutsch „Der Fürst“) von Niccolò Machiavelli stilbildend. Der Autor bestimmt darin die Bedingungen einer erfolgreichen Politik: anstelle der (christlichen) Ethik treten Machterwerb und -erhalt zum Zweck der Wahrung nationaler Einheit. Damit wurde das Konzept der sog. „Staatsraison“ vorweggenommen, die das Allgemeinwohl über das Schicksal des Einzelnen stellt. Wegen seiner machtpolitischen Ausrichtung wurde „Der Fürst“ oft als „Handbuch für Tyrannen“ gelesen. Der Einfluss des Werkes auf die europäische Staatsphilosophie der folgenden Jahrhunderte ist beträchtlich. Entgegengesetzt ausgerichtete Werke waren François de Fénelons Kritik am Absolutismus in „Die Abenteuer des Telemach“ 1699 und der Antimachiavell 1740 Friedrichs des Großen.
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