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LEXIKON

Tatis Schützenfest

  • Deutscher Titel: Tatis Schützenfest
  • Original-Titel: JOUR DE FETE
  • Land: Frankreich
  • Jahr: 1948
  • Regie: Jacques Tati
  • Drehbuch: Jacques Tati, René Wheeler, Henri Marquet
  • Kamera: Marcel Franchi
  • Schauspieler: Jacques Tati, Guy Decomble, Paul Frankeur, Santa Relli, Maine Valli
  • Auszeichnungen: Venedig 1949 für Drehbuch
Mit seinem ersten großen Langfilm »Tatis Schützenfest« etabliert sich der Schauspieler und Regisseur Jacques Tati (eigentl. Tatischeff) als überragender französischer Nachkriegskomiker.
Nach schauspielerischen Einsätzen in mehreren Kurzkomödien spielt Tati in seinem ersten eigenen Film den schlaksigen Briefträger eines kleinen französischen Dorfes, dessen Gemeinde gerade ihren alljährlich stattfindenden Jahrmarkt vorbereitet. Als im Rahmen des Festes ein Film über das besonders schnell und effektiv arbeitende amerikanische Postverteilungssystem gezeigt wird, beschließt der Postbote François angesichts der Spötteleien seiner Mitbürger seinen Ein-Mann-Betrieb an die Geschwindigkeit des amerikanischen Vorbildes anzupassen, was jedoch aufgrund seiner Ungeschicklichkeit im Dorfbach endet.
Die Komik der einzelnen Szenen resultiert dabei aus der Diskrepanz zwischen der Ernsthaftigkeit der Bemühungen und der Lächerlichkeit ihres Scheiterns. Da Tati aber allenfalls die moderne Zivilisation und ihre technischen Neuerungen kritisiert, sich aber jeder Kritik am Menschen enthält, trägt sein Postbote trotz seiner Naivität und Tollpatschigkeit liebenswerte Züge. So leben seine Filme von der detailgenauen Schilderung des komischen Gehalts menschlicher Schwächen.
Tatis Film knüpft dabei an die großen Vorbilder der Stummfilmzeit an. Trotz vorhandener Tonspur dominieren wie in Stummfilmen pantomimische Elemente, Slapstick-Szenen und Situationskomik vor Dialogwitzen. Um den Stummfilmcharakter noch zu erhöhen, veränderte der Regisseur den Film für den zweiten Kinostart im Jahr 1963 durch Einfärbungen einzelner Gegenstände, wie z.B. der auf dem Jahrmarkt gehissten französischen Nationalflagge. Eine solche, Virage genannte, Einfärbungstechnik wurde bereits in Stummfilmzeiten praktiziert.
Das zentrale Thema von »Tatis Schützenfest« sind die Schwierigkeiten des einzelnen im Umgang mit der modernen Welt. Auch die späteren Filme von Jacques Tati, in denen er selbst immer den trotteligen Antihelden Monsieur Hulot spielt, handeln von den Tücken des Alltags. Seine Komik ist jedoch subtiler und damit auch liebenswerter als die Slapstick-Komödien der Stummfilmzeit.
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