Wahrig Herkunftswörterbuch

Leichenbittermiene
Nichts mit dem Adjektiv bitter, dafür umso mehr mit dem Verb bitten hat das Wort Leichenbittermiene zu tun, das heute „kummervolles Gesicht“ bedeutet. Es gab früher den Brauch der Hochzeits– und der Leichenbitter, die beide auf ihre Weise gesellschaftliche Ereignisse ankündigten. Leichenbitter machten zumeist ein tiefernstes Gesicht, das dem Anlass ihres Kommens angemessen sein sollte.
Sie kamen vor allem im Dorf an die Tür der Einwohner und luden diese zur Beerdigung ein. Dabei verwandten sie oft Redeformeln und ließen für die Verstorbenen beten. Sprichwörtlich wurde das demonstrativ kummervolle Gesicht, dem man seinen Gram nicht vollends abnimmt, mit Schillers Drama Fiesco, in dem er seinen Protagonisten im 7. Auftritt des 1. Akts sagen lässt: „Der Spaß verliert alles, wenn der Spaßmacher selber lacht. Mit einer wahren Leichenbittersmiene!“
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