Lexikon
Berlin
Stadtbild
Das historische Stadtzentrum liegt im ehemaligen Ostsektor. Es erstreckt sich vom Brandenburger Tor, dem Wahrzeichen Berlins (erbaut 1788–1791), bis zum Alexanderplatz. In diesem Bereich befinden sich die meisten historischen Bauwerke.
Brandenburger Tor
Brandenburger Tor
Das Brandenburger Tor ist das einzige noch bestehende Stadttor Berlins und bildet den westlichen Abschluss der Prachtstraße Unter den Linden. Es diente als polizeiliche Kontrollstelle und Zollgrenze. Das Tor wurde 1788-1791 von Carl Gotthard Langhan
© shutterstock.com/Massimiliano Lamagna
Das barocke Stadtschloss (1698–1713), einst Mittelpunkt Berlins, das im 2. Weltkrieg schwere, aber nicht irreparable Schäden erlitten hatte, wurde auf Weisung der DDR-Regierung 1950 abgerissen. An seiner Stelle stand der monumentale Palast der Republik (1973–1976); er musste 1990 wegen Asbestverseuchung geschlossen werden. Nach seinem Abriss (2006–2009) soll das Humboldt-Forum mit einer Rekonstruktion der historischen Schlossfassade seinen Platz einnehmen. Davor liegt der weite Schlossplatz, der als „Marx-Engels-Platz“ vom SED-Regime für Massenaufmärsche genutzt wurde. Von hier führt in westlicher Richtung bis zum Brandenburger Tor die berühmteste Straße Berlins, Unter den Linden, mit zahlreichen barocken und klassizistischen Bauten, u. a. Zeughaus (1695–1706; heute Deutsches Historisches Museum), Neue Wache (1817/18; umgestaltet zur zentralen Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft), Kronprinzenpalais (1732), Prinzessinnenpalais (1733–1737), Staatsoper (1741–1743), St.-Hedwigs-Kathedrale (1747–1773), Alte Bibliothek (1774–1780), Prinz-Heinrich-Palais (1741–1743, seit 1810 Universität). In unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tors wurde 2005 das Holocaust-Mahnmal eröffnet.
Am westlichen Rand des Stadtzentrums steht das Reichstagsgebäude (1884–1894), das umfangreich renoviert wurde (Glaskuppel von N. Foster) und seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestags ist. Nahebei sind das neue Bundeskanzleramt (1997–2001) und weitere Regierungsbauten entstanden. Ein geschlossenes Ensemble bilden der Deutsche und der Französische Dom (1701–1708) und das Schauspielhaus (1818–1821) am Gendarmenmarkt. Östlich vom Schlossplatz stehen die aus dem 13. Jh. stammenden ältesten Kirchen Berlins, die Nikolai- und die Marienkirche, sowie das Rote Rathaus (1861–1869), seit 1991 wieder Sitz des Senats.
In der Zeit der DDR sind im Stadtzentrum zahlreiche Neubauten entstanden, z. B. das Staatsratsgebäude, die sowjetische Botschaft, der Fernsehturm am Alexanderplatz (mit 365 m höchstes Bauwerk Berlins) sowie Hotels und Geschäftshäuser. Die ehemaligen Regierungsgebäude werden jetzt von Bundesdienststellen genutzt.
Außerhalb des historischen Zentrums erinnern mehrere Schlösser an die Zeit der Hohenzollern-Monarchie: Schloss Bellevue (1785/86, jetzt Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten), Schloss Charlottenburg (1695–1791), Schloss Kleinglienicke (1825–1828), Jagdschloss Grunewald (1542/43), Schloss Köpenick (1677–1681), ferner die Zitadelle von Spandau (1560–1594). Das Jagdschloss Glienicke (1682–1693; 2003 durch Brand stark beschädigt) und die Pfaueninsel in der Havel gehören seit 1990 zum Weltkulturerbe.
Eine zweite, westliche City hat sich schon in den 1920er Jahren im Viertel um den Zoo mit Kurfürstendamm und Tauentzienstraße entwickelt. In der Zeit der Teilung gewann sie große Bedeutung als städtischer Zentralbereich von Westberlin. Allerdings ist sie in erster Linie Geschäfts- und Vergnügungszentrum ohne wesentliche administrative Funktionen geblieben. (Der Sitz des Senats war während der Teilung das Rathaus des Bezirks Schöneberg.) Im Mittelpunkt des Zooviertels steht die Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (1891–1895, mit Neubau von 1959–1961); sie ist zu einem weiteren Wahrzeichen von Berlin geworden.
In der Zeit des raschen Bevölkerungswachstums im 19. Jh. entstanden rings um die Innenstadt, besonders im Osten und Norden, ausgedehnte Arbeiterviertel mit sehr dichter Bebauung. Charakteristisch sind die Mietskasernen mit ihren Hinterhöfen und kleinen Gewerbebetrieben. Beim Wiederaufbau nach 1945 (über 40% aller Wohnungen waren zerstört) konnten die Wohnverhältnisse größtenteils verbessert werden. Neue Wohngebiete entstanden im westlichen Teil, z. B. in den Bezirken Neukölln (Gropiusstadt), Reinickendorf (Märkisches Viertel) und Spandau (Falkenhagener Feld); im östlichen Teil in den Bezirken Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen. Die Wohnsiedlungen der Berliner Moderne (1913–1934 erbaut) wurden 2008 zum Weltkulturerbe erklärt.
Berlin besitzt zahlreiche Parkanlagen; die bekanntesten sind der Tiergarten und der Treptower Park mit dem sowjetischen Ehrenmal (1946–1949). Zum Stadtgebiet gehören ausgedehnte Wälder und Seen. Im Westen bildet die Havel eine Seenkette (Tegeler See, Großer Wannsee), die den Grunewald durchzieht; dort befindet sich der aus Trümmerschutt aufgeschüttete Teufelsberg, mit 115 m die höchste Erhebung Berlins. Im Südosten liegt der größte Berliner See, der Große Müggelsee (746 ha) mit den angrenzenden Müggelbergen. Über 6% der Fläche Berlins werden land- und gartenwirtschaftlich genutzt. 1985 war Berlin Schauplatz der Bundesgartenschau.
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