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Vater der deutschen Rechtschreibung - Konrad Duden (Podcast 145)

Vater der deutschen Rechtschreibung - Konrad Duden
Konrad Duden

Duden brachte 1880 das erste orthographische Nachschlagewerk heraus.

Wen wundert’s, wenn Kinder in der 1. Klasse fragen, warum man Vater nicht mit „F“ schreibt. Wozu überhaupt ein „V“, wenn „F“ genauso klingt? Konrad Duden hätte vermutlich widerwillig geantwortet: „Schreib’s, wie Du willst!“ Damals schrieb tatsächlich jeder so, wie er sprach und meinte, dass es richtig sei – von Konventionen, auf die man sich in einem Büro oder einer Schule geeinigt hatte einmal abgesehen. Eine ziemlich verwirrende Sache, bedenkt man, dass es in Deutschland zahlreiche Dialekte gibt. Wörter werden nicht nur jeweils anders ausgesprochen, jeder Dialekt hat oft auch eigene Vokabeln im Repertoire. Konrad Duden machte dem Wirrwarr ein Ende – und zwar zu einer Zeit, in der auch in Deutschland eine politisch-gesellschaftlich Ordnung einkehrte. Konrad Duden brachte 1880 das erste orthographische Nachschlagewerk heraus. Am 1. August 2011 jährt sich sein Todestag zum 100. Mal. Wer dieser Konrad Duden war, dessen Namen das Nachschlagewerk bis heute trägt? Hören Sie rein! 

 

Sehnsucht nach Ordnung

 

Als sich aus dem deutschen Flickenteppich ein Deutsches Reich formte, kam auch Ordnung in das Rechtschreib-Babylon: Aus vielen Schreibweisen wurde eine. Dass diese zwei Ereignisse zusammenfallen, ist bezeichnend, aber auch logisch. Ein einheitliches Reich brauchte einheitliche Regeln und Normen. Das galt für Gesetze genauso wie für die Regeln der deutschen Rechtschreibung. Konrad Duden trieb die Rechtschreibung maßgeblich voran. Sein Werk, der Duden, steht bis heute standardmäßig in vielen Bücherregalen – wenn es auch schon Konkurrenten gibt, wie das Wahrig-Wörterbuch zum Beispiel.


Fidibus bis Twitter - Wörter kommen und gehen


Aber der Duden ist noch groß im Rennen. Heute ist er ein dicker Schmöker, die 25. Auflage umfasst 135.000 Wörter auf über 1200 Seiten. Der so genannte Ur-Duden, der am 7. Juli 1880 erschien, war dagegen eine kleine Info-Broschüre mit 27.000 Wörtern auf 187 Seiten.

Was den Duden dicker und dicker machte, sind zum Beispiel Dialektwörter, die unbedingt erklärt werden mussten, weil sie sonst zu unangenehmen Missverständnissen führen könnten wie das norddeutsche „schnacken“ und das süddeutsche „schnackseln“. Die Bedeutung beider Wörter kann unterschiedlicher nicht sein: Schnacken heißt reden, schnackseln ist das Verb von „Beischlaf“. Der Duden klärt auf.

Seit es den Duden gibt, sind nicht nur neue Wörter hinzugekommen, viele sind auch herausgenommen worden, andere werden mit dem Zusatz „veraltet“ oder „veraltend“ geführt – je nachdem, wie gebräuchlich sie noch sind. Verschwunden ist beispielsweise das Wörtchen „Fidibus“, das die meisten nur noch aus dem Zauberspruch „Hokus-Pokus-Fidibus, dreimal schwarzer Kater“ kennen. Fidibus war ein früherer Begriff für einen Papierstreifen oder Holzspan, mit dem man die Pfeife entzündete.

Veraltend sind unter anderem die Begriffe „Bauchgrimmen“ und „Leibesübung“. Als veraltet im Duden geführt werden zum Beispiel das Beinkleid und die Fürsorgeanstalt. Warum manche veraltete Wörter noch bekannt sind, liegt nach Angaben von Evelyn Knörr von der Dudensprachberatung, daran, dass wir sie im Scherz gebrauchen. Dazu gehören der Barbier und das Beinkleid. Die Dudenredaktion pflegt regelmäßig auch neue Wörter ein. Konrad Duden kannte Begriffe wie die Jamaika-Koalition, der Gesundheitsfond, die Feinstaubbelastung oder das Wörtchen „twittern“ noch nicht. Sprache entwickelt sich eben im Laufe der Zeit. Das hält sie jung, frisch und lebendig.

 

"Schreibe, wie Du sprichst"

 

Ein Blick in die Geschichte zeigt, warum dieses ursprünglich kleine Büchlein, das Konrad Duden als „Orthographisches Wörterbuch“ herausbrachte, einen bis heute ungebrochenen Erfolgsweg antrat. Der Durchbruch damals war keineswegs selbstverständlich. Viele zähe Verhandlungen gingen voraus. Es gab beispielsweise den Vorschlag, einen Dialekt als Grundlage für die Norm herzunehmen. Eine weitere Idee war die der künstlichen Literatursprache. An Ideen, die Rechtschreibung zu vereinheitlichen, mangelte es nicht, es haperte an der Umsetzung. Und so  lange es keine Norm für alle gab, schrieb jeder so, wie er wollte. Auch das war übrigens eine Rechtschreibregel. Sie geht auf einen gewissen Johann Christoph Adelung zurück.

Auf diesen Grundsatz „Schreibe, wie Du sprichst“ stützte sich sogar noch die so genannte 1. Orthographische Konferenz von 1876 - und scheiterte genau daran. Konrad Duden, der sich zuvor mit der Schrift „Die deutsche Rechtschreibung“ einen Namen gemacht hatte, wirkte an der Konferenz mit. Er unterstützte die Formel „Schreibe, wie Du sprichst“ sogar, weil so niemand vom schreiben ausgeschlossen würde. Diese Formel war so fest in den Köpfen verankert, dass sich die Konferenzteilnehmer auf keine einheitlichen Beschlüsse einigen konnten. Und so behielt jede Schule, jedes Amt, jeder Verlag seine eigene Orthographie. Einzige Errungenschaft der Sitzung: Rechtschreibung wurde Ländersache. Jedes Land konnte eigene Regeln festlegen, womit die Unterschiede theoretisch zumindest nur noch von Bundesland zu Bundesland variierten. Das ging Duden aber dann doch nicht weit genug.

 

Türöffner für die einheitliche Rechtschreibung

 

Er nahm eine Stelle als Direktor des Hersfelder Gymnasiums an, womit er im Dienst der preußischen Schulbehörden stand. Damit hatte er schon mal das nötige Vitamin B, um überhaupt irgendwelche Reformen durchzusetzen. Er nutzte die Gelegenheit, machte sich mit den preußischen und bayerischen Rechtschreibregeln vertraut und verfasste auf deren Grundlage 1880 das „Vollständige Orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache“. Das war gewagt, hatte Reichskanzler Bismarck die preußische Schulorthografie doch bei „gesteigerter Ordnungsstrafe“ verboten.

Aber es kam keine Strafe. Das Büchlein kam an, war für nur eine Mark zuhaben und orientierte sich an der Praxis. Ganz aufgegeben hat Duden die alte Regel „Schreibe, wie Du sprichst“ offenbar nicht.  Aber sein Büchlein war der Türöffner für die einheitliche Rechtschreibung. Plötzlich ging alles recht zügig. Auf der 2. Orthographischen Konferenz 1901 – Konrad Duden war wieder dabei - einigten sich Vertreter der deutschen Bundesstaaten und Österreich-Ungarns auf eine Rechtschreibung. Unter anderem wurden viele „hs“ nach „Ts“ gestrichen: aus Thun wurde tun, aus Thier das Tier. Nur im Thron blieb das „h“ erhalten, weil Kaiser Wilhelm II. darauf bestanden hatte. Auch die Regel, das „s“ niemals vom „t“ zu trennen, hat dort ihren Ursprung. Die Schreibweise wurde 1903 amtlich – und zwar in allen deutschsprachigen Ländern: Deutschland, Österreich–Ungarn und der Schweiz.

Konrad Duden bekam Mitarbeiter an die Seite, mit denen er die Ergebnisse der Konferenz in sein Wörterbuch einarbeiten konnte. Damit war quasi die Dudenredaktion geboren. Bald erschien die 2. Auflage seines Dudens, der allerdings noch nicht so genannt wurde. Den Titel „Duden“ bekam sein Buch erst mit der 9. Auflage 1915.

 

Reformen mit Humor statt Knüppel

 

Dass die Rechtschreibung es Konrad Duden so sehr angetan hatte, mag daran gelegen haben, dass er als Lehrer daran interessiert war, den Schülern eine bestmögliche Bildung mit auf den Weg zu geben. Er selbst war gebildet, hatte klassische Philologie, Geschichte, Philosophie und deutsche Sprache und Literatur studiert. Das hatte ihn keinesfalls zu einem strengen, leistungsorientierten Mann gemacht, der mit Knüppel bewaffnet der Klasse vorstand. Der bei Wesel am Rhein geborene Duden war ein Mann mit Humor. Er trat als Unterhalter auf und wurde für seine witzigen Ansprachen geschätzt. Außerdem hatte er Verve und brachte gern etwas voran.

Duden war ein Reformator. Das gilt nicht nur für die Sache mit der Rechtschreibung. Als Prorektor des Soester Gymnasiums, an dem er ab 1859 lehrte, schaffte er zum Beispiel den Hebräischunterricht ab und ersetzte diesen durch Englischunterricht. Die Sprache war ordentlich im Aufwind, wenn sie sich auch erst im 20. Jahrhundert als offizielle Weltsprache durchsetzte. Als Direktor des Gymnasiums im thüringischen Schleiz fegte er „Schönschreiben“ und „Tonlesekunst“ von den Lehrplänen und machte sich für Musik und Kunst sowie fürs Turnen stark.

Konrad Duden hatte die richtige Konzentration und Mischung an Witz, Mut und Elan im Blut, um große Dinge zu bewegen. Sein Nachlass, der Duden, nimmt bis heute an Umfang zu. Es gibt neben dem Wörterbuch auch ein Fremdwörterbuch und Synonymwörterbuch, Lernhilfen, Kinderbücher und einige mehr. Auch ein Preis ist nach ihm benannt, der Konrad-Duden-Preis, den Menschen erhalten können, die sich besonders verdient um die deutsche Sprache gemacht haben. Um mit Wörtern aus Dudens Zeit zu sprechen: Der Duden hat Qualität bewiesen und ist äußerst durabel! Ein echtes Placet.


Dorothea Schmidt, wissen.de-Redaktion

 

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