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Mao Zedong: Diktator der Volksrepublik

Wie wandelte sich das Bild Mao Zedongs von der Kultfigur zum rücksichtslosen Diktator?

Der am 26. Dezember 1893 geborene Mao Zedong (in früherer Umschrift des Chinesischen Mao Tse-tung) war Mitbegründer der Volksrepublik China im Jahr 1949 und fast drei Jahrzehnte lang diktatorischer Führer des riesigen asiatischen Landes. Zu seinen Verdiensten gehören sicher die Befreiung Chinas vom Joch eines überkommenen mittelalterlichen Staatssystems und die Wiedererlangung der nationalen Unabhängigkeit nach langer Zeit der ausländischen Dominanz. Der Preis für diese Errungenschaften war eine brutale Diktatur, in deren Bilanz Millionen von Toten stehen.

In der Zeit der antiautoritären Bewegung der 1960er und 1970er Jahre im Westen galt Mao die weit gehend unkritische Sympathie der Protestgeneration, die in seinem radikalen Vorgehen gegen »bürgerliche Strukturen« während der »Kulturrevolution« ein Vorbild sahen. Die historische Aufarbeitung Maos rücksichtsloser Diktatur führte zum tief greifenden Wandel seines Bildes, viele Historiker zählen den »Großen Vorsitzenden« mittlerweile zu den übelsten Diktatoren des 20. Jahrhunderts.

Wie verbrachte Mao seine Lehrjahre?

Als Sohn einer vergleichsweise wohlhabenden Bauernfamilie erhielt der junge Mao immerhin eine einfache Schulausbildung. Mit 17 Jahren lief Mao von zu Hause weg, schrieb sich erst in einer modernen Mittelschule ein und dann – als 1911 die letzte Kaiserdynastie gestürzt wurde – bei den revolutionären Soldaten. 1918 wurde er Hilfsbibliothekar an der Pekinger Universität, im Jahr darauf nahm er eine Stelle als Grundschullehrer in seiner Heimatprovinz Hunan an.

Auf welchem Weg wurde der Chinese zum Großen Vorsitzenden?

1921 trat Mao der kurz zuvor gegründeten Kommunistischen Partei bei und stieg schnell ins Zentralkomitee auf. Im Herbst 1927 nahm er an einem – schnell niedergeschlagenen – Bauernaufstand teil. Mit einigen Überlebenden bildete er eine Guerilla-Truppe, die sich bald mit anderen Antiregierungstruppen vereinigte und im so genannten Langen Marsch 1934 vom Südosten Chinas in den Norden zog. Im Verlauf des sich entwickelnden Bürgerkriegs und des Kriegs gegen Japan etablierte sich Mao, schon in dieser Zeit mit rücksichtslosen Methoden, als Anführer der Kommunistischen Partei Chinas und wurde mit der Ausrufung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949 deren Führer.

Wie sah Maos Politik in der Volksrepublik China aus?

Im »Großen Sprung nach vorn« von 1958 bis 1961 versuchte Mao, in China eine Leichtindustrie aufzubauen und die landwirtschaftlichen Erträge bedeutend zu steigern. Mit brutalsten Maßnahmen wurde die Bevölkerung geknechtet und ausgebeutet. Nach verschiedenen Schätzungen fielen der Kampagne bis zu 75 Millionen Menschen zum Opfer. In der »Kulturrevolution« (1966–1976) wollte Mao vermeintlich konterrevolutionäre Tendenzen bekämpfen. Die Kampagne richtete sich besonders gegen Intellektuelle (Lehrer, höhere Beamte, Akademiker), die bürgerlicher Gesinnung bezichtigt wurden. Sie führte zum Tod hunderttausender Menschen, darüber hinaus wurden auch bedeutende Kulturgüter des Landes vernichtet.

Als Mao Zedong 1976 starb, hinterließ er ein Land in großer Armut und mit einer weitgehend im Analphabetismus verharrenden Bauernschaft. Sein größter Erfolg war außenpolitisch: Die Aufnahme Chinas in die UNO.

Was war die »Hundert-Blumen-Bewegung«?

Neben dem »Großen Sprung nach vorn« und der »Kulturrevoluton« war die »Hundert-Blumen-Bewegung« eine weitere der organisierten Kampagnen Mao Zedongs. Im Frühjahr 1956 ließ Mao die Zensurbestimmungen lockern. Er erhoffte sich dadurch ein offeneres Klima und neue Anregungen für seine Politik. Als, nach einiger Verzögerung, Intellektuelle Maos Politik kritisierten, ließ der KP-Führer die Bewegung einstellen und viele unbequeme Kritiker inhaftieren. Als »Volksfeinde« erkannte Inhaber wichtiger Positionen wurden durch zuverlässige Parteikader ersetzt.

Wussten Sie, dass …

»Die Worte des Vorsitzenden Mao«, eine Sammlung von Zitaten des KP-Chefs, als »Mao-Bibel« eine Auflage von etwa einer Milliarde Exemplaren erreichte? In der Zeit der 1968er Studentenbewegung war das Buch auch im Westen populär.

der 73-jährige Mao mit einer spektakulären Aktion seinen Führungsanspruch unterstrich? Öffentlichkeitswirksam durchschwamm er den Fluss Jangtse und demonstrierte damit seine ungebrochene Vitalität.

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