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Heiratssitten der Huronen
Heiratssitten der Huronen
Den Gepflogenheiten der Indianer Nordamerikas begegnen die europäischen Kolonisatoren meist mit Unverständnis. Die christlichen Siedler nehmen besonders Anstoß an den Ehe- oder Heiratssitten. Noch tolerant nimmt sich ein Bericht Samuel de Champlains über die Huronen aus:
"[Die Heirat] sieht folgendermaßen aus: Wenn ein Mädchen elf, zwölf, dreizehn, vierzehn oder fünfzehn Jahre alt ist, bekommt es Verehrer, auch mehrere, was von seinen Reizen abhängt. Diese machen ihm eine Zeit lang den Hof. Danach hält der Verehrer beim Vater und bei der Mutter des Mädchens um dessen Hand an. Aber häufig suchen sich die Mädchen gar nicht erst die Zustimmung der Eltern, außer wenn sie sehr vernünftig und gut erzogen sind; dann unterwerfen sie sich dem Willen ihres Vaters und ihrer Mutter.Dieser Verliebte oder Verehrer schenkt dem Mädchen einige Halsbänder, Ketten und Armbänder aus Porzellan: Wenn dem Mädchen der Verehrer gefällt, nimmt es das Geschenk an. Daraufhin schläft dieser Verehrer drei oder vier Nächte lang bei ihm, ohne während dieser Zeit ein Wort mit ihm zu wechseln, und da ernten sie dann gegenseitig die Frucht ihrer Zuneigung. Doch geschieht es recht häufig, dass sie nach acht oder vierzehn Tagen zu keiner Verständigung finden. Dann lässt sie ihren Verehrer stehen, der seine Halsketten und andere Geschenke umsonst aufgeboten hat. Es bleibt ihm nur die Erinnerung an einen mageren Zeitvertreib. Wenn es so weit gekommen ist, sucht er, in seinen Hoffnungen getrogen, nach einer anderen Frau, und sie nach einem anderen Verehrer, die zu ihnen passen könnten. Und so fahren sie fort in ihrer Suche nach einem erfolgreichen Rendezvous.Es gibt Frauen, die [mit dieser Suche] ihre Jugend verbringen und mehr als zwanzig Männer gehabt haben. Diese sind aber nicht die einzigen, die wie das Tier dem Trieb gefrönt haben, wie oft verheiratet sie auch gewesen sein mögen. Denn wenn die Nacht kommt, gehen die jungen Frauen von einer Hütte zur anderen, genau wie die jungen Männer, und nehmen sich, was ihnen gut erscheint."
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