Lexikon
Flughunde
MegachiropteraUnterordnung der Fledertiere; nur eine Familie und rund 175 Arten; manche Arten erreichen eine Spannweite von über 1 m. Sie bewohnen als Fruchtfresser die warmen Zonen der Alten Welt. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und orientieren sich anders als die Fledermäuse fast ausnahmslos mit Hilfe ihrer großen, lichtstarken Augen. Nur die Höhlen-Flughunde der Gattung Rousettus verfügen ebenfalls über eine Echoortung.
Flughund, indischer
Flughund, indischer
© wissenmedia/Johann Brandstetter/Arno Kolb
Hammerkopfflughund
Hammerkopfflughund
© wissenmedia/Johann Brandstetter/Arno Kolb
Fliegender Fuchs
Fliegender Fuchs
Die Ernährung der Flughunde (Megachiroptera) ist fast ausschließlich vegetarisch. Sie richten in den Obstplantagen der altweltlichen Tropen oft großen Schaden an, wenn sie in der Dämmerung zu Hunderten in die Plantagen einfallen. Hier ein Kalong oder Fliegender Fuchs.
© RCS Libri & Grandi Opere SpA Milano/Il mondo degli animali
Flughunde als Pflanzenbestäuber
Dass Insekten, insbesondere die Bienen, eine wichtige Rolle als Überträger von Blütenpollen spielen und dass viele Pflanzen zu ihrer Bestäubung auf die Insekten angewiesen sind, ist allgemein bekannt. Weit weniger bekannt ist jedoch die Tatsache, dass im tropischen Regenwald oftmals Flughunde diese Rolle übernehmen.
Mittlerweile haben Forscher herausgefunden, dass etwa 40 Prozent aller Urwaldbäume bei ihrer Befruchtung ausschließlich auf die Hilfe der Flughunde angewiesen sind, also ohne die kleinen fliegenden Säugetiere gar keine Früchte bilden und sich nicht mehr fortpflanzen könnten. Auch einige der für uns heute wichtigen tropischen Früchte würde es ohne Fledertiere nicht geben: Cashewnüsse, Gewürznelken, Avocados und Mangos... – sie alle haben ihre Blüten an die Flughunde angepasst und sind auf deren Bestäubung angewiesen. Die Pflanzen haben dafür extra große, stark duftende Blüten mit viel Pollen und Nektar entwickelt. Die Duftstoffe locken die Flughunde herbei, und der Nektar und der überzählige Pollen dienen ihnen als Futter. Die Flughunde wiederum haben sich mit ihrer lang gestreckten Schnauze und der langen Zunge auf die Blütennahrung spezialisiert. Seit man weiß, dass Flughunde farbenblind sind, hat die Wissenschaft auch eine Erklärung dafür, dass tropische Blüten oft sehr hell, aber ohne eigentliche Farbe sind: Die Flughunde würden sie ohnehin nicht sehen.
Dieses alles zeigt einmal mehr, wie stark vernetzt unsere Natur ist, und welche oft für den Menschen gar nicht vorhersehbaren Folgen das Verschwinden einzelner Tierarten und Tiergruppen haben kann. Auch solche Tiere, die wir nicht als ansprechend empfinden, haben im Naturhaushalt ihre Funktion, so auch die oft als Blutsauger und Vampire verteufelten Fledermäuse und Flughunde.
Fledertiere: Echoortung (Schema)
Fledertiere
Eine Fledermaus macht ihre Beute über Echoortung aus. Durch ihre Nasenlöcher stößt sie gleichmäßig hohe Peiltöne im Ultraschallbereich aus, die durch ihre beweglichen Nasenblätter wie zu einem akustischen Scheinwerfer gebündelt werden. Wird ein fliegendes Insekt von diesen Pulsen erfasst, moduliert dessen Flügelschlag die Frequenz und die Amplitude des zurückkehrenden Tons. Die feinen Ohren der Fledermaus können nun die Größe, Struktur und Position des Insekts und sogar dessen Flugrichtung ausmachen. Ununterbrochen zurückkehrende Echos liefern der Fledermaus nicht nur Informationen über mögliche Beute, sondern ein präzises Schallbild ihrer ganzen nächtlichen Umgebung.
© wissenmedia
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