Lexikon
Studentenverbindungen
an den Hochschulen bestehende Verbände mit eigenständigen studentischen Zielen und vielfach studentischem Gemeinschaftsleben. Im Mittelalter schlossen sich Magister und Scholaren nach landsmannschaftlicher Herkunft zu „Nationen“ zusammen. Aus den „Nationen“ entwickelten sich die Landsmannschaften, aus diesen die Corps; hinzu kamen die unter dem Eindruck der Freiheitskriege 1815 entstehenden Burschenschaften. Landsmannschaften, Corps und Burschenschaften bestimmten im 19. Jahrhundert das Bild der Studentenverbindungen (Korporationen), deren Angehörige mit Band und Mütze (Couleur), Pflege eines besonderen Komments, Mensur u. Ä. ein eigenes studentisches Brauchtum und ein akademisches „Standesbewusstsein“ entwickelten.
Geschichte
In den Jahren zwischen 1871 und 1919 nahmen insbesondere die Corps eine dominierende politisch-gesellschaftliche Stellung in Deutschland ein. Die Landsmannschaften schlossen sich 1868 im Coburger Convent, die Burschenschaften 1819 in der Allgemeinen deutschen Burschenschaft, 1902 in der Deutschen Burschenschaft zusammen. In Brauchtum und Haltung ihnen nahe standen die akademischen Turnerschaften und Sängerschaften. In einem gewissen Gegensatz (Ablehnung des studentischen Zweikampfs, Betonung der konfessionellen Bindung) zu diesen Korporationen, jedoch vieles aus ihrem Brauchtum übernehmend, entstanden in den Jahren um 1848 christliche (Wingolfsbund) und katholische Studentenverbindungen (Cartellverband katholischer Farben tragender Verbindungen, Abkürzung CV; Kartellverband katholischer nicht Farben tragender Studentischer Vereinigungen, Abkürzung KV; nicht Farben tragender Unitas-Verband, Abkürzung UV).
Mit dem Auftreten der Vereine deutscher Studenten (VDSt), die sich 1881 zum Kyffhäuser-Verband zusammenschlossen, begann die nationalistische Politisierung der deutschen Studentenverbindungen, die sich nach 1918 noch stärker durchsetzte (Hochschulring deutscher Art, Allgemeiner Deutscher Waffenring). Gleichzeitig entstanden Studentenverbindungen, die unter dem Einfluss der Jugendbewegung das Brauchtum der Korporationsstudenten ablehnten (Akademische Freischaren), politisch jedoch z. T. dem völkisch-nationalistischen Teil der Jugendbewegung zuzurechnen waren (akademische Gilden u. Ä.). Schon vor 1933 hatten die Nationalsozialisten die Mehrheit unter den Studenten an den deutschsprachigen Hochschulen. 1935 wurden in Deutschland alle Studentenvereinigungen aufgelöst, an ihre Stelle trat der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund. Zahlreiche der aufgelösten Verbindungen wurden nach 1950 in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich wiedergegründet, spielen jedoch nur noch eine untergeordnete Rolle. Die meisten von ihnen, mit Ausnahme katholischer Gruppen, schlossen sich 1951 zum Convent Deutscher Korporationsverbände (CDK) zusammen; die Altherrenschaften gründeten 1950 den Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA).
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