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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE
Beffchen:
Die Bezeichnung für die vorn am Kragen getragene, meist weiße Halsbinde aus Leinen mit zwei zehn bis 15 Zentimeter langen, rechteckigen Läppchen leitet sich aus dem Mittelniederdeutschen her: Es ist die Verkleinerungsform für
beffe, beve
„Chorhut“ oder „Chorrock“ der Prälaten. Das Wort stammt aus dem lateinischen
biffa, bife
und bedeutet „ärmliches Gewand“, „Lappen“, „Tuch“.
Im 17. Jahrhundert gehörten die am Halsausschnitt getragenen Leinenstücke zur bürgerlichen Männertracht. Hervorgegangen sind sie ursprünglich aus dem kleineren Kragen, der einst unter dem aus Spanien stammenden so genannten „Mühlsteinkragen“ (einer aus gefälteltem, gestärktem Stoff mit Drahtversteifungen bestehenden weißen Halskrause) getragen wurde. Dieser wiederum gehört auch heute noch zur Tracht protestantischer Pfarrer in SchleswigHolstein. Der schwarze Talar mit weißem
Beffchen
wurde 1811 durch eine Kabinettsorder des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. verbindlich zur Amtstracht evangelischer Geistlicher.
Erhalten ist das Beffchen darüber hinaus noch heute an den Talaren von Professoren und den Roben von Richtern. So tragen beispielsweise die Richter am Bundesverfassungsgericht rote Roben mit weißen Beffchen nach dem Vorbild der obersten Richter in Florenz im 15. und 16. Jahrhundert.
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