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LEXIKON

Mittelsteinzeit

Mesolithikum; Epipaläolithikum
Erdzeitalter
Erdzeitalter
die in die Nacheiszeit fallende, auf die Altsteinzeit folgende vorgeschichtliche Epoche (etwa 9.5. Jahrtausend v. Chr.); von Forschern als Endpaläolithikum der Altsteinzeit oder als Protoneolithikum der Jungsteinzeit zugewiesen. Die Lebensweise des Menschen änderte sich gegenüber dem Paläolithikum. Nach wie vor bildeten zwar das Sammeln von Wildfrüchten und -getreide und die Jagd die Grundlage der Ernährung. Doch traten, durch Abwanderung der eiszeitlichen Tiere, deren Aussterben (Mammut) und die zunehmende Wiederbewaldung bedingt, die Jagd auf Stand- und Kleinwild, der Vogel- und Fischfang und die Weichtierernährung (Schnecken, Muscheln) in den Vordergrund. Verbunden mit dieser Wirtschaftsweise war eine längere Sesshaftigkeit, wovon mächtige Kulturschichten mit tierischen Abfällen und mesolithischen Geräten zeugen. Die wenigen bisher gefundenen Siedlungen deuten auf kleinere Gruppen, die in leichten Behausungen (Reisighütten und Zelten) lebten. Da die Siedlungsräume über Jahrhunderte hinweg die gleichen blieben und auch erste größere Friedhöfe nachzuweisen sind (in Portugal, Frankreich, Südrussland), kann man annehmen, dass sich schon ethnische Gemeinschaften gebildet hatten. Es waren Einzel- und Kollektivbestattungen üblich; die Körper wurden in Hockerlage (auch als sitzende Hocker) beigesetzt und oft mit Rötel und Zierstücken überstreut. Daneben gab es auch rituell beigesetzte Schädel (Ofnet-Höhle) oder Körperbestattungen ohne Schädel.
Die Steingeräte zeigten eine Tendenz zur Verfeinerung (Mikrolithen), daneben traten aber auch Grobgeräte auf, die zur Erfindung des geschäfteten Beils führten (Kernbeil und Spalter). Geräte aus organischem Material (Harpunen, aus Weidenbast geflochtene Netze mit Holzschwimmern u. a.) stammen überwiegend aus Moorfunden. Die wichtigste Jagd- und Streitwaffe waren Pfeil und Bogen, die Pfeile mit winzigen Spitzen aus Feuerstein besetzt. Paddelfunde zeugen vom Vorhandensein von Booten. Im nördlichen Europa wurde der Verkehr durch Schlitten erleichtert.
Die mesolithischen Kultur- und Formengruppen werden nach der Art der Steinbearbeitung eingeteilt. Formengruppen West- und Mitteleuropas sind das Azilien mit geometrisch bemalten Flusskieseln und die Mikrolithen-Kulturen des Sauveterrien und des Tardenoisien. In Nordafrika wird die Mittelsteinzeit durch Capsien und Oranien vertreten. Teilweise noch in die Mittelsteinzeit gehören auch die skandinavisch-karelischen Felsbilder. In den Nord- und Ostseeländern repräsentieren die Maglemose-Kultur und die bis in die Jungsteinzeit reichende Ertebölle-Kultur, im nördlichen Osteuropa die Kunda-Kultur die Mittelsteinzeit. In Vorderasien sind jetzt mesolithische Fundstätten bekannt, die Anzeichen für den Übergang zum Pflanzenanbau zeigen (Natufian).
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