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Sean Connery - Bond und Schotte (Podcast 92)

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Er war das Gesicht von "Bond, James Bond". Er prägte die Figur des Geheimagenten seiner Majestät wie kein zweiter. Aber er verkörperte auch William von Baskerville und den Vater von Indiana Jones, womit er gleich mehrere Zuschauergenerationen begeisterte. Sean Connery wurde am 25. August 1930 geboren. Wer ist der Mann, der seit Jahren in keinem neuen Film mitgewirkt hat und trotzdem noch immer zu den bekanntesten Schauspielern unserer Zeit gehört?

 

Ein Bodybuilder aus Edinburgh

Thomas Sean Connery wird am 25. August 1930 in Fountainbridge, Edinburgh geboren. Er stammt aus kleinen Verhältnissen: sein Vater ist Fernfahrer, seine Mutter Putzfrau. Connery wächst unter materiell beengten Zuständen auf. Um seine Familie finanziell unterstützen zu können, beendet er früh die Schule. Mit sechzehn Jahren tritt er seinen Dienst bei der Marine an, wo er sich auf sieben Jahre verpflichtet. Doch ein Geschwür bewirkt eine rasche Entlassung. Connery schlägt sich zunächst mit Gelegenheitsjobs durch, bis er auf den Gedanken kommt, sein ohnehin gutes Aussehen durch gezieltes Bodybuilding zu verbessern. Dieser Entschluss erweist sich als zukunftsträchtig, denn er wird rasch zu einem der gefragtesten Aktmodelle an der Edinburgher Kunsthochschule. Umso verbissener trainiert er weiter – und erringt 1950 den Titel des schottischen Bodybuilding-Meisters. Selbst beim Wettbewerb um den Titel des "Mr. Universum" schafft Connery in diesem Jahr Platz 3. Diese Qualitäten bleiben nicht lange verborgen. Connery erhält erste Engagements, meist kleinere Bühnen- oder TV-Rollen, bis er 1957 zum ersten Mal im Kino zu sehen ist. Doch noch ist er weit davon entfernt, einen Namen zu haben – und besonders gut leben kann er von seiner Schauspielerei ebenso wenig. Doch dies wird sich rasch ändern.

 

Ein Volltreffer im Namen Ihrer Majestät     

1953 veröffentlicht der britische Schriftsteller und ehemalige Marine-Nachrichtendienstler Ian Fleming den ersten von insgesamt zwölf Romanen um den Geheimagenten James Bond. Die Bücher sind außergewöhnlich erfolgreich, und es wird nach einer Möglichkeit gesucht, sie auf die Leinwand zu bringen. Nachdem sich die beiden Filmproduzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli zusammengetan und die Rechtelage geklärt haben, suchen sie nach einem passenden Gesicht für die Hauptrolle. Sean Connery ist hier keineswegs erste Wahl. Tatsächlich schwebte Fleming ursprünglich ein betont eleganter Akteur wie Cary Grant vor. Doch Connery wird schließlich doch für James Bond jagt Dr. No besetzt. Der kommerzielle Erfolg des 1962 gestarteten Streifens bedeutet nicht nur die Etablierung einer der bekanntesten Filmreihen, sondern auch Connerys Durchbruch als Schauspieler. In rascher Folge erscheinen nun weitere Bond-Abenteuer, die das Debüt an Einfallsreichtum und Ausstattungsvielfalt noch übertreffen: Liebesgrüße aus Moskau (1963), Goldfinger (1964) und Feuerball (1965) – allesamt Beispiele für ganz großes Kino. Man lebt nur zweimal aus dem Jahr 1967 markiert dann erst einmal eine Zäsur. Connery ist mit seiner Karriere unzufrieden, da er sich als vielseitiger Schauspieler von Bond nicht genug gefordert sieht. Schon 1964 hat er in Marnie unter der Regie von Alfred Hitchcock gespielt und sucht nun nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Doch es gibt Schwierigkeiten mit seinem Nachfolger George Lazenby, und so lässt er sich für Diamantenfieber 1971 gegen eine Millionengage noch einmal zu einem Auftritt als James Bond überreden. Vergeblich – der Film ist zwar sehr erfolgreich, kann aber an das kreative Niveau seiner Vorgänger bei weitem nicht anknüpfen. Es ist an der Zeit für einen Wechsel – bei James Bond wie für Sean Connery.

 

Unterwegs zu neuen Rollen

In den 1970er Jahren konzentriert sich Connery auf anspruchsvollere Stoffe. Mehrfach arbeitet er mit dem Regisseur Sidney Lumet zusammen, so in Der Anderson-Clan oder Sein Leben in meiner Gewalt. Am bekanntesten wird aber Mord im Orient-Expreß, an dem ein großes Star-Ensemble mitwirkt. Es folgen weitere Abenteuerfilme, die aber allesamt unauffällig bleiben. Connerys profilierteste Rolle in dieser Zeit dürfte wohl die des Zed in dem ungewöhnlichen Science-Fiction-Film Zardoz von John Boorman sein, der 1974 in die Kinos kommt. Entsprechend ist es kein Wunder, wenn er sich 1983 doch noch einmal für einen James-Bond-Film überreden lässt. Der heißt bezeichnenderweise Sag niemals nie und ist ein Remake von Feuerball, das nur aufgrund einer speziellen Rechtslage möglich wird; entsprechend gehört der Film auch nicht zur offiziellen Bond-Serie. In künstlerischer Hinsicht fällt der Streifen weit hinter das Original zurück, aber er leitet Connerys Übergang zum gereiften Charakterdarsteller ein. Ein Meilenstein hierzu ist seine Interpretation des William von Baskerville aus Umberto Ecos Bestseller Der Name der Rose. Die Verfilmung unter der Regie von Jean-Jacques Annaud wird 1986 nicht nur einem Welterfolg, sondern wahrt den Geist der Vorlage und ist bis heute eine der erfreulichsten und spannendsten Literaturadaptionen. Im Folgejahr bekommt Connery für seinen prägnanten Auftritt in dem Film Die Unbestechlichen, der zur Zeit Al Capones in Chicago spielt, einen Oscar. Und 1989 liefert er in Indiana Jones und er letzte Kreuzzug als kauziger Vater des berühmten Archäologen noch einmal eine Galavorstellung ab. Dass Harrison Ford im wirklichen Leben nur wenige Jahre jünger ist als Connery, wird geflissentlich übergangen.

 

Hollywood und Schottland

Im folgenden Jahrzehnt hat Connery ebenfalls eine Reihe bemerkenswerter Auftritte. Dazu gehören mehrere Buchverfilmungen, wie Jagd auf Roter Oktober nach dem Thriller von Tom Clancy und Das Russland-Haus nach dem Agentenroman von John Le Carré. 1993 folgt Die Wiege der Sonne, ein Wirtschaftskrimi, dessen Vorlage von Michael Crichton stammt. Neben diesen Höhepunkten ist Connery weiterhin gefragt, doch nicht alle Rollen bleiben im Gedächtnis, und das oberflächliche Pyrotechnik-Spektakel The Rock (1996) vermag er in Sachen Niveau nicht zu retten. Andere Projekte – wie Mit Schirm, Charme und Melone (1998) und Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (2003) scheitern an ihren künstlerischen Ambitionen. Vielleicht ist die Zeit für Connery als Schauspieler auch einfach vorbei. 2005 erklärt er seinen Ausstieg aus dem Geschäft. 

 

Sean Connery, der in zweiter Ehe verheiratet ist, engagiert sich nicht erst seitdem stark für wohltätige Zwecke und insbesondere für schottische Belange, zum Beispiel in Form einer von ihm gegründeten Stiftung. Tatsächlich heißt seine Autobiographie, die 2008 erschien, schlicht Being a Scot und wurde in Deutschland unter dem Titel Mein Schottland, mein Leben veröffentlicht. Connery setzt sich seit langem für die schottische Unabhängigkeit ein und ist Mitglied wie Förderer der Scottish National Party; bei seinen Filmrollen hat er aus seinem Akzent nie ein Geheimnis gemacht. Ist das nur eine weitere Rolle? Wohl kaum. Vielleicht zeigt sein Engagement nur, dass sich der ehemalige Bodybuilder aus Edinburgh schlicht treu geblieben ist.  

 

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