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WAHRIG HERKUNFTSWöRTERBUCH
Maulaffen feilhalten
Von dieser Redewendung gibt es etliche unterschiedliche Versionen: mal heißt es feilbieten, mal feilhalten, dann wieder feiltragen, feilhaben oder gar verkaufen. Gemeint ist jedoch in allen Fällen „mit offenem Mund und staunend, dumm oder untätig dastehen“. Nach wie vor ist die Herkunft nicht geklärt. Die einen verweisen auf den plattdeutschen Satz er hält dat Mul apen „er hält das Maul offen“, aus dessen letztem Teil dann durch volksetymologische Umdeutung die Maulaffen entstanden seien. Dabei sei auch hält durch hält feil „verkauft“ ersetzt worden, was auf einen eher spielerischen Umgang mit der Sprache hindeutet, der dem Volk bisweilen zu eigen ist.
Andere Deutungen wiederum sehen hier einen Hinweis auf eine Beleuchtungsart aus der Zeit, bevor es Kerzen gab: der Kienspan, ein abgespaltenes Stück Holz, wurde in das „Maul“, d.h. die Öffnung eines dem menschlichen Kopf nachgebildeten Tongefäßes gesteckt. Dieses Gefäß sei auch als Maulauf, Maulaffe oder Gähnaffe bezeichnet und auf Märkten verkauft worden (was ebenso dafür spricht, dass offen bzw. auf zu Affe umgedeutet wurde). Luthers Vergleich wie die Ölgötzen und die Maulaffen (vgl. die Weimarer Ausgabe, Band I, S. 528) stellt nach dieser Deutung die Maulaffen tautologisch zu den ebenfalls als Leuchtgerät dienenden Ölgötzen.
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