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Von der Postkutsche zum internationalen Postverkehr

Ein Paket zu verschicken war nicht immer so einfach wie heute. Die erste Postkutsche wurde überhaupt erst 1610 in England in Betrieb genommen, die erste regelmäßige Verbindung, von London nach Chester, 1657 aufgenommen. Ab 1660 konnte man auch etwa von Leipzig nach Hamburg einen Ostergruß versenden, ohne sich selbst auf die damals beschwerliche Reise machen zu müssen. Bis zur Einführung der Eisenbahn spielte sich ein Großteil des Postverkehrs (neben Briefen und Paketen wurden damals auch Passagiere befördert) mit dieser nur leidlich zuverlässigen Fortbewegungsart ab.

15 Postgebiete
Aber auch Anfang des 19 Jahrhunderts steckte das Postwesen noch in den Kinderschuhen, von Globalisierung und internationalem Postverkehr noch keine Spur. Im Gegenteil: 1823 gab es neben Preußen und Österreich allein in Deutschland 15 weitere selbständige Postgebiete, in denen die Personen- und Briefbeförderung jeweils eigenen Tarifen und Bestimmungen unterlag. Und da die einzelnen Staaten ihre Post als erstklassige Einnahmequelle entdeckt hatten, war das Porto entsprechend teuer.

Die Briefmarke sorgt für Transparenz
Wesentlich schneller wurde die Post ab 1850 nach der Vereinheitlichung der Tarife und der vereinbarten Transitfreiheit. Endlich setzte sich auch in Bayern und Preußen die Briefmarke durch, die bereits seit zehn Jahren den englischen Postverkehr erheblich beschleunigt hatte. Eine für den norddeutschen Raum weit reichende Entwicklung begann 1867 mit der Gründung des Norddeutschen Bundes. Preußen entschädigte die Familie Thurn und Taxis mit 3 Mio. Talern und verstaatlichte die gesamte Postverwaltung in Norddeutschland, die seit 1516 durch kaiserliche Privilegierung in den Händen der Familie Thurn und Taxis lag.

Die Eisenbahn macht Tempo
Maßgebliche Verbesserungen im Postwesen gehen jedoch vor allem auf den technischen Fortschritt zurück. Dazu gehören die Einrichtung einer optischen Telegraphenlinie, die von 1833 bis 1849 zwischen Berlin und Koblenz unterhalten wurde und vor allem die Entwicklung der Eisenbahn, die der Postkutsche in punkto Geschwindigkeit weit überlegen war. Dazu kam der Vorteil, dass die Post bereits während der Beförderung sortiert werden konnte und für die Zustellung an die einzelnen Haushalte vorbereitet wurde. Auf den Landstraßen übernahmen Postfuhrwerke den Transport, auf Nebenstrecken waren Boten unterwegs. In einigen Großstädten sorgte die Rohrpost für eine beschleunigte Auslieferung.

Vereinheitlichung des Postverkehrs
Der Anstoß für eine internationale Zusammenarbeit in Postwesen kam vom Generalpostdirektor des Deutschen Reiches, Heinrich von Stephan, der bereits das Postwesen im Norddeutschen Bund zu einer vorbildlichen Dienstleistungsanstalt ausgebaut hatte. Auf seine Initiative hin wurde der Allgemeine Postverein gegründet. 1874 unterzeichneten Vertreter von 21 Staaten (darunter alle europäischen Staaten, Ägypten und die USA) den Allgemeinen Postvereinsvertrag, der den internationalen Briefpostverkehr erheblich beschleunigte und die Grundlage für die weltweite Vereinheitlichung des Postverkehrs schuf. Und schon 1878 änderte der Verein seinen Namen zu Weltpostverein, da er seine Tätigkeit auf alle Kontinente ausgedehnt hatte. Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren fast alle Länder, die ein eigenes Postwesen unterhielten, dem Verein beigetreten, die Grundlage eines weltweiten Postsystems war geschaffen.

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Dietmar Hefendehl
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