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LEXIKON

Bertolucci

[
ˈlutʃi
]
Bernardo, italienischer Drehbuchautorund Filmregisseur, * 16. 3. 1940 Parma; verbindet in seinen Werken psychoanalytische und politische Motive; Filme u. a. „Der letzte Tango in Paris“ 1972; „1900“ 1976; „Der letzte Kaiser“ 1987; „Der Himmel über der Wüste“ 1990; „Little Buddha“ 1993; „Gefühl und Verführung“ 1996; „Die Träumer“ 2003.
  • Deutscher Titel: Der letzte Tango in Paris
  • Original-Titel: L„ULTIMO TANGO A PARIGI
  • Land: Italien
  • Jahr: 1972
  • Regie: Bernardo Bertolucci
  • Drehbuch: Franco Arcalli, Bernardo Bertolucci
  • Kamera: Vittorio Storaro
  • Schauspieler: Maria Schneider, Marlon Brando, Jean-Pierre Léaud, Massimo Girotti, Giovanna Galetti, Maria Michi, Veronica Lazare.
Heftige Beifallsstürme und lautstarke Buhrufe zugleich begleiten die Vorstellung von Bernardo Bertoluccis neuem Werk »Der letzte Tango in Paris«, das beim Filmfestival im Oktober 1972 in New York uraufgeführt wird.
Der Film verursacht einen Skandal: Wegen seiner Sexszenen wird er in seinem Entstehungsland Italien von der Staatsanwaltschaft sogar als »pornographisch« verboten. Cineasten hingegen beurteilen ihn wegen seiner ästhetischen Qualität als »Kunstfilm«.
Die »skandalöse« Story: Der plötzliche Selbstmord seiner Frau wirft den alternden Amerikaner Paul (Marlon Brando) völlig aus der Bahn. Auf der Suche nach einer neuen Unterkunft, in der ihn nicht alles an die Gattin erinnert, trifft er bei einer Wohnungsbesichtigung in Paris auf die junge Französin Jeanne (Maria Schneider). Zwischen den beiden flammt plötzlich heftiges sexuelles Begehren auf nichts zählt außer der reinen Lust. Es werden keine Namen ausgetauscht und auch keine Verständigung angestrengt (in der Originalversion spricht er englisch, sie französisch). Obwohl Jeanne ein Verhältnis zu einem anderen Mann hat, will sie doch auch auf Pauls sexuelle Ausstrahlung nicht mehr verzichten. Erst als dieser versucht, das Verhältnis in eine bürgerliche Beziehung zu wandeln, sie verfolgt und sogar bedrängt, zieht Jeanne sich zurück und tötet ihn wenig später.
Bernardo Bertolucci wird vorgeworfen, der Film bestehe nur aus Sex und Obsession. Doch er zeigt mehr: Eine Beziehung, die nur auf Körperlichkeit ausgerichtet ist, in der keine Gefühle erlaubt sind, in der die Einsamkeit und der Schmerz dominieren.
Revolutionär ist die Thematik keineswegs auch Ingmar Bergman oder Michelangelo Antonioni stellen pure Lust als letzte Zuflucht in einer kalten, kommunikationsfeindlichen Welt dar. Ohne das Klima der sexuellen Befreiung zu Beginn der 70er Jahre allerdings wären Filme wie »Der letzte Tango in Paris«, Walerian Borowczyks »Unmoralische Geschichten«(1973), Liliana Cavanis »Der Nachtportier« (1973) oder auch Pier Paolo Pasolinis »Erotische Geschichten aus 1001 Nacht« (1974) nicht denkbar.
Für Marlon Brando bedeutet das Werk einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Filmlegende: Nachdem er bereits im Jahr zuvor ein glanzvolles Come-back in Francis Ford Coppolas Film »Der Pate« (1971) gefeiert hatte, überrascht und schockiert er einmal mehr die Zuschauer diesmal durch seine Freizügigkeit.
  • Deutscher Titel: 1900
  • Original-Titel: NOVECENTO
  • Land: Italien
  • Jahr: 1976
  • Regie: Bernardo Bertolucci
  • Drehbuch: Bernardo Bertolucci, Franco Arcalli, Giuseppe Bertolucci
  • Kamera: Vittorio Storaro
  • Schauspieler: Gérard Depardieu, Robert De Niro, Burt Lancaster, Romolo Valli
Das Monumental-Epos von Bertolucci ist ein ideologischer Film, der »die rote Fahne auch in die USA tragen« soll. Doch das fünfstündige Geschichtsspektakel über die politische Umorientierung in Italien wird wegen seiner aufdringlichen Dialektik von der Kritik abgelehnt, und in den US-Kinos läuft der Film erst nach mehreren Prozessen um die Länge und ohne Vorankündigung, so dass er kaum Zuschauer findet. Bertolucci schildert das Leben zweier Kinder, die im Jahr 1900 in der Emilia geboren werden: Alfredo (Robert De Niro) ist der Enkel des Gutsbesitzers, Olmo (Gérard Depardieu) der eines Vorarbeiters. Die Jungen verkörpern auch als Erwachsene entgegengesetzte Pole: Während Alfredo den Faschismus über sich ergehen lässt, kämpft Olmo gegen Mussolini in der Arbeiterbewegung.
In Europa kommt der Film als zweiteilige Fassung in die Kinos: Teil 1 als »Gewalt, Macht, Leidenschaft«, Teil 2 als »Kampf, Liebe, Hoffnung«.
  • Deutscher Titel: Der letzte Kaiser
  • Original-Titel: THE LAST EMPEROR
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 1987
  • Regie: Bernardo Bertolucci
  • Drehbuch: Bernardo Bertolucci, Mark Peploe
  • Kamera: Vittorio Storaro
  • Schauspieler: John Lone, Peter O„Toole u.a.
  • Auszeichnungen: Oscars 1988 für Film, Regie, Drehbuch nach Literaturvorlage, Musik, Kameraführung, Kostüme, Ton, Ausstattung, Montage
Bernardo Bertoluccis Monumentalepos »Der letzte Kaiser« gehört zu den Höhepunkten des Filmjahres 1987. Als Erster europäischer Regisseur erhielt der Italiener für sein 40-Millionen-DM-Projekt eine Dreherlaubnis in der »Verbotenen Stadt« in Peking.
Der Film umfasst den Zeitraum von 1908 in dem Pu Yi als Dreijähriger zum Kaiser von China bestimmt wird bis zu seinem Tod 1967. In beeindruckenden Bildern mit überwältigenden Farben, aufwändigen Massenszenen (19 000 Komparsen) und prächtiger Ausstattung zeichnet Bertolucci die von Extremen geprägte Biografie des Kaisers von China nach: Seine Kindheit in der »Verbotenen Stadt«, seine Vertreibung durch die Erste chinesische Revolution, die Kollaboration mit den Japanern als Marionettenkaiser in der Provinz Mandschukuo bis zu seiner Verhaftung durch die Sowjets mit Gefängnisaufenthalt und Umerziehung.
Das Werk, das Kritiker als geniale Synthese aus traditionellem Erzählkino und ästhetischem Kunstwerk loben, wird allein bei der Oscar-Verleihung 1988 mit neun Preisen ausgezeichnet.
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