Lexikon

Friedensforschung

englisch peace research, französisch polémologie, die wissenschaftliche Erforschung von Krieg und Frieden in den Beziehungen zwischen den Staaten; vor allem veranlasst durch die verheerenden Auswirkungen des 1. Weltkriegs. Die veränderte Form von Krieg (Massenvernichtungswaffen, kostspielige Waffensysteme u. a.) führte in der Folgezeit verstärkt zur Überprüfung der Begriffe von Krieg und Frieden und zur Untersuchung über Entstehung und Verhinderung von Kriegen. Die teilweise in Reaktion auf utopische Vorstellungen besonders in den USA entwickelte „realistische Schule“ (E. H. Carr, H. Morgenthau), die sich vorwiegend mit Nationalinteressen, Staatenpraxis und politischem Gleichgewicht beschäftigte, fand seit den 1950er Jahren, vor allem in den USA, in Studien über Strategie und Rüstungskontrolle eine Fortsetzung und Erweiterung. Nachdem schon früher erste umfassende und systematische Untersuchungen über den Krieg erschienen waren (Q. Wright), führte erst diese pragmatische Orientierung an Methoden der Kriegsverhinderung (statt an den Ursachen von Kriegen) und an den Bedingungen des Friedens zu dem, was heute als Friedensforschung bezeichnet wird. Im Zuge dieser Entwicklung entstanden auch Institutionen, die sich mit dem Thema beschäftigten (u. a. die International Peace Research Association, das Stockholm International Peace Research Institute sowie die Deutsche Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung). Untersucht werden alle gesellschaftlichen, ideologischen, innenpolitischen, ökologischen, wirtschaftlichen, psychologischen und technischen Ursachen des Krieges und Bedingungen des Friedens.
Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts beschäftigt sich die neuere Friedensforschung außerdem mit der Entwicklung tragfähiger Konzeptionen zur Zivilisierung der internationalen Beziehungen. Dazu gehören etwa Vorschläge für den Aufbau friedensfördernder Regional- und Globalordnungen sowie für die Verbesserung überstaatlicher Interventionsmittel (UNO-Blauhelmeinsätze).
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