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Warum ist der Kauf von nachhaltiger Mode wichtig?

Durchschnittlich 40 bis 70 neue Kleidungsstücke kaufen sich die deutschen Bundesbürger jährlich. Auch wenn etwa 40 Prozent davon nie oder sehr selten getragen werden, die Shopping-Lust vieler Menschen führt zu vollen Kleiderschränken. Sind sie überfüllt, wird ausgemistet, wobei oft ein guter Teil des Inhaltes ungenutzt in der Altkleidersammlung landet. Unbestritten steht dahinter ein guter Gedanke: Wir helfen ärmeren Leuten, sei es im eigenen Land oder in Krisengebieten. Auf der anderen Seite steht jedoch, dass wir die Herstellung von Kleidung ankurbeln und im gleichen Atemzug den Verbrauch von Ressourcen.
Symboldbild Nachhaltigkeit und Naturschutz

Nastco, Gettyimages

Nachhaltige Mode im Internet

Die zahlreichen Vorteile des Onlineshoppings sind bekannt – die hohen Kundenzahlen der virtuellen Geschäftswelt bestätigen die Beliebtheit dieser Einkaufsvariante. Zu den größten Pluspunkten zählt die breitgefächerte, riesige Auswahl. Während sich Offline-Läden in der Regel auf wenige Marken beschränken, treffen wir in Onlineshops auf endlose Vielfalt. Im Internet ist es daher denkbar einfach, nachhaltige Produkte ausfindig zu machen. Es gibt beispielsweise erstklassige Angebote an nachhaltigen Klamotten und zahlreiche Schuhmarken aus Bio- oder veganen Materialien stehen bereit. Es gibt zwar auch immer mehr Ladengeschäfte, die sich auf Fair Trade Mode und Co. spezialisieren, jedoch kann deren Produktpalette mit Onlineshops nicht mithalten.

Phänomen Fast Fashion

Ein großes Problem für Nachhaltigkeit und Umwelt ist das Phänomen der Fast Fashion, die bei Umweltschützern seit langem in der Kritik steht. Dahinter steht vor allem eins: Schnell und billig so viel Kleidung wie möglich zu produzieren und auf den Markt zu werfen. Dies führt zu einer zunehmend schlechteren Qualität. In kürzester Zeit geraten die Produkte aus der Form oder kleine Löcher verunstalten die Kleidungsstücke. Sie landen rasch im Abfalleimer oder in der Altkleidersammlung.

Was vielen Menschen nicht bewusst ist: Zum Beispiel die Deutsche Kleiderstiftung kann nur 18 Prozent der gespendeten Garderobe wiederverwenden. D.h., der größte Anteil wird der Verbrennung zugeführt. Hauptgrund für die Unbrauchbarkeit der Kleidungsstücke im Altkleidersektor ist die mangelhafte Qualität von billiger Ware. Deren Produktion führt außerdem zu sozialer Ausbeutung der Beschäftigten sowie zu einer hohen Umweltbelastung.

Altkleider-Container
Schlechte Qualität macht viele Kleidungsstücke für die Altkleidersammlung unbrauchbar.

Pixabay.com, webandi (CC0 Public Domain)

Viele gute Gründe für nachhaltige Mode

Beim Einkauf von Produkten, gleich, ob es sich um Kleidung oder andere Waren jeder Art handelt, sollte das Augenmerk stets auf Nachhaltigkeit liegen. Zu den Hauptgründen dafür zählen:

  • Ressourcen – für die Kleiderherstellung werden viele Ressourcen verbraucht; Beispiel: in Indien, das ohnehin mit Trockenheit zu kämpfen hat, werden 22.500 Liter Wasser für ein Kilo Baumwolle benötigt; daneben erfolgt durch den Einsatz von Pestiziden eine Verschmutzung des Grundwassers sowie die Beschädigung von Böden
  • Transportwege – sowohl Rohstoffe als auch fertige Kleidungsstücke legen lange Transportwege zurück, bevor sie bei uns Verbrauchern landen, der CO2-Ausstoß ist gewaltig; Beispiel: die Beförderung von einer Tonne Textilien mit dem Lkw verursacht – laut Aussage des Umweltbundesamtes – pro Kilometer 103 Gramm Treibhausgas; bei der Bahn sind es 19 Gramm, bei Binnenschiffen 32 Gramm
  • Beschäftige in der Kleiderindustrie – in den Ländern, die aufgrund ihrer besonders günstigen Herstellung von ignoranten Unternehmen ausgewählt werden, gehören oft Kinderarbeit, miserable Löhne und gesundheitsgefährdende Faktoren am Arbeitsplatz zum Standard

Fast Fashion vs. nachhaltige Labels in der Modewelt

Negative Aspekte der Fast Fashion

Das Ziel der Fast Fashion Labels ist, möglichst viel zu verkaufen. Dabei spielt weder der soziale Aspekt noch die Umwelt für die Produzenten eine Rolle. Es zählt allein, günstige Ware in kürzester Zeit herzustellen. Vor diesem Hintergrund entstand die Bezeichnung Fast Fashion, in Deutschland als schnelllebige Mode bekannt. Teilweise werden bis zu 24 Kollektionen in einem Jahr hervorgebracht. Diese müssen nicht nur in rasanter Geschwindigkeit produziert, sondern auch baldmöglichst verkauft werden, um Platz für den jeweiligen Nachschub zu schaffen.

Damit die Kleidungsstücke kaum nach ihrer Ankunft wieder aus dem Lager oder vom Verkaufstisch verschwinden, stehen sie zu Tiefstpreisen im Angebot, Hinzu kommen zusätzliche Rabatte und Sonderaktionen, die potentielle Käufer noch mehr anlocken. Die Produzenten können sich selbstverständlich diese Billigschnäppchen nur leisten, wenn die Herstellungskosten gleichfalls äußerst niedrig sind. Hochwertige Qualität ist damit ausgeschlossen. Dies führt dazu, dass wir regelmäßig neue Kleidung kaufen müssen, da die extrem günstige Ware deutlich schneller kaputtgeht.

Symboldbild Fast Fashion
Fast Fashion Produkte wechseln in unglaublicher Schnelligkeit.

Pixabay.com. hapis (CC0 Public Domain)

Positive Aspekte der Slow Fashion

Die sogenannte Slow Fashion stellt quasi das Gegenteil der vorbezeichneten Variante dar. Umwelt und der Mensch stehen im Fokus, die gesamte Kleidungsproduktion präsentiert sich im Verhältnis deutlich langsamer. Namhafte Hersteller und Designer, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, bringen in der Regel ein bis zwei Kollektionen jährlich auf den Markt. Das Augenmerk liegt darüber hinaus häufig weniger auf dem neusten Trend als vielmehr auf langlebigen, zeitlosen sowie klassischen Produkten. Natürlich möchten auch sie ihre Kleidungsstücke erfolgreich verkaufen, im Mittelpunkt steht jedoch „nachhaltige Klasse anstatt kurzlebige Masse“. Dies bringen sie wie folgt zum Ausdruck:

  • Herstellung limitierter Auflagen zur Vermeidung von Überproduktionen
  • Nutzung von Naturfasern, beispielsweise Bio-Baumwolle, die nicht mit Pestiziden belastet sind
  • Kleidung wird ausschließlich aus hochwertigen Rohstoffen hergestellt
  • natürliche Ressourcen unterliegen allein umweltfreundlichen Verfahren

Siegel als Zeichen für nachhaltige Mode

Nachhaltige Kleidungsstücke lassen sich an bestimmten Siegeln erkennen, darunter Slow- und Fair-Fashion, sowie Bio-, Eco- und Grüne Mode. Sie unterliegen verschiedenen Kriterien, die sich wie folgt darstellen.

Bio-Rohstoffe

Naturrohstoffe sind 100-prozentig biologisch abbaubar. Es kommen weder Pestizide noch genmanipuliertes Saatgut zum Einsatz. Auch das Züchten von Monokulturen ist ausgeschlossen.

Ressourcenschonung in der Produktion

Je mehr Ressourcen eingespart werden und somit deren Ausbeutung nicht erfolgt, desto nachhaltiger ist die Herstellung. Dies beinhaltet den geringstmöglichen Verbrauch von Energien, Wasser sowie Erdöl. Darüber hinaus steht der bevorzugte Einsatz schnell nachwachsender Rohstoffe auf dem Programm.

Umweltschonung

Zur Anwendung kommen natürliche und umweltfreundliche Färbeverfahren. Weiterhin werden zum Beispiel spezielle Drucktechniken in Handarbeit ausgeführt.

Faire, soziale Arbeitsbedingungen

Vom Bauern bis zu den Beschäftigten in der Produktion, sie arbeiten unter fairen und sozialen Bedingungen. Außerdem wird Kinderarbeit verhindert.

Tierschutz

Generell ist Tierleid für die Kleidungsherstellung ausgeschlossen. D.h., entweder sind die genutzten Materialien vegan oder sie stammen aus streng kontrollierter, biologischer Tierhaltung. Ausschließlich Nebenprodukte, wofür kein Tier getötet werden muss, werden zur Weiterverwendung herangezogen.

Kurze Transportwege

Es wird überwiegend lokal produziert, zudem kommen vermehrt CO2-sparende Transportmittel zum Einsatz.

Nachhaltige Verpackungen

Entweder ist die Verpackung gänzlich plastikfrei oder sie wird aus recycelten bzw. recycelbaren Materialien hergestellt.

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