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Grönland: Warum ist die größte Insel der Welt so begehrt?
Grönland ist die größte Insel der Welt, mehr als sechsmal so groß wie Deutschland. Zu rund 80 Prozent ist die Insel von einer mehrere Kilometer dicken Eisschicht bedeckt. Sie liegt im Nordatlantik und gehört politisch zum Königreich Dänemark, verfügt jedoch über weitgehende Selbstverwaltung. Mit rund 57.000 Einwohnern ist Grönland äußerst dünn besiedelt. Die meisten Menschen leben entlang der im Sommer eisfreien Küsten. Wer die Insel besucht, sollte sich jedoch warm einpacken: Es herrscht ein raues, arktisches Klima.
Trump, Grönland und die USA
Schon 2019, während seiner ersten Amtszeit, äußerte der US-Präsident Donald Trump ein Interesse der USA daran, Grönland zu kaufen, und stieß damals noch auf weltweite Kritik und Spott. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen antwortete deutlich, dass Entscheidungen über die Zukunft der Insel bei der grönländischen Bevölkerung lägen und ein Verkauf nicht zur Debatte stehe.
Doch nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus für seine zweite Amtszeit ließ Trump das Thema Grönland nicht ruhen. Ende 2024 betonte er erneut, dass die Insel aus seiner Sicht eine wichtige Rolle für die nationale Sicherheit der USA spiele. Er hat den Anspruch der USA auf Grönland mehrfach wiederholt und sogar mit einer Übernahme gegen den Willen Dänemarks gedroht.
Bodenschätze und schmelzendes Eis
Aber warum ist das Interesse an Grönland so groß? Zum einen spielen Bodenschätze eine wichtige Rolle: Grönland gilt als rohstoffreich und verfügt sowohl über bestätigte als auch über vermutete Vorkommen zahlreicher Mineralien. Dazu zählen Metalle der Seltenen Erden, die für moderne Technologien unverzichtbar sind, außerdem Uran, Zink, Eisen, Molybdän und Grafit. Darüber hinaus werden auf und vor der Küste auch Lagerstätten von Kohle sowie Erdöl und Erdgas vermutet.
Auch der Klimawandel spielt beim neu erwachten Interesse an Grönland und seinen Bodenschätzen mit: In den letzten Jahren schmilzt das Eis in Grönland schneller als je zuvor. Gletscher ziehen sich zurück und viele vormals dauerhaft von Eis bedeckte Gebiete werden nun zugänglich.. Durch das vor den Küsten Grönlands schwindende Meereis könnten in Zukunft zudem neue, kürzere Schifffahrtswege zwischen Europa und Asien passierbar werden. Wer diese arktischen Routen kontrolliert, gewinnt Einfluss auf einen Teil des globalen Handels. Das ist einer der Faktoren, der die Insel so attraktiv macht.
Ein wichtiger Stützpunkt für die USA
Grönland spielt aber auch geostrategisch eine wichtige Rolle für die USA: Die Vereinigten Staaten sind dort schon seit dem Zweiten Weltkrieg militärisch präsent. Im Nordwesten Grönlands betreiben sie heute die Pituffik Space Base, von der aus unter anderem Raketenstarts überwacht und Satelliten kontrolliert werden. Der Stützpunkt dient damit als zentraler Beobachtungs- und Überwachungsstandort in der Arktis.
Grönland als Vorposten der US-Verteidigung gewinnt durch den Klimawandel zusätzlich an Bedeutung. Mit dem Rückgang des Meereises werden Seegebiete und Lufträume zugänglich, die bislang nur eingeschränkt nutzbar waren. Dadurch verändern sich Verkehrs- und Flugrouten in der Region, von denen einige näher an Grönland vorbeiführen.
Hinzu kommt, dass die kürzeste Flug- und Raketenroute zwischen Russland und Nordamerika über den arktischen Raum verläuft. Mit der zunehmenden Öffnung der Arktis wächst für die USA und Kanada der Bedarf, bestehende Frühwarn- und Überwachungssysteme anzupassen und ihre Präsenz in der Region abzusichern.