Lexikon

Graphologie

[
griechisch
]
Handschriftendeutung; -beurteilung
ursprünglich ein Zweig der Physiognomik, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einer besonderen Wissenschaft entwickelt, von L. Klages psychologisch neu begründet.
Kam es der älteren Graphologie besonders darauf an, aus einer Summierung von „Merkmalen“ (z. B. Größe, Druck, Bindung, Zeilenführung, Winkelbildung, Zeichensetzung, Verhältnis von Ober- und Unterlängen der Buchstaben), also durch ein mehr oder minder mechanisches Verfahren, Erkenntnisse über die persönliche Eigenart des Schreibers zu gewinnen, so zeigte Klages die Zweideutigkeit (Ambivalenz) der graphologischen Merkmale und die Notwendigkeit, den Schriftausdruck als Ganzes zu erfassen. In dieser Hinsicht ist die Graphologie seither von R. Heiß, R. Pophal, W. H. Müller, A. Enskat u. a. weiter ausgebaut und methodisch abgesichert worden; sie ist jedoch, jedenfalls als alleinige diagnostische Methode, umstritten.
Die Graphologie hatte zeitweise Bedeutung für die ärztliche Diagnostik, Charakteranalyse, Eignungsbegutachtung und Kriminologie. Von der Graphologie zu trennen ist die Schriftexpertise, die der Urheberermittlung bei Schriftstücken dient.
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