Lexikon
Kultụrnation
auf J. G. Herder zurückgehende Auffassung, wonach sich nationales Bewusstsein bereits vor der Herausbildung des modernen Nationalstaats u. unabhängig von ihm entwickelt hat. Danach knüpft das Nationalgefühl nicht – wie beispielsweise in England u. Frankreich – an eine zentrale staatl. Organisation an (Staatsnation) u. liegt auch nicht in dem Willen der Einwohner eines Staates, die einer Nation zugehören, begründet (subjektiver Nationsbegriff), sondern beruht auf gemeinsamer Sprache, gemeinsamen Traditionen der Volkskultur, der Siedlungs- u. Erziehungsweise sowie den Vorstellungen von einer gemeinsamen Abstammung u. Geschichte (objektiver Nationsbegriff). Der Unterschied zwischen K. u. Staatsnation ist vor allem von F. Meinecke herausgearbeitet worden. Danach lassen sich die ersten Äußerungen eines dt. Gemeinschaftsgefühls u. Vorstellungen von einer gemeinsamen dt. Kultur seit der Reformation feststellen. Erst unter dem Eindruck der Französ. Revolution u. der napoleonischen Besetzung Deutschlands wurde der kulturelle Nationalismus in Deutschland politisch u. strebte den Übergang von der K. zur Staatsnation, d. h. zur Vereinigung aller Deutschen in einem Staat, an. – In ähnlicher Weise wird von Vertretern des mit dem Gedanken der K. verbundenen objektiven Nationsbegriffs die Entstehung des Nationalismus bei den ostmitteleuropäischen u. osteuropäischen Völkern im 19. Jh. u. bei den Völkern der Dritten Welt im 20. Jh. erklärt. Auch Nation, Nationalismus.
Wissenschaft
Fidschi-Leguane stellen Fernreise-Rekord auf
Damit eine neu entstandene Insel besiedelt werden kann, müssen ihre zukünftigen Bewohner in der Regel über Luft und Wasser anreisen. Wie sich nun herausgestellt hat, sind die Fidschi-Leguane dabei die absoluten Rekordhalter: Vor rund 34 Millionen Jahren sind die Vorfahren dieser Reptilien – in Nordamerika lebende Wüstenleguane –...
Wissenschaft
Schwingender Riese
Die Messungen der Raumsonde Juno erlauben es, in den dunklen Abgrund von Jupiters mächtiger Gashülle zu spähen. Sichtbar wird eine turbulente Welt in ständiger Bewegung. von THORSTEN DAMBECK Jupiter sei noch jung. Seit seiner Geburt habe der Riesenplanet nur wenig Zeit gehabt sich abzukühlen. Die innere Hitze dränge deshalb...