Lexikon
Natiọn
[lateinisch natio, „Geschlecht“, „Volk“, „Stamm“]
in der modernen Bedeutung des Begriffs eine bewusste und gewollte politische Gemeinschaft, die zwar in vielen Fällen von einer Bevölkerungsmehrheit mit gleicher Sprache und gleichen ethnisch-kulturellen Merkmalen getragen wird, aber darüber hinaus auch ethnisch-kulturell differierende und anderssprachige Bevölkerungsgruppen aufnehmen kann, die sich zu ihr bekennen. Die Nation ist also weitgehend eine Willensgemeinschaft in stetiger politischer Integration. Prägend für die Nation ist vor allem die gemeinsame Geschichte.
Neben diesem Begriff der Staatsnation, wie er in der Französischen Revolution entstand, entwickelte sich – gleichfalls am Ausgang des 18. Jahrhunderts – in Mittel- und Osteuropa die Vorstellung einer Kulturnation (F. Meinecke) im Sinn einer über alle staatlichen Grenzen hinausgreifenden ethnischen und Sprachgemeinschaft, wie z. B. Deutschland, Österreich und die deutschsprachige Schweiz.
Der Begriff der Nation im heutigen Sinne ist eng an die Geschichtsentwicklung der Moderne geknüpft. An den mittelalterlichen Universitäten verwies N. im Sinne von „Landsmannschaft“ nur auf die regionale Herkunft der Lehrer und Studenten. In der Zeit der Französischen Revolution erklärte sich der Dritte Stand zur Nation, um sich von Klerus und Adel abzugrenzen. Eine weitere Konjunktur erlebte der Begriff im 19. Jahrhundert in den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Herrschaft und im Zuge der revolutionären Bewegungen von 1848. In Deutschland benutzte im 20. Jahrhundert das NS-Regime den Begriff der Nation für seine propagandistischen Zwecke. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Prozess der Dekolonisation in Afrika und Asien mit der Idee der Nation verknüpft. Die Vielschichtigkeit und Problematik dieser Idee zeigte sich in jüngster Zeit im Zerfall von alten und der Entstehung neuer politischer Gemeinschaften auf dem Boden des früheren Jugoslawiens und der untergegangen UdSSR.
Wissenschaft
Ein Fest der kulinarischen Unvernunft
Weihnachten und gutes Essen gehören für viele Menschen zusammen. Wir wollen uns etwas Gutes gönnen. Dafür verschieben wir Gedanken an Kalorien, Tierwohl oder Nachhaltigkeit gerne auf die Zeit nach den Feiertagen. von ELENA BERNARD Der Tisch ist festlich gedeckt, im Hintergrund erklingt leise Weihnachtsmusik und der Geruch nach...
Wissenschaft
Unterschätzte Intelligenz
Studien zu Oktopussen und Krebsen zeigen: Auch wirbellose Tiere sind schlau – und empfindsam. von BETTINA WURCHE Im schlammigen Meeresboden gräbt ein Oktopus eine Kokosnussschale aus, klemmt sie sich unter die Arme und marschiert davon. Als er eine zweite Schale findet, setzt er sich hinein und zieht die andere als Dach über sich...
Mehr Artikel zu diesem Thema
Weitere Artikel aus dem Kalender
Weitere Artikel aus der Wissensbibliothek
Weitere Lexikon Artikel
Weitere Artikel aus dem Wahrig Fremdwörterlexikon
Weitere Artikel auf wissenschaft.de
»Agentische KI entscheidet und handelt autonom«
Seide aus dem Labor
Magnonen, Ionen und künstliche Synapsen
»Die ISS ist ein Beispiel dafür, wie wir später auf dem Mond zusammenleben können«
Streit um gesunde Ernährung
Warum vergessen wir auf dem Weg von einem Zimmer ins andere?