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Hongkong: 25 Jahre Sonderverwaltungszone und die Folgen

Am 1. Juli 1997, also vor genau 25 Jahren, wurde die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong wieder zurück an die chinesische Regierung übergeben. Seitdem sollte sie eine demokratische und marktwirtschaftlich freie Sonderzone in der sonst streng zentralistisch geführten Volksrepublik China bilden. Doch das hat sich durch immer stärkere Eingriffe der chinesischen Regierung in den letzten Jahren gewandelt.
JFL, 01.07.2022
Symbolbild Hongkong

zhuyufang, GettyImages

In Hongkong leben derzeit etwa 7,3 Millionen Menschen. Damit ist die Metropole gut doppelt so groß wie Berlin – in China selbst landet sie aber nur auf Platz elf der Millionenstädte. Trotzdem genießt Hongkong eine besondere Stellung in der Volksrepublik: Die Stadt ist eine sogenannte Sonderverwaltungszone. Doch was bedeutet das und wie ist es dazu gekommen?

Opiumkrieg und Britischer Kolonialismus

Im Hochzeit des Kolonialismus, etwa zu Beginn des 19. Jahrhunderts, baute Großbritannien seinen wirtschaftlichen und politischen Einfluss in Ostasien weiter aus, wozu auch ein intensiverer Handel mit dem Kaiserreich China gehörte. Infolge eines Streits um von China konfiszierten Opium erklärte Großbritannien dem Reich der Mitte im Jahr 1839 den Krieg. Der erste sogenannte Opiumkrieg endete drei Jahre später mit einem Sieg der Briten – in den Friedensverträgen musste China dementsprechend einige Rückschläge hinnehmen.

Neben ausgiebigen Reparationszahlungen musste das Kaiserreich den Verträgen zufolge auch die Kontrolle über die Hafenstadt Hongkong an Großbritannien übergeben: Im Jahr 1843 wurde sie zur Kronkolonie erklärt. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Stadt – vor allem durch den Einsatz billiger, nach Hongkong verfrachteter Arbeitskräfte – zu einer Metropole heran.

Nach mehreren, durch die Briten teils blutig niedergeschlagenen Aufständen brachte der Zweite Weltkrieg einen vorübergehenden Wendepunkt in der Geschichte Hongkongs. Im Jahr 1941 brachte Japan die Stadt unter seine Kontrolle. Großbritannien sicherte China derweil zu, die Pachtverträge der chinesischen Kolonien zu Kriegsende aufzulösen – doch die Briten hielten sich nicht daran und übernahmen Hongkong im Jahr 1945 wieder.

 Wagen Nummer 88 der KH Tramways in Sheung Wan
An die britische Vergangenheit erinnern heute in erster Linie nostalgische Elemente wie die doppelstöckigen Wagen der Hong Kong Tramways.

Ein Land, zwei Systeme

In den darauffolgenden Jahren gab es immer wieder Proteste gegen die Kolonialmacht, was dazu führte, dass sich das Vereinigte Königreich zu Beginn der 1980er-Jahre mit der Volksrepublik China an den Verhandlungstisch setzte. In den 1984 unterschriebenen Verträgen wurde schließlich festgehalten, dass Hongkong im Jahr 1997 an China übergeben werde – jedoch unter speziellen Bedingungen.

Demnach sollte Hongkong nicht als „normale“ Stadt wiedereingegliedert werden, sondern es bekam den Status einer Sonderverwaltungszone. Die chinesische Regierung sicherte der stark westlich orientierten, wirtschaftsstarken Metropole so zu, ihre politische und wirtschaftliche Autonomie größtenteils zu behalten – für mindestens 50 Jahre. Dieses Versprechen lief unter dem Motto „Ein Land, zwei Systeme“ und wurde vom damaligen chinesischen Regierungschef Deng Xiaoping geprägt.

Chinas langer Arm

Obwohl die versprochenen 50 Jahre erst zur Hälfte verstrichen sind, ist von der Autonomie Hongkongs heute nicht mehr allzu viel übrig. Im Jahr 2014 beschloss die Volksrepublik China, sich das Recht über die Kandidatenwahl der Regierung in Hongkong vorzubehalten. Die so etablierte pekingnahe Führung ebnete den Weg zu erheblichen Einschränkungen der Freiheitsrechte in Hongkong und zu einer immer stärkeren Angleichung des politischen Systems an Festlandchina. 2019 ermöglichte diese Wandel es unter anderem, dass Straftäter von Hongkong nach China ausgeliefert werden können.

DIeser Wandel führte zu Massenprotesten in der Sonderverwaltungszone, die zu einer großen Zahl von  Verhaftungen durch chinesische Sicherheitskräfte führten. Vor allem die Festnahmen junger Bürgerrechtler und Journalisten und starke Repressalien durch die Regierung führten nach den Protesten in den Jahren 2019 und 2020 dazu, dass die Demonstrationen nach und nach zurückgingen – ähnlich wie die Autonomie Hongkongs. Heute ist von dieser nur noch wenig bemerkbar, was auch der geplante Besuch des Regierungschefs Xi Jinping zeigt. Zum 25. Jubiläum des britischen Abzugs wird wohl nicht die Unabhängigkeit Hongkongs, sondern seine Zugehörigkeit zur Volksrepublik gefeiert.

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