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Die etwas anderen olympischen Spiele

Am Freitag, dem 23. Juli 2021, war es endlich soweit soweit: Mit fast genau einem Jahr Verspätung begannen die Olympischen Spiele in Tokio. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Austragung der Sportwettkämpfe um ein Jahr verschoben – zum ersten Mal in der Geschichte Olympias. Der Pandemie entkommen die Veranstalter und Athleten deswegen trotzdem nicht. Was aber bedeutet dies für die Teilnehmenden, die Gastgeberstadt und den Ablauf der Spiele?

Symbolbild Coronaspiel von Tokio
Mit einem Jahr Verspätung beginnen die Olympischen Spiele in Tokio. Der Pandemie entkommen die Veranstalter und Athleten deswegen trotzdem nicht.

Die olympische Spiele sind für die Leichtathletik und viele andere Sportarten der Höhepunkt im Wettkampfkalender. Für viele Sportlerinnen und Sportler sind die alle vier Jahre ausgetragenen Spiele das große Ziel ihrer Karriere. Meist trainieren sie jahrelang auf dieses Ziel und die vorbereitenden Qualifikationen hin. Die große Hoffnung: Bei den Olympischen Sommerspielen dabei zu sein und vielleicht sogar eine Medaille zu bekommen.

Ein Jahr zu spät, steigende Fallzahlen und kein Publikum

Doch in diesem Jahr ist vieles anders. Das beginnt schon mit dem Datum: Ursprünglich sollten die 32. Olympischen Sommerspiele im Jahr 2020 stattfinden, aber wegen der Corona-Pandemie hat das Internationale Olympische Komitee in Absprache mit dem Gastgeber Tokio das Ganze um ein Jahr verschoben. Das ist auch der Grund, warum die Sommerspiele "Tokio 2020" heißen, obwohl wir das Jahr 2021 schreiben. Statt am 24. Juli 2020 beginnen sie nun am 23. Juli 2021 und werden bis zum 8. August 2021 dauern.

Ziemlich anders wird auch die Atmosphäre bei den Wettkämpfen sein: Nachdem Japan schon vor Monaten die Einreise ausländischer Zuschauer verboten hat, wurde wegen der steigenden Fallzahlen in Tokio und der Delta-Variante des Coronavirus inzwischen beschlossen, auch keine japanischen Zuschauer in die Stadien und Hallen zu lassen – die Olympischen Spiele finden zum ersten Mal ganz ohne Publikum statt.

Dies soll vor allem die japanische Bevölkerung schützen, denn die Fallzahlen steigen – zurzeit liegen sie allein in Tokio bei rund 120 Neuinfektionen pro Tag. Die japanische Regierung hat deswegen für ganz Tokio den Corona-Notstand verhängt – zum vierten Mal in dieser Pandemie. Hinzu kommt, dass die Impfquote in Japan noch deutlich geringer ist als bei uns, nur rund 20 Prozent der Bevölkerung sind zum zweiten Mal geimpft.

Blick über Toyko-Shibuya
Metropolregion Tokio. Im Zentrum ist das neue Nationalstadion erkennbar, am unteren Bildrand die Yoyogi-Sporthalle, die für die Sommerspiele von 1964 errichtet wurde und in der das olympische Handballturnier ausgetragen werden soll.

Strenge Regeln für die Teilnehmenden

Für die teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler und ihren Begleittross gelten zudem besondere Regeln: Alle müssen sich mehrfach testen lassen – vor der Einreise, bei Ankunft am Flughafen und auch täglich während der Spiele. Schon jetzt hat es dabei mehrere positive Coronatests gegeben. Wer sich infiziert, muss in Quarantäne – egal ob er seien Wettkampf verpasst oder nicht.

Auch die Regeln im Olympischen Dorf sind streng: Wer nicht gerade seinen Wettkampf bestreitet, muss die Abstandsregeln befolgen und Maske tragen. Die Olympiateilnehmer werden zudem in gesonderten Bussen und Shuttles zu ihren Wettkampfstätten gebraucht, Stadtbummel oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sind Wettverboten. Selbst das Anfeuern von Kollegen fällt diesmal aus: Athleten dürfen nur die Sportstätten betreten, in denen sie selbst ihre Wettkämpfe austragen, der Besuch anderer Sportveranstaltungen ist auch für sie verboten.

Innenansicht des neuen Olympiastadions in Tokio
Das neue Nationalstadion im Westen der Stadt wurde als Hauptaustragungsort der Olympischen Sommerspiele und der Sommer-Paralympics konzipiert.

Die Spielstätten

Die japanische Hauptstadt Tokio ist schon zum zweiten Mal Gastgeber der olympischen Sommerspiele, das letzte Mal war 1964. Eigens für die Neuauflage wurde auf der Insel Harumi in der Bucht von Tokio eine neue Siedlung errichtet, die während der Spiele als olympisches Dorf fungiert, später dann ganz normal bewohnt werden soll. Die Verschiebung der Spiele führte daher zu erheblichen Kosten, da sich nun auch diese Nachnutzung verzögert.

Die Sportstätten für die Sommerspiele liegen fast alle nah beieinander, die meisten Sportarten werden in einem Radius von acht Kilometern um das Olympische Dorf ausgetragen. Dort gibt es die sogenannte Heritage Zone, wo unter anderem das Olympiastadion, der Reit-Parcours, die Handball- und die Tischtennishalle stehen. Weiter südlich in der Tokyo Bay Zone sind unter anderem das Tokyo Aquatics Centre, das Ariake Gymnastics Centre und die Ruder- und Kanu-Strecken beheimatet.

Einige Wettbewerbe werden auch außerhalb Tokios ausgetragen – teilweise auch wegen des extrem warmen-schwülen Klimas zu dieser Zeit. In Tokio kann es im Sommer über 30 Grad heiß werden. Deshalb finden die Marathon und Gehwettbewerbe im 80 Kilometer entfernten, kühleren Sapporo statt, Fußball wird in Sapporo, Sendai, Kashima, Saitama und Yokohama gespielt. Die Golfer treffen sich in Kawagoe. Baseball und Softball finden in Yokohama und Fukushima statt, Segeln vor der Halbinsel Enoshima. Die Sportart surfen findet im etwa 65 Kilometer von Tokio entfernten Chiba statt.

Yachthafen auf der kleinen Halbinsel Enoshima
Yachthafen auf der kleinen Halbinsel Enoshima

Fünf neue Sportarten

Teilnehmen werden mehr als 10.000 Sportlerinnen und Sportler in 33 Sportarten – fünf mehr als beim letzten Mal. Insgesamt werden in 339 Wettbewerben Medaillen vergeben. Ein "Wiederkehrer" unter diesen Sportarten ist Baseball, das schon im Jahr 1912 olympisch war und seitdem immer mal wieder mit dabei war.

Neu sind dagegen die Trendsportarten Surfen und Skateboarden. "Skateboarden bedeutet eigentlich Lifestyle und Freiheit. Olympia bedeutet dagegen Wettbewerb", sagt Ingo Helmich, begeisterter Skate von der Sporthochschule Köln. Dennoch findet er es gut, dass das Skateboarden olympisch wird: "Olympia viele Vorteile für den noch jungen Sport. Durch Olympia professionalisiert sich der Sport hinsichtlich seiner Organisationsstruktur."

Neu mit dabei ist auch Sportklettern: „Sportklettern bei Olympia ist ein ganz spezielles Wettkampfformat, das es so vorher noch nicht gab", erklärt Edwin Jakob von er Sporthochschule Köln. "Extra für die Olympischen Spiele wurde ein Dreikampf aus den Disziplinen Speed (Geschwindigkeitsklettern), Bouldern (Klettern in Absprunghöhe ohne Seil) und Lead (klassisches Vorstiegsklettern mit Seil) eingeführt. Diese drei Disziplinen werden als Kombinationswettkampf ausgetragen."

Ebenfalls ein olympischer Neuzugang ist Karate – eine Kampfkunst, die ihren Ursprung in Japan hat und damit gewissermaßen heimkehrt. Insgesamt acht Goldmedaillen gibt es in Tokio im Karate zu gewinnen. Davon sind zwei für Katas, bei denen einzeln festgelegte Abfolgen von Angriff und Abwehr vorgeführt werden, und sechs Medaillen für Zweikämpfe.

NPO, 22.07.2021
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