Lexikon

Mönchtum

die in verschiedenen Religionen geübte Lebensform zur besonderen Heiligung durch Abkehr vom weltlichen Leben, abgesondertes Wohnen, Enthaltung von Genüssen (besonders sexuelle Enthaltsamkeit), Verzicht auf Besitz und Ehe. – In der christlichen Kirche der Frühzeit wurde das Ideal der Askese gepredigt. Man versuchte, die menschlichen Wünsche und Begierden zu unterdrücken, um so zu sittlicher und christlicher Vollkommenheit zu gelangen.
Ursprünglich lebten die Asketen innerhalb der christlichen Gemeinde, wenn auch zurückgezogen; etwa im 4. Jahrhundert sonderten sie sich von der Gemeinschaft ab. – Großen Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung des asketischen Lebens, besonders der Form des Einsiedlerlebens, hatte Antonius der Große. Die eigentliche Mönchsgemeinde entstand unter Pachomius, der seine Schüler bei sich behielt und mit ihnen ein geistliches Leben führte. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts begründete Benedikt von Nursia das abendländische Mönchtum, das sich vor dem morgenländischen, weltabgewandten, kontemplativen Mönchtum durch Übernahme weltlicher Aufgaben (Ackerbau, Armenpflege und besonders Wissenschaft) auszeichnete. So wurde das Mönchtum Träger der mittelalterlichen Kultur.
Mit dem Aufkommen der Bettelorden im 12./13. Jahrhundert erfuhr auch das mönchische Ideal eine Umwandlung. Die Kritik der Reformation am Mönchtum aufgrund des Rechtfertigungsglaubens führte zur Abschaffung der Klöster im Protestantismus. Gleichzeitig entstand im Jesuitenorden eine neue Form des Mönchtums mit Unterordnung des asketischen Gedankens unter den praktischen Missionszweck.
Das außerchristliche Mönchtum, das sich vor allem der Kontemplation widmet, ist besonders in Indien, Tibet, China und Japan verbreitet. Der Islam besitzt mit den Derwischen eine mönchische Gemeinschaft, während das Judentum als einzige der großen Religionen kein Mönchtum hat.
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