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LEXIKON

Nord-Süd-Konflikt

das politische, wirtschaftliche und soziale Spannungsverhältnis zwischen den Industrieländern der nördlichen Halbkugel und den Entwicklungsländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Es ersetzt nach Ansicht mancher Beobachter den Ost-West-Gegensatz als Konfliktlinie. Dabei wird von den Entwicklungsländern die Errichtung einer neuen Weltwirtschaftsordnung gefordert, mit der die bestehenden Ungerechtigkeiten des Weltwirtschaftssystems beseitigt werden sollen. Dieses Ziel will man über eine völlige Neu- und Umverteilung der wirtschaftlichen Ressourcen erreichen, der sich die Industrieländer aber weitgehend widersetzen. Weitere Forderungen der Entwicklungsländer betreffen u. a. eine neue Weltinformationsordnung sowie eine Neuregelung der Meeresnutzung. Von den erhobenen Forderungen war bis Ende der 1990er Jahre nur wenig realisiert worden. Die globalen Probleme von Migration und Umweltzerstörung geben dem Nord-Süd-Konflikt zusätzliche Brisanz. 1977 wurde die Nord-Süd-Kommission, eine unabhängige Kommission für internationale Entwicklungsfragen, englisch Independent Commission on International Development Issues, Abkürzung ICIDI, auf Vorschlag des Weltbankpräsidenten R. McNamara gegründet. Damit sollte der Dialog zwischen den Entwicklungs- und Industrieländern institutionalisiert werden. Erster Vorsitzender der Kommission wurde W. Brandt. Die Kommission erhielt die Aufgabe, die Beziehungen zwischen den entwickelten und den weniger entwickelten Ländern zu analysieren und Wege zu einer ausgeglichenen Weltordnung vorzuschlagen. Dieser Zielsetzung dienen auch die seit den 1990er Jahren vermehrt abgehaltenen Weltgipfelkonferenzen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten (Klima, Bevölkerungsentwicklung u. Ä.).
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