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Herausforderungen – die Zukunft der Erde

In der Millionen Jahre alten Menschheitsgeschichte nimmt der Abschnitt weltumspannender Entdeckung und Erforschung nur wenige Jahrhunderte ein. In dieser Periode wurden Erkenntnisse über die Erde gewonnen, die heute noch grundlegend sind. Doch selbst im 21. Jahrhundert ist man von einem Verständnis vieler Zusammenhänge noch weit entfernt. Die Hoffnung beruht darauf, noch mehr über den Blauen Planeten zu erfahren und ihn dann auch besser schützen zu können.

Schon immer hat es Naturkatastrophen gegeben, doch sie werden meistens erst dann als Katastrophen empfunden, wenn ihnen Menschen zum Opfer fallen. Das passiert immer häufiger, da mit der wachsenden Weltbevölkerung immer mehr Menschen sich auch dort ansiedeln müssen, wo Gefahr für sie besteht. Dieses geschieht in der Nähe von Vulkanen ebenso wie am Rande der Wüste. Zusätzlich macht sich der Mensch seit Jahrzehnten seine Umweltkatastrophen selbst: Industrie, Verkehr und Haushalte verpesten die Luft mit Abgasen, Öltanker verunglücken, bei der Kernenergie kommt es zu unbeherrschbaren Unfällen, und man weiß noch immer nicht, wo man den radioaktiven Abfall dauerhaft lagern soll.

Eine der Folgen: Immer mehr Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Sie können sich den veränderten Umweltbedingungen nicht mehr anpassen. Doch der Mensch verändert die Natur weiter. Heute ist es in vielen Ländern der Erde üblich, genmanipulierte Pflanzen anzubauen. Niemand kann heute sagen, welche Auswirkungen das haben wird.

Dies alles zu kontrollieren, wird eine Herausforderung für die Zukunft sein. Dabei muss sich die Menschheit auch ihren eigenen Problemen stellen. Noch immer verhungern Menschen, obwohl genügend Lebensmittel zur Verfügung stehen. Eine globale Herausforderung ist auch der Klimawandel, zu dem der Mensch möglicherweise entscheidend beiträgt. Gerade bei diesem Thema zeigt sich, dass schonender Umgang mit den Rohstoffen immer wichtiger wird.

Entdeckung und Erforschung der Erde: Auf immer neuen Wegen

Was beflügelte die europäischen Entdeckungsfahrten?

Das Interesse der europäischen Herrscher lag nicht darin, Länder und Seewege nur zu entdecken; vielmehr galt es, internationale Handelsrouten ausfindig zu machen und so eine wirtschaftliche Vormachtstellung zu erlangen.

Nachdem Heinrich der Seefahrer, Sohn des portugiesischen Königs Johann I., 1419 die besten Nautiker um sich versammelt hatte, tasteten sich die portugiesischen Kapitäne entlang der afrikanischen Westküste immer weiter nach Süden vor. 1488 umrundete Bartolomëo Diaz (1450–1500) die Südspitze des Kontinents, das Kap der Guten Hoffnung. Vasco da Gama (1469–1524) erreichte 1498 als erster Europäer Indien über den Seeweg.

Auch das spanische Königshaus setzte auf Entdeckungsreisen: Nachdem Christoph Kolumbus (1451–1506) 1492 in Amerika gelandet war, machten sich in den ersten beiden Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts rd. 500 Schiffe Spaniens auf den Weg nach Westen.

Wer unternahm im Mittelalter die längste Reise?

Als der am weitesten gereiste Mensch des Mittelalters gilt Ibn Battuta (1304–68/69 oder 1377) aus Tanger (Marokko). 1324 machte er sich auf eine Reise, die erst 1349 zu Ende ging. Dabei legte er rd. 120 000 km zurück – rechnerisch gesehen reiste er dreimal rund um die Erde.

Ibn Battuta besuchte den Norden und Osten Afrikas ebenso wie Indien und China, sah das Delta des Mekong im heutigen Vietnam und den Süden Russlands. Ibn Battutas Aufzeichnungen »Reisen bis ans Ende der Welt« galten im islamischen Kulturkreis als Standardwerk über exotische Länder und Kulturen.

Warum scheiterte Kolumbus?

Seinen eigentlichen Plan, das östliche Asien aus westlicher Richtung über den Seeweg zu erreichen, konnte Kolumbus niemals verwirklichen. Er hatte die Entfernung zwischen den Kanarischen Inseln und Japan auf knapp 4500 km geschätzt, in Wirklichkeit sind es jedoch über 19 600 km. Bis zu seinem Tod 1506 war Kolumbus davon überzeugt, den Seeweg nach Indien gefunden zu haben.

Der aus Genua stammende Seefahrer stach am 3. August 1492 mit drei Schiffen und 90 Mann Besatzung unter spanischer Flagge vom spanischen Palos aus in See. Am 12. Oktober 1492 erreichte er eine Insel der Bahamas, die er San Salvador taufte. Nachdem er auch Kuba und Hispaniola angelaufen hatte, trat er 1493 die Heimreise nach Europa an. Auf seinen insgesamt vier Reisen nach Amerika erreichte er u. a. Trinidad, Panama und Jamaika.

Übrigens: Dem Irrtum des Kolumbus verdanken die Indianer, die Ureinwohner Amerikas, bis heute ihren Namen. Und die Inselgruppe der Antillen heißt dank Kolumbus' Fehler auch Westindische Inseln.

Wer waren die ersten Entdecker?

Schon 1483 v. Chr. erreichten die Ägypter das Goldland Punt, das wahrscheinlich im heutigen Mosambik lag. Ab 600 v. Chr. umsegelten die Phönizier Afrika von Ost nach West. Ab 310 v. Chr. gelangte Pytheas von Marseille ebenfalls per Segelschiff wahrscheinlich bis zum nördlichen Polarkreis. 1003 machte sich der Wikinger Leif Eriksson von Grönland Richtung Westen auf, erreichte Neufundland und gilt somit als der eigentliche Entdecker Amerikas.

Umrundete Magellan als Erster den Globus?

Fernão de Magalhães (um 1480–1521), deutsch Ferdinand Magellan, stach zwar 1519 mit fünf Schiffen zur ersten Weltumseglung in See, wurde aber 1521 auf den Philippinen von Einheimischen getötet.

Ein Jahr nach seinem Tod konnten 18 Mann der ursprünglich 256-köpfigen Besatzung die erste Weltumseglung der Geschichte beenden. Die Spanier feiern heute Juan Sebastián de Elcano (1476–1526) als eigentlichen ersten Weltumsegler, weil er die Flotte wieder nach Hause führte. Magalhães, der Portugiese in spanischen Diensten, hatte jedoch die später nach ihm benannte Magellanstraße entdeckt und u. a. dem Pazifischen Ozean und Feuerland einen Namen gegeben.

Wieso wollte James Cook nach Tahiti?

Die Expedition des Engländers James Cook (1728–79) sollte dazu beitragen, die Entfernung zwischen Sonne und Erde zu berechnen: Er sollte am 3. Juni 1769 den Durchzug der Venus vor der Sonne beobachten. Das astronomische Phänomen tritt sehr selten ein: Jeweils zweimal im Abstand von acht Jahren, dann wieder erst in etwa 120 Jahren – zuletzt fand im Juni 2004 ein solcher Venusdurchgang statt. 1769 wollte man ihn von verschiedenen Punkten aus beobachten; für Cook war Tahiti vorgesehen. Die Insel war erst 1767 das erste Mal von Europäern angelaufen worden, die Fahrt bedeutete also eine Reise ins Ungewisse.

Übrigens: Auf seinen ingesamt drei Weltumseglungen 1768–79 bewies James Cook, dass Neuseeland aus zwei Inseln besteht. Er war der erste Europäer, der mit seinem Schiff den südlichen Polarkreis überquerte. Cooks bekannteste Einzelentdeckung war Hawaii, das ihm zum Verhängnis wurde: Am 14. Februar 1779 wurde er dort im Streit von Eingeborenen getötet.

Wann wurde das Innere Afrikas erforscht?

1795–1806 erkundete der Schotte Mungo Park den Fluss Niger im westlichen Afrika, der Deutsche Johann Rebmann erblickte 1848 als erster Europäer den Kilimandscharo im heutigen Tansania. Der Brite John Hanning Speke entdeckte 1859 den Victoriasee, der an die heutigen Staaten Uganda, Kenia und Tansania grenzt. Der bekannteste Afrikareisende aber war David Livingstone. Ab 1852 war der britische Forscher vier Jahre lang im südlichen Afrika unterwegs. Auf einer weiteren Reise, die er 1865 begann, suchte er die Quellen des Nil, galt dann jahrelang als verschollen und wurde erst 1871 von Henry Morton Stanley wieder ausfindig gemacht.

Waren Humboldt und Darwin Entdecker oder Forscher?

Beides. Die beiden Forscher wollten Erkenntnisse über die Natur sammeln – und gelangten dabei in Gebiete, die zuvor kein Europäer erreicht hatte. Der deutsche Universalgelehrte Alexander von Humboldt (1769–1859) war 1799–1804 in Südamerika unterwegs. 1802 erklomm er als erster Europäer den Chimborazo bis auf 5400 m Höhe. Der 6267 m hohe Berg in Ecuador galt damals als höchster Gipfel der Erde.

Der britische Naturforscher Charles Darwin (1809–82) segelte 1831–36 auf dem Schiff »Beagle« rund um die Erde. Er besuchte u. a. die Kapverdischen Inseln und die Galápagosinseln, landete auf Tahiti, Neuseeland und Mauritius. Beim Studium der Tierwelt auf den Galápagosinseln kam ihm die Eingebung zu seiner Evolutionstheorie.

Wo lagen die letzten weißen Flecken auf der Landkarte?

Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert waren nur noch die unwirtlichsten Gebiete der Erde unbetretenes Land: die Polarregionen. Die kürzeste Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik, die sog. Nordostpassage, führt von der Nordsee entlang der eurasischen Küste bis zum Beringmeer und wurde erst 1879 vom Schweden Adolf Erik Nordenskiöld (1832–1901) bewältigt.

Der Erste, der die Nordwestpassage vom Atlantik durch die arktische Inselwelt Nordkanadas bis zum Beringmeer bezwang, war 1903–06 der Norweger Roald Amundsen (1872–1928). Er war es auch, der 1911 als erster Mensch am Südpol stand. Nur zwei Jahre zuvor hatte der Amerikaner Robert Peary (1856–1920) behauptet, als erster Mensch den Nordpol erreicht zu haben. Heute gilt es als sicher, dass Peary nur in die Nähe des Pols gelangt sein kann. Wie dem auch sei, die wesentlichen Entdeckungen waren gemacht worden, und die letzten weißen Flecken waren von der Landkarte verschwunden.

Wer sind die Entdecker des 21. Jahrhunderts?

Die Erdbeobachtungssatelliten. Sie kreisen in der Erdumlaufbahn, um sich ihr eigenes Bild von unserem Planeten zu machen. Dazu setzen sie die von der Oberfläche abgestrahlte elektromagnetische Strahlung in Bilddaten um. Anders als die von Flugzeugen aufgenommenen Luftbilder sind Satellitenaufnahmen also keine Fotografien. Beide dienen in vielen Bereichen als Grundlage, bei der Kartografie und Raumplanung genauso wie bei der Ozeanerforschung oder der Entdeckung von Rohstoffvorkommen.

Unterstützt werden die Erdbeobachtungssatelliten von den Satelliten des Global Positioning System (GPS). Das 1978 vom US-Verteidigungsministerium ins Leben gerufene System stützt sich heute auf 24 Satelliten, die die Erde auf sechs Bahnen umkreisen. Mindestens vier Satelliten decken zu jeder Zeit jeden Punkt der Erde ab – mit einem kleinen Empfangsgerät kann so jedermann bestimmen, wo genau er sich befindet.

War Marco Polo ein Schwindler?

Das bleibt bis heute ein Rätsel. Fest steht: Der venezianische Kaufmann Marco Polo (1254 bis 1324) war mit seinem Onkel und seinem Vater 1271 nach China aufgebrochen und kehrte erst 1295 nach Venedig zurück. Die meiste Zeit verbrachte er am Hof des Mongolenherrschers Kubilai Khan. In seinem Reisebericht schildert Marco Polo Details der chinesischen Kultur und Politik, des dortigen Handwerks und Handels. Aber weder erwähnt er die Chinesische Mauer, noch finden sich in chinesischen Quellen Hinweise auf den Europäer. Welche Anteile Realität und Fantasie in seinen Darstellungen haben, lässt sich heute kaum noch feststellen.

Wussten Sie, dass …

ab dem 7. Jahrhundert Schiffe von der Arabischen Halbinsel aus die Route nach Indien und China fuhren? Umgekehrt trieben die Chinesen Handel mit der islamischen Welt, ihre Schiffe liefen Somalia und Sansibar an.

Spanien und Portugal die Neue Welt 1494 im Vertrag von Tordesillas unter sich aufteilten? Alle neu entdeckten Länder westlich eines bestimmten Längengrads kamen zu Spanien, der Osten zu Portugal. Wegen dieser Abmachung ist Brasilien das einzige Land in Südamerika, in dem man noch heute Portugiesisch statt Spanisch spricht.

Australien bis ins frühe 19. Jahrhundert als Neuholland bezeichnet wurde? Die Niederländer hatten bei diversen Entdeckungsfahrten ab dem 16. Jahrhundert die Küsten Australiens erkundet.

Sir Francis Drake als Freibeuter im Dienst der Königin Elisabeth I. 1577–80 die zweite Weltumseglung gelang? Dabei störte er den spanischen Überseehandel empfindlich.

Nord-Süd-Konflikt: Reiche und arme Länder

Wieso gibt es reiche und arme Länder?

Die Unterteilung der Welt in reiche Industrienationen und arme Entwicklungsländer geht zum Teil auf den Kolonialismus zurück. Während sich u. a. in Europa wirtschaftlich reiche Staaten entwickeln konnten, wurden die Kolonien lange Zeit in politischer Abhängigkeit gehalten und als Rohstofflieferanten ausgebeutet. Das änderte sich mit der Unabhängigkeit der Kolonien, doch bis heute sind viele dieser Länder politisch instabil und wirtschaftlich zerrüttet. Da die meisten reichen Länder im nördlichen Teil, die meisten armen in den südlichen Regionen der Erde liegen, spricht man vom Nord-Süd-Konflikt.

Was macht ein Land zum Entwicklungsland?

Als Kriterien für ein Entwicklungsland gelten u. a. ein hohes Bevölkerungswachstum, eine unzureichende Versorgung der Einwohner mit Nahrungsmitteln und ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen.

Es kann aber noch eine Vielzahl anderer Merkmale herangezogen werden, wie etwa mangelhafter Zugang zu sauberem Trinkwasser, hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit, geringe Lebenserwartung und eine hohe Analphabetenquote. Ein Beispiel ist das west-afrikanische Land Burkina Faso: 2004 lag dort die Wirtschaftsleistung, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf, bei 350 US-Dollar, die Lebenserwartung betrug 48,1 Jahre, und 79 % der Erwachsenen konnten weder lesen noch schreiben.

Übrigens: Die Bezeichnung »Dritte Welt« ist ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges: Die Staaten der »Dritten Welt« gehörten weder dem Bündnis der NATO (»Erste Welt«) noch dem des Warschauer Paktes (»Zweite Welt«) an. Heute wird immer häufiger von »Einer Welt« gesprochen, ein Schlagwort, das die Aufhebung der Klassengesellschaft innerhalb der Staatengemeinde einfordert.

Kann die Erde alle Menschen ernähren?

Ja, theoretisch. Die weltweit erzeugten Nahrungsmittel würden ausreichen, um die gesamte Menschheit zu versorgen.

Doch verhungern jedes Jahr Millionen Menschen, darunter 6 Mio. Kinder unter fünf Jahren. Die wenigsten sterben bei akuten Hungersnöten durch Missernten, Kriege oder Naturkatastrophen, über die in den Medien berichtet wird, sondern an den gesundheitlichen Folgen einer ständigen Unterernährung. Die Lebenserwartung liegt in den ärmsten Ländern bei etwa 38 Jahren, im Gegensatz hierzu erreicht sie in den 24 reichsten Staaten 70 Jahre.

Ist ein Schuldenerlass gerecht?

So jedenfalls argumentieren die Entwicklungsländer. Sie sehen einen Schuldenerlass als Teil einer Wiedergutmachung für die frühere Ausbeutung durch die Kolonialmächte. Auch seien es meist Diktaturen oder andere autoritäre Führungen gewesen, die Schulden aufgenommen hätten. Das Geld sei nicht dem Land zugute gekommen, sondern habe der persönlichen Bereicherung der jeweiligen Führungselite gedient. In diesem Sinne werden die Kredite als Bestechungsgelder gewertet.

Oft geraten Entwicklungsländer wegen ihrer Abhängigkeit vom Export weniger Güter in die Schuldenfalle. Sollte der Weltmarkt für diese Exportprodukte gesättigt sein, die Preise also sinken, können die Länder ihren Schuldendienst nicht erfüllen, womit die fälligen Zinsen in der Regel auf die Gesamtsumme aufgeschlagen werden. Damit erhöht sich die Schuld und auch die nun fälligen jährlichen Rückzahlungen.

Wobei bilden Norwegen und Niger Extreme?

Beim Entwicklungsstand: Während Norwegen ganz oben auf der Liste des Entwicklungsindex der Entwicklungsorganisation der Vereinten Nationen (UNDP) steht, bildet Niger das Schlusslicht. Diese Liste beschreibt den Entwicklungsstand der Länder dieser Welt. Dabei steht jedoch nicht die wirtschaftliche Entwicklung im Mittelpunkt: Der theoretisch von 0 bis 1 reichende Human Development Index (HDI) misst die »menschliche« Entwicklung. Er kombiniert u. a. die Lebenserwartung mit der Analphabeten- und Einschulungsrate sowie dem BIP pro Kopf.

Was ist eigentlich ...

ein Schwellenland? Ein Entwicklungsland mit einem verhältnismäßig fortgeschrittenen Entwicklungsstand; man nimmt an, dass die Schwellenländer in absehbarer Zeit die typischen Strukturmerkmale eines Entwicklungslandes überwinden werden.

der Internationale Währungsfonds (IWF)? Eine zusammen mit der Weltbank gegründete Institution, die die internationale Währungsstabilität durch Bereitstellung von Krediten sichern soll; wie die Weltbank knüpft der IWF die Kreditvergabe an wirtschaftliche wie politische Bedingungen.

die Kölner Schuldeninitiative? Eine Entlastung hoch verschuldeter armer Entwicklungsländer, die beim 1999 in Köln abgehaltenen G8-Gipfel, dem Treffen der acht reichsten Nationen der Welt, beschlossen wurde; für die Entschuldung können sich Länder qualifizieren, deren Schuldenstand mehr als 150 % der Exporte ausmacht – 42 Staaten erfüllen diese Kriterien.

Umwelt: Erhalten statt zerstören

Zerstört der Mensch die Erde?

Die Erde wird der Mensch nicht zerstören können, aber der viel zitierte »Raubbau an der Natur« hat im vergangenen Jahrhundert bereits zu einer zunehmenden Zerstörung der Umwelt geführt.

Die Auswirkungen eines bedenkenlosen Umgangs mit den natürlichen Ressourcen werden zunehmend spür- und sichtbar. Luft, Wasser und Boden galten lange Zeit als immer und unendlich verfügbare Güter. Daher wurden sie als »billig« und wenig schützenswert angesehen. Ihre zunehmende Verschmutzung hat jedoch zur Umkehr der Bewertung und zu öffentlicher Beachtung geführt.

Wo litten die Menschen zuerst an schlechter Luft?

In England. Bereits im frühen 19. Jahrhundert sammelten sich über den dortigen frühindustriellen Zentren Luftschadstoffe wie Kohlenmonoxid, Blei- und Stickoxide sowie Schwefeldioxid in hoher Konzentration an. Hielten sich diese undurchdringlichen »Dunstglocken« über mehrere Tage bzw. Wochen, lösten sie ernsthafte Atemwegserkrankungen aus.

Da die Situation besonders in London häufig prekär war, sprach man bald vom »Londoner Smog«, ein Wort gebildet aus »smoke« (Rauch) und »fog« (Nebel). Gesetzliche Maßnahmen zur Luftreinhaltung haben in Europa in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Verbesserung der Situation geführt.

Was versteht man unter Emissionshandel?

Den Kauf und Verkauf von sog. Kohlendioxid-Zertifikaten: Firmen, die durch umweltfreundliche Technologien wenig Kohlendioxid produzieren, können den Anteil an Kohlendioxid, den sie eigentlich per Gesetz ausstoßen dürften, an solche Firmen verkaufen, die mehr Schadstoffe in die Luft blasen, als erlaubt ist. Solche »Umweltsünder« ersparen sich dadurch den Einsatz umweltfreundlicher Energien bzw. die Zahlung einer Strafe.

Diese Regelung betrifft vor allem Kraftwerke, Stahl- und Chemiewerke sowie Zement- und Papierfirmen. Die EU hat 2005 ein Emissionsrechtehandelssystem eingerichtet, an dem rd. 5260 Anlagen beteiligt sind – in Deutschland sind es etwa 1850.

Ist Ozon schädlich?

Das kommt darauf an, wo es sich befindet. Die in der Stratosphäre vorkommende Ozonschicht hält die schädliche ultraviolette Strahlung von der Erde fern. Dagegen ist das Ozon, das an wolkenlosen Sommertagen durch eine chemische Reaktion aus Stickoxiden entsteht, sehr ungesund. Dieser »Sommersmog« reizt die Atemwege. Bei lange anhaltendem Strahlungswetter steigt die Ozonkonzentration auf über 300 ppb (parts per billion, Teilchen pro Milliarde) an – bereits 150 ppb können für Menschen schädlich sein.

Warum kann Regen sauer sein?

Weil Schwefel- und Stickoxide aus Abgasen in Reaktion mit dem Niederschlagswasser in die für Pflanzen giftigen Schwefel- bzw. Salpetersäuren umgewandelt werden.

Diese Schadstoffe haben in den vergangenen 150 Jahren zum sog. Waldsterben beigetragen. Seit in den 1960er und 1970er Jahren die Industrieschornsteine sehr viel höher gebaut werden, erreichen die ausgestoßenen Schadstoffe auch höhere Schichten in der Atmosphäre; sie werden mit dem Wind großräumig verlagert und teilweise über hunderte von Kilometern transportiert. Wälder, die von den Industriezentren weit entfernt liegen, sind deshalb heute stärker betroffen als die Wald- und Forstgebiete in Industrienähe.

Woran erkennt man kranke Bäume?

Ein sichtbares Zeichen sind lichte Kronen, ausgelöst durch den Verlust vieler Blätter bzw. Nadeln. Bei fortgeschrittener Schädigung wachsen die Nadelbäume nicht mehr in die Höhe, sondern bilden verstärkt Seitentriebe (»Storchennester«). Fichten lassen z. B. ihre nadellosen Zweige herunterhängen (»Lamettasyndrom«), Laubbäume bilden unnatürlich lange Seitentriebe (»Peitschentriebe«) und werfen ihr noch grünes Laub ab. Unter Ozoneinfluss entstehen weiße Blattflecken; Magnesiummangel lässt die Blätter vergilben.

Laut Waldzustandserhebung der Bundesregierung 2005 weisen 29 % aller Waldbäume deutliche Schäden auf und 42 % fallen in die »Warnstufe«.

Können Böden Schadstoffe filtern?

Im Prinzip schon, denn aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften besitzen sie eine natürliche Puffer- und Filterfunktion. Langfristig kommt es jedoch zu einer unumkehrbaren Schädigung der Böden, da sie versauern und vergiftet werden.

Böden können hineingelangte Säuren neutralisieren und Schadstoffe, z. B. Schwermetalle (Quecksilber, Kadmium, Blei und Zink), aus dem Sickerwasser herausfiltern. Dies geht jedoch zulasten der Bodennährstoffe, da diese den Schadstoffen weichen müssen. Düngung und Kalkung können den Nährstoffverlust der Böden auf Dauer nicht ausgleichen. Pflanzen, die auf diesen belasteten Böden wachsen, nehmen statt Nährstoffen zunehmend auch Schadstoffe auf. Über die Nahrungskette gelangen die Schadstoffe schließlich in den menschlichen Organismus.

Was machen die Japaner mit ihrem Müll?

Die Japaner schütten aus Platzmangel Mülldeponien in den Meeresbuchten der großen Städte auf. So wird zwar neues Land gewonnen, aber auch Natur zerstört.

Ab den 1960er Jahren wurde dort mit der Müllverbrennung ein zweiter Weg eingeschlagen. Heute werden fast 80 % des Mülls in rd. 1800 Verbrennungsanlagen verbrannt. Doch damit fallen neben Luftschadstoffen auch Filterrückstände an, die als Sondermüll entsorgt werden müssen. In Deutschland mit seinen knapp 60 Müllverbrennungsanlagen liegt der Anteil des verbrannten Mülls weit niedriger. Ende des 20. Jahrhunderts mussten in Japan pro Jahr und Einwohner 408 kg Restmüll entsorgt werden – in Deutschland waren es nur 209 kg.

Wie funktioniert internationaler Umweltschutz?

Ein konkretes Beispiel ist der Schutz von Feuchtgebieten: 1971 wurde in der iranischen Stadt Ramsar mit der sog. Ramsar-Konvention ein internationales Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten beschlossen, das 1975 in Kraft trat. Über 140 Staaten sind an der Konvention beteiligt. Jeder verpflichtet sich dazu, mindestens ein Feuchtgebiet einzurichten, das den Ramsar-Kriterien entspricht. Diese verlangen eine überregionale Bedeutung, ein Feuchtgebiet muss also ein »Trittstein« für Zugvögel sein. Die durch die Ramsar-Konvention geschützten Feuchtgebiete müssen in ihrer ökologischen Struktur erhalten bleiben, und der jeweilige Staat muss für eine »weise Nutzung« sorgen. Das betrifft z. B. die vorrangige Beachtung bei Raumplanungen. 2004 befanden sich auf der Ramsar-Liste 1387 Feuchtgebiete mit einer Gesamtfläche von rd. 1,2 Mio. km² Fläche, was in etwa der dreifachen Größe von Deutschland entspricht.

Übrigens: Hauptanliegen des Umweltschutzes ist es, den Menschen und seine Gesundheit vor den negativen Folgen seines eigenen Handelns zu bewahren. Der Umweltschutz umfasst all jene Maßnahmen, die die natürliche Umwelt und auch den Menschen vor schädigenden Einflüssen schützen sowie eingetretene Schäden beseitigen oder mildern sollen – angefangen vom umweltbewussteren Verhalten im persönlichen Umfeld bis hin zu internationalen Vereinbarungen zur Reinhaltung von Luft und Wasser. Die Erhaltung der Umwelt ist stärker denn je zur Existenzfrage der Menschheit geworden. Denn der Mensch ist nicht nur Verursacher, sondern auch Betroffener der Umweltzerstörung.

Was ist eigentlich ...

das UNEP? Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (United Nations Environment Programme); es bündelt und koordiniert die Umwelt betreffenden Aktionen aller UN-Organisationen und integriert dabei auch politisch unabhängige Nichtregierungsorganisationen.

die Agenda 21? Ein auf dem Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992 verabschiedetes Umwelt-Aktionsprogramm, mit dem die Bereiche Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert nicht mehr losgelöst von der Umwelt betrachtet werden sollen.

das Kyoto-Protokoll? Ein bei der Klimakonferenz der Vereinten Nationen 1997 in Kyoto verabschiedetes Protokoll, mit dem sich die beteiligten Industrienationen verpflichten, ihre Emissionen klimaschädlicher Gase zwischen 2008 und 2012 um durchschnittlich 5,2 % gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken.

Ist Erdöl Fluch oder Segen?

Beides. Einerseits ist Erdöl der wichtigste natürlich vorkommende Energieträger der Erde; andererseits zählen Tankerunglücke zu den schlimmsten hausgemachten Katastrophen überhaupt. Als im Dezember 1999 die »Erika« mit 30 000 t Schweröl an Bord vor der nordfranzösischen Küste zerbrach, lief mehr als die Hälfte des Öls aus. Fast 500 km Küste wurden verseucht, hunderttausende von Seevögeln und anderen Tieren gingen zugrunde. Die »Prestige« sorgte für die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens, als sie im November 2002 vor der nordspanischen Küste mit 60 000 t Schweröl versank.

Kann man Radioaktivität beherrschen?

Zwar gelang es den Menschen, Radioaktivität durch Kernenergie friedlich zu nutzen – Atomstrom sichert vielen Staaten die Energiegrundversorgung und trägt auch in Deutschland zu rd. einem Viertel zur Energieversorgung bei. Doch Unfälle wie der in der ukrainischen Stadt Tschernobyl im April 1986 offenbarten das hohe Risiko dieser Energie. Allein die Zahl der Menschen, die damals erheblichen Strahlenbelastungen ausgesetzt waren, wurde mit 600 000 angegeben. Nur schwer abschätzbar sind bis heute die Spätfolgen für die unmittelbar betroffenen Regionen in Russland, Weißrussland und der Ukraine.

Desertifikation: Die Wüste kommt

Kann der Mensch Wüsten schaffen?

Ja, leider. Mit steigender Bevölkerungszahl müssen immer mehr Menschen Lebensraum finden und dringen dafür in zuvor unbesiedelte Gebiete vor. Sie zerstören dabei ökologisch sensible Bereiche. In den Steppen- und Savannenlandschaften an den Rändern der Wüsten sind diese Schäden oftmals nicht wiedergutzumachen. Dort schreitet die Wüstenbildung, die sog. Desertifikation, immer weiter voran.

Wie werden Landschaften zu Wüsten?

Eine der wichtigsten Ursachen der Wüstenbildung ist die Veränderung und die Zerstörung der natürlichen Vegetation.

Es ist immer das Gleiche: Wälder werden abgeholzt, der Bodenschutz durch eine Pflanzendecke geht ebenso verloren wie die Vielfalt an Arten. Eine falsch betriebene Landwirtschaft sorgt für den Rest: Zu viele Tiere sollen von der spärlichen Vegetation leben, Felder werden ohne Sicherung vor Wind und Wetter angelegt, eine Bewässerung wird dort betrieben, wo die nötigen Wasserreserven nicht auf Dauer zur Verfügung stehen. Die Übernutzung der natürlichen Ressourcen mündet dann direkt in die Wüstenbildung.

Wie groß ist die Gefahr der Wüstenbildung?

Derzeit leiden 36 Mio. km² Fläche unter den Auswirkungen der Wüstenbildung – ein Areal dreieinhalbmal so groß wie Europa. Jährlich gehen 25 Mrd. t Boden verloren. Sie versalzen, werden weggespült oder -geweht.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen beläuft sich der Schaden in den direkt von Desertifikation betroffenen Ländern auf jährlich etwa 42 Mrd. US-Dollar. Allein in China entstehen jedes Jahr Kosten in Höhe von 7,7 Mrd. US-Dollar – das entspricht 4 % der nationalen Wirtschaftsleistung. In Äthiopien werden nur die Schäden in der Landwirtschaft 2000 bis 2010 auf rd. 7 Mrd. US-Dollar beziffert, dabei sind indirekte Schäden wie die an der Infrastruktur noch nicht berücksichtigt.

Was passiert, wenn die Wüste kommt?

Die betroffenen Menschen sind gezwungen, die lebensfeindlichen Landstriche zu verlassen. Als Umweltflüchtlinge reihen sie sich in die weltweite Migration ein, die längst nicht mehr nur aus Kriegs-, Wirtschafts- und politischen Flüchtlingen besteht.

Dabei trifft es meistens die Ärmsten. Allein auf dem afrikanischen Kontinent sind 45 % der Fläche durch Wüstenbildung gefährdet. In Mali hat schon ein Sechstel der Bevölkerung die Lebensgrundlage durch Ausweitung der Wüste verloren. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) schätzt, dass Afrika jedes Jahr rd. 9 Mrd. US-Dollar an Einkommen verliert, weil immer mehr Landfläche unbewohnbar wird.

Wie kämpft Burkina Faso gegen die Wüste?

In einem Projekt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit entwerfen die Entwicklungshelfer zusammen mit Dorfbewohnern im westafrikanischen Staat Burkina Faso eine an die Region angepasste nachhaltige Landnutzung; sie suchen Alternativen zur Abholzung und Überweidung.

Die Landwirtschaft stößt dort bei 250 mm Regen im Jahr an ihre klimatischen Grenzen. Angebaut werden überwiegend Sorghum und Kolbenhirse. Der Wanderfeldbau mit Brandrodung ist weit verbreitet. Bäume werden abgeholzt oder niedergebrannt und die gewonnenen Flächen als Ackerflächen genutzt.

Zum Schutz vor Erosion werden kleine Erdwälle auf den Feldern gebaut, die das an der Oberfläche ablaufende Wasser bremsen und kanalisieren. Dadurch wird nicht nur der Erosion Einhalt geboten, sondern gleichzeitig auch den Pflanzen Wasser zugeführt. Um die Versorgung mit Trinkwasser zu verbessern, werden Brunnen gebaut. Im Rahmen des Projekts werden zudem Baumschulen eingerichtet, so dass neue Bäume nachwachsen können.

Wussten Sie, dass …

über 1,2 Mrd. Menschen – ein Sechstel der Weltbevölkerung – in Trockengebieten leben und damit potenziell von Desertifikation betroffen sind?

rd. 135 Mio. Menschen in direkter Gefahr sind, durch Desertifikation aus ihren Heimatgebieten vertrieben zu werden? Das sind fast so viele Menschen wie in Deutschland und Frankreich leben.

auch Landstriche in Europa von Desertifikation betroffen sind? Sie sind allerdings auf die Trockengebiete des Mittelmeerraums beschränkt.

Was wird gegen Desertifikation unternommen?

Ende 1996 trat die Konvention zur Bekämpfung von Desertifikation der Vereinten Nationen in Kraft (UNCCD). Die Konvention, der über 180 Staaten zugestimmt haben, legt fest, dass der Kampf gegen die Wüstenbildung nicht alleinige Sache des Staats ist. Auch Bürger sollen daran beteiligt werden. Die Bekämpfung der Desertifikation wird als Umweltaufgabe gleichrangig neben dem Klimaschutz und der Erhaltung der Artenvielfalt betrachtet. Die Umsetzung wird von einem Sekretariat koordiniert, das seine Arbeit 1999 in Bonn aufnahm.

Nachhaltige Entwicklung: Kommende Generationen im Blick

Was bedeutet nachhaltige Entwicklung?

Eine wirtschaftliche Entwicklung wird dann als nachhaltig bezeichnet, wenn sie nicht auf Kosten der Natur und der nachfolgenden Generationen geht. Wirtschaftliches Wachstum bekommt dadurch eine neue Qualität. Der Begriff kommt aus dem englischen »sustainable« – und wäre besser mit »tragfähig« übersetzt worden.

Der Impuls für dieses Konzept ging ab den 1970er Jahren von Einzelpersonen und Institutionen in den Industrienationen aus, jenen Staaten also, die bei ihrem eigenen Wachstum über Jahrzehnte, teilweise über Jahrhunderte, Raubbau betrieben hatten und dies heute noch tun. 1987 wurde für ein Wirtschaftsdenken, das die Tragfähigkeit der Erde berücksichtigt, der Begriff der nachhaltigen Entwicklung eingeführt.

Seit wann beeinflusst die Idee der Nachhaltigkeit die Weltwirtschaft?

Seit der Umwelt- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro. Ihr Abschlussdokument, die Rio-Deklaration, besteht aus 27 Prinzipien, allein in elf von ihnen ist von nachhaltiger Entwicklung die Rede.

Auf dem Erdgipfel in Rio versammelten sich Vertreter aus 172 Staaten – darunter 108 Staats- und Regierungschefs – sowie 2400 Repräsentanten von Nichtregierungsorganisationen. Besprochen wurden die Anforderungen, denen sich die Welt durch die zunehmende Globalisierung zu stellen haben würde.

Ein Jahrzehnt nach Rio folgte 2002 im südafrikanischen Johannesburg die bis dahin größte Konferenz der Vereinten Nationen. Der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung sollte die Beschlüsse von Rio überprüfen, beschränkte sich aber auf einige Themen und verabschiedete einen Aktionsplan.

Wie kann der Mensch den Regenwald erhalten?

Wenn nachhaltig gewirtschaftet wird, können beide durchaus harmonieren. Das zeigt das Beispiel des Budongo Forest, eines der letzten großen Regenwälder im ostafrikanischen Uganda. Sein unter Naturschutz stehender Teil ist mit 825 km² fast so groß wie die Fläche von Berlin. 332 Vogelarten leben dort – 27 mehr als in ganz Deutschland. Rund um das Naturschutzgebiet liegen 30 Dörfer. Da jede Frau in Uganda durchschnittlich sieben Kinder gebärt, wächst mit der Bevölkerung auch der Druck auf den Wald.

Seit 1999 lernen die Einheimischen mit Unterstützung zweier deutscher Hilfsorganisationen, den Wald nachhaltig zu nutzen. Sie erfahren, dass sie neben der Landwirtschaft auch vom Handel leben können; dadurch werden in Zukunft weniger Wälder in Äcker verwandelt. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, über Familienplanung zu informieren, damit weniger Kinder geboren werden und die Zahl der Dörfer langfristig überschaubar bleibt.

Kann die Erde uns in Zukunft noch ernähren?

Im Prinzip schon, doch eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion gelingt nur noch durch eine Intensivierung von Ackerbau und Viehzucht – dazu sind angepasste Landbaumethoden und ein gezielter Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln notwendig. Dies schädigt wiederum Boden, Grund- und Oberflächenwasser sowie die Atmosphäre.

Bereits kultivierter Boden geht Bereits kultivierter Boden geht oft durch Übernutzung, Vernässung, Versalzung und Verwüstung wieder verloren, manchmal für immer. Auch die Erschließung von Neuland ist mittlerweile an die letzten Grenzen gestoßen. Neue Anbauflächen werden heute vor allem in Trockengebieten oder im tropischen Regenwald erschlossen. Doch diese Flächen sind für eine intensive Bodenbearbeitung nicht oder kaum geeignet.

Wie lange reichen die Rohstoffe?

Ein genaues Abschätzen der Rohstoffvorräte ist nahezu unmöglich: Viele Lagerstätten sind noch nicht genügend erforscht oder noch gar nicht entdeckt. Außerdem berücksichtigen fast alle Kalkulationen das jeweils herrschende Marktpreisniveau und den Stand der Technik bei der Förderung.

Der Abbau von vielen Bergbauprodukten hat sich in den letzten Jahrzehnten von den Industriestaaten auf Schwellenländer und wenig entwickelte Länder verlagert, die billiger produzieren können. Bei niedrigen Marktpreisen verschärft sich die wirtschaftliche Situation in diesen Ländern. Dann steigen die Ausgaben für dringend benötigte Industriegüter und Nahrungsmittel stärker als die Einnahmen durch die Ausfuhr von Rohstoffen. 85 Entwicklungsländer erzielen mehr als die Hälfte ihrer Exporterlöse mit nur zwei oder drei Rohstoffen.

Welche Konflikte können sich aus knappen Ressourcen ergeben?

Es können zwei Konflikttypen unterschieden werden: »Verteilungskonflikte« werden um den Besitz bzw. die Kontrolle einer Ressource geführt; »Verschmutzungskonflikte« werden durch die Zerstörung der Umwelt ausgelöst.

Ein häufiges Motiv für Verteilungskämpfe ist Wasser: Ägypten z. B. ist zu 97 % von auswärtigem Flusswasser abhängig. Der ehemalige ägyptische Präsident Anwar As Sadat hatte einmal mit Krieg gedroht, falls Äthiopien das Wasser des Blauen Nil aufstauen würde.

Kann sich Energie erneuern?

Im physikalischen Sinn natürlich nicht, doch manche Energiearten stehen immer zur Verfügung: die erneuerbaren oder regenerativen Energien. Sie beruhen auf den vier Grundelementen der Erde: Feuer, Wasser, Erde und Luft. Dagegen werden die vier weltweit wichtigsten Energierohstoffe Braun- und Steinkohle, Erdöl und Erdgas irgendwann verbraucht sein.

Die weltweit bedeutendste regenerative Energiequelle ist das Wasser. Österreich deckt mehr als die Hälfte seines Strombedarfs aus der Wasserkraft, in Kanada und der Schweiz liegen die Werte sogar über 60 %. Auch Brasilien verdankt über 90 % der Stromerzeugung seinem reichhaltigen Wasserangebot, und Ghana kann mithilfe des Voltaflusses und dessen Stausee fast seinen ganzen Strom mit Wasserkraft erzeugen.

Was haben Hanf und Raps gemeinsam?

Hanf und Raps, aber auch Arnika und Indigo werden als nachwachsende Rohstoffe genutzt. Wie viele andere Pflanzen besitzen sie natürliche Inhaltsstoffe, z. B. Fasern, Farben, Öle und heilende Wirkstoffe, die der Mensch in zahlreichen Lebensbereichen einsetzen und nutzen kann.

Seit Jahrhunderten werden land- und forstwirtschaftlich erzeugte Produkte nicht nur für die Lebensmittelherstellung genutzt. Erst mit der industriellen Revolution verloren sie an Bedeutung. Synthetische Produkte traten an die Stelle pflanzlicher Erzeugnisse, da sie billiger, haltbarer oder vielseitiger einsetzbar waren. In jüngerer Zeit wird die Herstellung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen jedoch wieder belebt. Öl- und Stärkepflanzen stehen bei der Nachfrage an der Spitze, gefolgt von Faser- und Heilpflanzen.

Bei welcher Energieart ist Deutschland Weltmeister?

Deutschland ist nicht nur »Exportweltmeister«, sondern auch Weltmeister in der Erzeugung und Nutzung von Windenergie. Mit fast 18 500 Megawatt installierter Leistung wurde 2005 fast ein Drittel der weltweiten Windenergie in Deutschland produziert.

Gefördert wurde der Siegeszug der Windenergie durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2000, das Betreibern für mehrere Jahre eine feste Vergütung für den von ihnen in das Stromnetz eingespeisten Strom garantiert. Bis 2010 soll der Anteil an erneuerbaren Energien in Deutschland auf mindestens 12,5 % und bis 2020 auf mindestens 20 % erhöht werden.

Lässt sich mit Kühen Strom erzeugen?

Mit ihrer Gülle und dem Mist ist das möglich. Auch aus Gartenabfällen kann man energiereiches Biogas herstellen. Durch Vergären der Gülle entsteht Gas, das in Gasbrennern zu Strom umgewandelt wird. Die dabei frei werdende Wärme kann vor Ort zum Heizen genutzt werden. Biogas könnte in Zukunft ca. 1 % des Energiebedarfs in Deutschland decken.

Übrigens: Holz und Holzkohle waren über Jahrtausende die wichtigsten Heizmaterialien. In Zukunft soll Holz zur ökologischen Stromversorgung beitragen. Bereits heute werden rasch wachsende Bäume wie Pappel, Weide und Esche auf Versuchsplantagen angepflanzt, um ihre systematische Nutzung zu erproben.

Welcher Kraftstoff kommt vom Acker?

Biokraftstoff. Bereits Rudolf Diesel experimentierte für den Antrieb seines ersten Motors in den 1890er Jahren mit Pflanzenölen. Durch die Energiekrise 1973 wurden Biokraftstoffe, die man beispielsweise aus Rapsöl gewinnen kann, als ernsthafte Alternative zu Erdöl oder Erdgas wieder ins Gespräch gebracht. Die Zahl der Tankstellen, an denen man Bio- oder Rapsdiesel tanken kann, nimmt stetig zu. Auch im Bereich der Schmier- und Verfahrensstoffe werden aus Rapsöl gewonnene Produkte immer beliebter, da sie biologisch schnell abgebaut werden und die Umwelt nur gering belasten.

Wussten Sie, dass …

die USA, in denen weniger als 5 % der Weltbevölkerung leben, fast 25 % der weltweiten Treibhausgasemissionen produzieren?

in Deutschland die Siedlungs- und Verkehrsfläche jährlich um 129 ha wächst, eine Fläche, die so groß wie 200 Fußballfelder ist? Ginge es in diesem Tempo weiter, so wäre Deutschland in 80 Jahren zugepflastert.

1950 ein Hektar Agrarfläche weniger als zwei Menschen ernähren musste, es 2000 aber schon vier waren? Bei unverändertem Bevölkerungswachstum werden es 2050 sieben sein.

in Australien ein neuartiges Aufwindkraftwerk geplant ist? In einem Treibhaus von 7 km Durchmesser soll Luft erhitzt werden, die in einem 1 km hohen Turm aufsteigt und schließlich durch Turbinen Strom für 200 000 Haushalte erzeugt.

Wie viel Energie wird weltweit benötigt?

Der Energieverbrauch steigt ständig: 1950 waren es etwa 2 Mrd. Steinkohleeinheiten (SKE) pro Jahr; 50 Jahre später, im Jahr 2000, lag der Verbrauch bei mehr als der sechsfachen Menge (über 12 Mrd. SKE) – obwohl die Weltbevölkerung sich nur verdreifachte. Das bedeutet, dass sich der jährliche Pro-Kopf-Energieverbrauch verdoppelte. Während der Energieverbrauch in den Industrieländern auf sehr hohem Niveau stagniert, steigt er in den Schwellen- und Entwicklungsländern weiterhin stark an. Europa mit Russland verbraucht zusammen mit Nordamerika (ohne Mexiko) fast 60 % der weltweit erzeugten Energie, Mittel- und Südamerika knapp 6 % und Afrika gerade einmal 3 %.

Artensterben: Die Welt wird ärmer

Wieso sterben eigentlich Arten aus?

Dazu kommt es, wenn Lebewesen es aus unterschiedlichen Gründen nicht schaffen, sich Veränderungen der Umwelt anzupassen.

Der Konkurrenzkampf um die gleichen Nahrungsquellen oder Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten führt dann zum Aussterben unterlegener Arten. Andere fallen ihrer eigenen Spezialisierung zum Opfer. Sind Insekten auf nur wenige Pflanzen spezialisiert, bedeutet das Verschwinden dieser Pflanzen aus dem Ökosystem auch das Ende der Insekten. Manchen Tierarten gelingt es, sich in anderen Ökosystemen ein neues Zuhause zu suchen. Für Pflanzen ist das schwieriger.

Übrigens: Bis heute wurden 1,75 Mio. Arten von Mikroben, Pilzen, Pflanzen und Tieren beschrieben. Hinzu kommen unbekannte Arten, deren genaue Anzahl niemand kennt. Wissenschaftler schätzen sie auf drei, 30 oder 100 Millionen.

Welche Verantwortung trägt die natürliche Auslese?

Bevor der Mensch massiv in Natur und Umwelt einzugreifen begann, starben jedes Jahr 0,000009 % aller Tier- und Pflanzenarten aus. Bei 2 Mio. Arten erlosch so alle fünf Jahre eine einzige Art. Das scheint nicht viel, aber im Lauf der Evolution wurden 99 % aller Arten, die jemals die Erde besiedelten, durch natürliche Auslese ausgemerzt.

Immer wieder löschen auch katastrophale Naturereignisse wie einschlagende Meteoriten oder ausbrechende Vulkane eine Vielzahl von Arten aus. Im Perm verschwand vor 250 Mio. Jahren auf einen Schlag über die Hälfte aller damals existierenden Tierfamilien – möglicherweise eine Folge extremer vulkanischer Aktivität. Zum Ende der Kreide fielen vor 65 Mio. Jahren die Dinosaurier einem erneuten Massensterben zum Opfer.

Ist der Mensch ein Superkiller?

Traurig, aber wahr: Seit mehreren Jahrhunderten zerstört der Mensch die Ökosysteme der Tiere und Pflanzen und trägt so zum Aussterben zahlreicher Arten bei. Umweltverschmutzung, die Erschließung neuer Acker- und Weideflächen, die Anlage von Verkehrswegen und die Versiegelung von Flächen stellen dramatische Eingriffe in den Naturhaushalt dar. So hat die intensive Landwirtschaft in Mitteleuropa seit den 1960er Jahren zu einem Rückgang von Feldvogelarten wie Feldlerchen, Kiebitzen oder Goldammern geführt. Auf globaler Ebene trägt der Treibhauseffekt zum Klimawandel bei, der sich auf alle Ökosysteme der Welt auswirkt.

In jüngster Zeit sind es giftige Chemikalien, die über die Nahrungskette Tiere und Pflanzen schädigen. Chemische Stoffe haben dazu geführt, dass der Calciumstoffwechsel bei vielen Vögeln gestört ist. Die Eierschalen werden weicher und Teile des Nachwuchses nehmen vor dem Schlüpfen Schaden.

Was versteht man unter Bioinvasoren?

Bioinvasoren sind Lebewesen, die in Regionen eingeschleppt wurden, wo sie von Natur aus nicht hingehören, etwa Kaninchen in Australien. Durch das absichtliche oder unabsichtliche Einschleppen von Tieren und Pflanzen in fremde Gebiete können im schlimmsten Fall die einheimischen Arten ausgerottet werden.

Kaninchen, Füchsen, Katzen und Hunden fiel in Australien in den letzten 200 Jahren etwa ein Viertel aller Säugetierarten zum Opfer, ein weiteres Viertel ist stark bedroht. In der südfranzösischen Camargue kämpft der eurasische Biber um sein Überleben gegen das in Südamerika heimische Wasserschwein, das größte auf der Welt lebende Nagetier. Der amerikanische Flusskrebs fühlt sich in europäischen Gewässern so heimisch, dass er den europäischen Artgenossen fast vollständig verdrängt hat.

Wie viele Arten stehen auf der Roten Liste?

Die »Rote Liste der bedrohten Arten« enthält 2006 knapp 16 200 Einträge – im Vergleich zu 2004 sind 530 Arten dazugekommen. Ein Drittel aller Amphibienarten, ein Viertel aller Säugetierarten sowie jede achte Vogelart sind vom Aussterben bedroht. Seit 1966 veröffentlicht die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) Listen mit gefährdeten Pflanzen- und Tierarten.

Was ist eigentlich ...

das Washingtoner Artenschutzübereinkommen? Ein 1973 verabschiedetes Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen; auch bekannt unter dem Kürzel CITES, das für das englische »Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora« steht.

Biodiversität? Die genetische Verschiedenartigkeit innerhalb einer Art sowie die Mannigfaltigkeit an Ökosystemen; eine hohe Biodiversität ermöglicht es Lebensgemeinschaften, sich immer wieder neu an ständig wechselnde Umweltbedingungen anzupassen und so ihren Fortbestand langfristig zu garantieren.

Gibt es bald keine Eisbären mehr?

Wenn es mit der Erwärmung des Klimas so weitergeht, könnte es durchaus eng für die Eisbären werden. Durch die Erwärmung schmilzt ihnen buchstäblich der Boden unter den Füßen weg. Doch Eisbären brauchen das Packeis, denn nur von dort aus können sie ihre Hauptnahrung, die Robben, jagen. Heute gibt es nur noch 22 000 Exemplare, in den kommenden 45 Jahren könnte der Bestand nochmals um rd. ein Drittel zurückgehen.

Gentechnik: Fluch und Segen der Technik

Was ist Gentechnik?

Die Gentechnik umfasst alle Techniken, mit denen genetisches Material (DNA) neu kombiniert und auf andere Organismen übertragen werden kann. Sie gehört zu den Schlüsseltechnologien und ist aus Medizin, Landwirtschaft und Umwelttechnik nicht mehr wegzudenken.

Im Gegensatz zu konventionellen Möglichkeiten der Veränderung von DNA, z. B. durch Züchtung, ist mithilfe der Gentechnik ein gezielter Eingriff in die Erbinformation eines Organismus möglich. So kann mittels gentechnischer Methoden ein spezifisches Gen mit seinen Eigenschaften übertragen werden – auch über Artgrenzen hinweg, was bei der Anwendung herkömmlicher Züchtungsmethoden unmöglich ist.

Wo kommt Gentechnik zum Einsatz?

In verschiedenen Bereichen: In der Pflanzengenetik nutzt man sie, um z. B. Pflanzen durch Nährstoffanreicherung oder höheren Vitamingehalt zu optimieren oder um Nutzpflanzen gegen Schädlinge resistent zu machen. Ein weiteres Teilgebiet ist die Tiergenetik.

Neben diesem »Gene-Farming« finden sich Perspektiven in der Medizin bzw. Pharmazie, nämlich durch gentechnisch basierte Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen (Gene-Pharming). Dadurch werden neue Therapien gegen Krebs, Alzheimer u. a. Krankheiten erwartet. Einige Medikamente, z. B. Insulin, werden schon heute gentechnisch produziert.

Was ist Bt-Mais?

Ein insektenresistenter Mais, der ein Protein aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis (B. t.) bildet. Dieses Bakterium ist in der Lage, das giftige Bt-Toxin zu produzieren, das bestimmte Fraßschädlinge schädigt.

Das Protein eignet sich sehr gut als ökologisches, da für Mensch und Umwelt ungefährliches Pflanzenschutzmittel, das auch beim Kartoffelanbau und bei Obst- und Gemüsekulturen sowie ebenfalls beim Anbau von Baumwolle eingesetzt wird. Bt-Mais wird bereits großflächig in den USA kultiviert.

Welche gentechnisch veränderte Pflanze wird am häufigsten angebaut?

Die wirtschaftlich wichtigste gentechnisch veränderte Pflanze (gv-Pflanze) ist die Sojabohne, die auf insgesamt 54,4 Mio. ha in den USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Paraguay, Uruguay, Rumänien, Südafrika und Mexiko angebaut wird. Seit in der EU wegen der Rinderkrankheit BSE das Verfüttern von Tiermehl verboten ist, erlebt der Sojaanbau einen Boom. An zweiter Stelle steht gv-Mais. Gentechnisch veränderte Pflanzen finden sich in insgesamt 21 Ländern, mit steigender Tendenz. Weltweit betrug ihre Anbaufläche 2005 rd. 90 Mio. ha.

Übrigens: In Entwicklungs- und Schwellenländern wie China, Argentinien, Brasilien und Indien ist der größte Flächenzuwachs zu verzeichnen. In Brasilien z. B. vergrößerten sich die Anbauflächen für »Gen-Soja« 2005 von 5 auf 9,4 Mio. ha.

Werden in Zukunft alle Tiere genmanipuliert?

Der Einsatz der Gentechnik in der deutschen Tierzucht ist in absehbarer Zeit nicht vorgesehen. Allerdings wird der Bereich der Gendiagnostik für die Zucht einen hohen Stellenwert einnehmen. Solche Verfahren erlauben es schon heute, Träger von fehlerhaften Genen rechtzeitig zu identifizieren und von der Züchtung auszuschließen.

Seit den 1990er Jahren wird an Verfahren zur Erzeugung gentechnisch veränderter, das heißt transgener Tiere gearbeitet, z. B. der »Krebsmaus«. Forscher hoffen, neue Erkenntnisse zu gewinnen, beispielsweise über Genfunktionen, Evolutionsvorgänge und die Möglichkeit neuer Therapien gegen Krankheiten.

Welche Bedenken gibt es gegen Gentechnik?

Neben ethischen bzw. religiösen Bedenken, die sich gegen die Tiergenetik oder Eingriffe in das menschliche Erbgut richten, bestehen auch viele Vorbehalte gegenüber Anwendungen in der Landwirtschaft und im Nahrungsmittelbereich (Genfood). Kritiker warnen, dass Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu einer unkontrollierten Ausbreitung dieser Organismen führen könnten und damit zu schwer kalkulierbaren Auswirkungen auf das Ökosystem. Ebenso besteht die Gefahr der Übertragung von Tierkrankheiten auf den Menschen bei Organtransplantationen zwischen Mensch und Tier.

Wussten Sie, dass …

in Deutschland der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen bisher nur auf Versuchsfeldern erlaubt ist? Geregelt wird der Anbau über das Gentechnikgesetz (GenTG).

der Begriff »Grüne Gentechnik« die in der Landwirtschaft eingesetzte Gentechnik und »Rote Gentechnik« die Gentechnologie im medizinischen Sektor beschreibt? »Graue Gentechnik« bzw. »Weiße Gentechnik« beziehen sich dagegen auf die in der Mikrobiologie und in der Umweltschutztechnik angewandte Gentechnologie.

seit 2004 in der EU eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Produkte besteht, auch wenn die Veränderung im Endprodukt nicht mehr nachweisbar ist? Ausgenommen sind Fleisch, Eier und Milchprodukte, da sie selbst nicht genetisch verändert werden, oder Produkte, deren Verunreinigung mit genetisch verändertem Material unter 0,9 % liegt.

Globalisierung: Die Welt rückt zusammen

Wieso investieren immer mehr Unternehmen im Ausland?

Dort kann billiger als im Inland produziert werden. Die Kosten, die für Transporte zu ausländischen Standorten aufgewendet werden müssen, können dadurch mehr als ausgeglichen werden. In Schwellen- oder Entwicklungsländern sind die Löhne und Steuern unvergleichlich niedriger als in den Industriestaaten, Sozialabgaben sind vielfach gar nicht zu entrichten. Durch die viel besseren Kommunikationsmöglichkeiten ist es für Unternehmen heute meist problemlos möglich, auch in ferner liegenden Weltgegenden Fertigungsanlagen zu unterhalten.

Im Dienstleistungssektor ist die Globalisierung, die weltweite Verflechtung der Volkswirtschaften, besonders einfach, denn hier ist ein Gütertransport im eigentlichen Sinne nicht mehr nötig oder aber kostenmäßig zu vernachlässigen. Was hin- und herbewegt wird, sind Daten. Softwarefirmen in Indien und Taiwan lassen sich von den großen Unternehmen in Nordamerika ebenso gut beschäftigen wie einheimische Fertiger. In der Regel sind aber die Dienstleistungen in den genannten Ländern viel billiger und ebenso gut.

Was bringt die Globalisierung den Industriestaaten?

Die Chancen für Hightechfirmen und hoch qualifizierte Mitarbeiter haben sich verbessert. Andererseits werden Industrien mit arbeitsintensiven Fertigungsprozessen abgebaut, weniger qualifizierte Arbeiter finden immer schwerer einen Arbeitsplatz.

Im Grunde findet eine Spezialisierung statt. Vor allem Komponentenfertigung wird ins billige Ausland verlagert. Entwicklung, eventuell Endmontage sowie Qualitätskontrolle verbleiben in den hoch entwickelten, technisierten Staaten.

In der Konsequenz bedeutet dies, dass eine gute Ausbildung für den Einzelnen immer wichtiger wird, gleichzeitig bleibt es aber auch zweifelhaft, ob die Arbeitsplatzverluste überhaupt ausgeglichen werden können. Noch einen Schritt weiter gedacht, gefährdet die Globalisierung in den Industriestaaten die hoch entwickelten sozialen Absicherungssysteme, da es vorrangig die Sozialabgaben sind, die Arbeit in diesen Ländern derart verteuern, dass die Unternehmen die Entscheidung zur Abwanderung in andere Länder fällen.

Stehen die Entwicklungsländer auf der Gewinner- oder Verliererseite?

Für die Entwicklungs- wie auch die Schwellenländer bedeutet die Globalisierung zunächst einmal, dass Arbeitsplätze entstehen. Oft liegen die Arbeitsplätze in Bereichen, in denen die Länder bisher überhaupt keine Rolle gespielt haben und die für die Verhältnisse in diesen Ländern sehr gut bezahlt sind. Mit den ausländischen Betrieben kommt zudem Wissen ins Land, denn die mittlere Führungsebene wird in der Regel mit Arbeitskräften aus dem Land besetzt. Es findet also ein Wissens-, ein Know-how-Transfer statt.

Andererseits nimmt die Abhängigkeit der sog. Dritten Welt von den mächtigen multinationalen Konzernen zu. So hat sich mehrfach gezeigt, wie konsequent marktwirtschaftlich viele große Unternehmen auf regionale Krisen oder Marktveränderungen reagieren. Milliarden von US-Dollar wurden aus Südostasien abgezogen, als es 1997 durch Währungsspekulationen zur Asienkrise kam. Ganze Wirtschaftszweige in diesen Ländern brachen zusammen, die Arbeitslosigkeit stieg sprunghaft an, eben weil diejenigen Firmen, die von ausländischen Geldern und Aufträgen abhängig waren, zahlungsunfähig geworden waren.

Was kritisieren die Globalisierungsgegner?

Für Globalisierungsgegner steht Globalisierung für eine unsoziale, entmoralisierte Wirtschaftsauffassung. Die Gegner einer solchen Perspektive sehen das weltweite freie Wirtschaften als eine neue Form der Ausbeutung und des Kolonialismus in den ärmeren Weltregionen. Globalisierung ist daher ein Aspekt des Nord-Süd-Konfliktes zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

Gleichzeitig ist die Argumentation über soziale Standards in die Industriestaaten selbst zurückgekehrt. In vielen dieser Länder ist die soziale Sicherung bereits reduziert worden, in anderen wird ein Abbau intensiv diskutiert. Dabei werden vor allem die Unternehmen entlastet, denn damit sie ihre Konkurrenzfähigkeit erhalten oder zurückgewinnen können, wird ihr Anteil am Budget für die Absicherung der Menschen verkleinert.

Übrigens: Nicht erst heute rückt die Welt näher zusammen. Schon mit dem flächendeckenden Ausbau des europäischen Verkehrsnetzes im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Industrialisierung, wurden alte Grenzen überwunden – ein ähnlicher Prozess, wie es heute die Globalisierung leistet.

Was ist eigentlich ...

G-8? Eine Vereinigung der Staaten mit dem weltweit höchsten Bruttosozialprodukt, der Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, die USA und seit 1997 auch Russland angehören; die G-8 treffen sich jährlich zum Weltwirtschaftsgipfel.

G-77? Eine 1964 von 77 Entwicklungsländern gegründete Gruppe, die für die Gleichberechtigung der armen Länder kämpft; heute gehören ihr 134 Mitgliedsstaaten an.

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