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Die Welt nach 1945 – Politik im Zeichen des Ost-West-Konflikts

Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges prägten zwei sich feindlich gegenüberstehende Lager die neue Weltordnung – das der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten, der so genannte Ostblock, und der demokratische Westen unter der Führung der USA. Vom ideologischen Standpunkt aus betrachtet, standen sich die kommunistische und die kapitalistische Welt gegenüber. Dieser Ost-West-Konflikt, der sich in der Zeit des Kalten Krieges der 1950er und 1960er Jahre zugespitzt hatte, näherte sich erst in den späten 1980er Jahren seinem Ende und wurde in Europa vor allem an der Teilung Deutschlands deutlich.

Mit dieser politischen Entwicklung einhergehend, verschoben sich auch in einem erheblichen Maß die globalen Machtverhältnisse. Das ehemals bestimmende Europa verlor endgültig seine Vormachtstellung, die USA etablierten sich in der Folge zunehmend als Weltmacht, nicht zuletzt weil sie aufgrund ihres technologischen Vorsprungs die Atombombe entwickelt hatten und damit ihre militärische Überlegenheit bewiesen.

Die durch den zweiten Weltkrieg wirtschaftlich und militärisch geschwächten europäischen Staaten mussten nach und nach ihre noch verbliebenen überseeischen Territorien aufgeben; in den ehemaligen Kolonien bildete sich nach der Erlangung der Unabhängigkeit eine Vielzahl neuer Staaten, die allerdings häufig in langwierige kriegerische Konflikte verwickelt waren. So zählte die Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Kriegsursachenforschung von 1945 bis 1997 insgesamt 201 Kriege, von denen die meisten in Asien, Afrika und dem Nahen Osten ausgetragen wurden.

1945 Gründung der UNO
  Teilung Deutschlands
  Gründung der Volksrepublik China
1953 Aufstand des 17. Juni in der DDR
1955 Beitritt der Bundesrepublik zur NATO, der DDR zum Warschauer Pakt
1961 Bau der Berliner Mauer
1962 Kuba-Krise zwischen den USA und der UdSSR
1975 Ende des Vietnamkriegs
1989 Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa
  Öffnung der Berliner Mauer

Die politische Nachkriegsordnung: Teilung der Welt

Wie sollte die Nachkriegsordnung aussehen?

Die Alliierten einigten sich schon während des Zweiten Weltkriegs darauf, nach Kriegsende das besiegte Deutschland unter den Siegermächten aufzuteilen und die Westgrenze der Sowjetunion nach Polen bis an die Curzon-Linie (Vorschlag für eine Demarkationslinie zwischen Polen und Sowjetrussland von 1920) zu verschieben. Als Ausgleich sollte die polnische Grenze bis an die Oder nach Westen verlegt werden.

Festgelegt wurden diese Beschlüsse auf der Konferenz von Teheran (28. November bis 1. Dezember 1943). Erstmals trafen dort mit dem britischen Premierminister Winston Churchill, dem Präsidenten der USA, Franklin D. Roosevelt, und dem sowjetischen Diktator Josef Stalin die drei mächtigsten Männer der damaligen Welt zusammen. Sie koordinierten ihre Kriegsstrategien, bestimmten z. B. die Errichtung einer zweiten Front durch die westlichen Verbündeten und eine sowjetische Offensive im Osten.

Womit befasste sich die Konferenz von Jalta?

Die Konferenz von Jalta (4.–11. Februar 1945, auch Krimkonferenz), an der Churchill, Roosevelt und Stalin drei Monate vor der deutschen Kapitulation teilnahmen, konkretisierte die Beschlüsse von Teheran. Deutschland sollte, unter Einschluss des französischen Verbündeten, in vier Besatzungszonen unterteilt, entmilitarisiert und entnazifiziert werden. Daneben sollte eine alliierte Reparationskommission geschaffen werden.

Die Curzon-Linie wurde als sowjetisch-polnische Grenze anerkannt, die polnische Westgrenze sollte dafür auf deutsches Gebiet bis zur Oder-Neiße-Linie verschoben werden. Außerdem beschlossen die Alliierten zur Sicherung von Frieden und Stabilität in der Welt die Schaffung einer Nachfolgeorganisation für den Völkerbund – die Vereinten Nationen (UNO). Schließlich sollten in Fernost die russischen Rechte wie vor 1904 wiederhergestellt werden.

Welche Regelungen trafen die Siegermächte im Nachkriegsdeutschland?

Nach der Kapitulation Deutschlands am 8./9. Mai 1945 riefen die alliierten Siegermächte im Juni den Kontrollrat ins Leben, bestehend aus den vier Oberbefehlshabern der alliierten Streitkräfte. Er bildete die Regierung für das besetzte Deutschland und sollte Beschlüsse einstimmig fassen. Bald danach (17. Juli bis 2. August 1945) beschlossen Großbritannien, die USA und die Sowjetunion auf der Potsdamer Konferenz Grundsätze für die Behandlung Deutschlands (Entnazifizierung und Verurteilung von Kriegsverbrechern, Entmilitarisierung, Demokratisierung, Reparationen). Darüber hinaus sollten dezentrale (föderale) Strukturen geschaffen werden.

Unter dem Vorbehalt einer endgültigen Friedensregelung wurden auch die Ostgrenzen festgelegt. Königsberg mit dem nördlichen Teil Ostpreußens wurde der UdSSR zugestanden, die Oder-Neiße-Grenze wurde anerkannt und man stimmte der Vertreibung (»Umsiedlung«) der Deutschen aus Polen, der Tschechoslowakei und Jugoslawien zu.

Wie wurden die USA zur Atommacht?

Sie versuchten, potenziellen Konkurrenten zuvorzukommen. Die Amerikaner hatten seit Beginn des Zweiten Weltkriegs und insbesondere seit dem Angriff Japans auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 ihre Bemühungen verstärkt, eine Atombombe zu bauen. Vor allem die Angst, Hitler-Deutschland könne diese verheerende und möglicherweise kriegsentscheidende Waffe vor den Alliierten besitzen, trieb die Forschung voran.

Der amerikanische Physiker Julius Robert Oppenheimer wurde 1942 mit der Leitung der Forschungsgruppe des staatlichen Atomprogramms betraut, im selben Jahr übernahm er die Leitung über die Entwicklung der Atombombe in Los Alamos (New Mexico). Am 16. Juli 1945 konnten die USA dann erstmals erfolgreich eine Atombombe auf ihrem Testgelände zünden.

Warum kam die Atombombe zum Einsatz?

Die amerikanische Regierung wollte die Kapitulation Japans beschleunigen. Am 6. August 1945 warf der Bomber »Enola Gay« eine Plutoniumbombe über der Großstadt Hiroshima ab. Bei dem Angriff sowie an den Folgen der radioaktiven Strahlung starben innerhalb eines Jahres rund 151000 Menschen. Die zweite Atombombe wurde am 9. August über Nagasaki abgeworfen und tötete 70000 Menschen. Die Atombombeneinsätze und die Kriegserklärung der Sowjetunion an Japan am 8. August führten schließlich zur Kapitulation am 14. August – damit war der Zweite Weltkrieg offiziell beendet. Japan wurde unter ein US-amerikanisches Besatzungsregime gestellt (bis 1952) und musste alle Eroberungen seit 1856 aufgeben.

Aus welchem Grund wurde die UNO gegründet?

Es musste eine effektive Nachfolgeorganisation für den 1920 gegründeten Völkerbund – die erste internationale Staatenorganisation zur weltweiten Friedenssicherung – gefunden werden, nachdem diese gescheitert war. Bereits im Krieg machten sich die Alliierten Gedanken über eine effektive Nachfolgeorganisation. Die vom britischen Premier Winston Churchill und dem US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt im August 1941 verfasste Atlantik-Charta bildete ein Grundsatzdokument für die Gründung der UNO. Im Januar 1942 schlossen 26 Staaten, die gegen Deutschland, Italien und/oder Japan (Achsenmächte) kämpften, die »Deklaration der Vereinten Nationen«, mit der sie die Prinzipien der Atlantik-Charta unterstützten. In diesem Dokument fiel erstmals der Begriff »Vereinte Nationen«.

Wie wurde die UNO-Idee umgesetzt?

Auf der Konferenz von Teheran 1943 vereinbarten die USA, Großbritannien und die Sowjetunion die Schaffung einer internationalen Organisation zum Erhalt des Friedens und zur Konfliktvermeidung. 1944, auf der Konferenz von Dumbarton Oaks schließlich erarbeiteten sie mit China eine Rohfassung der Charta der Vereinten Nationen; einige Monate später einigten sie sich über Aufbau und Funktion der neuen internationalen Organisation. Auf der alliierten Kriegskonferenz von Jalta im Februar 1945 wurde noch einmal die Einrichtung einer solchen Weltinstitution bekräftigt. Am 25. April 1945 begann in San Francisco die Gründungskonferenz. Vertreter von 51 Staaten erarbeiteten die endgültige Charta der Vereinten Nationen, die im Juni unterzeichnet wurde.

Wann nahm die UNO ihre Arbeit auf?

Als Gründungstag der Vereinten Nationen (United Nations Organization, UNO) gilt der 24. Oktober 1945, der Tag der Ratifizierung der Charta durch die fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats, China, Großbritannien, Frankreich, Sowjetunion und USA. Die erste Sitzung der Generalversammlung fand am 10. Januar 1946 in London statt. Teilnehmer waren die Delegierten der 51 Staaten, die bis dahin der UNO beigetreten waren. In jenem Jahr trat auch erstmals der Sicherheitsrat zusammen und die erste Resolution der UNO wurde verabschiedet, bezeichnenderweise zur Vernichtung von Atomwaffen.

Warum verlor Europa die politische Weltgeltung?

Die ehemaligen Groß- und Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich gingen aus dem Zweiten Weltkrieg zwar als Sieger hervor, wirtschaftlich waren sie nach 1945 jedoch am Ende. Großbritannien stand vor dem Staatsbankrott und war finanziell völlig von den USA abhängig. Geld musste das Land vorwiegend in den eigenen Wiederaufbau investieren. Für die Kolonien war so gut wie nichts übrig, so dass sich Großbritannien ab 1946 gezwungen sah, sie zum Großteil aufzugeben und überstürzt in die Unabhängigkeit zu entlassen (Ceylon, Indien, Birma). Frankreich verstrickte sich in Indochina (Vietnam) und Nordafrika (Algerien) in langwierige militärische Auseinandersetzungen, die das Land in eine tiefe innenpolitische Krise stürzten und 1958 das Ende der IV. Republik herbeiführten.

Welche Großmächte dominierten nach 1945?

Die USA und die UdSSR. Wirtschaft und Industrie der USA waren intakt, da sich der Krieg nicht bis in die USA ausgeweitet hatte. 1945 stellten die USA weltweit drei Fünftel aller Industriegüter her, auch war der Dollar 1944 als internationale Leitwährung festgelegt worden. Darüber hinaus waren sie als vorerst einzige Besitzerin von Atomwaffen die stärkste Militärmacht. Sie hatten sich Anfang der 1940er Jahre von dem lange vorherrschenden Isolationismus losgesagt und weltpolitische Verantwortung übernommen. Der Sowjetunion gelang es, ab den 1950er Jahren ihr Einflussgebiet in Europa und Asien auszuweiten und bald mit den USA als Atommacht gleichzuziehen.

Warum wurde Österreich neutral?

Um einer Teilung zu entgehen. 1938 schloss sich Österreich auf Druck der Nationalsozialisten dem Deutschen Reich an. Auf der Moskauer Konferenz 1943 erklärten die Alliierten, Österreich sollte nach Kriegsende wieder als souveräner Staat hergestellt werden, allerdings, laut der Konferenz von Jalta, in vier Besatzungszonen unterteilt. Im sowjetischen Teil Österreichs bildete sich 1945 eine provisorische Regierung, die am 27. April einen unabhängigen Staat ausrief und auch von den drei anderen Besatzungsmächten akzeptiert wurde. 1955 unterzeichneten die Alliierten den österreichischen Staatsvertrag zur Beendigung der Besatzung. Österreich verpflichtete sich darin freiwillig zur immerwährenden Neutralität.

Wie wirkt eine Atombombe?

Die Wirkung der ersten und einzigen jemals eingesetzten Atomwaffen beruht auf der Spaltung von Uran-235- bzw. Plutoniumkernen. Eine sich selbst erhaltende – Energie freisetzende – Kettenreaktion in den Atomkernen wird in Gang gesetzt. Das Gefährliche an der Atombombe ist neben ihrer Druck- und Hitzewirkung vor allem die frei werdende radioaktive Strahlung, die das menschliche Erbgut schädigt und zu schweren Krankheiten führt. Radioaktive Partikel in der Luft können zudem über weite Strecken transportiert werden und als radioaktiver Niederschlag in anderen Regionen niedergehen und diese verseuchen.

Wussten Sie, dass …

die USA nur vier Jahre lang die einzige Atommacht waren, bis am 29. August 1949 die Sowjetunion ihre erste Atombombe zündete?

die USA Atomwaffen auf einem über 3000 Quadratkilometer großen Sperrgebiet nördlich von Las Vegas/Nevada testeten? Von 1951 bis 1958 wurden über hundert oberirdische Kernwaffentests durchgeführt, 1962 bis 1992 mehrere hundert unterirdisch.

Deutschland unter Besatzungsherrschaft: Aufbau nach dem Untergang

Wer regierte nach Kriegsende in Deutschland?

Die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion, übernahmen durch die Viermächteerklärung am 5. Juni 1945 die Staatsgewalt in Deutschland und errichteten vier Besatzungszonen unter der Führung der vier Oberbefehlshaber. Berlin wurde in vier Zonen geteilt und war zugleich Sitz des Alliierten Kontrollrats, der als zentrales Regierungsorgan zuständig für alle Entscheidungen war, die Deutschland als Ganzes betrafen.

Wie gestaltete sich die Politik der Besatzer?

Zu den wichtigsten Zielen der Alliierten gehörte die Demokratisierung Deutschlands. Nach dem Potsdamer Abkommen durfte Deutschland nicht mehr zentralistisch regiert werden. In den westlichen Besatzungszonen wurde die Verwaltung von unten (den Kommunen) nach oben (neu gebildete Länder) aufgebaut. Unter alliierter Aufsicht gründeten sich Parteien und Verbände neu. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde dagegen ein eher zentralistisch organisierter Verwaltungsaufbau gefördert. Die größten Machtbefugnisse erhielt hier die eingesetzte Zonenverwaltung. Die Entscheidungen der Verwaltung in den westlichen Besatzungszonen bedurften – zumindest anfangs – der weit gehenden Zustimmung der Besatzungsmächte.

In allen Besatzungszonen, insbesondere in der SBZ, wurden Industrieanlagen demontiert, zum einen, um alliierte Reparationsforderungen zu erfüllen, zum anderen, um Deutschland zu schwächen.

Wie ging der Aufbau der Wirtschaft vor sich?

Angesichts der darniederliegenden Wirtschaft beschlossen Briten und Amerikaner 1946, die Wirtschaftskraft Deutschlands zu fördern. 1947 legten sie ihre Besatzungszonen zusammen und errichteten die »Bizone«. Im selben Jahr verkündete US-Präsident Harry S. Truman seine Doktrin zur Unterstützung »freier« Staaten. 1947 wurde der Marshall-Plan (European Recovery Program) ins Leben gerufen. Er gewährte den westlichen Besatzungszonen Kredite, Rohstofflieferungen und Sachgüter zum Aufbau der Wirtschaft. In der SBZ jedoch bauten die Besatzer eine Wirtschaftsordnung nach sowjetischem Vorbild auf.

Warum war eine Währungsreform nötig?

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren erheblich größere Mengen an Reichsmark im Umlauf, als an Gegenwert in Sachgütern vorhanden war. Die Folge war eine sich beschleunigende Inflation. Am 20. Juni 1948 führten die westlichen Besatzungszonen deshalb eine Währungsreform durch; die Deutsche Mark wurde eingeführt. Ursprünglich sollte die SBZ in die Währungsreform mit einbezogen werden, doch wegen der wachsenden Konflikte zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion zog die Sowjetunion am 23. Juni 1948 in ihrer Besatzungszone mit einer eigenen Währungsreform nach.

Worum ging es bei der Berlin-Blockade?

Die Sowjetunion wollte durchsetzen, dass die Deutsche Mark in Berlin keine Gültigkeit erlangte, vielmehr sollte West-Berlin zusammen mit dem Ostteil dem Währungsgebiet der SBZ eingegliedert werden. Im Juni 1948 verließ das sowjetische Mitglied die alliierte Stadtregierung. Am 23. Juni 1948 stellten die sowjetischen Machthaber die Stromversorgung im Westen Berlins fast vollständig ein, der Landweg dorthin wurde gesperrt. Berlin war nach Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen eine Insel in der SBZ. Ab dem 24. Juni 1948 versorgten die Westalliierten die Stadt über eine Luftbrücke. Nach Abschluss eines Viermächteabkommens wurde die Berlin-Blockade am 12. Mai 1949 aufgehoben.

Wie kam es zur Teilung?

Die Uneinigkeit der Besatzungsmächte – die Sowjetunion hatte für ihre Zone eigene Pläne, Frankreich wollte ein möglichst dezentralisiertes Deutschland – führte 1947 dazu, dass sich die USA und Großbritannien zum wirtschaftlichen und administrativen Zusammenschluss ihrer Zonen entschlossen. Im April 1949 bildeten die USA, Großbritannien und Frankreich schließlich aus ihren Zonen die Trizone – die Vorstufe zur Gründung eines eigenständigen westdeutschen Staates.

Die Ministerpräsidenten der Länder beriefen im September 1948 den Parlamentarischen Rat ein, der die Verfassung des Weststaates ausarbeiten sollte. Das Grundgesetz trat am 24. Mai 1949 in Kraft, die Bundesrepublik Deutschland war gegründet. Am 7. Oktober 1949 erhielt auch die SBZ eine eigene Verfassung. Der zweite deutsche Staat entstand: die Deutsche Demokratische Republik.

Wer war in den Nürnberger Prozessen angeklagt?

Insgesamt 22 Kriegsverbrecher, u. a. Hermann Göring, Rudolf Heß (»Stellvertreter des Führers«) und Außenminister Joachim von Ribbentrop wurde dort der Prozess gemacht (bis 1946). Zwölf dieser so genannten Hauptkriegsverbrecher wurden von einem Internationalen Militärgerichtshof, den die Siegermächte 1945 in Nürnberg eingesetzt hatten, zum Tode verurteilt, sieben erhielten Gefängnisstrafen, drei wurden freigelassen. Vor Militärgerichten fanden bis 1949 zwölf weitere Verfahren gegen politische, militärische, wirtschaftliche u. a. Führungskräfte des NS-Regimes statt, darunter Ärzte, Juristen, SS-Angehörige, Generäle und Minister.

Was passierte während der Entnazifizierung?

Die Besatzungsmächte entfernten Nazis aus führenden Stellungen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Man führte groß angelegte Aufklärungsaktionen durch: die Deutschen wurden u. a. in Konzentrationslager getrieben, um ihnen das Ausmaß der Nazi-Gräuel vor Augen zu führen, und auch in demokratischen Gepflogenheiten unterwiesen. Die Entnazifizierung blieb bis 1947 unter vollständiger Verantwortung der Besatzungsmächte. Mehr als 6 Mio. Menschen mussten sich verantworten, die meisten wurden entlastet oder als Mitläufer eingestuft. In der SBZ nutzten Besatzungsmacht und SED die Entnazifizierung auch zur Bekämpfung der politischen Gegner.

Wussten Sie, dass …

der Begriff Grundgesetz für die Verfassung des Weststaates ganz bewusst gewählt wurde, um zu unterstreichen, dass die neue Verfassung nur als Provisorium gedacht war und man hoffte, die Einheit Deutschlands bewahren zu können?

der in den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilte Hermann Göring vor seiner Hinrichtung Selbstmord beging?

Die USA nach dem Zweiten Weltkrieg: Von Kennedy bis Reagan

Was war der Kalte Krieg?

Darunter versteht man das Kräftemessen, das sich die beiden Supermächte USA und UdSSR nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lieferten. Seit 1949 besaß auch die Sowjetunion Atomwaffen; der Koreakrieg von 1950 bis 1953, in den auch die USA eingriffen, schürte die Angst vor einem Dritten Weltkrieg. Das Gipfeltreffen der USA und der UdSSR in Camp David 1959 trug zwar zur Lösung der Ost-West-Spannungen bei, beide Weltmächte versuchten aber weiterhin, ihren politischen und militärischen Einflussbereich auszudehnen– vor allem auf die ehemaligen Kolonien.

In den USA selbst führte der Kalte Krieg zu einer hysterischen und beispiellosen Hetze gegen Kommunisten, die ihren Höhepunkt in der McCarthy-Ära Anfang der 1950er Jahre fand. Künstler und Intellektuelle wurden reihenweise vor den von Senator Joseph McCarthy geleiteten Untersuchungsausschuss zitiert und wegen angeblich kommunistischer Umtriebe verurteilt.

Was passierte in der Innenpolitik der 1960er?

Es herrschte Aufbruchstimung. Im 1960 zum Präsidenten gewählten erst 43-jährigen John F. Kennedy sahen viele und vor allem die Schwarzen, die damals anfingen, um ihre Rechte zu kämpfen, einen Hoffnungsträger. Und tatsächlich initiierte er in seiner kurzen Amtszeit, die 1963 mit seiner Ermordung abrupt endete, viele Reformen, die sein Nachfolger Lyndon B. Johnson in die Tat umsetzte.

Beherrschendes innenpolitisches Thema der 1960er Jahre waren die großen Rassenunruhen, die das Land erschütterten. Demonstrationen, Sit-ins, blutige Aufstände in den Ghettos der Städte – die Bürgerrechtsbewegung kämpfte mit allen Mitteln, um eine Gleichstellung der Schwarzen zu erreichen. Prominentester Führer des Civil Rights Movement war Martin Luther King. Der Verfechter des gewaltlosen Widerstandes erlag selbst der Gewalt: 1968 wurde er in Memphis, im US-Bundesstaat Tennessee, erschossen.

Wie richtete Kennedy seine Außenpolitik aus?

Außenpolitisch verfolgte Kennedy die Politik des Kalten Krieges und rüstete in großem Stil auf. Zudem baute er das Raumfahrtprogramm aus, um den damaligen Vorsprung der Sowjetunion in diesem Bereich aufzuholen. Nachdem er in der Kubakrise 1962 erreichte, dass die UdSSR ihre auf der Insel stationierten Raketenbasen wieder abbauten, galt Kennedy in der ganzen Welt als Garant des Friedens. Allerdings begann unter seiner Ägide auch das militärische Engagement in Vietnam, das die USA in einen langjährigen Krieg treiben sollte.

Welche Auswirkungen hatte der Vietnam-Krieg?

Aus diesem Krieg gingen die USA zum ersten Mal in ihrer Geschichte als Verlierer hervor und die Nation, die sich immer so gerne als Sieger sah, blieb traumatisiert zurück. Seit Mitte der 1960er Jahre engagierten sich die USA mit großem Truppeneinsatz in Vietnam, um das Vordringen des Kommunismus zu verhindern. Schon bald war absehbar, dass selbst eine mit modernsten Waffen ausgestattete Armee nicht in der Lage war, im Dschungelkrieg zu bestehen. Es kam zu immer heftigerer Kritik und zu Massendemonstrationen im Land. Als die Amerikaner ihre Truppen 1973 abzogen, waren 57 000 Soldaten gefallen.

Was versteht man unter dem Watergate-Skandal?

Die Watergate-Affäre war ein innenpolitischer Skandal. Beauftragte der Republikaner hatten im Wahlkampfbüro der Demokraten Abhörmikrofone versteckt. Der Skandal, der ab 1972 von den Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein aufgedeckt wurde und 1974 zum Sturz von Präsident Richard Nixon führte, trug nicht gerade dazu bei, die Nation aufzumuntern. Es kam zu einer tiefen Staatskrise. Im Zusammenhang mit der zurückgegangenen Aufrüstung mehrten sich zudem die Zeichen einer wirtschaftlichen Rezession.

Wie wurde das Wettrüsten beendet?

Die Abrüstung war nicht nur durch das Ende des Vietnamkriegs bedingt, sondern ging auch auf das SALT-I-Abkommen zurück, das die Supermächte 1972 geschlossen hatten. Es zielte auf eine Beendigung des internationalen Wettrüstens ab. SALT I wurde zwar 1977 verlängert, doch die Beziehungen zwischen Ost und West kühlten nach der sowjetischen Besetzung Afghanistans 1979 wieder ab.

Unter Ronald Reagan, seit 1981 US-Präsident, wurde die Entspannungspolitik zwischen den USA und der UdSSR so weit vorangetrieben wurde, dass es 1987 zur Unterzeichnung des Vertrags über die vollständige Beseitigung aller atomaren Mittelstreckenwaffen kam. Dies war vor allem dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow anzurechnen, der 1985 sein Amt antrat. Seine Politik führte letztlich dazu, dass es heute nur noch eine Supermacht gibt: die USA.

Wussten Sie, dass …

die Hippie-Bewegung in den 1960er Jahren im kalifornischen San Francisco entstand? Junge Leute kritisierten die Sinnentleerung des bürgerlichen Lebens und propagierten das Ideal der »freien Liebe«.

die USA seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs elf Präsidenten hatten? Davon waren fünf Angehörige der Demokratischen Partei und sechs Republikaner. Seit 2001 ist George W. Bush Präsident der Vereinigten Staaten.

Sowjetische Hegemonie: Imperialismus unter Hammer und Sichel

Was war der RGW?

Als Reaktion auf den Marshallplan der USA zum Wiederaufbau der Staaten Europas entstand in Osteuropa 1949 der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW, auch COMECON). Gründungsmitglieder waren die UdSSR, Polen, Bulgarien, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn, später traten u. a. Albanien und die DDR der Vereinigung bei. Der RGW hatte zum Ziel, die zentralen Wirtschaftspläne der Mitgliedsländer zu koordinieren und die Produktion aufeinander abzustimmen. Innerhalb des RGW war die UdSSR die dominierende Macht, von deren Wirtschaftsbeschlüssen die anderen Staaten abhingen.

Wie kam es zum politischen Tauwetter?

Nach dem Tod Stalins 1953 verringerte sich der politische Druck auf die sozialistischen Staaten in Osteuropa, es herrschte »Tauwetter«. Es kam zu Aufständen gegen die UdSSR bzw. gegen das kommunistische Regime im eigenen Land. Dazu zählte u. a. der Volksaufstand in der DDR vom Juni 1953. Arbeiter riefen den Generalstreik aus, forderten u. a. freie Wahlen und die Einheit Deutschlands. Die SED rief die sowjetische Armee zur Hilfe, die den Aufstand unter Anwendung von Gewalt niederschlug.

Gab es im Ostblock Protest gegen die UdSSR?

Ja. Neben dem Volksaufstand in der DDR kam es auch in Polen zu Protesten. Der 1956 in Posen ausgerufene Generalstreik wurde mithilfe der polnischen Armee niedergeschlagen. In Ungarn begann im Oktober 1956 mit Studentenprotesten ein Volksaufstand gegen die eigene Regierung und die UdSSR, unter anderem weil im November 1955 der für Lockerungen eintretende Ministerpräsident Imre Nagy abgesetzt worden war. Daraufhin setzte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Nagy wieder als Ministerpräsidenten ein und bat gleichzeitig um Hilfe. Am 4. November marschierte die Rote Armee in Budapest ein, Nagy wurde festgenommen und später hingerichtet, der Volksaufstand mit Waffengewalt unterdrückt.

Durch welche Entwicklung wurde der Prager Frühling ausgelöst?

In der Tschechoslowakei kam es nach Übernahme der Parteiführung durch den Reformpolitiker Alexander Dubček 1968 zu Versuchen, einen »Sozialismus mit menschlichem Antlitz«, Pressefreiheit und wirtschaftliche Reformen aufzubauen (»Prager Frühling«). Im August des Jahres marschierten sowjetische Truppen und Militäreinheiten des Warschauer Pakts in der Tschechoslowakei ein. Die Bevölkerung stellte sich den anrollenden Panzern vergeblich entgegen.

Was war die Solidarność?

Eine Oppositionsbewegung. In den Satellitenstaaten der UdSSR gab es weiter Protest – in der Regel jedoch im Untergrund. Zu den öffentlich auftretenden Bewegungen gehörte Anfang der 1980er Jahre die nicht von der kommunistischen Partei gesteuerte polnische Gewerkschaft Solidarność (»Solidarität«), die u. a. die Freilassung politischer Gefangener forderte. Zwar wurde Solidarność verboten, dennoch erfuhr sie immer größeren Zulauf. 1988 schließlich musste die Regierung die Gewerkschaft wieder zulassen und die Opposition an einem »Runden Tisch« beteiligen.

Was änderte sich in der Ära Gorbatschows?

Als Michail Gorbatschow 1985 Generalsekretär der KPdSU wurde, kam es zu wirklichen Reformen. Seine Politik führte in den Ostblockstaaten zur Demokratisierung. Vorreiter war neben Polen auch Ungarn. Anfang 1989 entschied sich die kommunistische Partei Ungarns für die Einführung eines Mehrparteiensystems. Im selben Jahr öffnete es seine Grenzen zum Westen für Flüchtlinge aus der DDR und machte somit den »Eisernen Vorhang« durchlässiger. In der DDR führten wachsende Proteste in der Bevölkerung und die Massenflucht in den Westen zum Sturz von Staats- und Parteichef Erich Honecker und im November 1989 zur Öffnung der Grenzen zur BRD.

Warum zerfiel die Sowjetunion?

Die größeren wirtschaftlichen und politischen Freiheiten in der UdSSR führten zu offenen Nationalitätenkonflikten, die viele Sowjetrepubliken nach Unabhängigkeit streben ließen. Die schlechte Wirtschaftslage führte 1991 zu Streiks, wodurch sich die ökonomische Situation der UdSSR dramatisch verschlechterte. Gorbatschow schlug eine Umgestaltung der UdSSR in eine Union souveräner Staaten vor. Altkommunisten wollten 1991 diese Reformen verhindern, setzten Gorbatschow fest, ließen das Parlament in Moskau belagern. Der Widerstand der Bevölkerung unter Boris Jelzin, dem Präsidenten der russischen Teilrepublik, ließ den Putsch in sich zusammenbrechen. Am 31. Dezember 1991 löste sich die Sowjetunion offiziell auf.

Wussten Sie, dass …

in den 1960er und 1970er Jahren auch außereuropäische Staaten (Mongolei, Kuba, Vietnam) im RGW waren? Später wurden noch Kooperationsverträge mit Entwicklungsländern wie Mosambik und Afghanistan geschlossen.

der RGW nach dem Zerfall der kommunistischen Systeme in Ostmitteleuropa am 28. Juni 1991 aufgelöst wurde?

Was bewirkte Michail Gorbatschow in seiner politischen Karriere?

Sein Name steht für Reformen. Der am 2.3.1931 in Priwolnoje im Kaukasus geborene Jurist wurde 1980 Mitglied des Politbüros. 1985 übernahm er dann den Posten des KPdSU-Generalsekretärs. 1988 wurde Gorbatschow auch Präsident des Obersten Sowjets, also Staatsoberhaupt. Er leitete eine Reformpolitik ein, deren Schlagwörter Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) waren. Auch initiierte er wesentliche Abrüstungsverhandlungen mit den USA und stimmte der deutschen Wiedervereinigung zu. Nach einer Reform des politischen Systems wurde Gorbatschow 1990 Staatspräsident der UdSSR. Nach dem Putsch vom August 1991 gegen ihn und seine Reformen gab er den Posten des Generalsekretärs auf. Im Dezember 1991, kurz vor Auflösung der UdSSR, trat er von seinem Amt als Staatspräsident zurück.

Ost-West-Konflikt: Zwei feindliche Lager stehen sich gegenüber

Wie steckten die USA und die UdSSR ihr Terrain ab?

Nach 1945 führte die wachsende Spannung zwischen den Westalliierten und der UdSSR zu einem Kurswechsel in der westlichen Besatzungspolitik. So betonte die Truman-Doktrin von 1947 den Willen der USA, weltweit gegen den Kommunismus vorzugehen, und noch im selben Jahr wurde der Marshallplan zum Wiederaufbau Europas und zur Eindämmung des Kommunismus gestartet. Die UdSSR versuchte ihrerseits Osteuropas Staaten ihrem Wirtschaftssystem einzugliedern, ihren politischen Einflussbereich auszudehnen und ihnen die kommunistische Ideologie »überzustülpen«. 1949 wurde der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) gegründet, dem zunächst Bulgarien, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn angehörten.

Welche Organisationen wurden gegründet?

Die westeuropäischen Staaten gründeten zwischen 1947 und 1949 verschiedene Organisationen, mit denen sie ihre wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit untermauerten, so 1948 den Brüsseler Pakt, aus dem die Westeuropäische Union hervorging. 1949 mündeten die westeuropäischen Sicherheitsbestrebungen in der Gründung des Nordatlantikpakts, der NATO, einem Verteidigungsbündnis, mit dem sich die zehn europäischen Gründungsmitglieder sowie Kanada des Beistands der Atommacht USA versichern wollten, insbesondere für den Fall einer sowjetischen Aggression; 1952 kamen Griechenland und die Türkei hinzu. Die Bundesrepublik Deutschland trat 1955 in die NATO ein (Pariser Verträge). Daraufhin schuf sich die UdSSR mit dem Warschauer Pakt auch ein Militärbündnis. Gründungsmitglieder waren die UdSSR, Albanien, Bulgarien, die DDR, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn.

Warum kam es zur deutschen Wiederbewaffnung?

Anlass für die Wiederbewaffnung und den NATO-Beitritt Deutschlands war der Ausbruch des Koreakriegs im Jahr 1950. Vor dem Hintergrund des Ost-West-Konfliktes standen sich der kommunistische, von der UdSSR und vor allem von der 1949 gegründeten Volksrepublik China unterstützte Norden des Landes und der von den USA und der UNO unterstützte Süden gegenüber. Diese erste militärische Eskalation zwischen den Machtblöcken führte dazu, dass die Wiederbewaffnung Deutschlands für unbedingt notwendig erachtet wurde. Man hoffte, auf diese Weise dem Expansionsstreben der UdSSR nach Westeuropa einen Riegel vorschieben zu können.

Wodurch wurde die Westintegration forciert?

Die sich vor diesem weltpolitischen Hintergrund vollziehende Westintegration der Bundesrepublik Deutschland wurde besonders durch Bundeskanzler Konrad Adenauer vorangetrieben, der – wie viele andere westeuropäische Politiker auch – befürchtete, dass das geteilte Deutschland einen ähnlich schweren Konflikt zwischen der UdSSR und den USA hervorrufen könne wie in Korea. Er bat daher 1950 um Aufstockung der alliierten Truppen und stellte die Einbindung deutscher Soldaten in eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) in Aussicht. Die EVG kam zwar wegen des französischen Vetos nicht zustande, dennoch wurde die Bundesrepublik Deutschland immer stärker in die westliche Allianz eingebunden.

Wie änderte sich die Politik unter Chruschtschow?

Im März 1953 starb der Führer der Sowjetunion, Josef Stalin. Sein Nachfolger Nikita Chruschtschow leitete im Innern eine Phase der Liberalisierung (»Tauwetterperiode«) ein. Gegenüber dem Westen formulierte er den Anspruch der »friedlichen Koexistenz« der beiden Machtblöcke, gegenüber den Satellitenstaaten der Sowjetunion betrieb er jedoch weiterhin eine klare Hegemonialpolitik.

Seine außenpolitische Linie der friedlichen Koexistenz von Kommunismus und Kapitalismus verkündete Chruschtschow 1956 auf dem XX. Parteitag. Die von unterschiedlichen Ideologien geprägten Weltmächte sollten sich nicht bekämpfen, dies sei schon aufgrund der auf beiden Seiten vorhandenen atomaren Waffen selbstzerstörerisch. Die friedliche Koexistenz würde zeigen, welches System auf lange Sicht den Sieg davontrage.

Allerdings ging auch Chruschtschows Entspannungspolitik nicht so weit, eine Beeinträchtigung des sowjetischen Einflussbereichs hinzunehmen. Nach massiven Ausreisewellen aus der DDR in die Bundesrepublik verstärkte sich wieder die Spannung zwischen den ehemaligen Alliierten. Die Krise spitzte sich zu und erreichte ihren Höhepunkt im August 1961 mit dem Bau der Berliner Mauer.

Welche Ereignisse führten zur Kubakrise?

Als Fidel Castro 1959 auf Kuba die Macht errang, verstaatlichte er den Besitz von US-Bürgern, die USA brachen daraufhin die politischen Beziehungen zu Kuba ab und verhängten ein Handelsembargo. Castro wandte sich daher der UdSSR zu. Zusammen mit Exilkubanern organisierte der US-Geheimdienst CIA 1961 eine Invasion in der so genannten Schweinebucht an der Südküste von Kuba, um Castro zu stürzen. Die Aktion schlug fehl.

Zur Abschreckung beschloss die UdSSR 1961, auf Kuba Mittel- und Langstreckenraketen mit dem Ziel USA zu stationieren. Als die USA davon durch Luftaufnahmen von Abschussrampen erfuhren, verhängten sie eine Seeblockade gegen Kuba, um zu verhindern, dass weiteres Kriegsmaterial auf die Insel gelangt. Als sich am 24. Oktober 1962 sowjetische Schiffe der Blockade näherten, stand die Welt am Rande eines Atomkrieges, doch die Schiffe erhielten den Befehl, wieder abzudrehen. Die Sowjetunion zog ihre Raketen von Kuba ab, vereinbarte mit den USA aber auch einen Abbau ihrer Raketen in der Türkei.

Welche politische Wende brachte die Kubakrise?

Die Kubakrise markierte den Beginn der Entspannung zwischen den beiden Supermächten und ihren Verbündeten. 1972 kam es zum Abschluss von zwei Rüstungskontrollverträgen zwischen den USA und der Sowjetunion. Der so genannte ABM-Vertrag (Anti-ballistic Missiles) diente der Abschreckung: Die Errichtung nationaler Abwehrsysteme gegen Atomraketen sollten begrenzt werden, um beide Seiten für einen Atomschlag anfällig zu machen. Der zweite Vertrag war das SALT-I-Abkommen (Strategic Arms Limitation Talks; englisch: Gespräche über die Begrenzung strategischer Waffen), das die Zahl der Abschussbasen für atomare landgestützte Interkontinentalraketen und für seegestützte ballistische Raketen begrenzte.

1979 wurde das SALT-II-Abkommen unterzeichnet, das die Zahl von Trägersystemen (Raketen) für Atomwaffen mit einer Reichweite von mehr als 5500 km begrenzte. SALT I und II sollten einer weiteren Aufrüstung entgegenwirken. Die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), an der neben den europäischen Staaten die USA und die Sowjetunion teilnahmen, sollte die Entspannung fördern und zwischen West und Ost vertrauensbildende Maßnahmen schaffen. Man garantierte sich gegenseitige Nichteinmischung und Wahrung der Menschenrechte.

Warum kühlte das Ost-West-Verhältnis ab?

Zur Verschlechterung der Beziehungen führten 1979 zwei Ereignisse: der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan zur Unterstützung des dort seit 1978 bestehenden kommunistischen Regimes und der NATO-Doppelbeschluss, in Europa Mittelstreckenwaffen (Raketen und Lenkflugkörper) nachzurüsten, wenn sich die UdSSR nicht bereit erklärt, ihre Mittelstreckenraketen deutlich zu reduzieren. Als die USA 1983 begannen, Mittelstreckenraketen zu stationieren, führte dies zum Abbruch der Verhandlungen über den Abbau strategischer Atomwaffen (START).

US-Präsident Ronald Reagan betrieb seit Anfang der 1980er Jahre in der Rüstungspolitik einen Wechsel. Statt auf die jahrzehntelange Abschreckung zu setzen, forderte er die Errichtung eines umfassenden Verteidigungssystems. Zu seinen favorisierten Rüstungsprojekten zählte ein weltraumgestütztes Raketenabwehrsystem (Strategic Defense Initiative, SDI), das darauf abzielte, Raketen in jeder Phase des Flugs abfangen zu können.

Welche Reformen führte Gorbatschow durch?

Die UdSSR war in den 1980er Jahren wirtschaftlich nicht in der Lage, ein ähnliches Rüstungsprojekt wie SDI durchzuführen. Das Geld, das in die Rüstung investiert wurde, fehlte in der Zivilwirtschaft. Als 1985 Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei (KPdSU) gewählt wurde, leitete dieser mit »Glasnost« (Offenheit) und »Perestroika« (Umbau) umfassende gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen ein. Die Planwirtschaft sollte marktwirtschaftliche Züge annehmen und die Demokratisierung gefördert werden.

Daneben trieb Gorbatschow die Abrüstung voran; die USA und die UdSSR beschlossen mit dem INF-Vertrag von 1987, alle atomaren Mittelstreckenraketen zu vernichten. Die START-Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Atomwaffen wurden fortgeführt, und 1991 bzw. 1993 (mit Russland) zu einem Abschluss gebracht.

Warum löste sich der Ostblock langsam auf?

In zahlreichen Satellitenstaaten führte die Politik Gorbatschows, die auch »andere Wege des Sozialismus« akzeptierte, zu einem Demokratisierungsprozess. So beschloss Polen Anfang 1989, die Planwirtschaft weit gehend abzuschaffen und das politische System demokratisch umzugestalten. In Ungarn wurde 1989 die Einführung eines Mehrparteiensystems vereinbart. In der DDR zogen die Demokratisierungsprozesse Mitte 1989 eine Massenflucht in den Westen – meist über Ungarn – nach sich; außerdem mehrte sich die Zahl der Menschen, die offen gegen das Regime protestierten, was letztlich im November 1989 zum Fall der Berliner Mauer führte.

Wurde Gorbatschows Kurswechsel akzeptiert?

Gorbatschows Reformpolitik stieß im eigenen Land auf große Probleme. Zum einen versuchte er, die Vormacht der KPdSU beizuhalten. Doch erwuchs immer mehr Widerstand aus den eigenen Reihen. Zum anderen verbesserte sich die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung nicht und viele ehemals unabhängige Staaten, allen voran die baltischen Länder, pochten auf die Wiederherstellung ihrer Souveränität. In dieser Phase – Mitte 1991 – schlug Gorbatschow die Umwandlung der UdSSR in einen Staatenbund aus souveränen Staaten vor. Dies führte im August 1991 zu einem Putsch von Altkommunisten gegen Gorbatschow. Sie wollten die alten sozialistischen Zustände wiederherstellen. Gorbatschow wurde festgesetzt, und Einheiten der Sowjetarmee besetzten Teile Moskaus. Boris Jelzin, der Präsident Russlands, der schon vorher offen für die Marktwirtschaft und die Abkehr vom Sozialismus plädiert hatte, organisierte den Widerstand der Massen gegen den Putsch, der zwei Tage später zusammenbrach.

Der Zerfall der UdSSR war – auch wegen der Veränderungen in den anderen osteuropäischen Staaten – nicht mehr aufzuhalten. Zunächst wurden die baltischen Staaten in die Unabhängigkeit entlassen. Im Dezember 1991 gründete Russland zusammen mit der Ukraine und Weißrussland die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), der sich später nahezu alle Nachfolgestaaten der UdSSR anschlossen. Damit war die Sowjetunion Geschichte, genauso wie der Kalte Krieg.

Warum entstand der Ost-West-Konflikt?

Während des Zweiten Weltkrieges waren USA und Sowjetunion Verbündete. Schon vor 1945 hatte die UdSSR unter Josef Stalin ihren Machtbereich in Europa weit über ihre Grenzen hinaus ausgedehnt. Die westlichen Alliierten hatten dies zugelassen, weil sie den wichtigen Verbündeten nicht verlieren wollten. Nach dem Zweiten Weltkrieg aber brach die Kriegskoalition auseinander. Ideologische Gegensätze, die sich vor allem in der Deutschlandfrage manifestierten, machten eine weitere Zusammenarbeit unmöglich. Folge des aufkommenden Kalten Krieges zwischen den USA und der UdSSR war die Bildung zweier Machtblöcke.

Wussten Sie, dass …

die Bundesrepublik Deutschland immer noch über Mittel aus dem Marshallplan verfügt? Das Vermögen von zwölf Milliarden Euro liegt in der Verfügungsgewalt des Bundeswirtschaftsministeriums. Unterstützt werden damit Programme zur Wirtschaftsförderung.

nach Stalins Tod im März 1953 zunächst Georgij M. Malenkow das Amt des Ministerpräsidenten und Generalsekretärs der Kommunistischen Partei übernahm? Er wurde jedoch bereits im September 1953 in seiner Parteiamtsfunktion von Nikita Chruschtschow verdrängt und 1955 schließlich auch als Regierungschef abgesetzt.

Wussten Sie, dass …

in der Ära des Ost-West-Konflikts zahlreiche Stellvertreterkriege geführt wurden, bei denen die USA und die UdSSR nicht direkt gegeneinander kämpften, jedoch eine der Kriegsparteien unterstützten? Sie fanden vor allem in Asien, Afrika und in Lateinamerika statt: Die prominentesten sind der Vietnamkrieg (1946 bis 1975), der Koreakrieg (1950–1953) und der Konflikt in Afghanistan (1979–1989). Weitere Ersatz-Kriegsschauplätze waren Angola, Mosambik und Zaire (heute Demokratische Republik Kongo).

Wussten Sie, dass …

unter Michail Gorbatschow erstmals privatwirtschaftliche Unternehmen entstehen durften? Außerdem wurde 1989 zum ersten Mal ein Teil der Vertreter im sowjetischen Volksdeputiertenkongress frei gewählt.

Gorbatschow im Westen weitaus beliebter ist als im eigenen Land? Viele Russen trauern wegen der nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Lage den alten Großmachtzeiten hinterher und werfen Gorbatschow vor, er habe das Land verraten. Im Westen steht sein Name dagegen für das Ende des Kalten Krieges und die deutsche Einheit.

Deutschland: Teilung und Einheit

Was meint der Begriff »deutsche Frage«?

Die Bedeutung des Begriffs hat sich durch den Lauf der Geschichte geändert. Im 19. sowie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts umfasste der Begriff »deutsche Frage« vor allem die Diskussionen um Größe und Aufbau des deutschen Staates. Als dieser nach dem Zweiten Weltkrieg unter Besatzungsherrschaft kam und zwei deutsche Staaten entstanden, war damit vor allem die Frage gemeint, ob und, wenn ja, unter welchen Bedingungen eine Wiedervereinigung stattfinden könnte. Vor allem in der Bundesrepublik Deutschland mochte sich die Politik nicht mit der Teilung des Landes abfinden. Von Bedeutung für die deutsche Frage nach 1945 war außerdem die Frage, ob das den Franzosen unterstellte Saarland wieder in einen deutschen Staat eingegliedert werden würde.

War Österreich Teil eines deutschen Staats?

Was heute abwegig erscheint, wurde in der Vergangenheit wiederholt in Betracht gezogen beziehungsweise in die Tat umgesetzt. Österreich hatte vor der Reichsgründung durch Bismarck zu den tonangebenden Mächten in Deutschland bzw. im Deutschen Bund gehört, aber Bismarck wählte 1871 die kleindeutsche Lösung ohne Österreich. Das nationalsozialistische Deutschland ließ den Anspruch auf Österreich wieder aufleben. Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Am Tag darauf wurde der »Anschluss« an das Deutsche Reich proklamiert. 1945 sah man Österreich als erstes Opfer der nationalsozialistischen Expansionspolitik und stellte es als eigenständigen Staat wieder her. Mit Erlangung seiner Souveränität 1955 erklärte Österreich seine politische Neutralität.

Warum wurde ein Weststaat gegründet?

Auslöser war der Kalte Krieg. Briten und Amerikaner setzten sich seit Verkündung der Truman-Doktrin 1947 zur Eindämmung des Kommunismus in Europa für die Stärkung Westeuropas ein. Am 1. Juli 1948 überreichten die Militärgouverneure der westlichen Besatzungszonen den Chefs der deutschen Länderregierungen die »Frankfurter Dokumente« zur Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung. Um mit der Gründung eines Weststaats nicht endgültig die Chance auf eine Wiedervereinigung der Besatzungszonen zu verhindern, forderten die Länderchefs, dass der neue Staat lediglich als Provisorium anzusehen sei. Deshalb sollte die Verfassung als »Grundgesetz« bezeichnet werden.

Wie entstand die BRD?

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkündet und trat am folgenden Tag in Kraft. Der am 14. August gewählte Deutsche Bundestag trat am 7. September 1949 zu seiner ersten Sitzung zusammen. Bundespräsident wurde der Liberale Theodor Heuss (Wahl am 12. September), Bundeskanzler der CDU-Politiker Konrad Adenauer (15. September).

Wie reagierte die Ostzone?

Am 7. Oktober 1949 wurde die DDR gegründet. Zunächst wurden für den 15./16. Mai 1949 Wahlen zum Dritten Deutschen Volkskongress anberaumt. Allerdings stand nur eine Einheitsliste unter Führung der SED zur Wahl. Der Volkskongress bestimmte den Zweiten Deutschen Volksrat, der sich dann am 7. Oktober als Provisorische Volkskammer (Parlament) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zusammensetzte und die Verfassung verkündete. Ministerpräsident der DDR wurde Otto Grotewohl, gleichzeitig Vorsitzender der SED, Wilhelm Pieck, ebenfalls SED-Vorsitzender, wurde Staatspräsident.

Wie verlief in der DDR der Aufbau des Sozialismus?

Die DDR entwickelte sich zu einem sozialistischen Staat nach sowjetischem Vorbild. Die nach dem Prinzip des demokratischen Zentralismus (Unterordnung der niedrigeren unter die jeweils höheren Gremien) aufgebaute SED wurde zur führenden Kraft im Staat, andere Parteien und Organisationen wurden auf »Linie« gebracht oder aufgelöst, politische Gegner verfolgt.

Ab 1952 wurde die Grenze zur Bundesrepublik durch Zäune und einen Todesstreifen abgeschottet. Die zentrale Planwirtschaft wurde vorangetrieben, zu Lasten der Konsumgüter zunächst vermehrt Rüstungsgüter hergestellt und die Landwirtschaft kollektiviert. Das verschlechterte die Versorgungslage. Als die SED-Führung 1953 die Arbeitsnormen heraufsetzte, kam es in Ost-Berlin am 17. Juni zum Aufstand. Streiks und Demonstrationen erfassten fast die gesamte DDR. Der Aufstand wurde durch sowjetische Truppen gewaltsam niedergeschlagen.

Waren die Bundesrepublik Deutschland und die DDR zwei souveräne Staaten?

Da gingen die Meinungen auseinander. Die Bundesrepublik erhob den Anspruch, Gesamtdeutschland zu vertreten: Allein in der Bundesrepublik gebe es freie Wahlen, die DDR sei eine Diktatur. Seit 1955 galt die »Hallstein-Doktrin«. Die Bundesrepublik lehnte diplomatische Beziehungen zu Staaten ab, die Beziehungen zur DDR aufnahmen bzw. aufnehmen wollten. Die DDR aber vertrat seit 1955 die Zwei-Staaten-Theorie, nach der das im Zweiten Weltkrieg untergegangene Deutsche Reich zwei legitime Rechtsnachfolger habe.

Warum Westintegration?

Weil die Bundesrepublik zunächst nicht im Besitz der vollen staatlichen Souveränität war; so lag die Außenpolitik in den Händen der Besatzungsmächte. Konrad Adenauer trieb die Westbindung voran, um nach und nach einen souveränen Status zu erlangen, auch wenn dies eine Wiedervereinigung Deutschlands immer unwahrscheinlicher machte.

1951 trat die Bundesrepublik zunächst dem Europarat bei, im selben Jahr erfolgte die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, auch Montanunion), die Vorstufe für die 1957 gebildete Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).

Welche Entscheidung fiel 1957 in der Saar-Frage?

Die Saar blieb deutsch. Nach 1945 forderte Frankreich die Abtrennung des Saarlands von Deutschland sowie dessen Eingliederung in das französische Währungs- und Zollsystem. 1946 wurde es aus der französischen Besatzungszone ausgegliedert und zur Sonderzone ernannt. 1949 trat die Zollunion mit Frankreich in Kraft; der freie Waren- und Personenverkehr mit der französischen Besatzungszone in der Bundesrepublik wurde verboten. Eine Volksabstimmung brachte keine Mehrheit für das Saarstatut, d. h. eine Europäisierung des Saarlands. Daraufhin unterzeichneten Frankreich und die Bundesrepublik den Saar-Vertrag, der das Gebiet am 1. Januar 1957 als neues Land in das Bundesgebiet eingliederte.

Wie kam es zur Wiederbewaffnung?

Auslöser war der 1950 ausgebrochene Koreakrieg. Die Westalliierten und die Bundesrepublik befürchteten, dass der Krieg zwischen dem kommunistischen Nordkorea und dem westlich orientierten Süden Auswirkungen auf das geteilte Deutschland haben könnte. Als Adenauer vorschlug, westdeutsche Truppen für die zu gründende Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) zur Verfügung zu stellen, schlossen die Westalliierten mit der Bundesrepublik den Deutschlandvertrag, mit dem die Bundesrepublik ihre innere und äußere Souveränität erlangen sollte. Der Deutschlandvertrag wurde am 26. Mai 1952 unterzeichnet, der EVG-Vertrag am folgenden Tag. Allerdings kippte das französische Parlament 1954 die Ratifizierung des EVG-Vertrags.

Was sollten die Stalin-Noten erreichen?

Ihr Zweck war es, die Westintegration zu verhindern. Kurz vor Unterzeichnung des Deutschlandvertrags machte der sowjetische Diktator Josef Stalin in den »Stalin-Noten« den Westalliierten den Vorschlag, Deutschland wiederzuvereinigen, allerdings unter der Bedingung der politischen Neutralität. Der Westen reagierte verhalten, die Westbindung wurde vorangetrieben. 1955 wurde die Bundesrepublik Deutschland in das transatlantische Verteidigungsbündnis NATO aufgenommen.

Warum wurde die Berliner Mauer gebaut?

Um das einzige noch offene Tor zur Bundesrepublik zu schließen. Die in der UdSSR durch Chruschtschow ab 1956 eingeleitete Entstalinisierung weckte in der DDR Hoffnung auf Reformen, doch die SED unter Walter Ulbricht unterdrückte jede Kritik. Ende der 1950er Jahre führten die Vergesellschaftung der Landwirtschaft sowie die Versorgungskrise zu verstärkten Fluchtbewegungen. Über Berlin setzten sich viele in den Westen ab. Um die Massenflucht einzudämmen, wurde in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 mit dem Bau der Berliner Mauer begonnen, die den Ostteil vom Westteil der Stadt abriegelte.

Was war die innerdeutsche Haltung zur Teilung?

Die Bundesrepublik fand sich nie mit der Teilung ab, während sich die DDR nach und nach von gesamtdeutschen Vorstellungen verabschiedete. 1949 waren mit der BRD und der DDR zwei Staaten auf deutschem Boden entstanden. Die Gebiete östlich von Oder und Neiße waren nach 1945 von der UdSSR und Polen okkupiert worden. Während die BRD sich dem Westen anschloss, wurde die DDR zum sowjetischen Satellitenstaat. Die bundesdeutsche Politik akzeptierte die Teilung Deutschlands jedoch nie, was auch im Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes zum Ausdruck kam und sich im Anspruch als einzig legitimer Nachfolger des Deutschen Reichs, für alle Deutschen zu sprechen, manifestierte. Die DDR-Führung richtete sich mit der Zwei-Staaten-Theorie ein, nach der aus dem Deutschen Reich zwei souveräne deutsche Staaten hervorgegangen seien. Erst mit der Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt akzeptierte die Bundesrepublik Deutschland Anfang der 1970er Jahre den politischen Ist-Zustand.

Was bewirkte die neue Ostpolitik unter Brandt?

Eine innerdeutsche Annäherung. Die 1969 gebildete sozialliberale Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt erkannte die Existenz zweier deutscher Staaten an. 1970 fanden erstmals innerdeutsche Treffen auf höchster Ebene statt. Im selben Jahr schloss die Bonner Regierung Abkommen mit der Sowjetunion und Polen (Moskauer und Warschauer Vertrag), mit denen die Bundesrepublik u. a. die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens anerkannte.

Die Ostverträge waren die Voraussetzung für das Viermächteabkommen über Berlin von 1971, mit dem die UdSSR u. a. die Transitwege durch die DDR nach West-Berlin garantierte. Zu den großen Erfolgen von Brandts Ostpolitik gehörte auch der Abschluss des Grundlagenvertrags 1972, mit dem die Bundesrepublik und die DDR ihre Beziehungen auf der Grundlage der »Gleichberechtigung« normalisierten.

Wie kam es zum Misstrauensvotum gegen Kanzler Brandt?

Die Ostpolitik Brandts war vor allem in der CDU/CSU umstritten. 1972 versuchte Oppositionsführer Rainer Barzel daher Brandt mit einem konstruktiven Misstrauensvotum zu stürzen – und scheiterte. Die Neuwahlen vom November brachten der SPD das beste Ergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik ein. 1974 trat Brandt jedoch wegen der Affäre um Günter Guillaume, den DDR-Spion im Kanzleramt, zurück. Neuer Bundeskanzler wurde Wirtschafts- und Finanzminister Helmut Schmidt.

Was bestimmte Helmut Schmidts Kanzlerschaft?

Nach Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung mit einer kurzen Rezessionsphase (1966/67) stieg die Arbeitslosenzahl in der Ölkrise 1974 stark an (von 270000 auf rund 580000), weshalb Schmidt als vordringliches Ziel die Bekämpfung der Erwerbslosigkeit nannte. Die SPD-FDP-Regierung versuchte der steigenden Arbeitslosenzahl (erneute Verdopplung 1974/75) gegenzusteuern, indem sie u. a. Subventionen verteilte und Investitionen steuerlich förderte. Dies blieb ohne durchschlagenden Erfolg, stattdessen stieg die Staatsverschuldung bis Ende der 1970er Jahre.

Was war Kanzler Schmidts größte Herausforderung?

Das war der so genannte »Deutsche Herbst« 1977, in dem der Terrorismus einen Höhepunkt erreichte. Die Rote Armee Fraktion entführte den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, um inhaftierte Gesinnungsgenossen freizupressen. Zur Unterstützung dieser Forderung kidnappten palästinensische Terroristen das Passagierflugzeug »Landshut«. Kanzler Schmidt ließ die »Landshut« in Mogadischu (Somalia), wohin sie nach einem Irrflug gelangt war, vom Bundesgrenzschutz stürmen und die Geiseln befreien. Die in Stuttgart-Stammheim inhaftierten RAF-Terroristen begingen daraufhin Selbstmord.

Warum Nachrüstung?

Die Entscheidung der NATO von 1979, atomare Mittelstreckenwaffen in Europa zu stationieren, sofern die Sowjetunion nicht auf ebensolche Waffensysteme verzichte (NATO-Doppelbeschluss), ließ die Friedensbewegung und die neu gegründete Partei »Die Grünen« erstarken. Als die UdSSR ihre Raketen stationierte, reagierte die NATO mit der »Nachrüstung«, die Kanzler Schmidt zunehmend mit seiner eigenen Partei in Konflikt brachte. Auch die Regierung aus Union und FDP, die sich nach dem Ausstieg der FDP aus der Koalition mit der SPD und dem erfolgreichen konstruktiven Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt 1982 gebildet hatte, hielt wie ihre Vorgängerin an der Nachrüstung fest.

Was bestimmte die Politik unter Kohl?

Unter Kanzler Helmut Kohl leitete die Regierung zur Konsolidierung des Staatshaushalts sozialpolitische Maßnahmen ein, die bei SPD und Gewerkschaften auf Widerstand stießen. Außenpolitisch behielt die Regierung Kohl-Genscher trotz des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan (1979) und Aufrüstungspolitik der USA den Entspannungskurs gegenüber der DDR bei. Gleichzeitig trieb die Bundesrepublik mit großem Erfolg die europäische Integration voran und gestaltete maßgeblich die Einführung des Euro.

Wodurch wurde das Ende der DDR eingeleitet?

Nachdem Erich Honecker 1971 Erster Sekretär der SED geworden war, nahmen wirtschaftliche Probleme und Staatsverschuldung stark zu. Anfang der 1980er Jahre gewannen Menschen- und Bürgerrechtsgruppen großen Zulauf. Vor allem in der Kirche bildeten sich Gruppen wie die Friedensbewegung.

Als 1985 Michail Gorbatschow Generalsekretär der KPdSU wurde und seine Reformpolitik unter den Schlagwörtern Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) verkündete sowie verschiedene Spielarten des Sozialismus akzeptierte, stieß dies in den Reihen der SED weitgehend auf Ablehnung, denn politische und wirtschaftliche Reformen hätten die eigene Machtposition geschwächt. In der Bevölkerung fielen die Ideen Gorbatschows jedoch auf fruchtbaren Boden. Die Zahl der Ausreiseanträge nahm ab Mitte der 1980er Jahre kontinuierlich zu, und oppositionelle Gruppen gewannen an Zulauf.

Wie verlief die friedliche Revolution in der DDR?

Mitte 1989 setzte über Ungarn eine Massenflucht von DDR-Bürgern in den Westen ein. Die ungarischen Behörden hatten die Grenze nach Österreich geöffnet. In der bundesdeutschen Botschaft in Prag sammelten sich ausreisewillige Bürger der DDR. Die Oppositionsbewegung machte bei den Montagsdemonstrationen in Leipzig ihre Forderungen nach Freiheit deutlich. Alle Faktoren zusammen hatten eine Dynamik entwickelt, der sich die Staats- und Parteiführung der DDR nicht länger entgegenstellen konnte. Am 18. Oktober 1989 wurde Erich Honecker aufgrund der Massenproteste für mehr Freiheit und Reformen gezwungen, seine Staats- und Parteiämter niederzulegen. Am 8. November trat dann das gesamte Politbüro des ZK der SED geschlossen zurück. Einen Tag später verkündete die SED die Öffnung der Grenzen zur Bundesrepublik. Nach fast vier Jahrzehnten war die Berliner Mauer, die symbolhaft für die Teilung der Welt in zwei Blöcke stand, gefallen.

Was geschah weiter auf dem Weg zur Einheit?

Im Frühjahr 1990 gab es in der DDR erstmals freie Wahlen zur Volkskammer. Auf internationaler Ebene fanden Gespräche mit den ehemaligen Kriegsalliierten über die Herstellung der deutschen Einheit statt, die so genannten Zwei-plus-vier-Verhandlungen. Am 1. Juli 1990 wurde die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion gebildet. In der Nacht vom 23. auf den 24. August beschloss die Volkskammer den Beitritt der ostdeutschen Länder zur BRD. Mit dem Zwei-plus-vier-Vertrag vom 12. September 1990 war der Weg frei. Am 20. September unterzeichneten die deutschen Parlamente den Einigungsvertrag, seit dem 3. Oktober 1990 gibt es nur noch einen deutschen Staat.

Ist die »Deutsche Frage« gelöst?

Ja. Nach der staatlichen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990, ihrer außenpolitischen Absicherung durch den Vertrag der vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und der beiden deutschen Staaten (12. September 1990), der völkerrechtlichen Anerkennung der Oder-Neiße-Linie im Deutsch-Polnischen Grenzvertrag (14. November 1990) und der Integration des vereinten Deutschlands in die Europäische Union sowie die NATO ist die deutsche Frage gelöst.

Wer regierte Deutschland nach der Wiedervereinigung?

Zunächst die CDU/CSU-FDP-Koalition unter Helmut Kohl. Der wirtschaftliche Aufbau Ostdeutschlands gestaltete sich jedoch schwierig. Erst nach und nach wurde das Ausmaß der Misere offenbar, die vier Jahrzehnte sozialistischer Misswirtschaft hinterlassen hatten. Die Kosten für den Wiederaufbau der neuen Bundesländer überstiegen alle Erwartungen.

Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung über die hohen finanziellen Belastungen durch den Wiederaufbau im Osten und die steigende Erwerbslosigkeit brachte 1998 eine Koalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen an die Regierung. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bereitete den Ausstieg aus der Atomenergie vor und ging gesellschaftspolitische Reformen an (u. a. Staatsangehörigkeit, Zuwanderung, Gleichstellung). Angesichts gewaltiger Strukturprobleme traten die Sanierung der Staatsfinanzen und der Umbau des Sozialstaats ins Zentrum des Handelns. Im November 2005 wurde Angela Merkel (CDU) Bundeskanzlerin, sie regiert mit einer Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD.

Was bestimmte die jüngste Außenpolitik?

Deutschland war zunehmend mit Krisenmanagementaufgaben konfrontiert, die (mit der NATO) auch ein militärisches Engagement erforderten, z. B. in Bosnien-Herzegowina (ab 1995) und im Kosovo-Konflikt 1999. Auch an UNO-Missionen nehmen deutsche Soldaten teil, wie in Afghanistan (IFOR, ab 2001). Eine Beteiligung an dem von den USA forcierten Krieg gegen den Irak lehnte die rot-grüne Regierung 2003 ab.

Wie sah das Deutsche Reich aus?

Das von Bismarck 1871 geschaffene Deutsche Reich war ein stark föderalistisch geprägter und von Preußen dominierter Nationalstaat; die meist von Fürsten und Königen beherrschten Einzelstaaten hatten über den Bundesrat großen Einfluss. Dagegen verfügte das deutsche Parlament, der Reichstag, über vergleichsweise wenig Macht in der konstitutionellen Monarchie mit dem Preußenkönig als deutschem Kaiser an der Spitze.

Was waren wichtige Stationen in Konrad Adenauers Politikerlaufbahn?

Der am 5.1.1876 in Köln geborene Jurist und Volkswirt trat 1905 der Deutschen Zentrumspartei bei und wurde 1917 Oberbürgermeister von Köln. Von 1921 bis 1933 war er Präsident des Preußischen Staatsrats. Nach der Machtergreifung setzten ihn die Nationalsozialisten 1933 als Oberbürgermeister ab (1944 verhaftet). 1945 ernannte ihn die britische Besatzungsmacht zum Kölner Oberbürgermeister; im selben Jahr gründete er die CDU im Rheinland (Bundesvorsitzender 1950–1966). Ab 1946 führte er die Landtagsfraktion der nordrheinwestfälischen CDU. 1948 wurde er Präsident des Parlamentarischen Rats und 1949 zum ersten deutschen Bundeskanzler gewählt (im Amt bis 1963). Adenauer betrieb die Integration der BRD in die westliche Staatengemeinschaft und die Aussöhnung mit Frankreich. Er starb am 19.4.1967 in Rhöndorf bei Bonn.

Wussten Sie, dass …

in den Parlamentarischen Rat, der das Grundgesetz erarbeitete, pro 750 000 Einwohner eines Landes je ein Vertreter entsandt wurde, der in indirekter Wahl bestimmt wurde?

man hoffte, dass ein großer wirtschaftlicher und politischer Erfolg des Weststaats zu einer Eingliederung der Sowjetischen Besatzungszone führen würde (Magnettheorie)?

Wie vollzog sich Willy Brandts politischer Aufstieg zum Kanzler?

Der am 18.12.1913 in Lübeck geborene Brandt trat 1930 der SPD bei, schloss sich 1931 einer Abspaltung, der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP), an. 1933 floh er vor den Nationalsozialisten nach Norwegen und 1940 nach Schweden. Nach Kriegsende kehrte er als Journalist nach Deutschland zurück. Ab 1948 gehörte er dem Parteivorstand der Berliner SPD an, 1949 wurde er Mitglied des Deutschen Bundestags. 1957–1966 war Brandt Regierender Bürgermeister von Berlin. Parteivorsitzender der SPD war er 1964 (bis 1987). In der Großen Koalition mit der Union (1966–1969) war Brandt Außenminister und Vizekanzler, bis er 1969 zum Bundeskanzler gewählt wurde. Für seine Entspannungspolitik gegenüber dem Ostblock erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis. Am 6. Mai 1974 trat Brandt als Kanzler wegen des Skandals um den DDR-Spion Günter Guillaume zurück. Brandt starb am 8.10.1992 in Unkel/Rhein.

Wussten Sie, dass …

beim Aufstand in Ost-Berlin am 17. Juni 1953 neben besseren sozialen Verhältnissen, auch freie Wahlen und die Wiedervereinigung gefordert wurden?

die »friedliche Revolution« seit Mitte 1989 in der DDR nur friedlich blieb, weil die Sowjetunion nicht eingriff und deshalb auch das DDR-Regime auf eine gewaltsame Niederschlagung verzichtete?

Wie wurde Erich Honecker zum mächtigsten Mann der DDR?

Der am 25.8.1912 in Wiebelskirchen bei Neukirchen/Saar geborene Erich Honecker trat 1930 der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei und wurde Mitglied des Roten Frontkämpferbundes. Von den Nationalsozialisten 1937 zu zehn Jahren Haft verurteilt, konnte er 1945 fliehen und baute in der Sowjetischen Besatzungszone die Freie Deutsche Jugend (FDJ) auf (Vorsitzender 1946–1955). Im selben Jahr wurde er Mitglied des SED-Parteivorstands, 1949 des Zentralkomitees (ZK) und der Volkskammer der DDR (bis 1989). 1958 wurde Honecker nach Parteichef Walter Ulbricht der mächtigste Mann in der DDR, den er 1971 stürzte. 1989 als Generalsekretär abgesetzt, entzog er sich strafrechtlichen Ermittlungen durch Flucht nach Moskau. 1992 zurückgekehrt, wurde das Verfahren im Jahr darauf wegen des Gesundheitszustands Honeckers eingestellt. Honecker starb am 29.5.1994 in Santiago de Chile.

Wie wurde Helmut Kohl zum Kanzler der Einheit?

Der am 3.4.1930 in Ludwigshafen/ Rhein geborene Helmut Kohl studierte von 1950 bis 1956 Jura, Sozial-, Staatswissenschaften und Geschichte. 1959 wurde er Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz und 1966 Landesvorsitzender der CDU. Ministerpräsident des Landes war er von 1969 bis 1976, ab 1973 (bis 1998) führte er auch die Bundes-CDU. 1976 ging Kohl als Oppositionsführer in die Bundespolitik, nach dem konstruktiven Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt (SPD) 1982 wurde er zum Bundeskanzler gewählt. Dieses Amt hatte er, gestützt auf eine Koalition zwischen CDU/CSU und FDP, bis 1998 inne. In seine Kanzlerschaft fiel die Wiedervereinigung Deutschlands, für die er sich neben der politischen Einigung Europas vehement einsetzte. Nach der Bundestagswahl 1990 wurde er 1991 zum ersten gesamtdeutschen Kanzler gewählt.

Europäische Einigung: Einheit in der Vielfalt

Warum näherten sich Westdeutschland und Frankreich einander an?

Aus Angst vor dem Kommunismus. Als sich nach 1945 abzeichnete, dass Europa in zwei Einflussbereiche – den der Sowjetunion und den der Westmächte – geteilt würde, hatten die westeuropäischen Staaten ein großes Interesse, näher zusammenzurücken, um eine weitere Verbreitung des Kommunismus in Europa zu verhindern. Die westlichen Besatzungszonen Deutschlands dienten dabei gleichsam als Pufferzone gegenüber dem sowjetischen Machtbereich. Insbesondere die USA trieben die Integration der Bundesrepublik Deutschland in die westliche Staatengemeinschaft voran, um es zu einem »Bollwerk« gegen den Kommunismus zu machen.

Frankreich hatte Furcht vor einem Wiedererstarken Deutschlands und hegte Bedenken gegen die Gründung eines souveränen Weststaates, ließ sich aber von den USA und Großbritannien überzeugen. Schließlich versuchte Frankreich, die junge Bundesrepublik möglichst eng an die westeuropäischen Staaten zu binden, und schlug 1950 die Gründung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, auch Montanunion) unter deutscher Beteiligung vor, die 1952 dann auch von sechs Staaten geschaffen wurde. Sie war die erste Organisation mit supranationalen Befugnissen in Europa. Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG), die auf eine französische Initiative zurückging und von der Adenauer-Regierung forciert wurde, scheiterte 1954 am Widerstand des französischen Parlaments. Die Staaten der EGKS allerdings bemühten sich um die weitere Integration.

Was bewirkten die Römischen Verträge?

Die Römischen Verträge von 1957 sahen die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) zur friedlichen Nutzung der Atomenergie vor. In der EWG sollte ein gemeinsamer Markt ohne Zollgrenzen geschaffen und die Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten – anfänglich die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien und die Beneluxstaaten – angeglichen werden. 1967 schlossen sich unter Abschaffung aller Binnenzölle EWG, EGKS und EURATOM zur Europäischen Gemeinschaft (EG) zusammen, der bis 1986 weitere sechs Länder beitraten. 1979 wurde das Europäische Währungssystem (EWS) geschaffen, das u. a. die Stabilisierung der Wechselkurse zum Ziel hatte.

Welches Ziel hatte die EG?

Die EG verfolgte zunächst die wirtschaftspolitische Integration, doch verstärkte sich im Lauf der Zeit auch die Zusammenarbeit auf politischer Ebene. So wurde 1986 die Einheitliche Europäische Akte (EEA) verabschiedet. Sie sollte den europäischen Einigungsprozess weiter vorantreiben. Ihr Schwerpunkt lag auf der Schaffung eines freien Binnenmarkts, das heißt eines freien Verkehrs von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital bis zum 31. Dezember 1992. Neben der bereits 1972 vereinbarten Zusammenarbeit in der Außenpolitik wurde auch die Kooperation in den Bereichen Forschung und Umwelt vereinbart.

Wann wurde die Europäische Union gegründet?

Der Weg zur Gründung der Europäischen Union war geebnet: 1992 wurde der Maastrichter Vertrag über die EU unterzeichnet, der 1993 in Kraft trat. Darin vereinbarten Belgien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Portugal und Spanien die Schaffung einer Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion mit einer gemeinsamen Währung und eine vertiefte Zusammenarbeit in politischen und juristischen Angelegenheiten. Dies bedeutete die weitere Abtretung von Gesetzgebungsbefugnissen an die Union und den Beginn einer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP).

Wie entwickelte sich die EU weiter?

Sie erlebte bereits mehrere Erweiterungen. 1995 traten mit Finnland, Österreich und Schweden drei weitere Staaten der EU bei. Der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) schlossen sich bis 2003 zwölf Mitglieder an, Großbritannien, Dänemark und Schweden lehnten eine Mitgliedschaft zunächst ab. In der EWWU löste der Euro die nationalen Währungen als Zahlungsmittel ab; die Geldpolitik liegt seitdem in den Händen der Europäischen Zentralbank.

2004 erlebte die EU mit zehn neuen Mitgliedern (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn sowie Malta und Zypern) ihre umfangreichste Erweiterung; mit dem Beitritt von Bulgarien und Rumänien wird 2007 gerechnet. Ende 2004 wurden mit der Türkei Verhandlungen über einen Beitritt aufgenommen. Die Vergrößerung macht Reformen notwendig, um die Funktionsfähigkeit zu gewährleisten. Vorschläge, etwa zur einer EU-Verfassung, erarbeitet ein meist aus Parlamentariern bestehendes Gremium, der EU-Konvent. Die EU-Verfassung wurde 2004 in Rom unterzeichnet, ist aber noch nicht von allen Mitgliedern ratifiziert.

Gab es europäische Vordenker?

Ja, bereits während des Zweiten Weltkriegs traten Exilanten und Widerstandskämpfer gegen das Hitler-Regime für die Schaffung eines »Europa der Bundesstaaten« mit einer Zentralregierung ein. Diese Neuordnung sollte den Frieden in Europa sichern und das Aufkommen gefährlicher nationalistischer Strömungen verhindern. 1946 sprach sich Winston Churchill – bis 1945 Premierminister – für die Errichtung der »Vereinigten Staaten von Europa« aus.

Wussten Sie, dass …

die Melodie der Europahymne aus der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven stammt? Es handelt sich dabei nicht um Beethovens Chorfassung mit den Zeilen Schillers (»Freude, schöner Götterfunken...«), sondern um ein Instrumentalstück, da man keine Sprache bevorzugen wollte. Einen offiziellen Text gibt es derzeit nicht.

die zwölf Sterne auf der Europaflagge nur zufällig mit der Anzahl der Mitgliedstaaten übereinstimmten, als das Emblem 1986 adoptiert wurde? Vielmehr steht die Zwölf traditionell für Vollkommenheit.

Außereuropäischer Kommunismus: Export einer Ideologie

Wie installierte Mao den Kommunismus in China?

Der Führer der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), Mao Zedong (1893–1976), rief nach Beendigung eines seit 1945 andauernden Bürgerkriegs 1949 die Volksrepublik China aus. Die Kommunisten gingen nach der Machtübernahme gegen Andersdenkende mit brutaler Härte vor und besetzten den unabhängigen Staat Tibet. Mitte der 1950er Jahre wurden die Interessengegensätze zwischen China und der das Land bis dahin stützenden Sowjetunion so groß, dass es zum offenen Zerwürfnis kam. 1966 initiierte Mao die so genannte Kulturrevolution, die darauf abzielte, eingefahrene Strukturen und Bürokratien aufzubrechen und den revolutionären Geist zu stärken. Darüber hinaus versuchte er damit aber auch, seine Macht im Land auszubauen, nicht zuletzt mit Hilfe brutaler Gewalt der Roten Garden gegen politische Gegner.

Welchen Kurs schlug China nach Mao ein?

Nach dem Tod Maos stieg ab 1977 nach und nach der 1967 von Mao politisch ausgeschaltete, später rehabilitierte gemäßigte Politiker Deng Xiaoping zum mächtigsten Mann im Staat auf. Er setzte sich vor allem für eine Liberalisierung der Wirtschaft und Verfassungsreformen ein. Allerdings blieb die KPCh weiterhin die alleinige politische Kraft im Staat. Die Studentenbewegung von 1989, die sich gegen die Korruption wandte und mehr Demokratie forderte, wurde auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking durch das Militär mit Gewalt niedergeschlagen – es gab etwa 3000 Tote.

Auch heute noch gehört China zu den Staaten mit den meisten Menschenrechtsverletzungen. Weltweit finden hier die meisten Hinrichtungen statt.

Was war das erste kommunistische Land Asiens?

In Nordkorea entstand unter Kim Il Sung ab 1946 das erste sozialistische Regierungssystem Asiens. Seine Demokratische Volksrepublik Korea wurde bis zu ihrem Zusammenbruch von der Sowjetunion unterstützt, danach von der Volksrepublik China. Die wirtschaftliche Situation des sich rigoros nach außen abschließenden Landes ist schlecht, es gehört zu den ärmsten Staaten der Welt. Von den USA wird Nordkorea nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 neben dem Irak und Iran zu den Staaten gezählt, denen die Unterstützung von Terroristen zuzutrauen sei.

Wie kam der Kommunismus nach Südvietnam?

Nach dem Ende des Vietnamkrieges dehnte das kommunistische Regime, ebenfalls unterstützt von der Sowjetunion, seine Herrschaft auch über den Süden aus (1976). Mitte der 1980er Jahre schlug die Regierung der Sozialistischen Republik Vietnam mit ihrer »Doi Moi«-Politik einen wirtschaftlichen Liberalisierungskurs ein, die Landwirtschaft wurde wieder privatisiert, und es wurden ausländische Investoren ins Land gelassen. Nach außen bemühte sich Vietnam verstärkt um bessere Beziehungen zu den USA, so dass 1994 die USA ihre Wirtschaftssanktionen gegen den sozialistischen Staat aufhoben. Alleinige Partei ist heute nach wie vor die KP.

Wie wurden Kambodscha und Laos sozialistisch?

In Laos und Kambodscha, Vietnams Nachbarländern, übernahmen ab 1975 ebenfalls Kommunisten die Macht. In Kambodscha errichteten die Roten Khmer unter Pol Pot ein Terrorregime, dem 1,5–2 Mio. Menschen zum Opfer fielen. Die Schreckensherrschaft wurde 1979 nach kriegerischen Auseinandersetzungen mit Vietnam beendet. Der Guerillakampf der Roten Khmer gegen das von Vietnam installierte sozialistische Regime ging jedoch weiter. Seit 1993 ist Kambodscha wieder eine konstitutionelle Monarchie unter König Norodom Sihanouk (*1922). In der Demokratischen Volksrepublik Laos gibt es zwar nach wie vor eine sozialistische Einparteienregierung, doch hat es auch hier seit Ende der 1980er Jahre marktwirtschaftliche und politische Reformen gegeben.

Fasste der Marxismus auch in Afrika Fuß?

Ja, denn nach der Entkolonialisierung erschien der Marxismus vielen Staaten in Afrika als eine Ideologie der Befreiung, so dass sich in zahlreichen Staaten sozialistische Systeme entwickelten. Diese waren nicht immer von der Sowjetunion abhängig, sondern wandten sich oft der Bewegung der Blockfreien zu, einer Gruppe von Entwicklungsländern, deren Mitglieder selbst entscheiden wollten, mit wem sie kooperierten. Am ausgeprägtesten war der Sozialismus in Angola, Äthiopien und Mosambik. Heute bekennt sich jedoch kein Staat in Afrika offiziell mehr zum Sozialismus.

Welche Länder Lateinamerikas waren oder sind kommunistisch?

Nach sozialistischen Experimenten, wie in Chile (1970–1973) sowie der Herrschaft der Sandinisten in Nicaragua (1979–1990) blieb als sozialistischer Staat in Lateinamerika nur noch Kuba: In den 1950er Jahren hatte der heutige Staatspräsident Fidel Castro einen Guerillakrieg gegen den Diktator Batista geführt. 1959 übernahm Castro die Macht und errichtete eine sozialistische Republik. Der Wegfall der sowjetischen Unterstützung bereitete der Insel große Probleme und zwang Castro, sein Land marktwirtschaftlich zu öffnen.

Wussten Sie, dass …

die Versuche, die Vision einer klassenlosen Gesellschaft in die Wirklichkeit umzusetzen, von Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute etwa 100 Mio. Menschen das Leben gekostet haben? Allein unter der Herrschaft Stalins in der Sowjetunion starben Millionen von Menschen. Vor allem während der großen Säuberungsaktion von 1937/38 wurden schätzungsweise 690000 Personen liquidiert.

Entkolonialisierung: Befreiung von der Fremdherrschaft

Was waren die bedeutendsten Kolonialmächte?

Frankreich und Großbritannien hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu den gesamten afrikanischen Kontinent unter sich aufgeteilt. Auch in Asien und im pazifischen Raum unterhielten sie und andere Staaten wie die Niederlande und Portugal zahlreiche Kolonien. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich diese Situation: Einerseits waren die europäischen Kolonialmächte durch den Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich so geschwächt, dass ihnen die Mittel zum Unterhalt ihrer Kolonien fehlten, andererseits mehrten sich die Unabhängigkeitsbestrebungen in den Kolonien.

Warum wuchs der Druck auf die Mutterländer?

Unabhängigkeitsbestrebungen hatte es zwar bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gegeben, nach 1945 nahmen sie aber mit erstarktem Selbstbewusstein und nationalem Bewusstsein erheblich zu. Während der Kolonialherrschaft hatte sich der Bildungsstand verbessert, es wuchs die Zahl derjenigen, die nicht länger Menschen zweiter Klasse, fremdbeherrscht und wirtschaftlich ausgebeutet sein wollten. Vor allem die jüngere Generation ließ sich von der Idee der Unabhängigkeit begeistern.

Welche Rolle spielte der Panafrikanismus?

Im Kampf um die Unabhängigkeit bekam in Afrika der Panafrikanismus große Bedeutung. Zur Gesundung des afrikanischen Kontinents sollte die Kolonialherrschaft überwunden werden, und die entstehenden souveränen Staaten sollten dann eine Einheit bilden. In zahlreichen Kolonien wuchs daher die Bereitschaft zu Aufständen. Und in einigen Staaten kam es zu Jahre dauernden, blutigen Befreiungskämpfen – vor allem dort, wo sich verstärkt Menschen aus den »Mutterländern« angesiedelt hatten (wie in Kenia oder im französisch besetzten Algerien).

Warum war für die Befreiungsbewegungen der Zeitpunkt günstig?

Die Kolonialmächte waren nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich geschwächt. Sie mussten teilweise – wie Großbritannien und Frankreich – die Wirtschafts- und Finanzhilfe der USA in Anspruch nehmen, um ihren Wiederaufbau vorantreiben zu können. Daher war es ihnen kaum möglich, Probleme in den Kolonien zu lösen. Zwar versuchten sie auch nach 1945, durch Rohstoffausbeutung in den Kolonien ihre Wirtschaft anzukurbeln, doch das hatte vor allem zur Folge, dass die Befreiungsbewegungen in den Kolonien immer stärkeren Zulauf bekamen.

Darüber hinaus hatte sich aber auch die politische Weltlage nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend geändert. Europa war nicht länger der mächtigste Kontinent, und auch Großbritannien und Frankreich waren keine Weltmächte mehr. Nach 1945 dominierten die USA zusammen mit der Sowjetunion die Weltpolitik. Die ehemaligen Großmächte Europas waren von den USA abhängig, die eine Politik des Selbstbestimmungsrechts der Völker vertraten. Auch die UdSSR setzte sich für eine Entkolonialisierung ein, in der Hoffnung, dies werde den Westen wirtschaftlich und politisch schwächen. Vor diesem Hintergrund gerieten die Kolonialmächte auch vermehrt unter den moralischen Druck, ihren Kolonien die Unabhängigkeit zuzubilligen.

Wer waren die ersten unabhängigen Staaten?

Der erste Staat, der von Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg in die Unabhängigkeit entlassen wurde, war 1947 Indien. Da die indischen Muslime einen eigenen Staat gefordert hatten, wurde ihnen von den Briten ein Teil Indiens zugesprochen: das im gleichen Jahr gegründete Pakistan. Der erste Staat unter französischer Kolonialherrschaft, der nach 1945 seine Unabhängigkeit erlangte, war im Jahr 1946 Syrien. Zu den schwersten Aufständen gegen die Kolonialmacht gehörte ab 1952 in Kenia der Mau-Mau-Aufstand, der bis 1956 zahlreiche Menschenleben forderte. 1963 wurde Kenia schließlich unabhängig.

Kleine Schritte hin zu größerer Selbstbestimmung unternahmen die Kolonialmächte jedoch schon vorher, indem den Kolonien unter anderem größere Selbstverwaltungsrechte zugestanden wurden. Dem Druck der Unabhängigkeitsbewegungen und der veränderten politischen Weltsituation konnte jedoch keine Kolonialmacht auf lange Sicht widerstehen: Der Großteil der ehemaligen Kolonien wurde bis Mitte der 1960er Jahre souverän.

Was ist das Commonwealth?

Das 1931 gegründete Commonwealth of Nations (engl.; Gemeinwesen der Nationen) war ein politischer Zusammenschluss autonomer Gemeinschaften, die alle zum British Empire zählten und ehemals britische Kolonien waren. Gründungsmitglieder waren neben Großbritannien und Nordirland Australien, Kanada, Neuseeland und Südafrika. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Kolonien ihre Unabhängigkeit erlangten, traten die neu entstandenen Staaten in der Regel ebenfalls dem Commonwealth bei. Das Commonwealth ist heute ein freiwilliger Zusammenschluss souveräner Staaten. Es hat die Aufgabe, Demokratisierung, Menschenrechte sowie wirtschaftliche und soziale Entwicklung in ihren Mitgliedstaaten zu fördern.

Was waren wichtige Stationen der Entkolonialisierung?

In Indien ebnete 1947 vor allem Mahatma Gandhi mit seinem gewaltlosen Widerstand gegen die britische Kolonialmacht den Weg in die Unabhängigkeit.

Der Sudan war 1956 der erste Staat in Afrika, der nach dem Zweiten Weltkrieg unabhängig wurde.

Im »Afrikanischen« Jahr 1960 erlangen nahezu alle französischen Kolonien in Afrika ihre Unabhängigkeit – es bildeten sich 14 neue Staaten.

Simbabwe (das ehemalige Rhodesien) wurde 1980 nach jahrelangen schweren Kämpfen der schwarzen Bevölkerung gegen die weiße Minderheit als letzter afrikanischer Staat von einer europäischen Kolonialmacht unabhängig.

Das ehemalige Südwestafrika, bis 1918 deutsche Kolonie, konstituierte sich 1990 nach jahrzehntelangem Kampf zwischen der Protektoratsmacht Südafrika und der Befreiungsbewegung SWAPO unter dem Namen Namibia als letzter souveräner afrikanischer Staat.

Kriege und Konflikte: Ideologische, ethnische und soziale Kämpfe

Wie viele Kriege gab es nach 1945?

Die Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) zählte zwischen 1945 und 2005 insgesamt 216 Kriege. Mehr als die Hälfte davon fand in Asien und Afrika statt, davon die meisten nach der Entkolonialisierung. In Afrika waren es meist innerstaatliche bewaffnete Konflikte. In Asien gab es – abgesehen vom Mittleren und Vorderen Orient – mit einem Anteil von einem Drittel mehr zwischenstaatliche bewaffnete Konflikte als in den meisten anderen Regionen der Welt: Der Vietnamkrieg dauerte fast 30 Jahre, und der indisch-pakistanische Konflikt (ab 1947) um Kaschmir ist bis heute nicht gelöst.

Was waren die Ursachen für die kriegerischen Auseinandersetzungen?

Die Ursachen für nachkoloniale Krisen sind vielfältig. Teilweise führte die Willkür der Grenzziehungen, die historisch gewachsene Strukturen häufig unbeachtet ließen, zu schweren Konflikten zwischen neu entstandenen Staaten. So hält der indisch-pakistanische Konflikt um die Himalaya-Region Kaschmir noch heute an. Kaschmir war 1947 mit der Entlassung Indiens in die Unabhängigkeit und seiner Teilung in einen indischen und einen pakistanischen Teil Indien zugeschlagen worden. Der Konflikt zwischen den beiden Staaten, die über Atomwaffen verfügen, zählt zu den gefährlichsten der Welt.

Tragen die Kolonialmächte eine Mitschuld?

Ja, denn bei den Konflikten in den ehemaligen Kolonien ging es vielfach auch um die Identitätsfindung der Bevölkerung und die Modernisierung des Staates. Mit dem Ende der Kolonialzeit kümmerten sich die ehemaligen Mutterländer in aller Regel nicht mehr darum, die jungen Staaten politisch zu unterstützen. Demokratische Strukturen waren in den meisten ehemaligen Kolonien vor der Kolonialisierung unbekannt. So konnte sich in zahlreichen Staaten (vor allem Afrikas) nach dem Ende der Kolonialzeit die Demokratie zunächst nicht durchsetzen. An die Macht gelangten häufig korrupte und diktatorische Regierungssysteme. Wirtschaftliche und soziale Entwicklungen wurden vernachlässigt, stattdessen weiterhin – wie in der Kolonialzeit – die Rohstoffe ausgebeutet; Armut und Perspektivlosigkeit führten ab Anfang der 1990er Jahre zu Konflikten mit den Regierungen.

Welche Rolle spielten politische Ideologien?

Ein großer Teil der Auseinandersetzungen entfiel auf innerstaatliche Konflikte, bei denen Rebellengruppen einen Regimewechsel oder die Unabhängigkeit einzelner Regionen zum Ziel hatten, wie etwa 1960–1963 im Kongo (Katanga) und 1967–1970 in Nigeria (Biafra). Zu Zeiten des Ost-West-Konflikts wurden die Spannungen häufig noch durch die USA und UdSSR geschürt. Je nach ideologischer Ausrichtung der Regierungen bzw. der gegen sie kämpfenden Rebellen unterstützten die USA oder die UdSSR die eine bzw. die andere Seite, um ihren Einflussbereich zu vergrößern. Diese Kriege wurden als Stellvertreterkriege bezeichnet, da jeweils eine Partei »stellvertretend« für eine Supermacht kämpfte. In Afghanistan versuchte zum Beispiel die UdSSR durch ihren Einmarsch 1979 das im Jahr zuvor errichtete kommunistische Regime zu stützen, während die USA die Rebellen (Mudschaheddin) mit Waffen versorgten.

Wie wurde Vietnam zum Krisenherd?

Der erste Teil des Vietnamkrieges (Indochinakrieg 1946–1954) war zunächst ein kolonialer Rückeroberungsfeldzug, in dem Frankreich gegen das kommunistische Regime unter Ho Chi Minh, das im Machtvakuum nach 1945 errichtet worden war, kämpfte. In der Folge wurde Vietnam in einen kommunistischen Teil (Nordvietnam), der von der Sowjetunion und der Volksrepublik China unterstützt wurde, und in das westlich orientierte Südvietnam geteilt, das von den USA unterstützt wurde. Das autoritäre südvietnamesische Regime stieß jedoch auf Widerstand, der militärisch von der Rebellenorganisation Vietcong getragen wurde.

Wann begann der Vietnamkrieg?

Im August 1964 fingierten – wie sich später herausstellte – die USA einen Angriff Nordvietnams auf zwei US-Kriegsschiffe im Golf von Tonking. Ziel der Aktion war es, einen Vorwand zu finden, um militärisch gegen Nordvietnam vorgehen zu können. Nach dem »Tonking-Zwischenfall« begannen die USA mit einer massiven Bombardierung strategisch wichtiger Ziele in Nordvietnam.

Welchen Verlauf nahm der Konflikt in Vietnam?

Trotz militärischer Überlegenheit gelang es den USA nicht, Nordvietnam und den Vietcong zur Aufgabe zu zwingen. Der Vietcong forcierte seinen Guerillakrieg gegen die US-Truppen. 1968 leitete Washington Waffenstillstandsverhandlungen ein, die aber nicht zur Einstellung der Kämpfe führten. Um die Versorgungswege, den »Ho-Chi-Minh-Pfad« über Kambodscha und Laos, abzuschneiden, marschierten die USA 1971 in Kambodscha ein und bombardierten Laos. So wurden diese beiden Staaten ebenfalls Teil des Vietnamkrieges. Auf außenpolitischen Druck hin und aufgrund der massiven Proteste in der US-amerikanischen Bevölkerung, die vor allem den Begleitumständen des Krieges galten (Flächenbombardements, Einsatz chemischer Waffen, Massaker an der Zivilbevölkerung), reduzierten die USA 1972 ihr Engagement.

1973, nach einem Waffenstillstandsabkommen, zogen sie sich aus Vietnam zurück. Der Krieg zwischen Nord- und Südvietnam dauerte noch bis zum Sieg der nordvietnamesischen Truppen 1975, der zur Wiedervereinigung des Landes unter sozialistischem Vorzeichen führte. Der Vietnamkrieg forderte rd. 3 Mio. Tote, die meisten davon Vietnamesen.

Wo liegen die Ursachen für den Nahostkonflikt?

Im Ersten Weltkrieg versprachen die Briten den Arabern die Gründung eines vereinten arabischen Königreiches auf dem Gebiet der heutigen Staaten Syrien, Irak, Saudi-Arabien und Palästinas, wenn die Araber mit ihnen gegen die mit Deutschland verbündeten Türken kämpfen würden. In der Balfour-Erklärung sagten die Briten dann 1917 zu, in Palästina eine Heimstatt für Juden zu errichten.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges 1918 stand Palästina bis 1948 unter britischer Schutzherrschaft. Viele Juden waren seit Ende des 19. Jahrhunderts eingewandert, die Araber fühlten sich ihres Landes beraubt und betrogen. Es kam immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Arabern und jüdischen Einwanderern. Im Zweiten Weltkrieg nahm die Zuwanderung von Juden nach Palästina vor allem wegen ihrer Verfolgung durch Hitler-Deutschland erheblich zu. Dies versuchten die Briten zu verhindern, stoppen konnten sie die Zuwanderung jedoch nicht.

Wie wurde der Staat Israel gegründet?

1947 beschloss die UNO die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Teil. Die Araber lehnten dies ab, unter anderem weil die Juden mehr als die Hälfte des Landes erhalten sollten, obwohl die arabische Bevölkerung Palästinas eindeutig in der Mehrheit war. Nachdem Großbritannien sein Protektorat niedergelegt hatte, wurde im Mai 1948 auf einem schmalen Streifen Land der Staat Israel gegründet. Bereits am folgenden Tag begann die erste große Offensive arabischer Staaten gegen Israel.

Bis Kriegsende 1949 konnte Israel große Teile Palästinas hinzugewinnen. Das Land dehnte sich nun im Süden bis Ägypten aus. In weiteren Kriegen (Sechstagekrieg 1967 gegen Ägypten, Syrien und Jordanien, Jom-Kippur-Krieg gegen Ägypten und Syrien 1973) eroberte Israel weiteres Territorium.

Ist ein Ende der israelischarabischen Auseinandersetzungen in Sicht?

Nein, der Konflikt zwischen Israel, den Palästinensern – den ehemals im britischen Mandatsgebiet lebenden Arabern und ihren Nachkommen – und den meisten der arabischen Nachbarn Israels hält an. Die expansive jüdische Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten (Westjordanland), die Besetzung Jerusalems sowie die Forderung der vertriebenen Palästinenser nach einer Rückkehr verhinderten eine Lösung. 1994 sicherte Israel den Palästinensern Autonomiegebiete zu, einen unabhängigen Staat gab es nicht. Seit 1999 verüben palästinensische Terrororganisationen Selbstmordattentate, 2003 begann Israel mit der Errichtung eines Sperrzaunes. 2006 gewann die radikale Hamas die Wahlen um die Palästinensische Autonomiebehörde.

Was verbirgt sich hinter dem Nord-Süd-Konflikt?

Als Nord-Süd-Konflikt wird das Entwicklungs- und Verteilungsgefälle zwischen den meist nördlich gelegenen Industriestaaten und den Entwicklungsländern auf der Südhalbkugel bezeichnet. Experten sehen aufgrund dieses Gefälles für das 21. Jahrhundert Verteilungskämpfe um die weltweit knappen Ressourcen (Nahrungsmittel, Trinkwasser) voraus, zumal in den Entwicklungsländern vier Fünftel der Weltbevölkerung leben.

Warum ist der Süden benachteiligt?

Viele Entwicklungsländer sind ehemalige Kolonien. Sie hatten nach ihrer Entlassung in die Unabhängigkeit auch deshalb Probleme, wirtschaftlich Fuß zu fassen, weil sie nach Abzug der Kolonialmächte keine funktionierende Verwaltung mehr besaßen und die Kolonialmächte die Rohstoffressourcen teilweise bereits ausgebeutet hatten. Außerdem ist das Weltwirtschaftssystem, das nach 1945 entstand, vornehmlich auf die Bedürfnisse der Industriestaaten, nicht auf die der Entwicklungsländer zugeschnitten.

Welche Forderung stellen die Entwicklungsländer?

Auf der Konferenz von Kairo 1962 haben die Entwicklungsländer die Forderung nach einem internationalen Wirtschaftsgremium mit gerechter Beteiligung der Entwicklungsländer erhoben. 1964 fand die erste Konferenz der UNO für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD) statt, auf der die Entwicklungsländer ihre Forderung nach wirtschaftlicher Beteiligung noch einmal untermauerten.

Die von den Entwicklungsländern ausgearbeitete Neue Weltwirtschaftsordnung (NWWO), mit der sie erneut eine bessere Integration in die internationalen Wirtschaftsorganisationen forderten und noch einmal ihre Ansprüche auf ihre eigenen Rohstoffe deutlich machten, wurde 1974 von der UNO-Vollversammlung verabschiedet. Die UNO-Mitglieder erklärten sich bereit, auf eine gerechte Weltwirtschaftsordnung hinzuwirken.

Vermindert sich die Kluft zwischen Arm und Reich?

Nein, die von den Entwicklungsländern vertretene Neue Weltwirtschaftsordnung wirkte sich bislang nur wenig auf die Praxis aus, weil die meisten Entwicklungsländer keine fairen Rohstoffpreise durchsetzen konnten. Die Schuldenkrise der 1980er Jahre, also die hohe Auslandsverschuldung, die viele Entwicklungsländer fast in den Bankrott trieb, machte die Abhängigkeit von den Industrienationen erneut deutlich, genauso die Auflagen, die der Internationale Währungsfonds und die Weltbank den Entwicklungsländern zur Wiederherstellung ihrer Schuldendienstfähigkeit machten. 1994 wurde der GATT, die u. a. für den Abbau von Handelshemmnissen zuständige UNO-Organisation, in die Welthandelsorganisation WTO umgewandelt. Dadurch sollten die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Entwicklungsländer verbessert werden.

In den weltweiten Wirtschaftsorganisationen dominieren nach wie vor die Industriestaaten und die Ressourcen werden vor allem von westlichen Großunternehmen zu ihrem eigenen Vorteil ausgebeutet. Allerdings sehen die Industriestaaten aufgrund globaler Umweltprobleme wie der Luftverschmutzung und Klimaerwärmung sowie der zunehmenden Zahl an (Wirtschafts-)Flüchtlingen ein, dass auf Dauer eine stärkere Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern unumgänglich ist.

Erinnern Sie sich noch an …

den Krisenherd Eritrea? Äthiopien annektierte das autonome Gebiet Eritrea. Rebellengruppen organisierten daraufhin den Kampf um die Unabhängigkeit Eritreas, der bis 1991 andauerte. 1993 erlangte Eritrea seine staatliche Unabhängigkeit. 1998–2000 führten beide Staaten Krieg wegen umstrittener Grenzverläufe.

den Krieg in Nigeria? Der von 1967 bis 1970 dauernde Krieg wurde durch eine Neugliederung des Landes ausgelöst, nach der die Region Biafra mit ihren Öl-Ressourcen nicht mehr der Führungsschicht der Ibo, sondern der von den Haussa-Fulani dominierten Zentralregierung unterstand. Der Krieg endete mit dem Sieg der Zentralregierung. Im Biafra-Krieg starben etwa 2 Mio. Menschen, auch infolge einer großen Hungersnot.

Wussten Sie, dass …

eine der wichtigsten von der UNO veranstalteten Klimakonferenzen der 1992 in Río de Janeiro veranstaltete »Erdgipfel« war? Die dort beschlossene Agenda 21 strebt gleichzeitig einen verbesserten Lebensstandard in den Entwicklungsländern sowie den Schutz der Ökosysteme an. Die Entwicklungsländer verlangen von den Industrienationen jedoch umfassende Schritte zur Eindämmung der Umweltzerstörung. Sie selbst wollen sich – zumindest teilweise – von Einschränkungen ausnehmen, damit überhaupt eine wirtschaftliche Annäherung an die Industrienationen erfolgen könne.

Wussten Sie, dass …

das globale Nord-Süd-Gefälle nach Meinung einiger Experten auch die Gefahr des globalen Terrorismus wachsen lässt? Solange nicht die gröbsten Unterschiede zwischen Arm und Reich beseitigt worden seien, könne auch diese Gefahr nicht gebannt werden.

die UNO 1970 beschloss, dass die Industriestaaten wenigstens 0,7% ihres Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe ausgeben sollen? Bis heute wird dieser Anteil allerdings in nahezu keinem wichtigen Industriestaat erreicht.

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