Lexikon
Südsudan
Geschichte
Vor dem 10. Jahrhundert wanderten Dinka, Nuer, Shilluk in das Gebiet ein, das im 19. Jahrhundert unter osmanisch-ägyptischem Einfluss zu einem Zentrum des Sklavenhandels wurde. Gegen diesen ging Großbritannien ab 1870 immer mehr vor. Nach dem Ende des Mahdi-Staates wurde die Region des Südsudan 1899 Teil des anglo-ägyptischen Kondominiums. Unterstützt von den britischen Kolonialbehörden entfalteten christliche Missionare eine intensive Missionstätigkeit und verdrängten damit den Islam. Nach einem gescheiterten Aufstand gegen die britische Kolonialherschaft 1924 unter Führung des Südsudanesen Ali Abdel Latif, einem muslimischen Dinka, bemühten sich die Briten um eine größere Unabhängigkeit des christlichen Südsudan vom islamisch-arabischen Norden, der Basis der ägyptischen Nationalisten. Der arabische Einfluss in Handel und Verwaltung wurde massiv zurückgedrängt, das Gebiet zum geschlossenen Distrikt. Diese Strategie wurde mit der Declaration of South Sudan Policy 1930 festgeschrieben. Allerdings zerstörte das britische Vorgehen gewachsene ökonomische Bindungen und führte zu einer negativen wirtschaftlichen Entwicklung. Ideen einer Verschmelzung des Südens mit Uganda ließen sich auf einer Konferenz über die Zukunft Nord- und Südsudans in Juba 1947 nicht realisieren. 1955 begann ein sezessionistischer Aufstand des christlichen Südens, der am 1. 1. 1956 Teil des unabhängigen Sudan wurde. Nach dem vorläufigen Ende des Bürgerkriegs erhielten die südlichen Provinzen 1972 weitgehende Autonomie. Erdölfunde veranlassten das sudanesische Regime 1980 die Grenzziehung zuungunsten der Südprovinzen zu verändern. 1983 brach der Bürgerkrieg erneut aus. Er konnte erst nach über 20 Jahren am 9. 1. 2005 mit einem Friedensvertrag (Comprehensive Peace Agreement) zwischen der sudanesischen Regierung und dem SPLM (Sudanese People's Liberation Movement) beendet werden. Am 9. 7. 2005 trat eine Übergangsverfassung für Sudan in Kraft. Der SPLM-Führer John Garang (* 1945) wurde Präsident des Südsudan. Nach seinem Tod übernahm am 11. 8. 2005 Salvar Kiir Mayardit das Präsidentenamt. In der Folgezeit hielten die Spannungen zwischen dem Südsudan und der sudanesischen Zentralregierung an. So kam es 2008 zu Kämpfen um das wegen seiner Erdölvorkommen umstrittenen Abyei-Gebiet. Salvar Kiir Mayardit wurde im April 2010 mit 93,0 % der Stimmen im Präsidentenamt bestätigt. Bei den gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahlen gewann das von ihm geführte SPLM 159 von 170 Sitzen. Wie im Friedensabkommen von 2005 vereinbart, fand am 9. 1. 2011 ein Referendum im Südsudan statt, bei dem 98,8 % der Abstimmenden sich für die Unabhängigkeit aussprachen, deren Proklamierung am 9. 7. 2011 erfolgte. Erster Präsident des unabhängigen Staates wurde Salvar Kiir Mayardit.
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