Lexikon
Volkskunst
die in handwerklicher Tradition entstandenen Kunstäußerungen anonym bleibender Angehöriger der unteren Schichten (vor allem Bauern, Fischer, Bergleute), in Europa verbreitet vom 16. Jahrhundert bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Volkskunst ist im Gegensatz zur sog. „hohen Kunst“ nicht zweckfrei ästhetisch motiviert, sondern hat ihre Wurzeln einerseits in Brauchtum und Religion, andererseits werden ihre Ausformungen bestimmt vom Zweck des künstlerisch gestalteten Gegenstandes. Als angewandte Kunst ist sie vor allem die Dekoration von Gebrauchsgegenständen. Die Volkskunst umfasst die vielfältigsten Bereiche: Textilkunst, Architektur, Schnitzerei, Malerei, Schmiedekunst u. a. Besondere Bedeutung erlangten die Herstellung von Trachten und Heimtextilien, das Schnitzen von Krippen, Spielzeug und „Lebensbäumen“, das Bemalen von Möbeln und Fassaden (Lüftlmalerei) und die Hinterglasmalerei. Eine große Rolle spielt auch der sakrale Bereich: Weihegaben, Votivbilder u. a.
Die Erzeugnisse der Volkskunst unterscheiden sich stark je nach Region, bisweilen sogar je nach dörflicher oder kleinstädtischer Herkunft. Allgemein kann jedoch gesagt werden, dass in der Gestaltung Flächigkeit, Buntheit und ornamental-stilisierte Muster vorherrschen. Religiöse und pflanzliche Motive sowie geometrische Formen dominieren, seltener findet man figürliche Themen. Die regional ausgeprägten Stile sind sehr beständig, soweit sie nicht im Laufe der Industrialisierung und Überlagerung durch nationale und großstädtische Einflüsse verändert oder aufgelöst wurden.
Die Volkskunst ist erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts Gegenstand kunstwissenschaftlichen Interesses, vorher wurde sie eher abschätzig betrachtet. Sie ist nicht identisch mit der Laienkunst, die sich an den offiziellen Epochenströmungen orientiert, auch nicht mit der Trivialkunst, deren Produkte serienmäßig industriell erzeugt werden.
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