Lexikon
Zahnerkrankungen
im engeren Sinn die Zahnkaries und ihre Folgen: Zahnmarkentzündung (Pulpitis) und Wurzelhautentzündung (Periodontitis); letztere führt bei chronischem Verlauf zu einem Granulom an der Wurzelspitze, das in vielen Fällen ohne Zahnverlust chirurgisch entfernt werden kann (Wurzelspitzenresektion). Chronische Krankheitsprozesse an Wurzelspitzen können Abszesse und Fisteln (in der Mundhöhle, an Kinn, Wange, Augenwinkel u. a.), auch Infektionen entfernt liegender Organe (Herdinfektion) verursachen. Im weiteren Sinne zählen zu den Zahnerkrankungen die Erkrankungen des Zahnbettes und des Zahnfleisches: 1. nicht vom Zahnmark ausgehende Zahnbettentzündung (Parodontitis; früher: Paradentitis), z. B. bei Skorbut; 2. Zahnbettschwund ohne Entzündung (Parodontose; früher: Paradentose) durch Anlagerung von Zahnstein, bei hormonalen Störungen u. a.; normal als Alterungsprozess; die Freilegung des Zahnhalses hat meist Karies zur Folge; 3. Zahnfleischentzündung (Gingivitis) bei ungenügender Zahnpflege, starkem Rauchen (Gefäßverengung), bei Allgemeinerkrankungen u. a.; Anzeichen dafür ist Neigung zu Zahnfleischblutungen. – Zahnerkrankungen sind vorwiegend Folge zivilisationsbedingter Ernährungsgewohnheiten (Zerkleinerung und Weichkochen der Nahrung).
Zahn: Längsschnitt
Zahn: Längsschnitt
Ein Zahn besteht vorwiegend aus knochenhartem Zahnbein (Dentin), das im Bereich der Krone vom Zahnschmelz, am Zahnhals und an der Wurzel von Zahnzement bzw. Wurzelhaut bedeckt ist. Im Innern liegen Zahnpulpa, Nerven, Blut- und Lymphgefäße sowie Bindegewebe. Die Wurzel steckt im Zahnfach (Alveolarfach) des Kieferknochens.
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Zahnkaries (Schnitt)
Zahnkaries (Schnitt)
Zahnkaries entsteht, wenn es durch die Besiedelung der Zahnoberfläche mit Bakterien über die Anhäufung von Stoffwechselprodukten, insbesondere der klebrigen Kohlenhydratketten, zur Plaquebildung kommt. Dieser Belag dient wiederum Bakterien als Brutstätte, wie z. B. Streptokokken. Sie wandeln Zuckermoleküle aus der Nahrung in Säure um. Diese löst die Hydroxylapatitkristalle aus dem Zahnschmelz, so dass ein Loch entsteht, in dem sich nun auch andere Bakterien einnisten. Hat die Zerstörung erst einmal das weichere und hochsensible Dentin erreicht, stellen sich auch erstmals Zahnschmerzen ein. Mit weiterer Ausbreitung der Karies kommt es schließlich zum Einbruch in die Pulpa. Die Säure bildenden Bakterien verursachen eine äußerst schmerzhafte Entzündung, die Pulpitis, die sich unbehandelt bis in die Wurzelspitzen fortsetzt und zum Absterben von Nerven- und Gefäßgewebe führt. Die Entzündung der Wurzelspitze kann die Bildung einer Fistel zur Folge haben, die sich in den Mundraum öffnen kann. Wer nicht spätestens jetzt den Zahnarzt aufsucht, riskiert über die komplette Zersetzung des abgestorbenen Gewebes durch Fäulnisbakterien eine weit reichende Entzündung des Kieferknochens.
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