Lexikon

Buchdruck

Gutenbergs Erfindung

Wohl unabhängig von den Entwicklungen in Ostasien unternahm Gutenberg ab 1436 in Straßburg und ab 1440 in Mainz Versuche mit frei zusammensetzbaren Metalltypen, die durch Stempel, Matritzen und Gießformen in identischer Gestalt und großer Zahl hergestellt werden konnten; u. a. druckte Gutenberg zwischen 1452 und 1456 ca. 180 Exemplare seiner berühmten Bibel. Die so erreichte Rationalisierung des Druckprozesses und die Verbindung mit dem Farbdruck trugen entscheidend zur raschen Verdrängung handgeschriebener oder mittels Tafeldruck hergestellter Bücher bei. An die Stelle des Unikats bzw. der manuell erstellten Abschrift trat eine in beliebiger Zahl (re)produzierbare Auflage; hiervon profitierte u. a. die Verbreitung reformatorischen Gedankenguts. Ein verändertes Leseverhalten (individuelles Stilllesen anstelle des Vorlesens), eine rasch zunehmende Alphabetisierung und die freie Zugänglichkeit eines zuvor elitären Wissens leitete eine Bildungsrevolution ein. Die Standardisierung von Büchern (Seitenzahlen, Inhaltsverzeichnisse, Register) beeinflusste auch die Methodik der neuzeitliche Wissenschaft. Die aus der überregionalen Verbreitung von Büchern resultierende Notwendigkeit einer Sprachnormierung trug entscheidend zur Verdrängung von Dialekten aus der Schriftsprache und somit zur Herausbildung der heutigen Nationalsprachen bei.
  1. Einleitung
  2. Frühe Vervielfältigungsmöglichkeiten
  3. Gutenbergs Erfindung
  4. Vom Hochdruck zum Digitaldruck
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