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LEXIKON

Großdeutsche

in der Schlussphase der Deutschen Revolution 1848/49 aufgekommene Bezeichnung für die Anhänger einer Vereinigung des gesamten geschlossenen deutschen Siedlungsgebiets einschließlich Deutsch-Österreichs in einem Nationalstaat, während die Kleindeutschen die Habsburger Gebiete nicht aufnehmen wollten. Alle Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung waren Großdeutsche; strittig war nur die Frage, ob das ganze Habsburger Reich oder nur dessen Westteil zum Deutschen Reich gehören sollte. Erst nach dem Erfurter Unionsparlament 1850 wurden die Kleindeutschen im eigentlichen Wortsinn zu einer politischen Kraft. Die Anhänger der großdeutschen Konzeptionen fanden sich im Deutschen Reformverein, die der kleindeutschen im Deutschen Nationalverein zusammen. Hierbei waren sich die Großdeutschen nur in der Ablehnung einer preußischen Führung Deutschlands einig; im Übrigen vertraten sie ganz unterschiedliche Ziele. Nach der Bismarckschen Reichsgründung von 1871 und besonders nach dem Abschluss des Zweibundes 1879 schien der großdeutsche Gedanke verblasst. Er gewann jedoch in der Zeit des Wilhelminismus neue Kraft. Im 1. Weltkrieg wurde die Verwirklichung eines Großdeutschlands weithin erwartet, doch scheiterte nach dessen Ende der Versuch einer großdeutschen Staatsgründung am Verbot der Siegermächte. Großdeutsche Ziele gehörten aber weiterhin zum revisionistischen Programm der österreichischen und deutschen Führung sowie fast aller politischer Parteien. Das 1938 durch den Anschluss Österreichs verwirklichte Großdeutsche Reich sollte im Sinne der Hitlerschen Programmatik als Vorstufe für ein „Großgermanisches Reich“ dienen. Dadurch wurde der großdeutsche Gedanke nachhaltig diskreditiert.
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