Lexikon

Krauß

Werner, deutscher Schauspieler, * 23. 6. 1884 Gestungshausen, Niederbayern,  20. 10. 1959 Wien; ab 1913 in Berlin im Deutschen Theater, ab 1924 auch am Staatstheater, ab 1928 auch am Wiener Burgtheater; äußerst wandlungsfähiger Charakterdarsteller; Filmrollen: „Das Kabinett des Dr. Caligari“ 1919; „Die freudlose Gasse“ 1925; „Yorck“ 1931; „Robert Koch“ 1939; „Jud Süß“ 1940; „Paracelsus“ 1943. Krauß war seit 1954 Träger des Ifflandrings.
  • Deutscher Titel: Das Kabinett des Dr. Caligari
  • Original-Titel: DAS KABINETT DES DR. CALIGARI
  • Land: Deutsches Reich
  • Jahr: 1920
  • Regie: Robert Wiene
  • Drehbuch: Carl Mayer, Hans Janowitz
  • Kamera: Willy Hameister
  • Schauspieler: Werner Krauss, Conrad Veidt, Lil Dagover
Mit Robert Wienes Film »Das Kabinett des Dr. Caligari« setzt sich der in Literatur, Dramatik und Malerei vorherrschende Stil des Expressionismus auch im deutschen Kino durch.
Der Schausteller Dr. Caligari (Werner Krauss) kommt mit seinem Medium Cesare (Conrad Veidt), das angeblich seit seiner Geburt im Schlaf liegt und die Zukunft voraussagen kann, in eine Kleinstadt. In dem Ort geschehen daraufhin eine Reihe von Verbrechen. Verschiedene Personen, die mit den beiden Fremden in Kontakt kamen, finden den Tod.
Francis (Friedrich Feher), der Freund eines der Ermordeten, verdächtigt Caligari und Cesare und beobachtet die beiden eines Nachts. Während Caligari auf einem Stuhl wacht, scheint Cesare leblos in einem Sarg zu liegen. Tatsächlich befindet sich darin jedoch eine Puppe, der wirkliche Cesare ist gerade dabei, eine junge, von Francis angebetete Frau (Lil Dagover) in seine Gewalt zu bringen. Als Francis dies aufdeckt, verfolgt er Caligari und gelangt in ein Irrenhaus. Der Schausteller entpuppt sich als Direktor der Anstalt, er wiederholt, wie Francis herausfindet, zwanghaft die Handlungen eines Caligari, der vor 200 Jahren mit Hilfe eines Mediums Verbrechen begangen hat. Als Francis den Direktor mit seinen Erkenntnissen konfrontiert, bricht dieser wahnsinnig zusammen und wird in eine Zwangsjacke gesteckt. Durch eine Rahmenhandlung erscheinen die Ereignisse in einem anderen Licht: Jetzt ist Francis selbst Patient in der Irrenanstalt. Er lebt mit der Wahnvorstellung, der in Wahrheit weder verbrecherische noch geistesgestörte Anstaltsdirektor sei Dr. Caligari.
Der Film lebt nicht nur durch seine fantastische, an die deutsche Romantik erinnernde Handlung sowie durch die Schauspielkunst von Werner Krauss und Conrad Veidt, sondern vor allem durch die Ausstattung. Die expressionistischen Maler Hermann Warm, Walter Reimann und Walter Röhrig sind für die ausschließlich gemalte Dekoration verantwortlich. Sie arbeiten mit verzerrten Perspektiven, spitzen Winkeln, bizarren geometrischen Formen und harten Schatten. Die Außenwelt erscheint so wie im Alptraum eines Irren.
Der Film entfaltet eine lang anhaltende, intensive Wirkung, die sich am greifbarsten in dem Buchtitel des Kritikers Siegfried Kracauer, »Von Caligari bis Hitler« (1947), niederschlägt. Der Autor sieht in dem Werk eine Verherrlichung der Autorität, ein erstes Vorzeichen für die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Durch die Rahmenhandlung, die im Drehbuch nicht vorgesehen war, werde die ursprüngliche Intention, die allmächtige Staatsgewalt und ihre willenlosen Befehlsempfänger anzuprangern, ins Gegenteil verkehrt: Jedes Auflehnen gegen die Autorität der Obrigkeit werde nun als Wahnsinn denunziert. Anderen Kritikern wiederum erscheint der Film als eine, wenn auch unbewusste, Auflehnung gegen die als undurchschaubar erfahrene Wirklichkeit.
  • Deutscher Titel: Die freudlose Gasse
  • Original-Titel: DIE FREUDLOSE GASSE
  • Land: Deutsches Reich
  • Jahr: 1925
  • Regie: Georg Wilhelm Pabst
  • Drehbuch: Willy Haas, nach einem Roman von Hugo Bettauer
  • Kamera: Guido Seeber, Curt Oertel, Robert Lach
  • Schauspieler: Asta Nielsen, Greta Garbo, Valeska Gert, Werner Krauss, Einar Hanson
In Berlin wird Georg Wilhelm Pabsts Film »Die freudlose Gasse« uraufgeführt. Der Film markiert die Wende der deutschen Filmkunst hin zum Realismus.
Geschildert wird, einer Romanvorlage von Hugo Bettauer folgend, das Leben in Wien im Jahr 1925. Am Beispiel der einst gutbürgerlichen, nach der Inflation in Armut abgesunkenen Anwohner einer Straße zeigt der Film, wie Not Menschen in Betrug und Prostitution treibt, während andere aus dem Elend Profit schlagen.
Pabst hat für seinen Film eine Reihe großer Schauspieler engagiert, darunter Asta Nielsen, Werner Krauss und die als Kabarettistin bekannte Valeska Gert. Die Schwedin Greta Garbo, die mit »Gösta Berling« ihren ersten größeren Filmauftritt hatte, spielt die Rolle der Hofratstochter Grete, die nach dem finanziellen Absturz ihres Vaters auf die schiefe Bahn zu geraten droht, dann aber durch die Liebe eines amerikanischen Offiziers gerettet wird. Kritiker bemängeln das ein wenig verkrampfte Spiel der Garbo.
  • Deutscher Titel: Jud Süß
  • Original-Titel: JUD SÜSS
  • Land: Deutsches Reich
  • Jahr: 1940
  • Regie: Veit Harlan
  • Drehbuch: Veit Harlan, Eberhard Wolfgang Möller, Ludwig Metzger, nach einer Novelle von Wilhelm Hauff
  • Kamera: Bruno Mondi
  • Schauspieler: Ferdinand Marian, Heinrich George, Kristina Söderbaum, Werner Krauss, Eugen Klöpfer
In 66 Berliner Kinos läuft mit »Jud Süß« von Veit Harlan der bekannteste antisemitische NS-Propagandaspielfilm an. Die Handlung orientiert sich an einem Roman von Lion Feuchtwanger, dessen Aussage jedoch ins Gegenteil verkehrt ist.
Der Herzog von Württemberg (Heinrich George) ernennt den Frankfurter Juden Isaac Süß-Oppenheimer (Ferdinand Marian) zum Finanzminister. Süß erhöht die Abgaben und öffnet das Land für andere Juden, die sich rücksichtslos bereichern.
Harlans filmische Umsetzung des NS-Rassenwahns gilt als eines der abschreckendsten Beispiele für die psychologische Macht der Leinwand. Ab 1945 ist die Aufführung von »Jud Süß« verboten. Harlan wird wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht gestellt, aber freigesprochen.
  • Deutscher Titel: Paracelsus
  • Original-Titel: PARACELSUS
  • Land: Deutsches Reich
  • Jahr: 1943
  • Regie: Georg Wilhelm Pabst
  • Drehbuch: Kurt Heuser
  • Kamera: Bruno Stephan
  • Schauspieler: Werner Krauss, Mathias Wiemann, Harald Kreutzberg, Annelies Reinhold
In einem Film voll suggestiver Bilder behandelt G.W. Pabst den Aufstieg und Fall eines Wunderarztes im Deutschland des 16. Jahrhunderts.
Ein Arzt, der sich Paracelsus nennt (Werner Krauss), kommt in eine große Stadt und erringt durch die spektakuläre Heilung des Buchhändlers Froben und eines pestkranken Gauklers großen Ruhm. Sein Ruf steigt zur Legende auf, als er die Stadt vor einer drohenden Pestepidemie rettet, indem er ihre Abkapselung von der Außenwelt empfiehlt. Durch die Abschottung macht er sich aber unter den Händlern und durch seine Erfolge unter seinen Berufskollegen viele Feinde. Als sein Lehrling den Buchhändler abermals mit einer angeblichen Wundermedizin seines Meisters behandelt, kommt der Buchhändler zu Tode. Paracelsus soll der Prozess gemacht werden, aber der von ihm geheilte Gaukler verhilft ihm zur Flucht aus der Stadt.
Der österreichische Regisseur Georg Wilhelm Pabst hatte in seinen vorherigen Filmen (»Westfront 1918«, 1930, und »Kameradschaft«, 1931) an die Solidarität gegen Krieg und Willkür appelliert. Ablesbar an den zahlreichen pathetischen Aussprüchen der Darsteller nähert sich Pabst nun offenbar der nationalsozialistischen Ideologie. Sehenswert bleibt der Film dennoch u.a. durch die glanzvollen Auftritte des Tänzers und Pantomimen Harald Kreutzberg als Gaukler.

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