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Anders sein: Hundert Jahre Jugendkultur(en)

Die Klage der Erwachsenen, die heutige Jugend sei so verantwortungslos wie spaßsüchtig und niemals in der Lage, das Werk der Alten fortzuführen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Erstaunlicherweise hat dieser Vorwurf sich im Lauf der Zeit immer wieder glänzend selbst widerlegt. Seit jeher und in allen Kulturen haben sich Jugendliche in Gruppen, Bünden und Cliquen zusammengeschlossen und sich von der Welt der Erwachsenen abgegrenzt. Dieser Prozess der sozialen Einübung unter Gleichgesinnten, aber auch die Anstöße und Innovationen aus diesen Zusammenschlüssen, wirken positiv in die Gesellschaft hinein. Die sog. Jugendkultur, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer stärker in einzelnen Szenen aufgespalten hat, ist in den meisten Fällen ein guter Nährboden für gesellschaftlichen Fortschritt. Und noch etwas: Die Jugend ist besser als ihr Ruf. Die gerade veröffentlichte “Studie Jugend, Information, Media 2001 weist nach, dass von stumpfsinniger Internet- und TV-Sucht bei Jugendlichen keine Rede sein kann. Freunde treffen und sportliche Aktivitäten bestimmen nach wie vor den Alltag der 12- bis 19-Jährigen.

“Jugendkultur: eine Erfindung der Neuzeit

Inbegriff des Dandys: der irisch-englische Schriftsteller Oscar Wilde, hier verkörpert von Schauspieler Stephen Fry
dpa

Vor gut hundert Jahren wurde der Begriff “Jugendkultur von dem Pädagogen Gustav Wyneken eingeführt. Zuvor fanden die Jugend und ihre Ausdrucksformen relativ wenig Beachtung. Erst die Veränderungen der Arbeits- und Lebensbedingungen durch die Industrialisierung und die arbeitsteilige Welt schufen verstärkt Nischen für Jugendkulturen. Jugendstile und Subkulturen gibt es allerdings nicht erst seit dem 20. Jahrhundert. Der Dandy, vertreten durch lässige Charaktere wie Oscar Wilde oder Beau Brummel, galt als die große Leitfigur des 19. Jahrhunderts und als historischer Vorläufer des subkulturellen Stils. Der zunächst abwertend gebrauchte Begriff “Subkultur entstammt dem englischen Arbeitermilieu, das gesamtgesellschaftlich ausgegrenzt war, nach innen aber ein erhöhtes Zusammengehörigkeitsgefühl aufwies.

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