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LEXIKON

Tod in Venedig

  • Deutscher Titel: Tod in Venedig
  • Original-Titel: MORTE A VENEZIA
  • Land: Italien
  • Jahr: 1970
  • Regie: Luchino Visconti
  • Drehbuch: Luchino Visconti, Nicola Badalucco, nach der Novelle von Thomas Mann
  • Kamera: Pasqualino De Santis
  • Schauspieler: Dirk Bogarde, Björn Andresen, Silvana Mangano, Romolo Valli
  • Auszeichnungen: Sonderpreis Filmfestspiele Cannes 1971 für Regie und Gesamtwerk Regisseur
Als »Geschichte von der Wollust des Untergangs« charakterisierte Thomas Mann seine 1912 erschienene Novelle »Tod in Venedig«, die von Visconti für die Leinwand adaptiert wird. Der Regisseur dreht damit den zweiten Teil seiner von deutscher Kultur beeinflussten »deutschen Trilogie« (»Die Verdammten«, 1968, die Geschichte einer Industriellenfamilie zur Zeit des Dritten Reiches, und »Ludwig II.«, 1972, über das Leben des Bayernkönigs).
In einer beruflichen wie privaten Krise begegnet der Komponist Gustav von Aschenbach (Dirk Bogarde) auf einer Erholungsreise in Venedig dem polnischen Jüngling Tadzio (dargestellt vom gerade 15-jährigen Schweden Björn Andresen). Seine Unschuld und Reinheit beeindrucken von Aschenbach, der vollkommenen Schönheit verfällt er bis zur Selbstaufgabe, verfolgt den Jungen auf Schritt und Tritt, um seine Nähe keine Minute zu missen. Das wird ihm zum Verhängnis, denn in Venedig breitet sich die Cholera aus. Der Komponist verstirbt am Strand, den letzten Blick auf den in das Meer hinauswatenden Jungen gerichtet.
Die Atmosphäre des Romans setzt Visconti kongenial in Szene. Das langsame Sterben Gustav von Aschenbachs wird in der Umgebung eines mondänen Seehotels inszeniert; der Regisseur taucht diese Szenen in gedämpfte, herbstliche Farben. Im Kontrast dazu steht die in der Cholera versinkende Lagunenstadt: Überall machen sich Anzeichen von Verfall bemerkbar. Sehnsucht nach Schönheit und Liebe vereint sich mit der Sehnsucht nach dem Tod.
Die Erzählung von Thomas Mann gibt Visconti Gelegenheit, sein Lieblingsthema zu verarbeiten: Die Darstellung des Zerfalls einer degenerierten Gesellschaft, die alle Teile der Trilogie durchzieht, aber in keinem anderen Film so zelebriert wird wie im »Tod in Venedig«. Obwohl Visconti, der »Ästhet des italienischen Kinos«, großen Wert auf die atmosphärische Dichte legt, wird der Film in besonderem Maß von der darstellerischen Leistung Dirk Bogardes in der Rolle Gustav von Aschenbachs bestimmt. Publikum und Kritiker zeigen sich von ihm gleichermaßen beeindruckt. Trotzdem bleiben Preise aus, lediglich in Cannes wird Visconti mit einem Sonderpreis geehrt.
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