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Volkskunde

die Wissenschaft von der populären Kultur, von der Alltagskultur. Die Volkskunde untersucht populäre Werte (z. B. Heimat, Religion, Arbeit, Schönheit) und Normen in der Gesamtkultur oder in Subkulturen, indem sie einerseits kulturale Objektivationen wie z. B. Lieder, Frömmigkeitsäußerungen, Hobby-Erzeugnisse, Bräuche und ihre Funktion, andererseits die meist nur scheinbar subjektiven Einstellungen und Meinungen zu diesen Objektivationen analysiert. Dabei werden die gesellschaftlichen Prozesse besonders beachtet und damit das soziale Gefälle und die historische Dimension (Tradition) ins Blickfeld gerückt. Die Volkskunde ist also eine Sozialwissenschaft mit besonderer Berücksichtigung des kulturalen Aspekts, die im Allgemeinen bei sozialen Problemen ansetzt (z. B. zähe Traditionen, Wohnverhältnisse, sog. Volksjustiz, sog. Kitsch, sog. Trivialliteratur) und von daher ihre Bedeutung gewinnt. Soziologie (besonders Kultursoziologie), Sozialpsychologie, Ethnologie, Ethnosoziologie, Kultur- und Sozialanthropologie sind wichtige Nachbardisziplinen.
Die Anfänge der Volkskunde sieht man heute einerseits in den statistischen Landesbeschreibungen der späten Aufklärung, andererseits in der romantischen Suche nach dem „Ursprünglichen“, „Echten“, „Naiven“. Obwohl sich beide Ansätze nicht streng trennen lassen, setzte sich die konservative Richtung für lange Zeit durch; eine „Volkskunde des Proletariats“ (W. E. Peuckert) war wenig gefragt, das Interesse galt „dem Bauern“. Eine vermeintlich wertfreie „Volkstumsideologie“ gab dem Nationalsozialismus den Weg in große Gebiete der Volkskunde frei. Die selbstkritische Revision des Fachs ist noch im Gang.
Für die wissenschaftliche Entwicklung war die Wissenschaftsorganisation von Bedeutung: regionale Volkskundevereine, seit 1904 zusammengeschlossen im „Verband der Vereine für Volkskunde“ (seit 1963 Deutsche Gesellschaft für Volkskunde), sog. Landesstellen für Volkskunde, zentrale Forschungs- und Sammlungsstellen wie das „Deutsche Volksliedarchiv“ in Freiburg im Breisgau, Volkskundemuseen und volkskundliche Abteilungen in kulturhistorischen Museen, Zeitschriften und die volkskundlichen Seminare und Institute an den Universitäten.
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