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Massentierhaltung vs. Haustierhaltung

Der beste Freund des Menschen kann ein Hund sein, eine Katze, das Pferd oder sogar ein Fisch. Haustiere sind in Deutschland zahlenmäßig stark vertreten, so gibt es rund 31 Millionen Tiere, die im Haus oder Garten gehalten werden, darunter 12,3 Millionen Katzen und 7,4 Millionen Hunde. Im Gegensatz dazu gibt es bei der Nutztierhaltung ein ganz anderes Verhältnis, so werden in Deutschland Jährlich rund 750 Millionen Tiere geschlachtet, darunter über 600 Millionen Hühner und knapp 60 Millionen Schweine.
Massentierhaltung vs. Haustierhaltung

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Für viele Personen ist dieses Verhältnis zwischen Haus- und Nutztier mit klaren Grenzen gekennzeichnet, denn ein Lebewesen ist für die Ernährung notwendig und das andere ein wichtiger Bestandteil der Familie. Dass es jedoch extreme Lebensbedingungen für die eine Seite und ein Leben im Überfluss für die andere Seite gibt, sorgt seit Jahren für vermehrte Diskussionen zwischen Tierschützern, Fleischproduzenten und Fleischkonsumenten. Während die Tierschutzorganisation PETA durch drastische Videos und geheime Aufnahmen nicht nur auf Begeisterung stößt, weisen andere Organisationen mit weniger aggressiven Mitteln ebenfalls regelmäßig auf das Leid der Tiere hin und auf die Rechte eines jeden Lebewesens. Daneben steht eine ganze Industrie, die auf die Pflege und die zusätzlichen Angebote für Haustiere setzt. Während jemand für sein Schweineschnitzel nur zwei Euro ausgibt, können sich die Kosten für das eigene Haustier im Monat auf mehrere Hundert Euro belaufen. 
 
Massentierhaltung vs. Haustierhaltung
 
Haustierhaltung und ihre Extreme
Die beliebteste Haustiere in Deutschland bleiben Hund, Katze und Vögel, neben Fischen und Nagetieren. Das Mietrecht sieht beispielsweise keine eindeutigen gesetzlichen Regelungen vor, doch grundsätzlich ist die Haltung von Kleintieren ohne Zustimmung des Vermieters erlaubt. Weitere Tipps für die richtige Auswahl des Tieres gibt es unter diesem Artikel
 
2013 lag der Gesamtumsatz der Heimtierbranche in Deutschland bei rund 3,9 Milliarden Euro, wovon 2,9 Milliarden Euro auf die Lebensmittelprodukte entfielen. Im Plus stehen die Zuwendungen zu Bedarfsartikel und Zubehör und auch sogenannte Beauty-Salons für Hunde und Katzen erhalten weiteren Zulauf. 
 
Massentierhaltung vs. Haustierhaltung
 
Dabei gibt es kaum Unterschiede welches Haustier ein Luxusleben erhält, denn die Möglichkeiten das Tier zu umsorgen sind sehr vielfältig. So gelten viele Haustierarten als luxuriöse Objekte und sollen den Status des Halters hervorheben. Beispielsweise sind Fische pflegeleichte Haustiere, die in der Haltung relativ günstig sind, wenig Arbeit verursachen und sowohl in Aquarien, als auch in Teichen gehalten werden können. Dabei achten Käufer meist auf die Größe des Aquariums und auf eine ansprechende Einrichtung, denn mittlerweile gilt es als erwiesen, dass Fische ein Langzeitgedächtnis besitzen und zum artgerechten Leben mehr benötigen als ein karges Wasserglas. Tipps für die richtige Einrichtung eines Aquariums und der notwendigen Technik liefert dieser Beitrag, mit Hinweisen auf passende Pflanzen und weitere Bestandteile. Folgender Artikel beschäftigt sich außerdem mit der Erforschung der Schmerzempfindung der Wassertiere. 
 
Massentierhaltung vs. Haustierhaltung

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Zucht und Haltung eines exklusiven Fisches bedeuten jedoch erhöhte Anschaffungskosten und wer nicht nur Goldfische und Guppys besitzen will, wagt sich an kostspielige Exemplare wie Kois oder Drachenfische. Kois sind seit dem 19. Jahrhundert beliebte Zierfische aus Japan mit ausgefallener Farbgebung und einer Lebensdauer von bis zu 50 Jahren. Zum Teil gehen die Fische für sechsstellige Summen an ihre neuen Besitzer und selbst Haie sind vor Aquarienhaltern mit dicken Geldbeuteln nicht geschützt.
 
Edelfutter und Fleisch 
Bei Katzen und Hunden geht es in eine andere Richtung der Kostspieligkeit, denn neben dem Edelfutter wird sehr viel Geld in die Fellpflege und in das psychische Wohlergehen der Haustiere gesteckt. Heutzutage gibt es Lebensmittel für jedes Tieralter, für übergewichtige Katzen, Tiere im Rentenalter oder mit Gelenkproblemen und dazu kommt das überaus große Angebot an Futtermitteln beispielsweise aus Büffel, Pute oder Lamm, angereichert mit Hirse, Papaya oder Zucchini. Diese Nahrungsmittel bestehen nicht aus Lebensmittelresten und könnten sogar von Menschen gegessen werden. Hund und Katze sollen die teuren Produkte erhalten, damit sie sich ebenso ausgewogen ernähren, wie die Halter es tun und oft wird bei dem Haustierfutter nicht gespart, sondern auf die besten Produkte gesetzt. Einige Trends gehen in Richtung Natürlichkeit zurück, wie das bekannte BARF, die Rohfütterung von Fleisch an Hunde, mit Orientierung an dem natürlichen Fressverhalten der Wölfe. Zusätzlich dazu kommen Knochen, Innereien, Gemüse und Obst, die frisch zubereitet werden, damit das Tier gesund bleibt. Planethund.com erläutert die richtige Vorgehensweise dabei. Mittlerweile gibt es sogar eigene Metzgereien für Tiere, die sich auf die Hunde- oder Katzenfütterung spezialisiert haben und die Halter geben entsprechend mehr Geld für hochwertiges Fleisch für ihre Tiere aus. Allerdings muss die Fütterung mit Rohfleisch nicht teurer sein als mit Fertigprodukten, denn die Preise sind in beiden Varianten nach oben hin offen. 
 
Bäder, Friseursalons und Luxusleben für Tiere
Tiere benötigen eine grundlegende Hygiene und Pflege von Zähnen und Nägeln und müssen zum Tierarzt, wenn sie ernsthaft erkrankt sind. Doch einige Tierhalter treiben ihre Tierliebe auf die Spitze, indem das Tier täglich einen eigenen Beauty- und Pflegeablauf erhält, von der Massage bis zum Styling, Foto-Shooting und eigenen TV-Sendungen. Aktuelles Beispiel ist Choupette, die Katze von Modezar Karl Lagerfeld, die nach eigenen Angaben mit am Tisch speisen darf, einen eigenen Twitter-Account besitzt und als Model für einige Kampagnen herhalten muss, wie in diesem Video für eine Autowerbung:
 
 
Durch die unterschiedlichen Züchtungen ist es bei Langhaarrassen notwendig die Haare zu trimmen und zu schneiden, besonders in warmen Jahreszeiten, doch neben dem so genannten Grooming gibt es überzogene Pflegeeinsätze und Friseurbesuche mit extravagantem Styling, das die Tiere für ihre Gesundheit nicht benötigen. Einige Besitzer gehen soweit ihre Tiere mit exklusiver Kleidung, Accessoires und Kopfbedeckungen zu versehen und sie in Kinderwagen oder Handtaschen durch die Gegend zu befördern. 
 
Massentierhaltung vs. Haustierhaltung

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Für eine artgerechte Haltung ist jedoch der Kontakt zu Artgenossen erforderlich, meist zwei Mal täglich ein Auslauf von insgesamt zwei Stunden und eine gute Sozialisierung mit den Menschen seiner Umgebung. Von Styling, exklusiven Geschenken und Foto-Shootings ist bei kaum einem Tierpsychologen oder Biologen die Rede. Diese Homepage liefert grundlegende Tipps für die artgerechte  Haltung von Katzen. 
 
Massentierhaltung im Aufwind
Tierschutz ist seit 2002 im Grundgesetz der Bundesrepublik verankert. Unter anderem ist dort geregelt, dass das Tier in seiner Bewegung nicht eingeschränkt sein soll, so dass Schmerzen oder Leiden entstehen könnten und dass eine angemessen Ernährung, Pflege und Unterbringung vorliegen muss. In der Massentierhaltung stoßen die Halter oft an die Grenzen dieses Gesetzes, befinden sich jedoch meist noch im rechtlichen Rahmen, auch wenn viele Tierschützer bereits gegen die Auslegung des Gesetzes protestieren. So sind die Nutztiere vor dem Schlachten ordnungsgemäß zu betäuben, damit sie keine Schmerzen verspüren und die vorgegebenen Flächen pro Tier sind zwingend einzuhalten. Die Käfighaltung für Legehennen ist beispielsweise in Europa seit 2012 verboten. 
 
Trotzdem kritisieren viele Tierschützer, dass europaweit neue Massentieranlagen geschaffen werden und die Preise für die Fleischprodukte viel zu niedrig seien, so dass die Landwirte beispielsweise weniger als neun Cent Ertrag pro Masthuhn erhalten und sich darüber keine Verbesserungen für die Tiere finanzieren lassen. Der Markt für Premiumfleisch liegt bei knapp 20 Prozent und Bioprodukte erhalten durch die Skandale und Misstrauen in die Branche wenig Zulauf. Weitere Informationen dazu gibt es bei provieh.de. Neben dem Leid der Tiere sind durch vermehrte Antibiotikaeinsätze die Gefahren der Krankheitsübertragungen von Tier auf Mensch gestiegen, was dieser Eintrag erläutert.
 
Wer jedoch ein Haustier besitzt und diesem Tier seine Zuneigung, Pflege und eine artgerechte Haltung gibt, kann darüber nachdenken, wie die Nutztiere für den eigenen Bedarf und für den Bedarf des Tieres gehalten werden und dass auch ein billiges Schweineschnitzel von einem fühlendenden und denkenden Lebewesen stammt. Das Verhältnis zwischen Nutztieren und eigenen Haustieren wird zwiespältig bleiben, doch eine artgerechte Haltung steht laut Gesetz jedem Tier zu. Die meisten Tiere benötigen dafür ausreichend Platz und Bewegung, eine gesunde Ernährung und kein überzogenes Verwöhnen durch Luxusextras.   

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