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Wie das Telefon sich und unser Leben verändert (hat) (Podcast 131)

Wie uns das Telefon verändert hat

Das Telefon: Jeder hat eins, jeder nutzt eins. Und zwar mindestens eins! Ob zuhause oder unterwegs, ob als Festnetz- oder als Mobilgerät, diese technische Erfindung hat das moderne Leben stark verändert, ja geprägt. Wir sind über unser Mobiltelefon weltweit erreichbar – und wer an seinem Rechner den Videophoniedienst – also das Skypen – nutzt, bekommt sogar ein bewegtes Bild dazu. Doch geht man zurück vom Skypen bis zum "Fräulein von Amt", hat man einen weiten Weg vor sich.

 

Aller Anfang ist schwer

 

Es ist etwas Alltägliches: Man gibt eine Nummer in sein Telefon ein, wartet ein paar Sekunden und hat den gewünschten Gesprächspartner in der Leitung. Und das unabhängig davon, ob der Angerufene gerade zuhause ist, mit dem Zug fährt oder einen fernen Kontinent besucht – das Mobiltelefon macht es möglich. Doch das war nicht immer so. Nicht nur die Reichweite des Telefonnetzes war beschränkt, auch das Wählen verlief komplizierter – und von Bildübertragungen wie bei Skype konnte schon gar keine Rede sein. Aber der Reihe nach.

Erfunden wurde das Telefon im 19. Jahrhundert. Es galt zunächst als eine Verbesserung des elektrischen Telegrafiesystems, mit dem bis dahin Informationen über weite Entfernungen verschickt werden konnten. Dabei gab es jedoch einige Nachteile: Die Telegrafie funktioniert wie ein Briefwechsel – die Nachrichten musste also "verschriftlicht" werden und es war kein zeitnaher Dialog möglich. Vor allem aber musste man sich zur Übermittlung in ein Telegrafenamt begeben, da nur dort die technischen Einrichtungen zur Verfügung standen. Sicher war die Telegrafie im Vergleich zur Briefsendung per Postkutsche ein enormer Fortschritt, aber das Prinzip ließ sich noch erheblich verfeinern. Genau hier setzte das Telefon an.

 

Von Mund zu Mund

 

Das Telefon ist heute so selbstverständlich, dass man sich an seine Vorzüge erst einmal erinnern muss. Es ermöglicht das Führen eines Gesprächs, auch wenn sich die Gesprächsteilnehmer nicht im selben Raum befinden – tatsächlich können sie Hunderte von Kilometern voneinander entfernt sein. Informationen lassen sich also unmittelbar austauschen und kommentieren. Und: Es ist nicht nötig, das Haus zu verlassen, um mit der Welt in Kontakt zu treten. Der Apparat steht zuhause – und kann jederzeit in Betrieb genommen werden. Genau das war die Vision des US-Amerikaners Alexander Graham Bell, der das Telefon zwar nicht erfunden, ihm aber zur Marktreife verholfen hat. Und dazu brauchte es ein Kabelnetz, weil die einzelnen Telefonapparate ja nicht viel nützen, wenn sie nicht untereinander verbunden sind. Das war allerdings eine mühselige Angelegenheit, da es noch keine Wählscheibe gab. Man musste sich bei der Vermittlung – dem berühmten "Fräulein vom Amt" – per Kurbeldrehung bemerkbar machen und dann von Hand weitervermittelt werden. Unvorstellbar im Zeitalter des Skypen Mobiltelefonierens! Und das Weitervermitteln dauerte und war durchaus störanfällig. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte sich der "Nummernschalter" – so die offizielle Bezeichnung – nach und nach durchsetzen. Nun war man in der Lage, den gewünschten Gesprächspartner direkt anzuwählen. Was aber, wenn sich der gerade nicht zuhause aufhielt?

 

Das Telefon wird mobil

 

Schon die Deutsche Reichsbahn führte Versuche mit Funktelefonen durch – um ab 1926 einen entsprechenden Service auf der Route zwischen Hamburg und Berlin anzubieten. Ab Ende der 1950er Jahre gab es erste Autotelefone sowie ein frühes Funknetz: das A-Netz. Es funktionierte rein analog, war immer noch auf Handvermittlung angewiesen und auf knapp 11.000 Teilnehmer beschränkt. Doch der Grundstein war gelegt – das Telefon begann, sich vom Festnetz ganz allmählich abzunabeln und das Zeitalter der umfassenden Erreichbarkeit einzuläuten. Kurios dabei war: Das 1972 gestartete B-Netz verlangte, dass man den Standort des Angerufenen ungefähr kannte – dazu wurde die Bundesrepublik in 150 Zonen mit eigenen Vorwahlnummern aufgeteilt. Wie sich schnell zeigte, hat das keine Zukunft. Doch als 1983 das weltweit erste kommerzielle Mobiltelefon angeboten wurde, kannte die Entwicklerfreude kein Halten mehr. Und spätestens 1991, als das bis heute genutzte D-Netz flächendeckend eingeführt werden konnte, wurden die Geräte in jeder Hinsicht komfortabler und preisgünstiger. Es wurde schnell üblich, zwei Telefone zu besitzen – einen Festnetzapparat für zuhause und ein mobiles Gerät für unterwegs. Davon profitieren gerade die Autofahrer. Es ist zwar nicht erlaubt, während der Fahrt einen Hörer ans Ohr zu führen, doch die Industrie bietet mit Freisprechanlagen eine entsprechende Alternative, die auch noch weitere technische Vorzüge bereithält – so werden bei manchen Anlagen auf elektronischem Weg störende Umgebungsgeräusche unterdrückt. Man telefoniert also in bester Qualität und kann sich doch auf die Erfordernisse des Straßenverkehrs konzentrieren. Ein Tipp: Wer zuhause freihändig sprechen möchte, der besorgt sich am besten ein "Headset" – also einen Kopfhörer mit integriertem Mikrofon. Von dem Gefühl, der Gesprächspartner sei mit im Raum, ist das dann tatsächlich nicht mehr allzu weit entfernt. Und für das Skypen ist es ohnehin eine Voraussetzung.

 

Überall erreichbar

 

Vor dem Zeitalter des Mobiltelefons war der häusliche Telefonapparat gern im "Dauergebrauch", vor allem dann, wenn man Kinder im Teenager-Alter hatte. Stundenlange Gespräche waren dann keine Seltenheit – Zeit, in denen niemand sonst ein Telefonat führen konnte. Nur wenige Haushalte leisteten sich zwei unterschiedliche Leitungen, mit deren Hilfe parallele Gespräche möglich waren. Heute ist ein Telefon pro Kopf beinahe selbstverständlich geworden, und alle Welt ist ununterbrochen miteinander im Gespräch. Das bedeutet auch, dass Telefonate in der Öffentlichkeit geführt werden – im Supermarkt, im Zug, in besonders peinlichen Fällen sogar im Kino. Und es bedeutet auch, dass ein gewisser Zwang zur fortwährenden Erreichbarkeit besteht, damit man auch ja nicht den "Anschluss verliert" – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Das Telefon ist im Alltag immer dabei, und wenn man gerade nicht telefonieren will, kann man immer noch eine Kurzmitteilung tippen – neudeutsch formuliert: "simsen". 160 Zeichen lassen sich so übermitteln – und erreichen den Empfänger vergleichsweise diskret, denn er kann die Nachricht jederzeit auf seinem persönlichen Gerät ablesen. Auch entfällt das separate Notieren von Adressen und Terminen. Kein Wunder, dass der Short Messenger Service – das bedeutet "SMS" – auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel genutzt wird. Ohnehin "simst" Deutschland gern: insgesamt wurden 2009 nicht weniger als 34,4 Milliarden Kurzmitteilungen verschickt! Tendenz: steigend!

Aber der Fortschritt geht weiter. Selbst Bildtelefonie über das Programm Skype ist mittlerweile in vielen Haushalten und Büros üblich. Dabei handelt es sich um "Voice over Internet Protocol", kurz VoIP genannt. Telefoniert wird über ein Computernetzwerke, was den Vorteil hat, das sich auch Bilddaten übertragen lassen. Das visuelle Element in der Telefonie ist revolutionär: Nun hört man nicht nur die Stimme, sondern kann seinem Gegenüber auch ins Gesicht sehen – in Echtzeit und in Farbe. Die kostenlose Software Skype lässt sich nicht nur über Computer nutzen, sie funktioniert unter bestimmten Bedingungen auch in den regulären Telefonnetzen – zum Beispiel mit dem iPhone 4 von Apple, das auf Bildübertragungen ausgerichtet ist.

Immerhin bleibt es jedem selbst überlassen, ob und in welchem Umfang man die "schrankenlose" Erreichbarkeit zulässt. So mancher Nutzer hat schon überrascht festgestellt, dass er gar nicht so viel verpasst, wenn er einfach mal nicht greifbar ist. Telefone besitzen schließlich eine Ausschaltfunktion. Und sich einfach mal von der Welt "auszuklinken", kann unter Umständen der schönste Urlaub vom Alltag sein.

 

Kai U. Jürgens, wissen.de-Redaktion

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