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Radfahrer: Große Wissenslücken bei den Verkehrsregeln

Auch wer mit dem Fahrrad fährt, sollte die Regeln und Schilder im Straßenverkehr kennen. Wie es damit bei deutschen Radfahrerinnen und Radfahrern aussieht, hat der ADAC deutschlandweit bei 4.500 Personen getestet. Das Ergebnis: Gerade mal ein Prozent der Getesteten konnte wenigstens 33 von 37 Fragen korrekt beantworten. Viele Lücken gab es bei Radwegbeschilderung, Einbahnstraßen oder auch der Promillegrenze fürs Fahrradfahren. Wie schneiden Sie ab?

Symbolbild Radfahren
Liegt es auch an den Wissensdefiziten? Im vergangenen Jahr gab es über 90.000 Radunfälle, über 400 davon tödlich.

Wer Fahrrad fährt, lebt gefährlich. Denn kaum eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern ist häufiger in Unfälle verwickelt. Allein im Jahr 2020 verunglückten nach Angaben des Statistischen Bundesamts 92.273 Radfahrer in Deutschland, davon 426 tödlich. Andererseits nimmt der Radverkehr auf deutschen Straßen immer mehr zu – vor allem im Zuge der Corona-Pandemie sind viele Menschen aufs Fahrrad umgestiegen.

Wissenstest für Fahrradfahrer – jetzt im Netz

Das Problem jedoch: Längst nicht jeder Radfahrer kennt sich mit den Verkehrsregeln so gut aus wie er vielleicht meint. Weil man fürs Fahrrad keine Führerschein braucht, ist das Wissen gerade zu fahrradspezifischen Regeln oft dürftig. Wie es damit tatsächlich aussieht, hat der ADAC jetzt in einem deutschlandweiten Test untersucht. In diesem wurde unter anderem das Wissen zu Radwegen, Kindern auf dem Gehweg, Alkoholgrenzen und Handybenutzung in 37 Fragen abgefragt. 4.500 Menschen verschiedener Altersgruppen, darunter sowohl Viel- wie Wenigfahrer, Stadt- wie Landbewohner nahmen teil.

Den Test hat der ADAC auch ins Internet gestellt. Wer möchte, kann sein Wissen daher selbst testen: Schaffen Sie es, alle 37 Fragen korrekt zu beantworten?

Offensive Radfahrer liegen besonders oft falsch

Das Ergebnis des Tests: Nur ein Prozent der Testpersonen konnte alle Fragen oder wenigsten 33 der 37 Fragen richtig beantworten. Bei allen anderen gab es mehr oder weniger große Lücken - obwohl rund 80 Prozent der Befragten der festen Überzeugung waren, sich an die Regeln zu halten und diese auch zu kennen. Dem Test nach kennen sich Bewohner ländlicher Gegenden etwas besser aus als Städter, Männer mehr als Frauen und Vielfahrer mehr als Gelegenheitsradler.

Interessant auch: Radler, die ihre Fahrstil selbst als eher offensiv beschrieben, lagen besonders oft falsch. Radfahrer sollte sich im Klaren sein, dass Verstöße gegen die Verkehrsregeln kein Kavaliersdelikt sind: Sie können richtig teuer werden. So kostet beispielsweise die Handynutzung auf dem Rad 55 Euro und sogar 100 Euro muss zahlen, wer über eine schon länger tiefrote Ampel fährt.

Infografik
Bei Punkten und Fahrverboten wussten die befragten Radfahrer noch am besten Bescheid.

Verloren im Schilderwald

Die größten Wissenslücken gibt es bei der Frage, bis wann Kinder und Jugendliche auf den Gehweg fahren dürfen oder müssen. Auch ob das blaue Radwegsschild eine Kann- oder Mussbestimmung ausdrückt, ist den meisten Fahrradfahrern unklar. Und wie ist es, wenn auf dem Schild sowohl Fahrrad als auch Fußgänger abgebildet sind?

Immerhin ein Drittel der Befragten war zudem irrigerweise das Ansicht, dass die Einbahnstraße für Radfahrer grundsätzlich nicht gilt. Ähnlich viele glauben, dass Busspuren für Radfahrer freigegeben sind – das ist aber nicht der Fall. Ziemlich dünn wird es auch, wenn es um Alkohol am Fahrradlenker geht: Ab wie viel Promille darf man nicht mehr fahren? Hier lagen 40 Prozent der Befragten daneben. Bei der Strafe, die droht, wenn man erwischt wird, herrscht ebenfalls eher Unklarheit.

Lieber mal das Wissen auffrischen

"Für alle Verkehrsteilnehmer gilt: Unwissenheit kann gefährlich werden, weil sie das Risiko von Konflikten erhöht und im schlimmsten Fall zu Unfällen führt", sagt ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. "Es wäre gut, wenn alle, Auto- und Radfahrer, sich regelmäßig über Neuerungen informieren und ihre Regel-Kenntnisse auffrischen." Denn bei vielen Autofahrern ist es mit dem Wissen kaum besser, wenn es um das Verhalten den Radfahrern gegenüber aussieht.

Der ADAC empfiehlt, schon in Kindergarten und Schule ein solides Bewusstsein für Verkehrsregeln zu schaffen. Auch sollten Eltern mit gutem Beispiel vorangehen und die Teilnahme am Radverkehr mit ihren Kindern trainieren. Allen Radfahrern rät der Club zudem, aufmerksam und regelkonform zu fahren und an Kreuzungen besser einmal auf die Vorfahrt zu verzichten als möglicherweise übersehen zu werden und einen Unfall zu riskieren.

Quelle: ADAC

NPO / ADAC, 18.08.2021
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