Wahrig Herkunftswörterbuch

Strohwitwe
Das Stroh hat in deutschen Wendungen seinen festen Platz, etwa im Strohfeuer, das – schon bei Ovid – für eine „heftige, aber viel zu kurze Begeisterung“ steht. Ein Strohkopf ist dumm, weil er nicht viel mehr als Stroh im Kopf hat, und er ähnelt damit nicht nur der Vogelscheuche, sondern auch dem Strohmann. Dieser Begriff ist jüngeren Datums und beschreibt eine Person, die im Vordergrund für einen unbekannten Drahtzieher handelt. Zwar um eine Frau, doch nicht um die Witwe eines Strohmanns handelt es sich bei der seit dem frühen 18. Jh. dokumentierten Strohwitwe. Hier steht das Stroh für das Nachtlager, in dem die für eine gewisse Zeit auf sich selbst Angewiesene keinen wärmenden, liebenden Gatten vorfindet. Die Trauer der Alleingebliebenen vermengt sich hier jedoch mit der Freude darüber, auch einmal frei und unabhängig zu sein. Davon abgeleitet wurde später die männliche Form Strohwitwer.
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