Wahrig Herkunftswörterbuch
Krokodilstränen
Seit dem 15. Jh. existiert die Redewendung Krokodilstränen vergießen „falsche Tränen vergießen“ im Deutschen. In mittelalterlichen Sagen dichtete man dem Krokodil an, dass es Menschen mit Klagelauten anlocke und dann auffresse. Manche vermuten den Ursprung dieses Motivs in der griech. Mythologie und führen die Harpyien an, die sich in Zeus' Auftrag an Menschen weideten. Aber auch die Sirenen in der Odyssee (oder die Lorelei in der deutschen Sage) locken mit Lauten an und bringen Verderben. Dagegen meinte Konrad von Megenberg, Verfasser des Buches des Natur, im 14. Jh., das Krokodil fresse erst den Menschen auf, um ihn anschließend zu betrauern. Damit hatte er nicht ganz Unrecht, auch wenn sich die Tränen nicht nur beim Verspeisen von Menschen zeigen: Beim weiten Öffnen des Maules (etwa zur Aufnahme von Nahrung) tritt infolge von Druck Flüssigkeit aus den Tränendrüsen aus.
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