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Reptilien – erfolgreiche Eroberer

Vor rund 300 Millionen Jahren entwickelten sich in den feuchtwarmen Steinkohlewäldern des Karbon aus urtümlichen Lurchen die ersten Kriechtiere, die Reptilien. Bei ihnen setzt sich die Anpassung an das Landleben, das nach dem Kambrium begann, konsequent fort: Ihr Skelett ist robuster, das Kreislaufsystem leistungsfähiger, doch sie sind weiterhin – mit Ausnahme mancher Dinosaurier – wechselwarm. Ihre Haut ist trocken, drüsenarm und fast immer beschuppt. Das schützt sie zwar vor Austrocknung, aber damit ist keine Hautatmung möglich. Deshalb besitzen Reptilien gut entwickelte Lungen. Wie Amphibien wachsen Reptilien lebenslang und häuten sich regelmäßig.

Diese Voraussetzungen prädestinierten die Reptilien geradezu für die Eroberung des Festlands. Doch erst der völlig neue Eityp, den sie »erfanden«, machte sie vom Wasser unabhängig – ein Ei mit mehreren Hüllen: Die sog. Schafhaut (Amnion) schließt den Embryo in eine Art »Urmeer« ein, so dass er vor Austrocknung geschützt ist; eine zweite Hülle dient dem Gasaustausch und der Ausscheidung von überflüssigen Stoffwechselprodukten, ein Dottersack sichert die Ernährung. Umgeben ist das Ei schließlich von einer ledrigen oder kalkigen Schale, die dem Ganzen Stabilität verleiht. Dieses »Amniotenei« war so erfolgreich, dass es von Vögeln und primitiven Säugern übernommen wurde.

Die erfolgreichste Reptiliengruppe sind die Echsen oder Eidechsen. Zu ihnen gehört rund die Hälfte aller heute lebenden Reptilienarten, insgesamt etwa 3000. Mit den Dinosauriern stellen sie die größten Landtiere, die jemals die Erde bevölkerten. Auch heute noch gibt es große Formen wie den Komodowaran, doch die meisten Echsen sind eher mittelgroß bis klein. Der Körper ist von kleinen, dachziegelartig übereinanderliegenden Schuppen bedeckt, die Beine können reduziert sein, was beinlose Eidechsen wie etwa die Blindschleiche aber noch nicht zu Schlangen macht: Ihr Skelett, besonders der Schädel, ist deutlich anders gebaut. Manche Echsen haben eine besonders ungewöhnliche Technik entwickelt, um ihren Feinden zu entkommen: Ihre Schwanzwirbelsäule weist »Sollbruchstellen« auf, an denen der Schwanz bei Gefahr abgeworfen werden kann; er wächst jedoch wieder nach.

Schildkröten: Gut gepanzert

Sind Riesenschildkröten in jeder Hinsicht »riesig«?

Nein. Man könnte z. B. annehmen, dass ihr Panzer ein hohes Gewicht hat, aber er ist nicht massiv, sondern besitzt eine Wabenstruktur mit zahlreichen kleinen Luftkammern und ist deshalb trotz seiner Stabilität relativ leicht. Ansonsten bieten die Riesenschildkröten, die zu den landlebenden Vertretern der Schildkröten gehören, durchaus Superlative. Die größten sind auf den Seychellen, den Maskarenen und Aldabra heimisch. So bringt es beispielsweise die Seychellen-Riesenschildkröte (Geochelone gigantea) auf 1,25 Meter Panzerlänge und 250 Kilogramm Gewicht, die Galapagos-Riesenschildkröte (Geochelone elephantopus) ist mit 1,20 Metern kaum kleiner.

Die behäbigen Riesen, die sich mit maximal 0,3 Stundenkilometern fortbewegen, sind heute vom Aussterben bedroht. Sie wurden früher von Seefahrern zu Tausenden als Proviant abgeschlachtet oder als »Lebendkonserve« mit an Bord genommen; die eingeführten Ratten, Hunde und Schweine fraßen die Eier. Heute sind beide Arten streng geschützt und die Gelege auf den Inseln werden bewacht.

Riesenschildkröten können außergewöhnlich alt werden. Besonders bekannt wurde die Schildkrötendame Harriet. Charles Darwin entführte 1835 die damals erst etwa fünfjährige Riesenschildkröte von den Galapagosinseln. Seit 1987 lebt sie im Zoo von Brisbane in Australien und starb dort Mitte 2006 im Alter von 176 Jahren an einem Herzanfall. Ebenfalls im Jahr 2006 ist in einem Zoo in Kalkutta eine Riesenschildkröte gestorben, die sogar 256 Jahre alt gewesen sein soll.

Welche Überlebensstrategien entwickeln Schildkröten?

In unseren gemäßigten Breiten graben sie sich im Winter in den Boden ein; wie lange sie sich dort verborgen halten, hängt von der Dauer der Kälteperiode ab. Dieses Verhalten lässt sich beispielsweise bei der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni) und der Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca) beobachten, die beide in den Mittelmeerländern vorkommen. Wie alle Schildkröten können sie nicht besonders gut sehen und sind fast taub und stumm, doch dafür ist ihr Geruchssinn hoch entwickelt. Und wie für Landschildkröten allgemein typisch, sind sie überwiegend Vegetarier, ergänzen ihren Speiseplan aber mit Insekten, Würmern und Weichtieren.

Eine der erstaunlichsten Landschildkröten ist die ostafrikanische Spaltenschildkröte (Malacochersus tornieri). Jungtiere haben noch einen geschlossenen, gerundeten Panzer. Bei den Alttieren ist er hingegen sehr flach, weich und biegsam. Daher können sich die Tiere, die hervorragend klettern, in enge Spalten verkriechen und dort so mit Luft aufblasen, dass sie kein Räuber mehr hervorziehen kann. Wegen ihrer geringen Fortpflanzungsrate – ein bis zwei Eier pro Gelege – ist diese Art stark bedroht.

Wie ziehen Schildkröten ihren Hals ein?

Man unterscheidet sog. Halsberger, die den Hals s-förmig einziehen, und Halswender, die ihn seitlich umlegen. Zu den Halsbergern gehören etwa die Griechische Landschildkröte sowie die Riesenschildkröten; Beispiele für Halswender sind Schlangenhals- und Fransenschildkröte. Das Einziehen des Halses ist eine Reaktion auf Gefahr. Auch Beine und Schwanz werden dann in den Panzer zurückgezogen.

Übrigens: Der schützende Panzer bedeckt den Rumpf der Schildkröten völlig. Er setzt sich aus einem gewölbten Rückenschild und einer flachen Bauchplatte zusammen. Aufgebaut ist er aus Knochenelementen und auf diesen aufgelagerten Hornplatten. Bei Weich- und Lederschildkröten ist der Panzer allerdings lediglich von einer lederartigen Haut überzogen.

Mussten Schildkröten für Schmuck sterben?

Ja, denn aus dem Panzer der Echten Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) lässt sich das sog. Schildpatt gewinnen, das vor allem vom 17. bis 19. Jahrhundert als Werkstoff geschätzt war. Erwärmt lässt sich Schildpatt biegen und auf Hochglanz polieren. Bereits die Römer schmückten ihre Möbel mit gelblich-braun geflammtem Schildpattfurnier und in der Renaissance diente es zur Verzierung von allerlei kunsthandwerklichen Gegenständen. Noch im 20. Jahrhundert wurden daraus zum Beispiel Kämme, aber auch Brillenfassungen hergestellt.

Gewonnen wurde dieses kostbare Material dadurch, dass die Fischer die gefangenen Schildkröten mit dem Rücken in heißes Wasser tauchten und die Rückenschilde ablösten. Relativ junge Tiere überlebten diese barbarische Prozedur sogar und bildeten einen neuen Panzer.

Wie überlisten Geierschildkröten ihre Opfer?

Sie wackeln bei geöffnetem Kiefer mit ihrer wurmförmigen Zunge. Versucht ein Fisch, den Köder zu schnappen, so schließen sich blitzschnell die kräftigen Kiefer über ihm. Die in Amerika heimischen Geierschildkröten (Macroclemys temminckii) sind mit einem Gewicht von bis zu 100 Kilogramm die größten Süßwasserschildkröten. Sie verfügen über sehr kräftige Kiefer und sind für ihre Bissigkeit bekannt. Große Exemplare können einem Menschen sogar einen Finger abbeißen.

Wussten Sie, dass …

Schildkröten keine Zähne haben? Die Kiefer tragen scharfe Hornscheiden, mit denen sie beißen können.

Rotwangen-Schmuckschildkröten (Pseudemys scripta) 30 Zentimeter groß werden? Dies sollte man bedenken, wenn man sich eine Schildkröte als Haustier zulegen möchte.

die Schildkrötenweibchen ihre Eier im warmen Sand ablegen und von der Sonne ausbrüten lassen?

Krokodile: Am Rand der Ausrottung

Wie leben Krokodile?

Krokodile leben an den Ufern tropischer und subtropischer Gewässer. In der Regel sind sie Süßwasserbewohner. Nur wenige Arten wie das Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) dringen auch in Brackwasser oder sogar ins Meer vor. Krokodile sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher; sie ernähren sich ausschließlich von tierischer Beute, vom Fisch bis zum Großsäuger. Direkt unter der Oberfläche lauernd, ragen nur Augen und Nasenöffnungen aus dem Wasser. Ihr Schlund ist so konstruiert, dass sie ihr Maul unter Wasser öffnen können, ohne zu ertrinken. Mithilfe ihres Schwanzes können sie mehrere Meter senkrecht aus dem Wasser schnellen und Beute von überhängenden Ästen schnappen. An Land bewegen sie sich kriechend, im typischen Reptiliengang, oder hochbeinig fort.

Übrigens: Alle Krokodile sind ovipar. Die Männchen haben einen Penis und die Weibchen legen ihre ledrigen Eier in Nisthöhlen oder Gruben, die sie ausheben. Krokodilweibchen sind gute Mütter, eine Ausnahme unter Reptilien: Manche Arten betreiben Brutpflege, bewachen ihre Gelege und kümmern sich auch nach dem Schlüpfen noch um ihre Jungen.

Wie lassen sich Krokodil und Alligator unterscheiden?

Sozusagen an der Nasenspitze: Echte Krokodile haben meist eine lang gestreckte, dreieckige Schnauze, Alligatoren und Kaimane – wie die Alligatoriden im tropischen Mittel- und Südamerika bezeichnet werden – weisen dagegen eine eher flache, rundliche Schnauze auf. Am besten unterscheidet man beide Gruppen jedoch anhand ihrer Zahnstellung: Bei Alligatoren und Kaimanen fassen die Zähne des Unterkiefers in Gruben am Oberkiefer und sind daher bei geschlossenem Maul von außen nicht sichtbar. Die Echten Krokodile weisen im Oberkiefer eine Kerbe auf, in die bei geschlossenem Maul der vierte Zahn des Unterkiefers passt. Dieser Zahn ist daher von außen zu sehen.

Bei Echten Krokodilen sind außerdem in den Bauchschuppen Sinnesgruben zu finden, die ihren Verwandten fehlen. Krokodile besitzen Drüsen auf der Zunge, mit denen sie überschüssiges Salz ausscheiden können. Dies ermöglicht ihnen, Salz- und Brackwassergebiete als Lebensraum zu erobern. Alle Echten Krokodile sind groß. Wahrhaft riesig können Leistenkrokodil und Nilkrokodil (Crocodylus niloticus) werden. Letzteres ist weit verbreitet und kommt in ganz Afrika und auf Madagaskar vor.

Wann spricht man von Alligator, wann von Kaiman?

Alligatoren und Kaimane werden in erster Linie nach ihrem Verbreitungsgebiet unterschieden. Kaimane sind eine Unterfamilie der Alligatoren. Der Mohrenkaiman (Melanosuchus niger) ist in Südamerika zu finden und kam hier einst sehr häufig vor, doch sein Bestand ist drastisch zurückgegangen. Am stärksten bejagt wird der Krokodilkaiman (Caiman crocodilus), der in Süd- und Mittelamerika lebt und von dem 60 bis 80 Prozent der im Handel befindlichen Häute stammen.

Der Mississippi-Alligator (Alligator mississippi) lebt im Südosten der USA. Er erreicht eine Körperlänge von bis zu sechs Metern. Zur Ledergewinnung wird er in Farmen gehalten.

Übrigens: Frieren Teiche oder Sümpfe zu, so bleiben größere Mississippi-Alligatoren einfach im flachen Wasser liegen und halten sich ein Atemloch frei – die meisten anderen Krokodilarten würden derart niedrige Temperaturen nicht schadlos überstehen.

Welches sind die Kolosse unter den Krokodilen?

Es sind die Leistenkrokodile (Crocodylus porosus), die größten lebenden Reptilien und damit die größten Krokodile. Männchen können eine Gesamtlänge von 8,5 Metern und ein Gewicht von mehr als einer Tonne erreichen. Zuweilen kursierende Längenangaben für einzelne Tiere von bis zu zehn Metern gehen auf Übertreibungen mancher Jäger zurück. Weibchen bleiben mit rund vier Metern wesentlich kleiner. Diese Art hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet, das von den Küstengebieten Indiens über Nordaustralien bis zu den Salomonen reicht. Leistenkrokodile tolerieren Salzwasser problemlos und haben die Kokosinsel, die mehr als 1000 Kilometer vom Festland entfernt ist, schwimmend erreicht. In Neuguinea dringen sie aber auch tief ins Landesinnere vor. Heute ist der Bestand dieser Kolosse von der Ausrottung bedroht.

Töten Krokodile auch Menschen?

Mississippi-Alligatoren und Mohrenkaimane töten gelegentlich, wenn auch selten, Menschen. Bei den sehr großen Formen wie Nil- und Leistenkrokodilen geschieht dies häufiger. Nilkrokodile können sogar ausgewachsene Kaffernbüffel erlegen und in den Mägen von Leistenkrokodilen hat man schon Überreste von Haifischen gefunden.

Können Krokodile tatsächlich weinen?

Nein. Die Krokodilstränen gehen auf Sir James Hopkins zurück, der bei seiner Rückkehr aus Amerika 1565 berichtete, dass diese Tiere »gar schröcklich schluchzten«. Doch der Forscher interpretierte wohl das Brüllen der Tiere falsch.

Tragen Krokodile den Namen »Panzerechsen« zu Recht?

Ja, denn ihr lang gestreckter Rumpf ist mit verknöcherten Hornschilden gepanzert. Der Körper läuft in einen muskulösen Ruderschwanz aus, mit dem Krokodile kräftige Schläge austeilen können.

Wussten Sie, dass …

Krokodile sehr urtümliche Tiere sind? Sie existierten schon zu Zeiten der Dinosaurier und sind heute die nächsten lebenden Verwandten der Vögel.

der Name »Alligator« aus dem Spanischen kommt? Er leitet sich von »el largato«, die Echse, ab.

Krokodile wahre Hungerkünstler sind und wahrscheinlich nur 50 volle Mahlzeiten im Jahr zu sich nehmen?

bei Krokodilen das Geschlecht von der Temperatur bestimmt wird? Liegt sie während des Brutvorgangs unter etwa 30 °C, schlüpfen Weibchen, beträgt sie etwa 34 °C, entstehen nur männliche Tiere.

Echsen: Kriechtiere mit Schuppen

Wie leben bei uns heimische Eidechsen?

Bei »unseren« Eidechsen handelt es sich v. a. um die in Europa und Westasien weit verbreitete Zauneidechse (Lacerta agilis). Sie wird etwa 20 bis 30 Zentimeter lang, ist relativ kurzbeinig und gedrungen; bei Gefahr kann sie den Schwanz abwerfen und später neu bilden.

Die Tiere bevorzugen sonnige, warme und trockene Biotope. Man findet sie beispielsweise an Hecken, Böschungen und Waldrändern, wo sie Jagd auf Insekten machen. Die Weibchen sind einfach braun gefärbt, die Männchen schmücken sich zur Paarungszeit im Frühjahr mit grünen Flanken. Beide Geschlechter kommen im Frühling aus ihren Winterquartieren und häuten sich. Nach Balz und Paarung legen die Weibchen meist im Juni vier bis zwölf Eier in selbst gegrabene Erdhöhlen, aus denen nach acht bis zehn Wochen die Jungen schlüpfen.

Übrigens: Sämtliche Echsen lieben warme Standorte, und zwar weil sie, wie alle Reptilien, wechselwarm sind, das heißt, dass ihre Körpertemperatur von der Umgebungstemperatur abhängig ist. Um auf »Betriebstemperatur« zu kommen, müssen sie sich in der Sonne aufwärmen. Deshalb sind die meisten Arten in den Tropen und Subtropen zu Hause.

Sind Blindschleichen tatsächlich blind?

Nein – im Gegenteil: Sie haben kleine, aber gut funktionierende Augen und normal schließbare Lider. Auch wenn ihre Gliedmaßen vollständig reduziert sind und sie eine gegabelte Zunge haben, sind Blindschleichen (Anguis fragilis) keine Schlangen. Sie gehören nach ihrem inneren Bau zu den Eidechsen und sind für Menschen völlig harmlos.

Blindschleichen sind sehr anpassungsfähig, man findet sie in weiten Teilen Europas und in Nordafrika. Sogar im Herzen großer Städte kann man sie antreffen. Meist werden sie nicht länger als 30 bis 45 Zentimeter. Als Futter bevorzugen sie Regenwürmer und Nacktschnecken. Diese Echsen werden von vielen Greifvögeln und Säugern wie Fuchs und Igel verfolgt. Bei Gefahr können sie ihren langen Schwanz abwerfen, der den Räuber ablenkt, während die Blindschleiche im Unterholz verschwindet. Dort bildet sich ein Stummelschwanz.

Blindschleichen bringen nach einer Tragzeit von etwa drei Monaten meist acht bis zwölf Junge zur Welt. Diese Tiere können recht alt werden: 20 bis 30 Jahre sind in menschlicher Obhut keine Seltenheit. Ein Methusalem in Kopenhagen soll es auf über ein halbes Jahrhundert gebracht haben.

Wodurch ist das Chamäleon an seinen Lebensraum angepasst?

Für das Leben auf Bäumen ist diese Echse hervorragend ausgestattet, denn ihre teilweise zusammengewachsenen Zehen, die sich in zwei Gruppen gegenüberstehen, ermöglichen einen sicheren Griff im Geäst. Zusätzlichen Halt gibt der Greifschwanz. Typisch ist die lange Schleuderzunge, die mit mehr als fünf Metern pro Sekunde auf kleine Beutetiere »abgeschossen« wird. Die Insekten – bei größeren Arten auch Kleinvögel und kleine Säuger – bleiben an der klebrigen Spitze hängen und werden zudem von Zungenmuskeln festgehalten. Beim Zielen helfen dem Tier seine vorstehenden, unabhängig voneinander beweglichen Augen, die ihm ein hervorragendes räumliches Sehvermögen ermöglichen.

Legendär ist die Farbveränderung des Chamäleons. Wenn zwei Männchen einander drohen, aber auch bei Veränderungen von Temperatur oder Luftfeuchtigkeit zeigt die Haut unterschiedliche Farben. Dank ihrer Fähigkeit zum Farbwechsel können sich Chamäleons auch hervorragend tarnen, so dass ihre langsamen Bewegungen beim Heranschleichen an eine Beute kaum sichtbar sind.

Die Männchen liefern sich oft heftige Zweikämpfe um ihr Territorium und ihr Kopf ist häufig mit Helmen und Hörnern geschmückt, wie beim ostafrikanischen Dreihornchamäleon (Chamaeleo jacksonii). Einige Arten können bei Erregung laut fauchend drohen und heftig beißen. Die meisten Chamäleons legen Eier, einige Arten sind ovovivipar, d. h., die Eier werden im Mutterleib ausgebrütet.

Trägt der Dornteufel seinen Namen zu Recht?

Ja, denn sein Körper ist mit harten Stachelschuppen besetzt. Vermutlich dienen sie dazu, Angreifer abzuschrecken, aber auch zur Tarnung leisten sie einen Beitrag, denn sie verleihen dem Dornteufel (Moloch horridus) auf den ersten Blick das Aussehen eines trockenen und welken Blattes. Trotz seines Furcht erregenden Äußeren ist er völlig harmlos. Beheimatet ist die zu den Agamen (Familie Agamidae) gehörende Art in den Trockengebieten Australiens.

Übrigens: Noch skurriler wirkt die ebenfalls in Australien heimische Kragenechse (Chlamydosaurus kingii): Wenn sie sich bedroht fühlt oder einem Gegner imponieren will, klappt sie einen breiten Kragen aus und faucht laut.

Wussten Sie, dass …

es auch giftige Echsen gibt? Einzige Vertreter sind die Gila-Krustenechse (Heloderma suspectum) und ihre Verwandte, die Skorpion-Krustenechse (Heloderma horridum).

Brückenechsen sich als lebende Fossilien kaum von ihren Verwandten vor rund 200 Millionen Jahren unterscheiden?

der Zwerggecko (Jaragua sphaero) mit einer »Länge« von 1,6 Zentimetern das kleinste Reptil ist?

Warum können Geckos an der Decke laufen?

Ermöglicht wird dieses Kunststück durch kleine Haftlamellen an jeder Zehe, mit deren winzigen Fortsätzen sich die Tiere festheften. So sind Geckos (Familie Gekkonidae) in der Lage, spiegelglatte Oberflächen, selbst Glas zu erklimmen oder »kopfunter« an der Decke zu spazieren. Ihren Namen verdanken die im Mittelmeerraum und in den Tropen heimischen Tiere übrigens vermutlich ihren Klickgeräuschen, die wie »gecko« klingen.

Schlangen: Abschreckend und faszinierend zugleich

Welches sind die am höchsten spezialisierten Reptilien?

Schlangen. Wir kennen heute rund 2600 Arten, die alle räuberisch leben. Typisch ist die (fast) völlige Rückbildung der Gliedmaßen; ihr Körper ist lang gestreckt und meist schlauchförmig. Die dachziegelartig angeordneten Hornschuppen schaffen einen guten Kontakt zum Untergrund. Schlangen streifen beim Häuten die alte Hülle »am Stück« ab; das gilt auch für die transparenten Schuppen, die die lidlosen Augen bedecken.

Schlangen sind weitgehend taub, d. h., sie können Luftschall kaum, aber dafür Bodenerschütterungen recht gut wahrnehmen. Stattessen verfügen sie mit Ausnahme der unterirdisch lebenden Arten über ein ausgezeichnetes Sehvermögen und viele tagaktive Schlangen sind anscheinend farbtüchtig. Zudem ist ihr Geruchssinn hoch entwickelt. Grubenottern sowie einige Boas und Pythons können außerdem mit dem sog. Grubenorgan Wärmestrahlung wahrnehmen.

Schlängeln alle Schlangen?

Nein. Obwohl es die geläufigste Bewegungsform ist, gibt es auch Schlangen, die kriechen oder sich winden. Beim Schlängeln erzeugt die Schlange abwechselnd auf jeder Körperseite Muskelkontraktionen, die sich horizontal und wellenförmig von vorn nach hinten ausbreiten. Größere und schwerere Schlangen wie Boas, manche Pythons und Vipern bewegen sich auf ebenem, glattem Gelände mit Raupenkriechen fort. Dabei werden die breiten Bauchschilde auf der Unterseite in Gruppen nacheinander angehoben, nach vorn geschoben und dann mit dem freien Rand in den Boden gestemmt; anschließend wird der Körper mithilfe der kräftigen Muskulatur nachgezogen.

Ziehharmonikakriechen wenden Schlangen häufig in Gängen oder Röhren an: Die Schlange legt ihren Körper in möglichst starke Windungen und streckt ihn dann wieder wie eine Ziehharmonika. Eine besondere Anpassung an sandigen Untergrund stellt das Seitenwinden dar. Dabei hebt die Schlange den Kopf und eine Körperwindung, die seitlich nach vorn geschwungen und wieder aufgesetzt wird. Anschließend wird eine neue Windung ausgebildet usw. Auf diese Weise bewegt sich die Schlange in »kleinen Schritten« vorwärts und berührt den heißen Wüstensand nur kurz.

Wie töten Riesenschlangen?

Da Riesenschlangen keine Giftdrüsen besitzen, müssen sie sich auf ihre Kraft verlassen. Sie packen ihre Beute mit den Zähnen, schlingen sich um sie herum und erwürgen sie mit ihrer kräftigen Muskulatur. Typische Vertreter sind die Anakonda (Eunectes murinus) und der Python. Das Verschlingen von großen Tieren (sogar von Schweinen) wird ihnen durch den sehr leicht gebauten und äußerst flexiblen Schädel ermöglicht. Beide Unterkieferhälften sind lediglich durch ein dehnbares Band verbunden und können aus dem Oberkiefer »ausgehängt« werden. Durch alternierende Bewegung beider Unterkieferhälften wird die Beute ins Maul gezogen, eingespeichelt und »mit Haut und Haar« verschlungen.

Wie leben Riesenschlangen?

Anakondas werden etwa 6–6,5 Meter lang; diese tropische südamerikanische Boa bewohnt ausschließlich Feuchtgebiete und ist eine hervorragende Schwimmerin. Zu ihren Beutetieren gehören Krokodile, Kaimane, Vögel und Fische, aber auch Wasserschweine, halbwüchsige Tapire und kleine Hirsche werden von ihr problemlos überwältigt. Wie alle Boas sind Anakondas lebendgebärend. Sollte es in ihrem Lebensraum zu trocken werden, können die Tiere eine Art »Sommerschlaf« halten.

Der bis zu zwei Meter lange Grüne Baumpython (Morelia viridis) lebt dagegen in den Regenwäldern Neuguineas und ist völlig an das Leben auf Bäumen angepasst. Gut getarnt und mit seinem kräftigen Greifschwanz sicher verankert, wartet er im Geäst, bis Nagetiere, Vögel oder auch Fledermäuse in seine Reichweite kommen. Wie für Pythons typisch, bewacht und bebrütet das Weibchen die Eier. Die schlüpfenden Jungtiere sind zunächst zitronengelb und färben sich später zum Grün der Alttiere um.

Wie viele Giftschlangen gibt es?

Diese Frage lässt sich nicht genau beantworten, denn der Übergang zwischen – für den Menschen – ungiftigen und giftigen Arten ist fließend. Noch bis in das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts galten alle Nattern als ungiftig, doch inzwischen hat es so viele tödliche Unfälle mit Trugnattern gegeben, dass diese Ansicht revidiert werden musste. Von den höheren Schlangen können rund 250 bis 500 Arten beim Menschen schwere Vergiftungen verursachen, doch die meisten Fälle sind etwa 50 Arten zuzuschreiben.

Übrigens: Schlangen nutzen ihr Gift zum Beutefang und zur Verteidigung. Sie injizieren es ihren Opfern mithilfe von zwei gefurchten oder hohlen Giftzähnen im Oberkiefer, die mit Giftdrüsen in Verbindung stehen. Diese Giftdrüsen haben sich aus Speicheldrüsen entwickelt.

Welches sind die bekanntesten Giftschlangen?

Zu nennen sind v. a. die bis über zwei Meter lange Kobra oder Brillenschlange (Naja naja), die in Indien zu Hause ist, und die größte Giftschlange Afrikas, die Schwarze Mamba (Dendroaspis polylepis), die bis 4,40 Meter lang werden kann.

Die Kobra richtet bei Erregung ihren Oberkörper auf und spreizt ihre Haube, die die charakteristische Brillenzeichnung trägt. Sie hält sich gern in der Nähe menschlicher Siedlungen auf, denn dort findet sie reichlich Ratten und Mäuse; Kobras verschmähen aber auch andere kleine Wirbeltiere nicht. Brillenschlangen legen Eier und manche Arten bewachen ihr Gelege. Erwachsene Tiere sind nicht sehr angriffslustig, gehören aber in ihrem Verbreitungsgebiet aufgrund ihres starken Giftes zu den gefährlichsten Giftschlangen: Bei einem einzigen Biss gelangen etwa 210 Milligramm Gift in die Wunde – die tödliche Dosis für einen Erwachsenen liegt bei 15 Milligramm!

Übrigens: Die wichtigsten Giftschlangen gehören zur Familie der Vipern (Viperidae) und der Giftnattern (Elapidae). Bisse von Giftnattern führen zu Muskellähmungen, wie sie auch das Pfeilgift Curare hervorruft. Ohne Behandlung ist die Sterblichkeit sehr hoch; der Tod tritt durch Atemlähmung ein.

Wo lebt die Schwarze Mamba?

Die Schwarze Mamba lebt in baum- und buschbestandenen Savannen Afrikas und hält sich im Gegensatz zu ihrer meist auf Bäumen lebenden Verwandtschaft, zu der beispielsweise die Grüne Mamba (Dendroaspis viridis) gehört, gern am Boden auf. Dennoch können Schwarze Mambas auch ausgezeichnet klettern; sie sind überwiegend tagsüber aktiv und jagen Vögel und kleine Säuger.

Die Weibchen legen ihre Eier an eine feuchtwarme Stelle, etwa in einen Termitenbau. Die Tiere sind scheu und nicht aggressiv; in die Enge getrieben, beißen sie jedoch ohne Zögern zu und injizieren 1000 Milligramm Gift. Da die Giftwirkung sehr rasch eintritt, ist der Biss der Schwarzen Mamba auch für Menschen fast immer tödlich.

Gibt es wirklich Riesenseeschlangen?

Nein. Die Tatsache jedoch, dass einige Arten der im Meer lebenden Reptilien manchmal in großen Gruppen auftreten und lange Bänder bilden, hat wahrscheinlich zu Berichten über riesige Seeschlangen geführt.

Übrigens: Die von landlebenden Vorfahren abstammenden Seeschlangen gehören zu den Giftnattern; das Gift vieler Arten ist sogar stärker als das der Kobras. Die am besten an das Leben im Meer angepassten Arten, zu denen die bis zu 2,75 Meter lange Ruderschwanzseeschlange gehört, verlassen das Wasser gar nicht mehr und sind an Land völlig hilflos. Seeschlangen können ihre Nasenöffnungen verschließen und bis zu 50 Meter tief tauchen.

Weshalb klappern Klapperschlangen?

Werden Klapperschlangen gestört, so warnen sie den Störenfried mit einem rasselnden Geräusch; dazu bewegen sie ihre Hornrassel am Schwanz mit einer Frequenz von bis zu 50 Hertz (Schwingungen pro Sekunde). Bei jeder Häutung erhält die Rassel ein neues Glied und wird damit ein Stück größer.

Übrigens: Klapperschlangen sind eine artenreiche Gattung. Sie gehören wie alle Vipern zu den röhrenzähnigen Giftschlangen, das heißt, sie können ihre Zähne bei Nichtgebrauch nach hinten »zurückklappen«. Die kleinste Klapperschlange ist die mexikanische Art Crotalus pricei, die kaum 50 Zentimeter lang wird. Zu den größten gehört die Texasklapperschlange (Crotalus atrox), die eine Länge von über zwei Metern erreichen kann und von Nordmexiko bis in den Südwesten der USA anzutreffen ist.

Welche Schlangen gibt es hierzulande?

Insgesamt leben in Deutschland nur sechs Schlangenarten: Ringelnatter, Würfelnatter, Schlingnatter, Äskulapnatter, Kreuzotter und Aspisviper – anderen Arten ist es einfach zu kalt. Beispielhaft seien die Ringelnatter (Natrix natrix) und die Kreuzotter (Vipera berus) beschrieben.

Die Ringelnatter, eine ungiftige, bis zu zwei Meter lange Wassernatter, bewohnt feuchte Lebensräume. Typisch ist der gelblich weiße, halbmondförmige Fleck am Hinterkopf. Ringelnattern sind tagaktiv und ernähren sich hauptsächlich von Fröschen und Fischen, die sie lebend verschlingen. Es sind recht scheue Tiere, die sich bei Bedrohung tot stellen. Die Ringelnatter gilt als gefährdet.

Die bekannteste heimische Giftschlange ist die Kreuzotter, die an ihrem typischen dunklen Zickzackmuster auf hellem Grund zu erkennen ist. Diese Otter liebt sonnige Feuchtbiotope wie Moore und Bergwiesen. Sie ernährt sich vorwiegend von kleinen Säugern, Fröschen und Eidechsen, die sie mit ihrem Gift tötet. Kreuzottern sind lebendgebärend und halten eine Winterruhe. Da die Tiere extrem scheu sind, kommt es nur selten zum aggressiven Kontakt mit Menschen. Pro Biss werden ca. zehn Milligramm Gift appliziert; die tödliche Dosis für einen Erwachsenen liegt bei etwa 75 Gramm. Die Kreuzotter gilt ebenfalls als stark gefährdet.

Übrigens: Von den sechs einheimischen Arten zählen vier zur Familie der Nattern (Colubridae) und zwei zu den Vipern (Viperidae). Würfelnatter, Äskulapnatter und Aspisviper sind nur noch als »Restvorkommen« in Deutschland vertreten.

Was ist ein Natternhemd?

Die abgestreifte Haut von Schlangen. Anders als Säugetiere, deren Haut sich ständig unauffällig abschuppt, verlieren Schlangen alle Zellen der oberen Hautschicht zur gleichen Zeit. An einem »Natternhemd« sind die einzelnen Schuppen so deutlich sichtbar, dass man sogar die Art bestimmen kann, der das »Hemd« einmal gepasst hat.

Wussten Sie, dass …

Boas bis zu 40, Anakondas 31 und Klapperschlangen höchstens 19 Jahre alt werden können?

ein Netzpython die Länge von zehn Metern erreichen kann?

die afrikanische Schwarze Mamba mit elf Stundenkilometern als die schnellste Schlange gilt?

ein Biss der Schwarzen Mamba oder der Königskobra Menschen innerhalb von wenigen Minuten tötet?

Wussten Sie, dass …

sich der griechische Gott der Heilkunde auf einen von einer Äskulapnatter (Elaphe longissima) umwundenen Stab stützt und die Schlange deshalb das Symbol der Heilberufe ist?

Schlangenbändiger ein recht ungefährlicher Beruf ist, da man meistens mit Kobras arbeitet, deren Giftzahn vorher entfernt wurde?

Wie wirkt Schlangengift?

Je nach seiner Zusammensetzung kann Schlangengift das Nervensystem schädigen, die Blutgerinnung stören, zu inneren Blutungen und Gewebezerstörungen führen oder herzschädigend wirken. Das Besondere an Schlangengift: Es besteht nicht aus einer einzigen Substanz, sondern aus einem komplexen Eiweißgemisch. Behandelt werden Schlangenbisse in der Regel mit dem entsprechenden Antiserum und kreislaufstabilisierenden Mitteln.

Dinosaurier: Die Donnerechsen des Erdmittelalters

Wann war die große Zeit der Dinosaurier?

Während der Erdzeitalter Jura und Kreidezeit, vor etwa 165 bis 65 Millionen Jahren. Bereits davor, nämlich im Keuper – also vor rund 230 Millionen Jahren – erschien mit Plateosaurus der erste echte Dinosaurier. Der nach seinem Fundort bei Trossingen auch »Schwäbischer Lindwurm« genannte Saurier hatte immerhin eine Körperlänge von etwa acht Metern.

Die Dinosaurier erreichten in Jura und Kreide eine enorme Artenvielfalt. Herden von Pflanzen fressenden Sauropoden durchzogen im Jura die offenen Waldlandschaften. Sie ernährten sich von Koniferen, den kräftigen Wedeln der Palmfarne (Cycadeen) und krautigen Schachtelhalmen. Bekannte Vertreter der Pflanzenfresser waren der kleinköpfige Apatosaurus, der Stegosaurus mit seinem zackigen Rückenpanzer und der Brachiosaurus.

Am Ende der Kreidezeit starben alle Saurierlinien zusammen mit vielen anderen Tier- und Pflanzenarten aus. Es war das bislang letzte große Artensterben der Erdgeschichte.

Welche Dinosaurier fraßen Fleisch?

Zu den gefürchteten Fleisch fressenden Räubern zählten der flinke und kräftige Velociraptor und vor allem der mächtige, zwölf Meter lange Allosaurus. Auch der kleine Compsognathus gehörte zu den Raubdinosauriern. Sein Körperbau weist große Ähnlichkeit mit dem zur gleichen Zeit lebenden Urvogel Archaeopteryx auf. Der teilte sich den Lebensraum Luft mit Flugsauriern wie Rhamphorhynchus; dieser Fischräuber hatte in der Kreide eine Flügelspannweite von bis zu zwölf Metern. Auf dem Land erschienen in dieser Zeit neue Vertreter der Riesenechsen: Triceratops, Iguanodon und Tyrannosaurus, der wohl bekannteste Dinosaurier.

Übrigens: Als einer der Urahnen der Dinosaurier gilt das als »Handtier« bezeichnete Chirotherium. Seine Fährtenabdrücke haben große Ähnlichkeit mit einer Menschenhand; sie wurden erstmals 1833 in einem Steinbruch nahe Hildburghausen in Thüringen entdeckt.

Welches waren die größten Dinosaurier?

Die größten Dinosaurier finden sich erstaunlicherweise unter den Pflanzenfressern – so etwa der bis zu 23 Meter lange und zwölf Meter hohe Brachiosaurus oder der Apatosaurus, der zur Gruppe der Elefantenfußsaurier (Sauropoden) gehört. Dieser etwa 21 Meter lange und bis 20 Tonnen schwere Riese weidete Blätter von Palmfarnen ab, die neben Nadeln, Zapfen und Rinde der damals vorherrschenden Koniferen seine Hauptnahrung bildeten. Faustgroße Magensteine schlossen die schwer verdauliche Kost auf. Allein aufgrund ihrer Größe hatten diese Titanen, die zudem mit ihrem langen, peitschenartigen Schwanz über eine wirkungsvolle Waffe verfügten, nur wenige Feinde zu fürchten.

Dennoch dürften diese Riesen mitunter Fleisch fressenden Raubtierzahnsauriern (Carnosauriern) zum Opfer gefallen sein. Mit zweischneidigen oder gekrümmten, dolchförmigen Zähnen bewaffnet, jagten diese erstaunlich leichtfüßigen Kolosse die Pflanzenfresser. So erreichte zum Beispiel Tyrannosaurus rex dank seiner muskulösen Laufbeine kurzzeitig Geschwindigkeiten von immerhin 20 Stundenkilometern – und das trotz einer Körperhöhe von sechs Metern und eines Gewichts von sieben Tonnen.

War der »Schnelle Räuber« ein Schlitzer?

Ja. Einer der gefährlichsten Raubtiere seiner Zeit war wohl der Fleisch fressende Velociraptor, dem man auch den Beinamen »Schneller Räuber« gab. Seine langen Hinterbeine lassen darauf schließen, dass er ein exzellenter Läufer war. Die Vorderarme mit ihren scharfen Klauen dienten zum Festhalten der Beute. Das Hauptmerkmal von Velociraptor aber war die scharfe Sichelkralle, mit der er seine Opfer aufschlitzte. In seinen schlanken, krokodilähnlichen Kiefern steckten viele scharfe Zähne. Der bis zu 1,8 Meter lange und rund 15 Kilogramm schwere Velociraptor jagte wahrscheinlich im Rudel und war dadurch noch gefährlicher.

Hatten Dinosaurier tatsächlich »viel Panzer, aber wenig Hirn«?

Nein, das ist ein Vorurteil, das erst um sich griff, nachdem in den 1880er Jahren Überreste der riesigen Pflanzen fressenden Saurier entdeckt worden waren. Zuvor hatten sie als agile Wesen gegolten, jetzt hielt man sie für dumm, langsam und unbeholfen – und sah darin sogar die eigentliche Ursache für ihren Untergang. Erst in den 1970er Jahren revidierte die Wissenschaft dieses negative Bild. Heute sind sich die Forscher einig, dass die Dinosaurier eine der erfolgreichsten Tierarten in der Geschichte des Lebens gewesen sind – schließlich dominierten sie mehr als 150 Millionen Jahre lang das Leben auf unserem Planeten!

Wussten Sie, dass …

der größte bekannte Flugsaurier wahrscheinlich Quetzalcoatlus war? Er konnte vermutlich bis 15 Kilogramm schwer werden und hatte eine Flügelspannweite zwischen elf und zwölf Metern.

es Saurier mit Federn gab? Anfang 2003 entdeckte man in China Microraptor gui, der sowohl an den Armen als auch an den Füßen Flugschwingen besaß, die wahrscheinlich ähnlich wie die Flügel eines Doppeldeckers angeordnet waren.

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