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Aktuelle Trends in der Personalgewinnung

Teil 2: Recruitainment

Fünf Sitzende Personen mit diversen Mobilgeräten und Akten
Mit der Digitalisierung ist der Werkzeugkasten der Marketingabteiliungen deutlich umfangreicher geworden.
Bunte Plakate mit frechen Sprüchen zieren unsere Städte. Kreative Köpfe in den Marketingabteilungen erstellen die unterschiedlichsten Werbekonzepte, um Kunden von ihren Produkten zu überzeugen und zum Kauf anzuregen. Warum dann nicht auch mehr Kreativität beim Rekrutieren von Nachwuchs- und Fachkräften? Weg von den schwarz-weißen Stellenanzeigen in der Tageszeitung hin zu einem neuen Trend: Recruitainment.

Das „Post-and-Pray“-Prinzip, bei dem der Personaler im Anschluss an die Schaltung einer Stellenanzeige darauf hofft, Bewerbungen von qualifizierten Kandidaten zu erhalten, zählt längst zur Vergangenheit. Die Digitalisierung und die Bedürfnisse der Bewerber fordern ein Umdenken in der Personalgewinnung, denn die besten Talente werden von denjenigen Unternehmen rekrutiert, die die Bewerber am Point of Sale abholen und sich durch Kreativität in der Personalbeschaffung von anderen Arbeitgebern abheben.

Das Internet und die hohe Nutzung von Smartphones sowie Tablets ebnen einen Weg, um neue Köpfe nicht nur über ihren Laptop zuhause zu erreichen, sondern an jedem Ort und zu jeder Zeit. Das bringt einerseits Vorteile, stellt Personaler andererseits aber auch vor neue Herausforderungen: Die Ansprüche der Bewerber im Hinblick auf die Ansprache und den Unterhaltungsfaktor sind gestiegen. Es reicht nicht mehr aus, die Stelle mit einem Anforderungsprofil und den Benefits auf der Unternehmenshomepage oder in einer Online-Börse zu inserieren. Nein, Fachkräfte, Berufseinsteiger und auch Auszubildende wollen gleichzeitig informiert und unterhalten werden. Was auf den ersten Blick als Spaßfaktor angesehen wird, ist für Personaler jedoch eine Methode der Personalauswahl, um die Soft Skills der Kandidaten zu analysieren.

Personalgewinnung durch Recruitainment: Online und offline

Das Kunstwort Recruitainment setzt sich aus den Begriffen Recruiting und Entertainment zusammen und ist als webbasiertes Marketingkonzept zu verstehen. Es kann in der Personalgewinnung sowohl online als auch offline eingesetzt werden. Offline wird das Recruitainment bereits seit vielen Jahren durchgeführt. Hierzu zählen vor allem Messen, sportliche Events und Tage der offenen Tür. Aktivitäten am Messestand wie zum Beispiel die Messung des Blutdrucks an einem Patienten, die das Pflegepersonal bei älteren Menschen durchführen muss, geben bereits einen kleinen Einblick in die zukünftigen Tätigkeiten im Arbeitsalltag. Ein direkter Kontakt zwischen dem Bewerber und dem Personaler kann hergestellt und in einem persönlichen Gespräch offene Fragen beantwortet werden.

Wie bringen sich die zukünftigen Mitarbeiter in bereits bestehende Teams ein und welche Stärken kristallisieren sich im Zusammenspiel mit Mitmenschen heraus? Sportveranstaltungen zielen vor allem auf die Soft Skills Teamfähigkeit, soziale Kompetenz und Durchsetzungsvermögen ab. Der Schwerpunkt kann dabei von den Personalern unterschiedlich gelegt werden und ist je nach ausgeschriebener Stelle anders zu bewerten.

Im Online-Bereich können potenzielle Mitarbeiter vom heimischen Schreibtisch oder auch über ihr Smartphone die vakante Stelle, die Tätigkeiten und ihren zukünftigen Arbeitgeber auf spielerische Art und Weise erleben. Voraussetzung ist jedoch, dass die Unternehmensseite und der Karrierebereich auch mobil abrufbar sind. Mit der Verknüpfung von Mobile Recruiting und Recruitainment machen Personaler die Unternehmenskultur erlebbar und ermöglichen eine frühzeitige Identifikation mit dem Arbeitgeber. Stimmt die Vorstellung der Bewerber mit der Realität überein, führt dies auf längere Sicht zu einer höheren Mitarbeiterbindung und geringeren Mitarbeiterfluktuation.

Durch die sog. Gamifaction, die den Einsatz von spieltypischen Elementen und Prozessen beinhaltet, können Aufgaben in Form von Eignungstests hinzugefügt werden. Soziale und fachliche Kompetenzen werden abgefragt und dem Personaler am Ende des Spiels übermittelt. Es ist mit einem elektronischen Assessment-Center vergleichbar. Allerdings ermöglicht das Recruitainment, im Vergleich zur üblichen Prüfungssituation bei Assessment-Centern, ein Erleben in einer lockeren Atmosphäre und mindert den Druck auf den Bewerber. Nur Kandidaten mit einem hohen intrinsischen Involvement und wirklichem Interesse an der Stelle bewältigen die Aufgaben im Online-Spiel und bewerben sich bei dem Unternehmen. Die Bewerbung kann über das übliche Online-Formular oder auch die One-Klick-Bewerbung, falls der Arbeitgeber diesen Dienst anbietet, versendet werden. Neben der Kosten- und Zeitersparnis bei der Sichtung der eingereichten Bewerbungsunterlagen ist als positiver Effekt eine Steigerung der Qualität der Bewerbungen zu verzeichnen.

Recruitainment für alle?

Eine hohe Affinität zu Recruitainment zeigen insbesondere junge Menschen der Generationen Y und Z. Sie sind im Zeitalter der Digitalisierung aufgewachsen und unterscheiden sich nicht nur in der Lebensweise von ihren Eltern und Großeltern, sondern auch im Berufsleben. Sie sind der Meinung, dass Unternehmen sich ihren Bedürfnissen anpassen müssen und dass der Arbeitgeber zu ihnen passen muss und nicht umgekehrt. Für welche Zielgruppe Recruitainment lohnenswert ist, hängt also maßgeblich vom Alter ab. Eine Analyse des Personalbedarfs kann bei der Entscheidung über den Einsatz hilfreich sein.

Ausblick

Im dritten Teil der Serie über aktuelle Trends in der Personalgewinnung geht es um die One-Klick-Bewerbung, die es Jobsuchenden ermöglicht, sich mit nur einem Mausklick bei ihrem zukünftigen Arbeitgeber zu bewerben. Die Daten werden aus einem Business-Netzwerk wie XING oder LinkedIn importiert, sodass das Ausfüllen von lästigen Online-Formularen entfällt und der Bewerbungsprozess beschleunigt wird.

Teil 3: One-Klick-Bewerbung – Wie sich Bewerber mit nur einem Mausklick bewerben können

Teil 4: Active Sourcing – Wie Stellenausschreibungen durch Recherche und persönliche Ansprache ersetzt werden

Rückblick

 Lesen Sie auch:

Teil 1: Mobile Recruiting – Wie der Bewerbungsprozess auch ohne heimischen PC funktionieren kann

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