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Stärkte das Lehnswesen die königliche Macht?

Jein, das Lehnswesen konnte die Macht des Königs stärken, aber auch schwächen. Schon im 9. Jahrhundert fiel das Lehen nach dem Tod des Vasallen nicht mehr automatisch an den Lehnsherrn zurück, sondern immer häufiger traten dessen Erben wie selbstverständlich in das bestehende Lehnsverhältnis ein. Damit wurde das Lehen faktisch zum erblichen Besitz des Vasallen.

Das führte zunächst zum Verfall der königlichen Macht: Ein Kronvasall, der sich der Treue seiner Lehnsmänner sicher war, konnte unabhängig vom König oder sogar gegen ihn über sein Lehen verfügen; seine eigenen Vasallen hatten nämlich nur ihrem Lehnsherrn, nicht dem König Treue geschworen. So schritt in Deutschland und Italien die Bildung von Territorien fort, in denen der nominelle Herrscher es immer schwerer hatte, seinen Machtanspruch geltend zu machen.

In Frankreich gelang es den Königen seit dem 11. Jahrhundert, diese Entwicklung umzukehren. Lehen, die durch Tod oder Illoyalität hinfällig geworden waren, wurden wieder dem König zugeschlagen und gegebenenfalls neu verliehen. Entscheidend war auch, dass die Untervasallen ihrem Herrn die Treue nur insoweit versprachen, wie ihre Treuepflicht gegenüber dem König nicht verletzt wurde. Diese Treuepflicht aller Vasallen gegenüber dem König gilt als eine der Ursachen für die Stärkung der königlichen Zentralgewalt in Frankreich wie auch in England. In Deutschland kam es dagegen zur Zersplitterung in viele unabhängige Herrschaftsbereiche.

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