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WAHRIG HERKUNFTSWöRTERBUCH
Löwe
Äsops Fabeln, die den Umgang der Menschen untereinander betrachten, indem sie vom Verhalten der Tiere erzählen, sind aufgrund ihrer treffenden Charakterisierungen zur Grundlage vieler Wendungen im Deutschen geworden. So stammt nicht nur die Redensart eine Schwalbe macht noch keinen Sommer „ein einzelnes Anzeichen rechtfertigt keinen allgemeinen Schluss“ von dem Griechen, der um 600 v. Chr. lebte, sondern auch zwei Ausdrücke, die sich auf den Löwen beziehen. Zum einen ist dies die Redensart sich in die Höhle des Löwen wagen „einem Mächtigen mutig gegenübertreten“, die der Fabel Der alte Löwe und der Fuchs entspringt. Der Löwe, der König der Tiere, stellte sich krank und rief alle ihm untergebenen Tiere zu sich nur der Fuchs zögerte, was er damit erklärte, dass zwar viele Spuren in die Höhle hinein, aber keine wieder hinausführe. In der Fabel Der Löwe, der Fuchs und der Esel wird dagegen die gemeinsame Jagd der drei Protagonisten beschrieben, die damit endet, dass Fuchs und Esel ein paar Knochen der Beute bekommen, der Löwe aber den größten Anteil verspeist. Hieraus entstand die Wendung den Löwenanteil bekommen oder einstreichen „von einer Sache mehr bekommen, als einem zusteht“. Wechselt man von der tierischen in die menschliche Sphäre und erkennt man wie Äsop im Löwen den „Herrscher“ der Tiere, so entdeckt man gewisse Ähnlichkeiten mit der schon von dem Evangelisten Matthäus gebrauchten Wendung dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, die „seine Pflicht der Obrigkeit gegenüber tun“ bedeutet.
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