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Platanen und Co.: Robuste Stadtbäume

Welche Platanenarten trifft man heute bei uns häufig an?

Die Morgenländische (Platanus orientalis), die Nordamerikanische (Platanus occidentalis) und die Gewöhnliche Platane (Platanus × hispanica) sind in unseren Breiten vor allem als Park- und Alleebäume, die Gewöhnliche Platane auch als Großstadtbaum weit verbreitet.

Die vom Balkan über den Kaukasus bis zum Himalaya heimische Morgenländische Platane brachten bereits die Römer mit nach Südeuropa. Nicht nur dort spenden in vielen Dörfern noch heute ausladende Exemplare an zentralen Plätzen Einheimischen wie Besuchern gleichermaßen Schatten. Das Gegenstück zur altweltlichen Platanenart ist die Nordamerikanische Platane oder Sykomore, deren ursprüngliches Verbreitungsgebiet sich von Kanada bis Mexiko erstreckt. Obwohl sie aus der Neuen Welt stammt, nennt man sie auch Abendländische Platane – ganz im Einklang mit ihrem botanischen Namen, der dasselbe bedeutet. Um 1650 tauchte in Spanien und Südfrankreich eine neue Form auf, die heute die am weitesten verbreitete Platane ist: die Bastard-Platane oder Gewöhnliche Platane. Man nimmt an, dass es sich dabei um eine Kreuzung aus Morgenländischer und Nordamerikanischer Platane handelt.

Weshalb heißt die Gewöhnliche auch Ahornblättrige Platane?

Aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit Ahornlaub. Sie erinnert besonders an den Spitzahorn, dessen botanischer Name Acer platanoides wiederum auf die ähnliche Blattform hinweist. Doch anders als bei diesem sind Platanenblätter mehr breit als lang, grob dreilappig und von nur drei statt von fünf markanten Hauptadern durchzogen. Außerdem stehen sie wechselständig an den Zweigen, also abwechselnd nach rechts und links zeigend, und nie paarweise gegenüber wie bei den Ahornen.

Übrigens: Neben der charakteristischen bunt gescheckten Rinde liefert der Blattstiel ein weiteres unverwechselbares Merkmal der Platanen; jeder ihrer Stiele ist an der Basis breit kegelförmig ausgezogen und hüllt die darunter liegende Triebknospe wie eine Kapuze ein.

Was zeichnet Platanen besonders aus?

Ihre überdurchschnittliche Widerstandsfähigkeit gegen Luftverschmutzung: Platanen, in erster Linie die Gewöhnliche Platane, erweisen sich als ungemein robust und lebensstark. Gerade auch Staub, Ruß, Flugasche sowie gasförmige Schadstoffe aller Art beeinträchtigen ihr Wachstum nur geringfügig. Selbst die stark aufgeheizte Atmosphäre, eine geringe Luftfeuchtigkeit und überaus milde Wintertemperaturen, die eine natürliche Ruhephase verhindern, ertragen die Bäume ohne große Probleme. Ihre Unempfindlichkeit gegenüber Luftverschmutzung und Stadtklima verleiht Platanen das Prädikat einer besonderen Industriefestigkeit bzw. Rauchhärte – im Gegensatz zu vielen anderen Bäumen, die unter den genannten Belastungen mehr oder minder stark leiden. Schon deshalb werden Platanen gern in Städten gepflanzt, wobei ihr attraktives Erscheinungsbild sicher ein weiterer Pluspunkt ist.

Wo kommen Ulmen vor?

Ulmengewächse (Ulmaceae) sind weltweit verbreitet, schwerpunktmäßig trifft man sie jedoch in der gemäßigten Klimazone der Nordhalbkugel an. In Mitteleuropa sind Ulmengewächse am häufigsten durch die Ulmen oder Rüster (Ulmus) vertreten. Die Bäume, die etwa 30 bis 40 Meter hoch und bis über 500 Jahre alt werden können, wachsen typischerweise nicht in Reinbeständen. So mischen sich beispielsweise Feldulme (Ulmus minor) und Flatterulme (Ulmus laevis) in die Auenwälder europäischer Flüsse, die Bergulme (Ulmus glabra) findet sich in Laubmischwäldern vom Hügelland bis zu einer Höhe von 1400 Metern in den Alpen. Mit ihrer Verbreitung bis über den nördlichen Polarkreis hinaus ist letztgenannte Ulmenart diejenige, die am weitesten in Richtung Norden vordringt.

Heute wird vor allem geschätzt, dass die Bäume, ähnlich wie Platanen, selbst schlechte, mit Schadstoffen belastete Luft sehr gut ertragen. Das machte Ulmen zu beliebten Zierbäumen, die in Europa vielfach in Ballungsgebieten entlang von Straßen und auf Plätzen gepflanzt werden. Hierfür verwendet man gern die Holländische Ulme (Ulmus × hollandica), eine Hybride aus Ulmus glabra und Ulmus minor. Ihr nordamerikanisches Pendant ist die Amerikanische Ulme (Ulmus americana), die in weiten Teilen der Vereinigten Staaten und in Kanada denselben Zweck erfüllt.

Durch das Ulmensterben wurden die Bestände jedoch stark dezimiert.

Was ist das »Holländische Ulmensterben«?

Eine verheerende Epidemie, der in Europa und Amerika schon einige Hundert Millionen Ulmen erlegen sind. Diese Krankheit wurde in Europa erstmals in den Niederlanden im Jahr 1919 bekannt. Nur kurze Zeit später registrierte man die vermutlich aus dem Himalaya stammende Erkrankung auch in dem Nachbarland Belgien und dann auch in Frankreich. Von dort aus breitete sich das Ulmensterben schnell aus. Es handelt sich hierbei um eine komplexe Krankheit, bei der mehrere Faktoren ineinandergreifen.

Verursacht wurde sie anfangs von dem Pilz Ophiostoma ulmi. Etwa 40 Jahre später wurde er jedoch durch seinen noch aggressiveren Verwandten Ophiostoma novo-ulmi, der mit Furnierholz aus Kanada einschleppt worden war, abgelöst. Die Sporen der pathogenen Pilze werden zum Großteil von dem Ulmensplintkäfer Scolytus übertragen, der den Bäumen übrigens allein schon durch seine Fraßtätigkeit heftig zusetzen kann. Das Pilzmyzel dringt nun in die Wasser führenden Gefäßbündel der Bäume ein und verstopft diese. Dadurch wird der Wasserfluss unterbunden und der Baum stirbt recht schnell ab. Von den ersten Symptomen, die einen Befall anzeigen – das sind eingerollte Blätter, abwärts gekrümmte Zweigspitzen und Bildung von Wasserreisern, später abgestorbene Äste, vorrangig im Kronenbereich – vergeht oft nicht einmal ein Jahr bis zum vollständigen Tod eines Baums.

Wer verbirgt sich hinter der Scheinakazie?

Die Weiße Robinie (Robinia pseudoacacia). Mit den Akazien (Gattung Acacia) hat der häufig an Plätzen und Straßen anzutreffende Schmetterlingsblütler die gefiederten Blätter und die Dornen gemeinsam, weswegen er im Volksmund auch häufig Akazie heißt. Aber nicht nur der volkstümliche Name, sondern auch der wissenschaftliche weist auf diese irreführende Ähnlichkeit hin, lautet der Zusatz doch »pseudoacacia«, also »Pseudo-Akazie«. Im Gegensatz zur echten Akazie, die in Australien und Afrika zu Hause ist, stammt die Scheinakazie, die bis zu 25 Meter hoch werden kann und einen kräftigen Stamm besitzt, ursprünglich aus Amerika.

Übrigens: Die Robinie entwickelt eine starke Wurzelbrut, so dass ein Baum zahlreiche Ausläufer bildet. Deshalb setzt man sie gerne für die Aufforstung für Ödland ein.

Lässt sich die Robinie wirtschaftlich nutzen?

Ja. Das anspruchslose Gewächs, das auch auf sehr kargen Böden, mit denen ansonsten nur Kiefern zurechtkommen, gedeiht, liefert ein wertvolles, sehr festes und dauerhaftes Holz, das vor allem als Gruben- und Schwellenholz Verwendung findet. Allerdings ist bei der Verarbeitung des Holzes Vorsicht geboten, da vor allem die Rinde der Robinie giftige Stoffe enthält. Werden diese eingeatmet, so kann es zu Vergiftungen kommen, die sich u. a. in Erbrechen, Krämpfen und Schwindelgefühlen äußern.

Welchen Baum findet man zunehmend in Städten?

Den Spitzahorn (Acer platanoides ssp. platanoides). Aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit gegen Industriebelastung erfreut er sich wachsender Beliebtheit bei der Begrünung von Städten.

Mit einer Wuchshöhe von maximal 30 Metern gehört der Spitzahorn zu den mittelgroßen Bäumen. Er bildet eine belaubte eiförmige Krone aus, die mit zunehmendem Alter immer kugeliger wird. Diese Ahornart, die 150 bis 200 Jahre alt werden kann, blüht mit frühestens 15 Jahren zum ersten Mal. Die Blüten des Spitzahorns können entweder männlich, weiblich oder zwittrig sein und erscheinen im April oder Mai. Sein Blatt ist in drei, fünf oder sieben Lappen geteilt und endet in mehreren sehr schlanken, langgestreckten Spitzen. Die Heimat des Spitzahorns erstreckt sich über einen Großteil Mittel- und Osteuropas und reicht von Nordspanien über Mittelfrankreich und Deutschland bis zum Ural.

Wussten Sie, dass …

der Name »Platane« aus dem Griechischen kommt? Er leitet sich von dem griechischen Wort »platys« (breit) her und bezieht sich auf die breiten Kronen und Blätter der Bäume.

in der griechischen Mythologie Platanen dem Göttervater Zeus geweiht sind? Unter der Krone einer heiligen Platane soll Zeus einst Hera geehelicht haben, unter ihr beging er aber auch einen seiner wohl bekanntesten Seitensprünge: Beschirmt von Platanengrün zeugte er mit Europa, die er in Gestalt eines weißen Stiers entführt hatte, gleich drei Söhne, darunter Minos, den sagenhaften König von Kreta.

Lehrte Hippokrates unter einer Platane?

So will es zumindest der Volksglaube. Auf der griechischen Insel Kos kann man heute noch eine uralte Platane bewundern, die ihre Zweige über einen Trinkbrunnen mit byzantinischer Kuppel reckt.

Der Überlieferung nach ist dies derselbe Baum, unter dem bereits Hippokrates (460–375 v. Chr.), der bedeutendste Arzt des Altertums und Vater der Medizin, seine Wissenschaft lehrte. Anders als die antiken Bauwerke um sie herum überlebte diese Platane trotz ihres ausgehöhlten Hauptstamms viele Erdbeben. In Wahrheit dürfte dieser Baum allerdings wohl »nur« sechs oder sieben Jahrhunderte alt sein.

Erscheinen bei Ulmen Blätter oder Blüten zuerst?

Die meisten Ulmen blühen, noch bevor die Blätter ausgebildet werden, von etwa Februar bis März.

Die Bäume werden im Alter von 30 bis 40 Jahren geschlechtsreif und bilden dann alle zwei Jahre Blütenstände aus. Diese bestehen aus fünf bis 25 Blüten, die jeweils von einer unscheinbaren grünlichen Blütenhülle umgeben sind. Aus ihnen entstehen im Mai/Juni geflügelte Früchte, die Chlorophyll enthalten und Fotosynthese betreiben können. Die Früchte werden vom Wind verbreitet und sind nur wenige Tage keimfähig.

Wussten Sie, dass …

die Früchte des Ahorns als Schraubenflieger konstruiert sind? Die paarweise zusammenhängenden Nussfrüchte verfügen jeweils über einen langen, trockenhäutigen Fortsatz, der leicht seitlich angesetzt ist. Dank dieser speziellen Konstruktion geraten die Früchte beim Fall wie Propeller in Rotation und gleiten nun langsam in einem spiralförmigen Sinkflug zu Boden. Die Chance, dabei vom Wind ergriffen und verblasen zu werden, erhöht sich beträchtlich.

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